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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-04-19 · 16 (19.4.1895) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
16 (19.4.1895)
Date
1895-04-19
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 16 Dr. Bloch's Wochenschrift. Wall.-Meseritsch. Bei den vor Kurzem hier erfolgten Neuwahlen in die Cultusgemeinde wurde der hochverdiente Maschinenfabrikant Herr Ignaz L ö w zum Obmann gewühlt. Herr Jacob H aas, Director der Glasfabrik der Herren S. Reich & (So mp., zum Stellvertreter, die Herren David Sommer und Director Ad. S ch ö n - b e ck aus Wsetin zu Beiräthen, die Herren Dr. H. Lazarus, Samuel Berger, Carl Schön und Dr. Sal. Heller zu Ausschußmitgliedern. Der hiesige israelitische Frauenverein hat auf Anregung der Gründerin, Frau Philippine L ö w, eine Sammlung veranstaltet, von deren Ertrügniß ein Harmonium angeschafft wurde, welches nicht beim Samstags-Gottesdienst, jedoch an den Passah-Feiertagen functionirt, ebenso beim Purim-Gottesdienste und bei Hochzeiten. E. B. Olmiitz. (Den M anen D r. Adolf B r e ch e r' s.) Am 13. April, dem Tage, an welchen Dr. Adolf Brecher im Borjahre in ein besseres Jenseits berufen wurde, begaben sich zahlreiche Freunde und Verehrer desselben auf sein Grab und legten auf dasselbe frische Kränze. Das Andenken Breche r' s, der sich um die Stadt Otmütz, insbesondere aber um die hiesige Judenschaft große Verdienste erworben, tvird fortleben bis in die spätesten Tage. Eibenschitz, II. April. Herr Sigmund Oesterreicher wirkte mehrere Jahre segensreich als Vorsteher der hiesigen Cultusgemeinde und förderte ihre Angelegenheiten mit Thatkraft und Opferwilligkeit. Im Sinne seines frommen, gottsel. Vaters errichtete er eine Stiftung, aus deren Erträgnissen zehn arme Männer betheilt werden, welche Morgens und Abends zum Gebete im Tempel, erscheinen. Seit drei Jahren in Wien lebend, blieb Herr Oe st er reicher seiner Heimatsgemeinde zugethan und legte seine Anhänglichkeit dadurch an den Tag, daß er schon zu wiederholten Malen den hiesigen Wohlthätigkeitsvereinen namhafte Beträge spendete. Nun hat unser ehemaliger Cultus-Vorsteher in seinem und im Namen seiner Gattin Frau Fanny Oesterreicher, geb. Baß, zwei große, prachtvolle, silberne Armleuchter in den hiesigen Tempel gespendet und wird dieses herrliche Weihgeschenk unser Gotteshaus an Sabbathen und Festtagen schmücken. Unser Rabbiner, Herr Dr. H a n d l, gab am Schlüsse seiner Predigt am 1. Festtage den Gefühlen der versammelten Gemeinde Ausdruck, indem er mit Worten des innigsten Dankes die besten Segenswünsche für das Wohlergehen und Familienglück des Herrn S. O e st e rreicher und seiner Gattin hinzufügte. Trebitsch. Am 21. April findet im israelitischen Tempel ZU Trebitsch die Trauung von Fräulein Wilhelmine S u b a k, Tochter des Herrn Adolf S u b a k, mit Herrn Adolf Raditz, Gesellschafter der Firma Josef R a d i tz' s Söhne, aus Budapest statt. Przemysl. Einer der angesehensten und beliebtesten Männer unserer Gemeinde, Herr Abraham Maneles, ist Montag den 8. d.M. nach kurzem und schwerem Leiden verschieden. — Der Verstorbene war Director des Bank-Vereines fiir Handel und Gewerbe, Cultusrath und das thätigste Mitglied fast aller hiesigen Humanitären und wissenschaftlichen Vereine, in welchen er unersetzbar sein wird. Die interessanten und wissenschaftlichen Vortrüge, die der Verstorbene im Vereine „Jeschurun" hielt, werden aus dem Gedächtnisse der Zuhörer nie verschwinden. Friede seiner Asche! Przemysl, 11. April 1895. Am letzten Samstag hielt — auf Aufforderung der hiesigen conservativen Partei — der bekannte Talmudist Rabbiner aus Fokschany, Herr Nathan Lewin (Schwiegersohn des Oberrabbiners Herrn Isaak Sch melkes) eine Festrede zu den Osterfeiertagen und hat seine Rede den besten und nachhaltigsten Eindruck auf die zahlreich Anwesenden hervorgebracht. Eine Deputation der angesehensten Männer hat ihm zu der eminenten Leistung herzlich gratulirt. Fiume, 14. April 1895. Heute wurde unser langjährige Präsident der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde, Herr S. L. Mondolfo, im Alter von 62 Jahren zu Grabe getragen. Der Verblichene, der beinahe vier Decennien an der Spitze unserer Gemeinde fungirte, war zugleich Aufsichtsrath der 'Arbeiter-Bank, viele Jahre hindurch Präsident der hiesigen Kaufmannschaft, Viceprüsident der Filliarmonioa-ckrammatma, erfreute sich des besten Rufesund stand im größten Ansehen in der ganzen Stadt. Alle hiesigen Blätter widmeten dem Verewigten die wärmsten Nachrufe, priesen ihn als einen edlen, humanen Charakter. Welch großer Beliebtheit er sich erfreute und in welch gutem Ansehen der Verblichene bei Juden und Christen, in der ganzen Stadt stand, davon gab das imposante Leichenbegängnis den glänzendsten Beweis. Trotz der großen Bora, die orkanartig wüthete, nahmen alle Notabilitäten unserer Stadt, ohne Unterschied der Nationalität und Consession, an dein Leichenbegängnisse Theil. An dem Prachtgebäude der Fil'iarmoniea-dranimatiea, an dem der lange Leichenzug vorbeipassirte, war die Fahne mit Trauerflor halbmast gehißt. Wegen der Halbfeiertage wurde von Sr. Ehrwürden unserem Rabbiner mn offenen Grabe keine Trauerrede gehalten; allein am 30. Tage wird im hiesigen Seite Z0Z Gotteshause für das Seelenheil des Verstorbenen eine Trauerandacht stattfinden. Lemberg. Am 25. d. M. feiert hier der bekannte Wohlthäter, Herr Jonas B eis er, die Feier seiner 45jährigen Thätigkeit als Ansschußmitglied und Präsident der hiesigen Teinpelverwaltuug sowohl, als auch Spitalörath des hiesigen israelitischen Spitals. Diese Feier begleiten alle Jene,, denen Herr Jonas B eis er Retter in Noth und Drangsal gewesen, mit den heißesten Segenswünschen und größter Theilnahme. Der Jubilar, der auch langjähriges Ausschußmitglied des Armen- VereineS „Kimche de Pische", des Volksküchen- und Soldaten BespeijuugS Vereines für Osterfeiertage war, begeht das Fest in geistiger und körperlicher Frische. Feuilleton. Mein Freund Wvdakoski. Novelle von Leopold v. Sacher-Maloch. (Fortsetzung.) Nachdruck verboten. Wiederum war geraume Zeit, waren Monate vergangen. Das Laub der Bäume färbte sich bereits herbstlich und die Zugvögel hatte» ihre Wanderung nach dem Süden angetreten. Da war es an einem Freitag Abend, wo ich Wodakoski ans der Straße begegnete. „Wie wäre es, wenn wir zu Beer Gottesmann gingen", begann er, nachdem wir uns begrüßt hatten. „Was willst Du dort?" entgegnete ich rasch. „Willst Du die Ruhe der armen Gella von Neuem stören?" „Oh, sie ist nicht so arm", murmelte Wodakoski zwischen den Zähnen. „Sie scheint mir ganz zufrieden zu sein, mich aber hat sie elend gemacht. Nun — willst Du mit, ich gehe jedenfalls, es ist heute Sabbath, es interessirt mich, dieser Feier einmal beizuwohnen." Ich erwiderte kein Wort, sondern ging mit ihm, nur noch aus das Eine bedacht, ihn von irgend einem tollen Streich abzuhalten. Man war bei Beer Gottesmann ein wenig überrascht, als wir eintraten, nahm uns aber trotzdem freundlich auf. Es gab liebe Gäste und Verwandte vom Lande zum Nachtessen. Wolf Korngold mit seiner schönen Frau und Absalon Marmelstein, alle zusammen glückliche Leute, echte jüdische Aristokraten, fromm, mitleidig und wohlthätig. Sie hatten sich eben zu Tisch gesetzt, zehn Kerzen in zwei massiven fünsarmigen Leuchtern erhellten das Zimmer und der Fisch in schwarzer Sauce duftete süß und verlockend. Im Ofen knisterte das erste Feuer, über dem Tisch hing die blitzende Sabbathlampe, die wohl schon so manches Jahrhundert in der Familie war. In einem Lehnstuhl saß der Hausherr, Beer Gottesmann, vor sich einen schön gearbeiteten, silbernen Becher mit Wein gefüllt und ein in ein weißes Damasttnch eingeschlagenes Brod. Er erhob sich jetzt langsam und sprach in hebräischer Sprache das Gebet, mit dem die Sabbathseier in der Familie eingeleitet wird, sowie den Segen über Wein und Brod. Dann nippte er von dem Wein und ließ den Becher die Runde machen und brach das Brod und vertheilte es an die Anwesenden. Da klopfte es an die Thüre und ein schmutziger, polnischer Jude mit einem Hute, der aus dem vorigen Jahrhundert zu stammen schien, in einem schwarzen Kaftan, der mehrfach geflickt war, angethan, einen Knotenstock in der Hand, den Bettelsack aus dem Rücken, trat herein. Ein echter Schnorrer! Obwohl er unter dem Hute das kleine Sammtkäppchen, die Jamurrka, trug, nahm er den ersten doch nicht ab, er grüßte auch Niemand, sondern stellte ruhig seinen Stock in den Winkel zur Thüre, warf seinen Sack hin und setzte sich unten an den Tisch, wo noch ein Platz frei war, dem Hausherrn gegenüber. „Wie nennt Ihr Euch?" fragte Beer ein wenig verlegen. „Meschulam Jeidels, ich bin aus Polen und befinde mich auf der Wanderschaft." „Ihr wollt etwas zu essen haben?" fragte Beer weiter. „Da fragt er noch lange!" brummte Meschulam, „wäre ich sonst da?"

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