Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 16 (19.4.1895)
- Date
- 1895-04-19
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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JMJJC! WJs^aasw - Seite 804 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 16 „Es wird Euch vielleicht angenehmer sein, in der Küche zu essen", sagte Frau Beer, „Ihr seid dort ungenirter." „Wenn ich Euch nicht genire", erwiderte der Schnorrer, indem er in die Schüssel langte, „Ihr gcnirt mich nicht." Er aß und begann, dabei furchtbar die Augen zu rollen. „Der ist meschugge", flüsterte Frau Korngold. „Ein Cassid!" „Was sonst", murmelte Murmelst ein, während Beer dem curiosen Gaste Wein einschenkte. Er hätte uni nichts in der Welt vor seinen Freunden und Verwandten das Gesetz der Nächstenliebe verletzen mögen, das der schlechteste Jude ungleich mehr heilig hält, als der beste Christ. Da saß denn der polnische Fremdling und ließ cs sich schmecken und die Andern, die am Tische waren, sprachen leise zusammen, leise und ein wenig befangen. Auf den Fisch folgte ein Gericht süßer Nudeln. Der Schnorrer nahm von denselben, kostete und wendete sich dann zu Frau Beer: „Was ist das?" fragte er mit einem wilden Blick. „Nudeln." „Nudelach? dann ist es gut, ich Hab' gemeint nochem Geschmack, cs is — — Sauerkraut." Frau Beer wurde roth vor Aerger. „Mir scheint, es ist nicht ganz richtig bei Ihnen," rief sie. „Es scheint oft einer narrisch und ist klüger als die andern," erwiderte Meschulam mit einem überlegenen Lächeln. „Ich bin kein Chosak." „Was ist das?" fragte Beer, um dem unerquicklichen Vorfall ein Ende zu machen. „Was ein Chosak ist?" erwiderte der Schnorrer. „Ein Mensch ist es, der zu schlau sein wollte. Chosak ging gern in das Dampfbad, aber er hatte jedesmal Angst, sobald er die vielen nackten Beine sah, die seinen könnten ihm eines Tages vertauscht werden. Da kam Chosak auf den sinnreichen Einfall und band sich ein rothes Schnürchen um das rechte Bein. Was geschieht aber? Wie Chosak das Dampfbad verlassen will, fehlt das rothe Bändchen an seinem Bein und nun jammert er: „„Meine Beine sind verwechselt worden, wie bekomme ich meine Beine, meine Beine wieder zurück."" Und als Chosak Schulklopfer in Chelm in Polen gewesen ist, sieht er eines Morgens den Schnee schön wie eine weiße Decke über die Straße gebreitet, da thut es ihm leid, die schöne Decke mit seinen Füßen zu beschmutzen und Chosak läßt sich zwei Träger kommen, die ihn durch die Straßen tragen müssen." Während der Pole fortfuhr, seine Schnurren zu erzählen, hasteten Wodakoski's dunkle Angen unausgesetzt an Gella's ruhigem, schönen Antlitz. Sie saß da, mit niedergeschlagenen Augen und beachtete ihn nicht, der in seiner Aufregung ein Glas Wein nach dem andern hinabstürzte. Ich sah jetzt, daß er noch immer Gella liebte, nur sie und dabei namenlose Qualen litt. Sie dagegen hatte überwunden und war zufrieden und heiter in der Erfüllung ihrer Pflichten. Jetzt ließ auch der Schnorrer seinen Blick auf ihr ruhen. „Sie haben ja einen Mund wie ein Elephant," sagt er plötzlich. (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. Jacob Brandet, Lemberg. Das Gesetz über die Sonntagsruhe wird zusammen mit dem verwandten Gesetz über den Hansirhandcl am Sonntag in Kraft treten. Wie», XIII. ..Alter Leser in der Auhosstratze". Dank für den Ausschnitt. Es wäre uns nicht entgangen. „Reichspost vom 3. April: Der L u e g e rm ar s ch w i r d nicht gespielt in Brosch's Restauration zum „weißen Engel" in Hietzing. Dem von mehreren Bürgern unterstütztem Ersuchen eines unserer Redactionsmitglieder um Aufführung des Luegermarsches konnte am verflossenen Sonntag der Capellmcistcr Herr P o schera nicht entsprechen, angeblich, weil er nicht im Besitze der „Noten" sei. Sollte der Herr Capellmeister angesichts eines Auditoriums, das zu 94/loo aus Christen bestand, nicht die zur Aufführung des Luegermarsches nothwendigc Sicherheit gefühlt haben'? Vielleicht legt sich der Capellmeifter bis zum nächsten Sonntag diese fehlenden Noten bei. Ausgabe iedes Christen aber ist es, bei dem Besuche öffentlicher Conccrte die Aufführung des Luegermarsches zu verlangen und nöthigenfalls zu erzwingen und jene Capellen zu meiden, welche den darauf hinzielenden Wünschen nicht entsprechen." Innsbruck. Jede weitere Glosse überflüssig. „Treuer A onnent seit 18HO." Das sind leere Phrasen, durch welche Sie sich nicht ans dem Gleichgewicht und Ihrer guten Laune bringen lassen dürfen. Meiden sie diese Gesellschaft. Das ist ja doch keine Freundschaft für die Dauer. — „Rassenhaß ist und bleibt Ausdruck einer Persönlichkeit, die auf niederen Stufen moralischer Ausbildung zurückgeblieben ist, festen Charakters und der nöthigen Selbstständigkeit ermangelt und mehr Leidenschaften besitzt, als Erkenntniß und Sympathien." (C. Reich: „Persönliche Entwicklung des Menschen."I.,S. 179.) WahrhastedleMeuschen kennen keinen Rassenhaß — nicht einmal einen mit „Ausnahmen". Gruß! Wien X, Professor Ez Noch eine Wahlbetrachtung?! Nein. Lost laetum nullum eonsiliuw. Krakau. „Lanpjähriger Leser A. B" Ihnen hat die Rede, aber schon gar nicht gefallen und Sie äußern sich sehr ungehalten darüber' Vielleicht gefällt Ihnen das Verslein von Rittershaus besser, das wir Ihnen in das Stammbuch widmen: „Wer jedes Wort auf der Goldwag' wiegt, Wenn von der Flasche der Pfropfen fliegt, Der lasse ehrliche Leute in Ruh' Und mache die Thüre von draußen zu." Hamburg. Wm. I. Wir haben das bösartige Flugblatt schon vorige Woche erhalten, welches sogar den edlen Herder zum Hetzer und Mordbrenner zu erniedrigen versucht, denselben, der geschrieben: „Wo ist ein so herrlich' Volk, zu dem die Götter sich nahten, wie der Herr zu diesem Volke? Wo ist ein so herrlich' Volk, das so gerechte Sitten und Gebote hatte, wie diese Gottesgebote waren?" (Briefe, das Studium der Theologie bctteffend.) Wien XII. Ad. H—y. Damit glauben Sie doch uns nichts Neues mitgetheilt zu haben? Sacher-Masoch entstammt einer seit nachweisbar 300 Jahren christlichen, adeligen Familie. Daß ihn der Feuilletonist des „Deutschen Volksblattes" zum polnischen Juden steinpelt — im Sinne einer Schmähung — und unter Einem den Rector Miillner gröblich verunglimpft, weil der für den Dichter sich mit Wärme eingesetzt, das sollte Sie doch nicht gar so fürchterlich wundern. Linz. „Abonnentin seit Jahren." Sie fragen nach dem Sinn des Bersleins ans der „Schmähpost" vom 14. April: „Jetzt oder nie", Sprach sie, Dann ging sie Und wie! Wir sind nicht in der Lage, Ihnen die „Poesie" eines offenbar im letzten Stadium der Verkalkung befindlichen Gehirns zu erläutern. Wien I. „Germanist 1U0 Daß das sogenannte „Witzblatt" glücklich herausgekitzelt hat: „Vorlesung von Joseph und Olga Lewinsky" bedeute, daß die Olga und der Joseph vorgelesen — werden, das ist doch wahrlich schon die höhere Trottelosis. Dabei ist, wie Sie sehr richtig bemerken, der Wisch in 'einem geradezu ekelerregenden, Menschen und Göttern gleich widerwärtigen Kauderwälsch geschrieben. Und das spielt sich auf den sprachlich Subtilen, auf den feinfiihligen Grammatiker hinaus! Zu dumm! Berlin. Dr. C. C Die Antisemiten benrtheilen sich zuweilen ganz richtig. Köstlich ist die Stelle aus Liebermann v. Sonnenberg's Zeitungsbricfkasteu: „26. Schäfer. Der geforderte Betrag von 1 Mk. 50 Pf. dient zur Deckung des Portos und der Verpackungskosten. Lieferten wir die Sachen ganz unentgeltlich, so dürften sich leicht Leutchen finden, d i e s i ch die Nummern m a s s e n - Haft kommen ließen u n d auf gewissen Orten verwenden würde n." („Deutsch-Soziale Blätter", Nr. 347.) Das heißt doch einsichtsvolle Selbstkritik! Alles klebrige wird, so wie gewünscht, pünktlich versorgt werden. Grüße! München. Fl. Tr. Die „Westfälische Reform" war also falsch berichtet und alle übrigen Antisemiten-Organe desgleichen? Und dieser S l a t i n - B e y ist wirklich gar kein Jude?? Die Herren müssen dann eben ein wenig zuur Rückzüge blasen und Abbitte leisten für geschehene Unbill. Wenn's nun aber doch nicht wahr wäre und sie ein Spaßvogel allemitsammt blos ein wenig vexirt hätte? Schwerer Fall das! Wien VIII. „Ein Entrüsteter." Eine christliche Bürgerssrau erhält angeblich eine anonyme Sendung, aus Mazzes und einem Strick bestehend. Woher wissen denn Sie genau, mitsammt Ihrer sauberen „Schnorrpost", daß ein Jude der Absender gewesen sein muß? Wir vermuthen mit ziemlicher Sicherheit einen antisemitischen Schurkenstreich dahinter. Die Antisemiten haben ja doch schon Kinder geschlachtet, um Ritualmorde zu fingiren. Vielleicht sind gar Sie selbst, weil Sic sich gar so sehr für die Sache interessiren, der — Absender. Hüten Sie sich! G. in N. Ja wohl, aber erst in den Sommermonaten. Wien. „Studiosus". Der decorirte Oberst ist Jude. Der zweite Theil Ihrer Anfrage eignet sich nicht zur öffentlichen Beantwortung. Wien III., F. K-, Blüthengosse. Wenden Sie sich, da jene Aussätze nicht bei uns erscheinen, an beu Herausgeber des betreffenden Blattes. Wien. H. L—r. Ihre Klagen und Anklagen, daß die jüdischen Künstler von den jüdischen Großen und selbst von der Leitung der Cultnsgemeinde geflissentlich vernachlässigt werden, sind leider sehr berechtigt. Wir unsererseits haben wiederholt das traurige Thema behandelt. Euleusvorsteher Alvert Herschan, Gaja. Die Sache wird gehörigen Ortes versorgt. 91.91. fl. 10.— für die israelitische Allianz in Wien erhalten. Tank. Auf mehrere Zuschriften. Anonyme Eorrespondenzen werden nicht berücksichtigt. Herausgeber u. vcrantw. Redacteur: Neichsiathsavgcordneter Ar. Josef S. Aloch. — Druck von Stern & Steiner, Wien, II., Floßgasse 12.