Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 16 (19.4.1895)
- Date
- 1895-04-19
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 302 Nr. 16 Dr. Bloch's Wochenfchrrst. von Herrn Dr. Marcus Steiner mit Fräulein Bertha Brody, Tochter des Herrn Wilhelm Brodn, statt. Wien. Der Reichsrathsabgeordnetc Dr. Rapoport v. Porada hat der Gemeinde Krakau fl. l <>00 für 20 arme Professionisten für die Ofteneiertage gesendet. Der Präses der israelitischen Cultusgemeinde in Lemberg, Herr Sann v. H o r o w i tz, hat dein isräelitifchen Händwerkervereiü „Jad Charuzim" die Summe von fl. 1000 zum Baue eines Vereinshauses gespendet. (Ernennung zum Universitäts-Docenten.) Laut Erlaß des k. k. Unterrichts-Ministeriums 6« dato 3. April 1895 wurde Dr. Max Her; zum Docenten an der Universität in Wien ernannt. Der junge Universitäts-Döccut ist der So hu dcS Herrn Josef Herz der Chef der Firma Josef Herz & Söhne in Neutitschein. (Verlobung.) Während der Osterfeicrtage verlobte sich Frl. Margarethe Dannhauscr, Tochter des Commercialrathes Herrn Jacob Dannhauser, mit dem Großindustriellen Herrn Bernhard B a tf aus Teplitz in Böhmen. Wien. (Neuwahl der „C h e w r a-Kadischa" im Bezirke Sechs Haus.) Am Donnerstag, den 11. April 1895, fand im Gemeinde-Sitzungöfaale der CultuSgemeinde in Fünfhaus die 30. ordentliche General-Versammlung der „Chewra-Kadischa" in Scchshaus statt. Nachdem der Präses Herr Dr. Sigmund Bars den Rechenschafts- Bericht ftir das verflossene Bereinsjahr erstattet hatte, wurde über Antrag der Revisoren dem Borstande durch Erheben von den Sitzen der Dank votirt und eine Äenderung der Statuten nach Antrag des Vorstandes beschlossen, lieber einstimmigen Beschluß des Vorstands hat die General- Versammlung die Ernennung des Vorstand-Stellvertreters, Herrn Heinrich N e u s e l d, für seine hohen Verdienste um den Verein zum Ehreu-Mitglied einstimmig beschlossen, worauf Herr Heinrich N e u f e l d in herzlichen Worten für die hohe Ehre dankte, mit der Versicherung, sein ganzes Streben den Zwecken und Zielen des Vereines widmen zu wollen. Sodann fand die Neuwahl statt und wurden gewählt: Herr Dr. Sigmund Bars Präses, Herr Heinrich N e u f e l d, Präses-Stellvertteter, Herr Ignatz Z w i ck e r, Cassicr, Alois Schick, Gabriel Ster n, Moriz B l ö d y, Jacob D u s ch i n s k y, Max H aas, Moriz W e i ß, David K o h n, Adolf S ch w a r z, Bernhard G r ü n f e l d, Anton Schwarz als Ausschüsse. Mit dem Dank an die Mitglieder für ihr zahlreiches Erscheinen schloß die General-Versammlung. Wien. Mittwoch, am 10. April, um 10 Uhr Abends, verschied hier Frau Josefine Fischer in ihrem 58. Lebensjahre, nachdem sie noch — obwohl seit vielen Jahren an einem Herzfehler leidend — die letzte Woche in der Anstalt thätig war, an der Seite ihres allgeehrten Gatten, des Herrn Directors Albert S. Fischer, die beiden Sederabendandachten mitgemacht und die Pessachewocharbeiten in dem Hauswesen mit aller Strenge überwacht hatte. Es verdienen diese Umstände deswegen eine besondere Hervorhebung, weil sie ein Bild von dem Leben und Wirken dieser ausgezeichneten Frau geben. Als vor 34 Jahren das Ehepaar Fischer die Leitung der israelitischen Kinderbewahranstalt in der Schiffamtsgasse 15 übernahm, fiel der noch sehr jungen Frau der Löwenantheil der Arbeit zu; denn es galt, aus der einfachen Bewahraustalt eine Erziehungsanstalt im Fröbel'fchen Sinne zu bilden und von der Auffassung, von der Geschicklichkeit der Kindergärtnerin, neben der pädagogischen Meisterschaft des Direktors, hing der Erfolg dieses in Oesterreich ersten Versuches, hing die weitere Entsaltuug dieser Institution ab. Frau Josefine Fischer hatte hier kein Vorbild, an das sie sich hätte halten können; aber durch ihr reines, hingebungsvolles Herz, durch ihre unermüdliche Begeisterung und Liebe zuin Berufe, zu der Kinderwelt, faird sie den Weg zu den Herzen der Kinder und zu dem Herz- und Kernpunkte des Erzieherberufes — und so ward sie nicht nur selbst, die sie bis zu ihrer letzten Woche blieb, die unvergleichliche Erzieherin im Kindergarten, in welchem Tausende von Kindern von ihr betreut wurden, s o n d e r n f i e w u r d e auch, da sic im B i l d u n g s cu r s e für Kindergärtnerinnen gleichfalls rüstig mitwirkte, das Muster und Vorbild sowohl was das T h u n und Können, als auch was Liebe, Hingebung, Geduld und Sanftmuth betrifft, Tugenden, welche in einer Anstalt für die Kinder armer Leute n o t h w e n d i g und jedenfalls Ausfluß eines reichen, warmen Herzens sind. Man mußte sie sehen, wenn sie den Kindern eine Erzählung vortrug, ein Gedicht oder Lied mit ihnen einlernte, oder ihre Spiele leitete, inan mußte den wahrhaft mütterlichen Ton auf sich wirken lassen, in welchem sie zu ihren Pfleglingen sprach, um den Segen solcher Einwirkung zu ermessen. Die Geschichtchen und Gedichte, die sie selbst machte, sind von dem gleichen Tone durchwärmt. Kein Wunder, daß diese so schlichte, anspruchslose Frau in einem großen, sehr großen Kreise Hochachtung, Verehrung, Liebe und Bewunderung genoß. Das zeigte sich auch in der allgemeinen Theilnahme bei ihrem am 12. d. M. stattgehabten Leichenbegängnisse und in den zahllosen, innigen Zuschriften, welche die trauernde Familie von hoch und niedrig, von weit und breit erhält. Es charakterisirt die Verewigte ebensowohl, wie den Geist, in welchem die Anstalt wirkt, wenn ich hervorhebe, daß Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann an den Ausspruch: „Im S'chus der frommen Frauen Israels wurden unsere Vorfahren erlöst" anknüpfen konnte, als er das Wirken dieser vortrefflichen Frau schilderte, und daß anderseits unter die mit aufrichtigem Herzleid um die Heimgegangene Directorin Fischer Trauernden auch die hochwürdige Frau Oberin des Ordens „der Schwestern des heil. Franz von Assissi" zählt, denn die Anstalt zur Heranbildung von Kindergärtnerinnen hat seit einer langen Reihe von Jahren immer wieder Schwestern aus diesem Kloster hercingebildet. War Frau Director Josefine Fischer in ihrem öffentlichen Wirken ein anerkanntes Vorbild verständnißvoller Hingebung an den Beruf, so bekundete sie in ihrem Privatleben eilt so weiches, warmes Herz, eine solche Opferwilligkeit für die Angehörigen wie für Fremde, daß Jeder, der sie zu beobachten Gelegenheit hatte, nur Bewunderung empfinden mußte gegenüber dieser Selbstlosigkeit, die fast ohne Beispiel ist'. Sie hat den Lebenskampf klaglos und wacker zu Ende gekämpft, Ehre sei ihrem Andenken! Ph. Brunner. Wien. (Jnstallirung Sr. Ehrw. des Herrn Dr. Jonathan Wolf.) Der vom Cultus-Borstande für den ehemaligen Bezirk Sechshaus designirte Herrn Rabbiner Dr. Wolf hielt am Vorabende des Pessachfestes seine»- Einzug in den großen Cultus-Tempel zu Fünfhaus, Turnergaffe. Zu diesen! Empfange versammelten sich der frühere Präses und dessen Stellvertreter, die Herren Gottlieb Taußig und Wilhelm Pollak, ferner der Bethaus-Vorstand, sowie die ganze Vertretung der „Chewra- Kadischa" im Sitzungssaale. Herr Gottlieb Taußig begrüßte den Rabbiner mit einer schwungvollen Ansprache, worauf dieser n geziemender Weise bestens erwiderte, sodann wurde er zunr Tempel geleitet und vom Obmann des Bethaus-Vorstandes, Herrn I. Steiner, sowie von dessen Stellvertreter H. N e u f e l d und den Bethaus-Vorständen: Herreu M. B l v d y, D. K o h n und S. M o hr mit den Thora-Rollen an: Eingänge des Tempels .empfangen und zu seinem, mit Blumen decorirten Sitze geleitet, währenddem der Chor ein Boruch Habo, sowie ein Hallelujo - anstimmte. Sodann bettat Dr. Wolf die Kanzel und dankte in gerührten Worten für diesen herrlichen Empfang. Am Dienstag, dem Tage des 1. Pessachfestes, hielt der neue Rabbiner die erste Predigt, welche mit großem Wohlgefallen aufgenommen wurde, umsomehr, da Herr Dr. I. Wolf über seinen Vorgänger Dr. A. S ch m i d l sprach, die Größe dieses Mannes, sowie sein ftyminentes Wirken hervorhob und seine besonderen V) Eigeuschasten als Seelensorger, Lehrer und Rabbiner zunr Vortrag brachte. Wien. (Bon der Wiener Staatsanwaltschaft.) Wie die „Wiener Zeitung" heute im amtlichen Theile publicirt, hat der Kaiser den Rath des Oberlandcsgerichtes Arthur Groß zum Oberstaatsanwälte in Wien ernannt. Der neue Oberstaatsanwalt Arthur Groß gehört zu den sympathischesten Erscheinungen und Persönlichkeiten des österreichischen Richterstandes. Als Vorsitzender beim Landesgerichte für Strafsachen hat der damalige Landesgerichtsrath Groß sich durch eine ungemeine Sorgfalt und Gründlichkeit ausgezeichnet. So war ihm der Vorsitz im Proceß Bloch-Rohling zugewiesen. Landesgerichtsrath Groß machte bei dieser Gelegenheit sorgfältige Studien über die einschlägige Literatur, um in diesem schwierigen Falle das Materiale zu beherrschen. Neben seiner Gründlichkeit war der ungewöhnlich humane Grundzug, mit welchem er die Verhandlungen leitete, ungemein sympathisch. Der Vorsitzende Groß erfreute sich der größten Sympathien seitens des Barreaus. 'Vor einigen Jahren wurde Landesgerichtsrath Groß zum Zivilgericht versetzt, wo er kurze Zeit das Bureau XV leitete. Floridsdorf. Bei der am 17. d. M. stattgefundenen Constituirung des neugewählten Cultus - Vorstandes wurden folgende Herren gewählt: Zum Präses: Dr. Jacob König, Floridsdorf; zum Vice-Präses: Moritz Mandl, Gr.-Enzersdorf; zu Beiräthen: Joh. Lederer, Korneuburg, Sam. P i s k, Marchegg, Mor. S ch i s ch a , Gr.-Enzersdorf, Daw. Eisinger, Jgn. F r i s ch m ann, Floridsdorf.