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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-04-12 · 15 (12.4.1895) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
15 (12.4.1895)
Date
1895-04-12
Page
– (sequence 16)
Language
German
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tte 284 Dr Bloch's Orsterreichischr Wochenschrift. *h 15 Sarg hingestellt, den der greise Vater, der Schwiegervater und die i Brüder des Verblichenen umgaben, und durch Obercantor Singer, selbst tief ergriffen, das Hazur tomin unter Begleitung des Chorpersonales vorgetragen, worauf Herr Dr. Güdemann, dem Rüsttage des Peffach-Festes entsprechend, eine kurze, aber erschütternde Gedächtnißrede für den Verblichenen hielt, worauf der Sarg gehoben und unter Trauergesängen zu Grabe getragen wurde. Am offenen Grabe hielt Hof- und Gerichts-Advocat Dr. Kris Namens des Advocatenclubs einen warmempfundenen Nachruf, worauf Landtagsabgeordneier Alfred Ritter von Lindheim dem Heimgegangenen Anwalt des kaufmännischen Vereines überaus ehrenvolle Worte der Anerkennung seiner mannigfachen Fähigkeiten und Verdienste widmete. Möge der tiefgetroffene, greise Vater Trost finden in der Theilnahme, die ihm in so imposanter Weise entgegengebracht wurde und Linderung finden in der allgemeinen Theilnahme, welche ihm zu Theil geworden. .. . . r. Wie«. (Grabdenkmal für Ludwig August Frankl.) Am 7. April gelangte das Ehrendenkmal des Dichters Ludwig August Frankl, Ritter von Hochwart auf dem Centralfriedhofe zur Aufstellung. Dasselbe ist von seinem Freunde Meister Johannes Benk ausgeführt und wurde dem Heimgegangenen vom Vorstände der israelitischen Cultusgemernde gewidmet. Das Monument ist altarartig aufgebaut. Auf Stufe und Sockel erhebt sich ein Pilasterrundbogen, der eine Widmungstafel einschließt. Den Abschluß des Monuments bildet ein Aufsatz, welchen die mit Lorbeer durchflochtene, durch einen Schleier zum Theil verhüllte Davids- Harfe krönte. In die Pilaster und die Zwickel des Rundbogens sind in flachen Reliefs die Symbole aus dem Wappen Frankl's gemeißelt. Dieselben haben Bezug auf die Gründüng einer Schule in Jerusalem (die Ceder) des Blindeninstitutes auf der Hohen Warte in Wien (das blinde Kind), die Errichtung des Schillerdenkmals in Wien (das Einhorn) und die Doctorwürde des Verblichenen (Aesculapfiab). Die Verse auf der Widmungstafel rühren von einem treuen Freunde Frankl's, von Ferdinand v. Saar, her. Sie lauten: Cs war ein Dichter, der da schied, , Wie Harfenton erklang sein Lied, Den Werken hoher Menschlichkeit Hat er des Daseins Kraft geweiht, Cs lebt mit seines Namens Ruf, Was er in Geist und Herzen schi'f. Sonntag den 7. April Vormittags 10 Uhr fand nun die feierliche Enthüllung dieses schönen Denkmals im Beisein der Familienmitglieder, der Gattin des Verewigten Frau Paula von Hochwart, der beiden Söhne Bruno von Hochwart und Dr. Lothar von Hochwart, der Schwiegertochrer, des Schöpfers des Denkmals Herr Professor Benk, des Rabbiners HerrDr. Sch m iedl u. A. statt. Nachdem Obercantor Singer das übliche Menucha nechonoh recitirt, sprach Frau Paula von Hochwart unter tiefer Rührung leise ein deutsches Gebet und Herr Obercantor Singer das Kadisch, worauf das Monument seine Bestimmung übergeben wurde. Wien. Am Montag wurde der greise Herr Elias Weiß aus Preßburg im Beisein der Angehörigen, von denen zwei Schwiegersöhne nebst ihren Gattinnen aus Berlin herbeieilten, zu Grabe getragen. Auch viele gute Freunde gaben ihm das letzte Ehrengeleile. Herr Oberrabbiner .Dr. Güdemann hielt die Trauerrede, in welcher er die Opferwilligkeit, Pflichttreue und den Glaubenseiser des Verblichenen hervorhob, gleichsam als Eliahu, maleach habrith, viele Knäblein in den Bund Abrahams einführte. Die Zahl derselben erreichte die stattliche Höhe von nahezu 14.000. Herr Weiß fungicte fast bis zum Alter von 77 Jahren, nur in letzter Zeit vertrat ihn sein Schwiegersohn, Med. Dr. Schoenfeld. Wien, 9. April 1895. Der „Verein zur Hebung der Gewerbe" hält am Samstag den 27. d. M. in Khuner's Restaurant seine Generalversammlung mit folgender Tagesordnung ab: 1. Rechenschaftsbericht. 2. Cassabericht. 3. Wahl des Präsidenten. 4. Wahl des Vorstandes und Schiedsgerichtes. 5. Aenderung der Statuten. Alfred Kisch, S. B r o d, Schriftführer. Präsident. Wie«. (DerWoh lthätigkeits-, Kränken- und Witwen-Unter stützungsverein „Chesed-schel- Em e s") hielt Sonntag den 7. April seine diesjährige Generalversammlung und aus dem Rechenschaftsbericht entmmmt man ein großartiges Bild Humanitären Wirkens, welches der Verein entfaltet. An Krankenunterstützungen hat der Verein im abgelaufenen Berwaltungsjahr 1196 fl. ausgegeben. Für Witwenabfertigung in 5 Fällen ä 50 fl. 250 fl.; Schiwahgelder an 20 Mitglieder ü 5 fl. 100 fl.; Leichenbegleitung bei 8 Todesfällen 65 fl.; Grabsteinbeitrag 20 fl.; Entlohnung für das Kadischgebet nach den verstorbenen Herrn Ernst Steiner 8 fl.; Doctoren-Honorar 13 fl. 21 kr. Laut Zuschrift des Vorstandes des Wiener Apotheker-Gremiums vom 10. Februar 1884 hat dasselbe beschlossen, vom 1. März 1884 an den Mitgliedern unseres Vereines in allen Apotheken Wiens gegen Vorweisung des Mitgliedsbuches und des vom behandelnden Arzte auf den Namen des Mitgliedes lautenden Receptes ein zehnpercentigen Nachlaß zu gewähren. Als Vereinsärzte fungiren: Dr. Weiß, 1., Fleischmarkt 8; Dr. J e lli n ek, Ottakringerstraße 77; Dr. Glattauer, II., Große Sperlgasse 1; Dr. Friedländer, Sechshaus, Mariahilfergürtel 1; Dr. Robert P i ck, X., Leebgaffe 18; Dr. Gustav Wolf, Hernals, Hauptstraße 5; Dr. Marc K o r a n y i, I., Gonzagagasse 14. Am 16. April l. I. um 9 Uhr Vormittag, als am letzten Tage Pessach, wird, wie alljährlich, im kleinen Betsaale des Lecpoldstädter Tempels, 11., Tempelgaffe, ein Gottesdienst und Gebet für das Seelenheil der verstorbenen Mitglieder dieses Vereines abgehalten, wozu Sie höflichst eingeladen werden. Wien, 1. April 1895. In seiner zweiten ordentlichen Plenarversammlung nahm der akademische Verein „Gamala" nach seiner Tagesordnung zuerst die Rechenschaftsberichte der abtretenden Ausschußmitglieder entgegen. Aus den Rechenschaftsberichten sei das Referat über die Vortrags- und Discussionsabende hervorgehoben. Außer diesen öffentlichen Discussionen und Vorträgen fanden an jedem Mittwoch interne Discussionen statt, die die Ausbildung der Mitglieder befördern sollten. Interesse erweckte der Cassabericht. Trotz einiger größerer Spenden, erklärte der Cassier. hätte man nur wenige Unterstützungen an arme, jüdische Studenten vertheilen können, da die aufgebrachten Geldmittel leider nicht solche waren, die eine größere Action ermöglicht hätten. Die Plenarversammlung sprach dem Ausschüsse den Dank aus und ertheilte das Al solutorium. Die hierauf vorgenommenen Wahlen ergaben eine Wiederwahl fast sämmtlicher abgetretenen Ausschußmitglieder. Zum Präses wurde Med. Cand. M. Ernst, zum Vicepräses Med. Drd. Josef Rosenbaum, zum Schriftführer Phil. David Korn gewählt. Zum Schluffe wurde der neue Ausschuß beauftragt, dem Herrn Reichsrathsabgeordneten Dr. S. I. Bloch und dem Primarärzte Dr. Kornfeld den. Dank des Vereines für ihre besonderen Verdienste um denselben zu übermitteln. —o— Wien. (Herrenabend der „Unita s".) Die akademische Verbindung „Umtos" veranstaltete am jg. v. M. einen Herrenabend in Hatsch ek's Restauration, Praterstraßc 11. Die Vereine „Kadimah" und „Gamala" waren corporativ erschienen, während der Verein der Theologen, die jüdisch-akademische Lesehalle und der Verein „Humanitas" m Graz durch Delegirte vertreten waren. Nach der Begrüßung durch den Präsidenten Drd. Car! Pollak ergriff Drd. M. Jerusalem das Wort. Der Redner schilderte die Verhältnisse an der Universität, wo der Hauptfehler der Juden, die Selbstverachtung, in voller Blüthe steht. Ist es doch so weit gekommen, daß manche rein jüdische Vereine Judensperre eingeführt haben und auf diesem Wege erst arisch und dann antisemitisch geworden sind. Er ermahnte ferner seine Collegen, die Ausbildung des Körpers nicht über der Pflege des Geistes zu vernachlässigen und schloß mit einer warmen Empfehlung des Turnens und Fechtens. Als zweiter Redner sprach Drd. Martin Engländer. Dieser sprach sich zunächst für die Belehrung des jüdischen Geistes in derFamilie aus, um das Ansehen des Judenthums zu heben. Er geißelte das Bestreben derjenigen, die sich nichtschämen. ihrJudenthum zu verleugnen. Viele Juden möchten orthopädische Heilanstalten für gekrümmte Nasen errichten; dagegen will die jüdisch-nationale Bewegung die durch das Ghetto gekrümmten jüdischen Rücken gerade strecken. Das jüdische Selbstbewußtseiu muß durch Pflege der jüdischen Geschichte und Literatur einerseits, durch Ausbildung der körperlichen Kräfte anderseits gehoben werden. Zum Schluffe wies Redner nach, daß das Judenthum seinen religiös-hygienischen Satzungen es verdankt, daß es physisch während des Ghettolebens nicht mehr gesunken ist und in seinen Gl-n'^enssätzen die größten Stützen der Moral gefunden hat. Nach dieser Rede begann der inofficielle Theil des Abends, an dem die Verlesung der Kneipzeitung lebhafte Heiterkeit erregte. Die

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