Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 16 (19.4.1895)
- Date
- 1895-04-19
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 16 Dr. Bloches Wochenschrift Horodenka. („Die drei Belfer.") In Ihrem Blatte habe ich eine Recension der Broschüre: „Die drei Belfer", Culturbild aus Galizien von Marel Firkowicz, gelesen. Ich beabsichtige in Folgendem blos den Eindrnck, den dies Buch, welches für unsere im Reformkampfe liegende Zeit von der größten Bedeutung und Tragweite ist, wiederzugeben. Dies Buch weckte in mir um so größeres Interesse, als all diese Ereignisse sich auf einem Schauplatze zutragen, auf welchem ich geboren und auferzogen wurde. Ich muß also nochmals dasselbe wiederholen, was ich in Ihrem geschätzten Blatte gelesen: „Der Dichter schildert nichts, was er nicht gesehen hat! Nichts auswendig Gemaltes, unwahr Verzeichnetes stört das feinste Gefühl des Lesers." Diese Lectüre, die den Leser in einen so durchaus reinen und hohen Gedankenäther erhebt, die den Geist so läutert und adelt, das Gemiith reinigt und heiligt, weckt den Trieb zu den hohen Aufgaben, welche die ernste Gegenwart von uns verlangt. Ich beschloß also das Buch der reiferen, dem Schulalter bereits entwachsenen Jugend zuzuführen, und benützte dazu die Schüler des hier Heuer zum ersten Male eingeführten Abendcurses. Bald darauf wurde ich von allen Seiten mit Bitten überhäuft, dieses wunderliebliche, schöne Werk in mehreren Exemplaren zu beziehen, denn Jeder wollte seinen Geist an dieser köstlichen Lectüre laben. Viele, die den Abendcurs nicht besuchten, kommen jetzt mit der Bitte, ich möge ihnen erlauben, falls kein Platz mehr für sie vorhanden, stehend dem Unterrichte zuzuhören. Und jetzt kommt die Frage: Welche Folgen erzielte ich? Mehrere Jünglinge nahmen sich ohne Vorwissen ihrer orthodoxen Eltern zusammen und fingen mit Hilfe eines Lehrers an privat zu studiren. Von nun an trat ich mit der hiesigen Jugend in engere Berührung, täglich erscheint ein Anderer, um sich Rath zu holen. Ich bin also lebhaft von der hohen Bedeutung dieser Broschüre überzeugt, die nur Muth und Kraft zur weiteren Arbeit um das Wohl unserer armen Glaubensgenossen verleiht. Mögen also alle meine geehrten College» diesem Beispiele folgen und ihre Mühe wird ohne Zweifel von gutem Erfolge gekrönt werden. Mit aller Hochachtung M. Verlas, Schulleiter der Baron Hirsch-Stiftung. Triest. (Lueger in Triest.) Wir entnehmen italienischen Zeitungen vom 12. folgende Zeilen, welche sie dem Aufenthalte des künftigen Wiener Stadtoberhauptes zu widmen so gütig waren: „Letzten Abend waren in dem Gasthause im Coinmuual-Theater ungefähr 40 Personen versammelt, unter denen sich auch der famose Dr. Lueger befand, welcher sie mit seinem Liebliugsthema, dem Judenhaß unterhielt; nachdem er seine „Gedanken" über die Anatomie und den Körperbau der hebräischen Nasse entwickelt hatte, lud er die Italiener ein, sich mit den Slaven gefälligst zur Vernichtung der Inden zu vereinigen. Die Versammlung artete in ein wüstes Gelage aus und Dr. Lueger wurde in sein Gasthaus getragen — allerdings nicht im Triumph. — Die zufällig anwesenden anständigeren Elemente brachten eine mit Ekel untermischte Erinnernng an diesen unvergeßlichen Abend mit nach Hause. Und dieser Mensch, der herkommt, die Italiener und Slaven zur Ausrottung der Juden aufzuhetzen, durfte unserer Garden party beiwohnen und die Triestiner waren so verblüfft, daß sie zu protestiren vergaßen." Berlin. Ihr Blatt weist darauf als auf etwas Merkwürdiges hin, daß zwei Rabbiner kleinerer Gemeinden, Memel und Stern, sich eifrig und angelegentlichst mit Philosophie beschäftigen. Das wäre merkwürdig, wenn es sich nur um diese Wissenschaft handelte. Die Rabbiner kleinerer Gemeinden haben eine gar nicht zu unterschätzende Bedeutung für das Geistesleben der heutigen Judenschaft und nicht dieser allein. Woher komntt diese Erscheinung? Was verlangt mau heute zu allererst vom jüdischen Seelsorger? Talmudische Gelehrsamkeit? Wohl auch so nebenbei, aber vor Allem blendende oratorische Leistungen. Gut reden, schön reden, ein reden und ausreden sott er können, die Männer erheben und die Frauen zerknirschen. Ausnahmeir zugegeben, kommen gewöhnlich die schwächeren Redner in die kleineren und kleinsten Gemeinden. Aber diese — oft ist nur ein Fehler des Organs oder ein Mangel der Aussprache an ihrer Zurücksetzung Schuld — haben dafür meist große, geistige Befähigung und stehen verhältnißmäßig wissenschaftlich weit höher, als ihre gefeierten College» von der Kanzel. Tie Rabbiner größerer Gemeinden haben ja gar nicht die Zeit zu ergiebiger geistigen Bethätigung ihrer Kräfte. Nicht jeder ist ein Jellinek oder Güdemann. Hunderte reiben sich in der drängenden Hast auf, mit der die zahlreichen Bernfsgeschüfte sie in Anspruch nehmen. Vom Trauhimmel zur Todtenbahre und von da in die Matrikelamtsstube und dann auf die Kauzel. Wo bleibt da für die Wissenschaft Muße, Ruhe und Lust, die doch alle drei unumgänglich uvthig sind, soll was Rechtes geleistet Seite 301 werden. Deshalb hat der Rabbi nie so wenig gegolten als heute, weil er ein Geschäftsinaun, ein Verdiener geworden ist, unb nicht mehr der uneigennützige Verwalter und Mehrer des geistigen Stammkapitals der Judenschaft. Keine Eigenschaft steht dein Priester schlechter an und schadet ihm und seinem heiligen Berufe mehr, als zur Schait getragene Geldgier. Die Rabbinerposten sollen von Hans ans hoch botirt sein, so daß die N e b e n einkünfte, die ja eigentlich „H a u p t" eiuküufte sind, als entbehrlich in Wegfall kämen. Will einer einen Extra-Lobeshymuns augestimmt haben auf seinen edlen Privatcharakter, so möge er ihn bei einem hungrigen Gelegenheitspoeten, der billige, gute und dauerhafte Arbeit liefert, bestellen und nicht beim Rabbiner. Dev sei für die ganze Gemeinde da und für die Wissenschaft, nicht zur Befriedigung der Eitelkeit Einzelner und zur Füllung seines Geldsackes. Tann wird auch Vieles besser werden. Jerusalem. Dienstag am 26. März, als dem ersten Nissan, fand an der Edlen von Lowal'schen Stiftungsschule die öffentliche Jahresprüsung statt. Der Feier wohnten bei der österr.-ungar. Cousul Herr Z. von Jpp en, der Cousul der nordamerikanischen Freistaaten — der deutsche Cousul entschuldigte in einem Schreiben au den Anstaltsdirector Cohn wegen Unwohlseins sein Fernbleiben von der ihn „jedes Jahr so erfreuenden Feier", und viele Honoratioren beiderGemeiuden, besonders der sephardischeu. Es erschienen Sr. Hochwürden der Chacham-Baschi Herr Eli sch er, der Vorsteher Banqnier Waliro, der Director der Arbeitsschule Herr Nissim Bakor, Dr. Krizews ki, Arzt des Vereines „Lemaan Zion" und Andere. Tie Prüfung währte volle drei Stunden und erstreckte sich gleichmäßig über alle Classen und alle Lehrgegenstünde: hebräische und deutsche Sprache — in den oberen Claffen auch arabische und englische — Mathematik, allgemeine und jüdische Geschichte, Geographie, allgemeine und Palästinas, Naturgeschichte und Physik. Ter Gesammteindruck von den Leistungen dieser Schule war ein höchstbefriedigender. Die oberen Claffen entfalteten ein reiches geographisches und historisches Wissen und die unterste Claffe erfreute uns besonders durch ihr Hebräischs rech en. Tie .uleinen besitzen bereits einen so großen hebräischen Wortschatz, daß sie aus jede Frage hebräisch antworteten. Zn Ende der Prüfung wurde von sümmtlichen Schülern die österreichische Volkshymne gesungen. Tann erhob sich der österr.-ungar. Cousul Herr v. Jppen und sprach: „Es ist heute das Zweitemal, daß ich die Gelegenheit habe, mir von dieser Lehranstalt eine Meinung zu bilden und es freut mich, es aussprechen zu können, daß diese Schule den besten Schulen dieser Kategorie in Oesterreich-Ungarn angereiht werden darf, ja in mancher Beziehung diese noch übertrisst, trotz der pädagogischen Schwierigkeiten, mit welchen sie zu kämpfen hat, indem sic Kinder verschiedener Idiome und verschiedener häuslichen Erziehung umschließt. Und wenn sie dennoch solche stauneuSwerthe Resultate erzielte, zeugt dies, daß der Herr Tirector, wie die Herren Lehrer ihre hohe Aufgabe voll erfassen und mit ganzer Hingebung ihrem heiligen Berufe obliegen." Dann wandte sich der Cousul an die Schüler und legte ihnen in warmen Worten den Werth der Bildung ans Herz. „Sie ist", sagte er, „der höchste Gewinn für's Leben, und wer in der Jugend fleißig ist und sich mit dem nöthigen Wissen ausrüstet, der kann getrost der Zukunft entgegengehen. Ihr werdet getviß durch einen braven Lebenswandel Euch dankbar zeigen gegen Eure Wohlthäter, die Erhalter dieser Schule und die Herren Lehrer, welche Euch die Bildung, diesen Schatz für's Leben, bieten." Und damit schloß die Feier. Es darf aber nicht verhehlt werden, daß auch Mancher der Theilnehmer an dieser Schulfeier eifersüchtig auf die Bevorzugung der profanen Wissenschaften gegen die Religionsgegenstände sah und es wäre zu wünschen, daß das Curatorium der Anstalt in Frankfurt diesen etwas mehr Raum im Lehrplane gönnte. Jerusalem ist einmal vor Allem heiliger Boden. Hermischtes. Wien. (Desterreichifch - israelitische Union, Wien, l, Schottenring 23.) Samstag, den 20. April 18(.).">, Abends 7*,» Uhr, findet im Restaurant Khuner, I., Schottenring 19, die IX. General Bersamm lung statt. Tages-Ordnuug: 1. Mittheilungen des Vorstandes. 2. Bericht über die Thätigkeit im abgelaufenen Jahre. 3. Neuwahl des Vorstandes. 4. Vortrag des Herrn Rabbiner's Tr. Leop. G o lösch m id: „Sie Stellung der Inden zur modernen Kunst". 5. Anträge und Interpellationen. Wien. (Tran un gen.» Sonntag, den 21. April, 2 Uhr | Nachmittags, sinder im israelitischen Tempel II., Tempelgasse, die Trauung