Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 16 (19.4.1895)
- Date
- 1895-04-19
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 300 Nr. 16 Dr. Blockes Worlzenfrlzrrft. Zum Schluffe dankte Herr Lector Fried manu für die vielen herzlichen Worte und betonte, daß er als Lehrer stets ein Freund der Jugend gewesen sei und erzählte als afikaumon noch das geistreiche Glcichniß von den Tcphilin. Die Tcphilin für den Kopf (sebel roseb) sind in vier Fächer gerheilt, die Tcphilin für die Hand (sehel jad), bestehe nur aus einem Fache: dies will bedeuten, daß die Juden im Denken auch getheilr sein können, in der Hand aber, d. h in den Handlungen seien sie Eins. Meir ben Nathan. Wie«. Der loufmLuvische Unterstützungs-Verein „Osten", der lvährcnd seiner achtzehnjährigen Thätigkeit den humanen Zweck verfolgte, unseren armen Glaubensgenossen aus den östlichen Ländern bei ihrer Entlassung aus dem Spitale die Mittel zur Erreichung ihrer Heimat zu gewähren^ hielt am 30. Mär; unter dem Vorsitze des Cvmmercialrathes Herrn I. Fluß seine VIII. General-Versammlung ab. Ter Präses eröffnete die Sitzung mit einer Begrüßung der Dereinsmitglicder und widmete dem verstorbenen Vereins- und Eoinite- Mitglicdc Herrn Hirsch R appaport einen ehrenden Nachruf, und die Versammlung ehrte das Andenken des Verblichenen durch Erheben von den Sitzen. In tief empfundenen Worten schilderte Herr F l u ß die segensreiche Wirkung dieses Vereines. Hierauf brachte der Schriftführer Herr I. B. W e i ß den Rechenschaftsbericht zur Verlesung, aus dem wir entnehmen, daß der Verein auch in diesem Jahre an 438 Hilfsbedürftige Unterstützungen in der Höhe von fl. 2303 zu crthcilcn in der Lage war, daß er ferner, ohne seinen Hauptzweck zu beeinträchtigen, auch die Unterstützung hiesiger armer Familien, deren große Nothlagc rasche Hilfe dringend erforderte, in den Kreis seinerhumanen Thätigkeit gezogen hat, und daß er seit seinem Bestehen an 6275 Arme den Betrag von fl. 44.096'98 zur Vertheilung brachte. Der Bericht erivähnt auch der großen Schlvierigkei'teu, mit denen das Comitö zu kämpfen hat, wie sehr es durch die beschränkten Mittel, die dem Vereine zur Verfügung stehen, in der Ausübung seiner humanen Thätigkeit beengt und behindert ist. Wohl haben sich einige größere Cultusgemeinden in richtiger Erkennung und Würdigung des humanen Zweckes bewogen gefühlt, den Verein zu subventioniren, doch können diese vereinzelten Subventionen, so anerkennenswerth sie auch fiir sich sind, an der prekären Lage des Vereines nicht viel ändern, und nur lvenn viele Menschenfreunde, viele Cultusgemeinden diesem lobenswerthen Beispiele folgen werden, kann der Verein das hochgesteckte Ziel erreichen. Wir hoffen, daß dieser Appell bei allen unseren geehrten Lesern ein williges Gehör finden wird, und daß Jeder, in dessen Brust ein Herz für unsere leidenden Glaubensgenossen schlägt, sich beeilen wird, sein Möglichstes beizutragen. In das Comite wurden gewählt die Herren: I. Fluß, als Präsident, S. Singer, als erster Vicepräsident, 1. II. vr. Salo R a p p a p o r t, als zweiter Vicepräsident, Ferdinand Berger, als Cassier, Jul. B. Weiß, Leon W i d r i ch , als Schriftführer, A. S. Diamant, Ignaz Gingold, I. Jacob, Jacques Mandel, Marcus M e s s i n g , M. Seif, L. Schiffmann, Isidor Schulbaum, Med. Dr. Adolf Wittner, H. Tauber, als Comito- Mirglieder, Adolf Brecher, S. Krämer, Sam. Messing, als Caffa - Revisoren, Emil Moritz Diamant, I. Mahler, Arnold Popper, als Schiedsrichter. Lemberg. (Ein neues Journal.) „Swiatlo Hamaor“ (Monatsschrift, gewidmet den Angelegenheiten der Schulen der Baron Hirsch-Stiftung), Kolomea. Herausgeber und verantwortlicher Redactcur: Wilhelm Grünes. Einen erfreulichen Fortschritt hat die Baron Hirsch-Stiftung zu verzeichnen. Ihre Lehrerschaft ist zur Erkenntniß gelangt, wie nothwendig und ersprießlich es sei, einen gemeinsamen, geistigen Mittelpunkt zu schaffen, um die wichtigen culturellen Interessen, deren Hüter sie sind, zu besprechen und sich gegenseitig anzuregen und zu fördern. Wir begrüßen dieses Streben, dessen Resultat uns in dem ersten Heftchen der Monatsschrift „Swiatlo Hamaor“ vorliegt, auf's Wärmste und wollen kurz auf das Wiffenswertheste des reichen Inhaltes dieser ersten Nummer hindeuten. Ein historischer Ueberblick über die Entwicklung des Schulwesens der Juden, dessen Blüthe und späteren Verfall, und die nunmehrige gedeihliche Förderung desselben durch die Baron Hirsch-Stiftung und ihre Bestrebungen eröffnet die Reihe und weist auf die Beschlüsse des vom Curatorium der Baron Hirsch-Stiftung im Juli v. I. nach Stanislau einberufenen Lehrertages hin, auf dem die Wichtigkeit der Schaffung einer einheitlichen Methode bei Erziehung des eigenartigen Schülermateriales der Stistuagsschulen, das den Unterricht in einer ihm unverständlichen Sprache erhält, und die Nothwendigkeit einer Reform der im katholischen Geiste abgefaßten Lesebücher der öffentlichen Schulen in jüdisch-religiösem Sinne dargethan wurden. Ein zweiter Artikel handelt über die Bedeutung einer paffenden Lectüre für die verwahrloste, jüdische Jugend, die derselben oft die mangelnde häusliche Erziehung ersetzen nmß, und fördert in der Lehrerschaft den glücklichen Gedanken zur Schaffung einer solchen Jugendbibliothek, die in Form von Zweikreuzer-Broschüren erscheinen soll. Das spannende Merkchen: „Die drei Besser" von Marek Firkownz wird als anregendes Muster hingestellt. Die Frage der Zuführung der galizischen, jüdischen Jugend zum Handwerke und zum Ackerbaüe, sowie die diesbezüglichen Bestrebungen der Baron Hirsch-Stiftung werden eingehend besprochen und mancherlei beachtenswertste Anregungen gegeben, obgleich wir nicht umhin können bemerken, daß der Verfasser dieses Artikels vielfach auch unrichtig informirt war. So entspricht es z. B. nicht den Thatsachen, wenn behauptet wird, daß die Schüler der Krakauer Handwerkerschule in ihrem Fache vollständig aus gebildet waren und nur aus Mangel an dem gesetzlichen Freispruch neuerdings bei Meistern als Lehrlinge untergebracht werden mußten, welche minder leistungsfähig sind, als ihre Schüler. Es zeigten gerade — und dies ist bei der Größe der aufgewandten Opfer das Betrübende an der Sache — diese Schüler so viele Lücken in der praktischen Ausbildung, daß deren Brauchbarkeit beim Handwerk sehr zweifelhaft und deren Placiruug überaus schwierig war. Nichtsdestoweniger war das Curatorium der Baron Hirsch-Stiftung bei Unterbringung dieser Knaben bemüht, die besten Ateliers ausfindig zu machen und so wurden dieselben durchwegs in die ersten Werkstätten, wie z. B. zum k. u. k. Hoflieferanten Herrn Jaray und Anderen, in die Lehre gegeben. — Auch die . bezüglich der Unterbringung von galizischen Knaben bei Handwerkern in Wien überhaupt erhobenen Bedenken sind nicht zutreffend. Bei dem Umstande, als in Galizien nur sehr wenige tüchtige Meister vorhanden sind, die israelitische Knaben aufnehmen wollen, ist die Placirung von Knaben in Wien, wo sie Gelegenheit haben, sich in ihrem Fache tüchtig auszubilden, das beste Mittel, einen tüchtigen Grundstock jüdischer Meister heranzuziehen, die in der Heimat dereinst als Pionniere zu wirken berufen sind. Selbstverständlich konnnt es dabei sehr viel auf die gute Auswahl des nach Wien zu entsendenden Materiales und aus die in den Kindern geweckte Vorliebe für das Handwerk an. Insoweit schon heute die zweckmäßige Unterbringung von Knaben bei Meistern im Lande selbst möglich ist, ist selbstredend dieser Modus der Heranbildung zuin Handwerke zu pflegen und die Mitwirkung der Lehrerschaft von großeut Nutzen. . Sehr zweckmäßig finden wir die Einrichtung einereigenen Rubrik für die Statistik der Stiftungsanstalten und muthen auch die in dem Blatte gebrachten Notizen freundlich an. Wir entnehmen denselben mit Vergnügen die Bestrebungen zur Hebung des religiösen Sinnes der Jugend durch corporative Begleitung derselben zum Gottesdienste, wodurch das Vertrauen der conservativen Bevölkerung in die segensreichen Institutionen der Stiftungsschulen gefördert und befestigt wird, und begrüßen es mit Freuden, daß die Spalten des Blattes auch der wichtigen Frage der methodischen Behandlung des Unterrichtes in der hebräischen Sprache an den Stiftungsschulen geöffnet sind. Wir wünschen dem Blatte, das von einem lobenswerthen, idealen Stteben zeugt, das beste Gedeihen. Krakau. Am letzten Sabbath, Sabbath haggadol, würde der rühmlichst bekannte gelehrte Rabbiner Hirsch K a l i s ch e r in Thorn seinen hnnd-ertjährigen Geburtstag gefeiert haben. Zu Ehren dieses Tages hielt der hiesige, für das Judenthum so segensreich wirkende Literatur-Verein „Se fas Emes", eine zahlreiche, aus den verschiedensten Parteien unserer Gemeinde gruppirende Versammlung ab, in der der rührige und thatkräftige Redactcur der hebräischen Wochenschrift „Hamagid", Herr Samuel Fuchs, einen höchst interessanten und lehrreichen Bortrag in hebräischer Sprache über das Leben und Wirken Rabbi Kalis che r's gehalten hat. Die heilige Sprache, die ein großer Theil unserer StammLsgenossen für t o d t wissen, lebt im Munde des Herrn Fuchs wie irgend eine lebendige Sprache im Munde des tüchtigsten Kanzelredners. Er begann seinen überaus gründlichen und anregenden Vortrag mit einem kurzen, aber klaren und deutlichen Rückblick auf die Leistungen unserer Rabbiner im letzten Jahrhundert, schilderte dann in kurzen Umrissen die stützende, talmudische Gelehrsamkeit und gediegene, schriftstellerische Thätigkeit, des hochseligen GaonKalischer und hob die fruchtbaren Leistungen desselben für dieColonisationPaläsiinas hervor, deren Schöpfer er in diesem Jahrhundert war, weshalb er auch „Rischon lezion" genannt tvird. Bei dieser Gelegenheit versetzte Herr Fuchs in geeigneter Weise unseren sogenannten Assimilatoren einen derben Hieb, welche die Existenz der jüdischen Nationalität verleugnen und das Judenthum bis zur Unkenntlichkeit entstellen. Er bewies in beredten Worten, daß wir eine unvergleichliche Nation auf Erden noch immer bilden und stellte den Werth der Colonisation Palästinas vom ökonomischen Standpunkte dar, tadelte aber auch zugleich in scharfer Weise die „Zions-Schwärmer"', die in ihrer politischen Strebsucht, der eigentlichen palästinensischen Idee, die ein Kali sch er und Montif i o r e warm gefördert haben, mehr Schaden als Nutzen hinzufügen.*) Redner schloß seinen inhaltsreichen Vortrag, der circa zwei Stunden in Anspruch genommen und einen geradezu machtvollen Eindruck hervorgerufen hat, mit einem Ivarmen Appell an die Anwesenden, daß sie den seligen K a l i s ch e r stets vor Augen haben und zur Nachahmung nehmen mögen, worauf die Versammelten zu Ehren des Jubilars von ihren Plätzen sich erhoben. M. H. *) Es wäre wüiischcnswerth, daß Herr Fuchs diesen seinen Bortrag vollinhaltlichin deutscher Sprache zum Abdruck bringen möchte.