Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 15 (12.4.1895)
- Date
- 1895-04-12
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 16 Dr. Bloches Oesterreichifchr Wochenschrift. Seite 285 Versammlung trennte sich erst gegen Mitternacht in animirter Stimmung. Wien. (Synag.o genverein „Beth Israeli) In der Borstandssitzung vom 23. März 1895 wurde unter dem Vorsitze des Obmannes, Herrn S. Meisels, die zufolge der in der letzten Generalversammlung stattgehabten Ergänzungs- Wahlen an Stelle der pro 1895 ausgelosten Vorstandsmitglieder noth wendig gewordene Neuconstituirung des Vorstandsbureaus vorgenommen. Zum Obmannstellvertreter wurde mit großer Majorität Herr Arthur Edler v. Mises, zum Cassier einstimmig Herr A. M. O p P e r gewählt. Wie», 7. April. Am 7, d. M. hielt der Literarische Geselligkeilsverein jüdischer Mädchen „Moria" einen literarischen Nachmittag ab, der sehr zahlreich besucht war und äußerst auimnt verlief. Mit gespanntester Aufmerksamkeit folgten die vielen Zuhöreriniien ' dem höchst interessanten Vortrage des H. S. Bauer, Präses des Theologen- Vereines. Derselbe hatte sich das Passahfest zum Thema gewählt und führte dasselbe in geistvollster Weise aus; besonders hob er die Stellung der Frau bei den verschiedenen Festen hervor. Hierauf wurde von Fräul. P o llak ein von dem Vereine „Deborah", Lemberg, eivgesandter Vortrag vorgelesen, der sich, was Geist und Wissen anbelangt, würdig an den ersten reihte. Allerdings trug dazu auch die Vortragsweise bei. Für den schmeichelhaften Applaus, der sowohl der Vortragenden als auch der Verfasserin galt, dankte Fräul. Pollak im Namen derselben. Die Fortsetzung dieses höchst interessanten Vortrages über „Die Stellung der Juden" folgt nächsten literarischen Nachmittag, der am 21. April stattfindet. 0. W. Wien. Der stürmische Beifall, welchen Alfred Grünf e l d zu Beginn seiner russischen Concert-Tournee in Warschau gefunden hat, wurde durch die Aufnahme Grünfeld's in Petersburg noch übertroffen. In den letzten Wochen drängten sich an der Newa zahlreiche hervorragende Kunstkräfte zusammen. Masini, Battist in i, die Sem brich und Olympia Boronate sind die Sterne der beiden italienischen Opern-Stagiones. Im Theatre St. Michel spielen die Franzosen vorzügliche Comödie und in den Concertsälen produciren sich Künstler aller Art, tue aus aller Herren Ländern kommen. Man hat Slywinski hier gehört; es sangen Bulß und Scheidemantel; der Violinist S i m o n e t ti und die Wiener Pianistin Ella Pancera hatten ebenfalls mit Erfolg die nordische Capitale aufgesucht. Nun fand am 29. März das Concert Grünfeld's statt. Trotz der vorgerückten Saison war der Saal des Creditvereines dicht besetzt. Der Künstler wurde mit wahrer Begeisterung empfangen. Stürmische Applaussalven folgten seinem Vortrage der Intermezzi und der Ballade (G-moll) von Brahms, den „Etudes simphoniques“ von Schumann, sowie seiner meisterlichen Wiedergabe der Werke C h op in's, besonders der so selten gehörten „Polonäse Fis-moll“. Grünfeld mußte am Schluffe feines Concertes ein zweites Concert improvisiren. Man zwang ihn hiezu. Das Publicum umstellte das Podium und Grünf e l d mußte immer wieder zum Flügel zurück, bis mitleidige Saaldiener durch Abdrehen des elektrischen Lichtes dem Künstler Ruhe schafften. Auf der Straße noch umringten ihn Damen und Herren und brachten ihm laute Ovationen dar. G r ü n f e l d hat mit seinem Concerte in der diesjährigen Saison den Vogel abgeschossen. . Wien. Das Concert des Professors Ladislaus Ungar und seiner Schüler hat am 4. d. im Stefaniesaale stattgefunden, und die Zöglinge hatten Gelegenheit, ihre musikalischen Kenntnisse vor einem zahlreichen distinguirten Publicum zu entfalten. Fräulein Sidonie Roth, großherzoglich hessische Kammersängerin, und Herr Stanislaus B e r i n i vom Operntheater in Warschau, welche beim Concerte mitwirkten, fanden für ihre Gesangsvorträge stürmischen Beifall. Von den Zöglingen machte die 11jährige Martha S chm id t mit einer Sonate von Beethoven und Paderewsky's Menuett gerechtes Aufsehen. Wien. Im Bethause „Liwias Chen", ll., Obere Donaustraße 89, nächst der Stefaniebrücke, findet Dienstag, den 16. d. M., als dem letzten Tage des Passahfestes, zweimaliger Morgengottesdienst statt, beide Male mit Maskirgebete. Beginn 6 Uhr und 8% Uhr Früh. E. B. Holie. (Todesfall.) Am 5. d. M. wurde hier unter äußerst zahlreicher Betheiligung Herr Bernhard Grüwäld aus Unin, Vater des Herrn Ignaz Grünwald, Procuristen der Großindustrieüen-Firma M. und I. Mandl in Wien, beerdigt. Der Verewigte, welcher das hohe Alter von 78 Jahren erreichte, stand in hoher Achtung und bedeutendem Ansehen. Kreisrabbiner Pollach wies in seiner wirkungsvollen und ergreifenden Grabrede auf die Verdienste hin, welche sich der Verstorbene durch nahezu fünfzig Jahre um die Cultusgemeinde seiner Vaterstadt Unin, deffen ausgezeichneter Vorstand er Jahrzehnte hindurch gewesen, erworben. Stanislau, am 3. April 1895. Heute fand hier die Trauung des in der Garnison zu Bilek (Herzegowina) stationirten Regiments-Arztes Dr. Wilhelm R a s ch o s s k y mit Frl. Rosa Regen streif, Tochter des Grundbesitzers und Spiritus-Fabrikanten Sigmund Regen st reif, statt. Den Trauungsact vollzogen gemeinschaftlich die beiden aus Ungarn direct berufenen Rabbiner der beiderseitigen Verwandtschaft: D u s ch i n s k y aus Nämesztü und Dr. Friedlieber aus Budapest. Letzterer ist hier seit längerer Zeit bereits vorteilhaft bekannt. Erft vor einem Monate wurde ^r zur Vollziehung der Trauung des Landes-Advocaten Dr. Maximilian Segal aus Jaroslau mit Frl. Clara Goldfeld hierher berufen. Dr. R. Brünn. (D e c o r i r u n g.) Vorige Woche fand im Hofe der Jesuiten-Kaserne die Decorirung des Obersten und Commandanten des Landwehr-Jnfanterie-Regimentes N. 14, Alex. Ritter von E i ß, mit dem ihm vom Kaiser verliehenen Ritterkreuze des Leopold-Ordens durch den Stations-Commandanten FML. Succowaty im Beisein des GM. Ritter v. Steinitz und vieler Stabs- und Oberofficiere statt. Zu dieser Decorirung war ein halbes Bataillon des 13. Landwehr- Bataillons in Parade ausgerückt. Nach der Feier im Kasernhofe defilirte die Truppe vor dem Decorirten in der Jesuitengasse. Oberst Ritter von Eiß hatte hiebei zur rechten Seite des Stations-Commandanten Aufstellung genommen. Brünn. (Todesfall.) Vorige Woche verschied hier im selten hohen Alter von 83 Jahren Heinrich Kafka, Gründer und Mitinhaber der Tuchfabriksfirma Heinrich Kafka und Sohn. Zu Wodnian in Böhmen im Jahre 1812 geboren, kam er schon in jungen Jahren nach Brünn und gründete eines der hervorragendsten Großhandlungshäuser, welches er durch seine besondere kaufmännische Begabung zu großer Blüthe brachte. Er pflegte hauptsächlich den Export von Schafwollwaaren und hat insbesondere Geschäfte von großem Umfang nach Italien gemacht. Er betheiligte sich an der Gründung verschiedener großer industrieller Unternehmungen, so insbesondere an der Gründung derWollwaaren-Jndustrie-Gesellschaft und war auch Mitbegründer der mährischen Escomptebank. Durch längere Zeit bekleidete er das Amt eines Censors der Nationalbank und die Würde eines Handelskammerrathes. Sein vielfaches Wirken auf humanitärem Gebiete wurde von Allerhöchster Stelle anerkannt, indem ihm das goldene Verdienstkreuz mit der Krone verliehen wurde. Im Jahre 1857 errichtete er in O b r o w i tz die nach ihm benannte Tuchfabrik, welche jedoch dem wachsenden Umsatz nicht mehr zu entsprechen vermochte, so' daß er im Jahre 1884 den großen Fabrikscomplex der Firma S k e n e erwarb, woselbst er ein mit allen modernen technischen Erfordernissen und Wohlfahrts-Einrichtungen versehenes Fabriks-Etablisiement erbaute. Malaezka, 8. April 1895. Löbliche Redaction! Schmerzerfüllt geben wir Ihnen Nachricht von dem heute Plötzlich erfolgten Ableben unseres hochverehrten und allgeliebten Oberrabbiners, des Herrn Dr. Heinrich P i ß k o. Dreiundvierzig Jahre hindurch wirkte dieser Gott ergebene Mann durch sein vielseitiges Wissen, seine aufopfernde Nächstenliebe, seinen unerschütterlichen puritanen Charakter segensreich in unserer Gemeinde, welche er gründete, deren unverwischliche Dankesschuld sich an seine Thätigkeit knüpft und die an seinem Grabe ihren väterlichen Fürsorger und den edelsten Menschenfreund beweint. Dr. Emil Rövssz, Lepold Wein wurm, Schriftführer. Gemeinde-Präses. Zwittau. (25 j ä h r i g e s D i e n stj u b i l ä u m.) Herr Adolf Klein, Director der Heinrich Klinger'schen Fabriken in Zwittau, feierte am 31. März sein 25jähriges Dienstjubiläum, aus welchem Anlasse dem Jubilar am Vorabende von den Beamten und Arbeitern ein Fackelzug gebracht wurde. Am eigentlichen Jubeltage wurde Herr Klein nicht nur von den Deputationen der beiden Fabriken beglückwünscht, sondern liefen auch von seinen Collegen aus Wien, Budapest, Preßburg, Trautenau, wie auch von seinen Freunden und Bekannten zahlreiche Depeschen und Ehrengeschenke ein. Bei dem Nachmittags 2 Uhr im Hotel zur Staatsbahn stattgehabten Banket waren auch zwei Gesellschafter der Firma, nämlich Herr Paul Lemberger und Herr Ernst K ling er anwesend,