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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-04-12 · 15 (12.4.1895) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
15 (12.4.1895)
Date
1895-04-12
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 15 Seite 383 Dr. Bloches Oesterreichrfchr Wochenschrift. Falle der jüdische Theil) so denke, dann müsse die liberale Partei des Gemeinderathes den Platz räumen!" Und dann die Drohung: „Dann werden wir sehen, wie sich die Entwicklung der Stadt und die Schicksale des Einzelnen (also des Juden) gestalten werden!" Ueber die Antisemiten wird so gesprochen, wie sie es verdienen; der Teufel wird zwar nicht schwärzer als er ist, jedoch schwarz genug gemalt, um als Krampus den abstinenten, jüdischen Wählern vorgehalten werden zu können. Wohl hat Herr Dr. R ichte r mit seinen Ausführungen im Grunde nicht Unrecht; ist dies aber auch der Fall mit seiner Aeußerung, daß die Juden die liberale Partei wegen einer „momentanen Verstimmung" preisgeben? Gewiß nicht! Denn wie lange dauert schon diese momentane Verstimmung? Oder haben die Herren Liberalen erst jetzt gemerkt, daß auch die Juden unter den immer blühender und von Niemand behinderten in die Höhe wuchernden Antisemitismus ein wenig zu leiden haben, so daß sich diese Juden einer „momentanen Verstimmung" hingeben? Specielle innere Angelegenheiten gehen mich als Nichtösterreicher gewiß nichts an — aber als Jude, in einem Lande lebend, wo die Juden noch nicht als Menschen betrachtet werden, den Blick daher hoffnungslos nach Westen wenden, in der Hoffnung, von dort tröstliche Nachrichten hinsichtlich unserer Glaubensgenosscn zu erhalten, als Jude interessiren mich gewiß Vorgänge in jedem Lande, welche die Judenschaft berühren. So oft die Wiener Juden an den Schutz der liberalen Partei gegen den Antisemitismus appellirt haben, wurden ihnen immer ausweichendeAntworten gegeben und empörend war die Indifferenz, mit welcher die Liberalen — von den anderen Parteien schon gar nicht zu sprechen — das antisemitische Schimpfen gegen die Juden anhörten; wenn schon einmal ein Liberaler das Wort zur Abwehr ergriff, so war es wohl weniger, um die Juden zu schützen, als weil der antisemitische Redner nicht allein die Juden, sondern auch eine liebe Institution zu besudeln suchte. Würde Rector Laurenz M ü l ln e r seine bekannte Rede gegen G r e g o r i g gehalten haben, wenn dicser sich nicht an die Alma mater gewagt hätte? Natürlich, die den Juden zugeworfenen Brocken waren so spärlich, daß sie, die Vielverhöhnten, auch für den abgeschabtesten Knochen dankbar sein mußten. Herr Dr. Richter erachtet es aber für nicht überflüssig, eine schwache Vertheidigung hervorzubringen und hüllt selbe in die merkwürdige Frage: „Können wir so unfläthig schimpfen, wie die Antisemiten?" Merkwürdiger aber noch ist es, daß sich Herr Dr. Richter hiebei auf den Abgeordneten Dr. Bloch bezieht, behauptend: „Dieser energische Vertheidiger der Juden mißt sich auch nicht mit den Antisemiten im Schimpfen!" — Ja, muß denn geschimpft werden? Verlangen die Juden von den Liberalen, daß selbe auf die Antisemiten schimpfen? Bedarf die energische, auf Recht und Wahrheit fußende Abwehr, wie sie Herr Dr. Bloch führt, der Schimpfereien? Wollen denn die Herren Liberalen nicht einsehkn, daß, wenn sie nur halb so energisch, als es Dr. Bloch thnt, den Antisemiten an den Leib rücken wollten, schon der Umstand, daß es seitens einer geschlossenen, kraftvollen Partei, daß es seitens einer christlichen Mehrheit geschieht, den Minstigeu Ausschlag geben müßte? Herr Dr. Richter dürfte gewiß nicht mehr vom Schimpfen reden und in Anerkennung, daß derJude individuell auch Mensch ist, Mensch mit Gefühlen und persönlichen Schwächen, müßte die liberale Partei nicht erst Artikel, wie der in der „N. Fr. Pr." vom 31. März „Die jüdischen Wähler" betitelte, an die Juden richten, worin Letzteren erklärt wird, daß sie nicht gut daran thun. den Antisemiten in den Sattel zu helfen, daß sie, ohne Rücksicht auf Religion und Classe, die Ehre der Monarchie, des gemeinsamen Vaterlandes, vor Augen haben müssen!" Ja warum haben denn die Liberalen, wenn sie sich fest im Sattel glauben, nicht auch dieselbe Ehre vorAugen in jenen traurigen Stunden, wenn der Unflath der Antisemiten im Reichsrathe, im Gemeinderathe, im Stadtrathe sich nur über die Juden, Juden, welche österreichische Staatsbürger sind, in unbeschreiblich cloakenhafter Weise ergießt? Warum??? Bis wann noch muß der Jude auf jeden Fall verbrannt werden? M. Mailand. Es dürfte kaum ein zweites Land sein, welches seine großen, verdienstvollen Männer im Leben und nach dem Tode derselben, ohne Rücksicht auf die Religion, der sie angehören, so ehrt und auszeichnet, wie Italien. Dies zeigte sich neuerdings bei dem Leichenbegängnisse, welches in Mailand am 22. v. M. stattfand. Es galt, die letzte Ehre dem Senator Salvatore Ottolenghi zu erweisen, der in seiner weitverzweigten Thätigkeit für die Interessen des Vaterlandes, der Stadt, der Gemeinde, zahlreicher Vereine und Institutionen einen unsterblichen Namen sich geschaffen hat. Zahlreich wahren alle die Vertreter dieser Gesammtheiten erschienen, viele mit ihren Bannern und Abzeichen, voran ein Bataillon des 9. Infanterie-Regiments mit Musik und Fahnen, während derLt ichencondnctselbst vomPräsidenten des Appellationshofes, vom Svndicus, von einem V rtreter des Präfecten, des Senats, der Handelskammer geführt wurde. Dann folgte der Rabbiner da F a n o, hinter ihm eine große Zahl von Senatoren, Deputirten, Stadträthen und anderen Notabilitäten. Auf dem Friedhofe sprachen der General Revol für den Senat, Professor Lanzilotti für das Sanitärcollegium, ferner Vertreter für die Gesellschaft des Friedens und ein Student namens der wissenschaftlichen Vereine. Ministerpräsident Crispi sandte ein Beileidstelegramm an die Witwe des Verstorbenen. Ursprünglich dem Advocatenstande angehörig, hat Ottolen g hi, aus altberühmter Familie stammend, seine ganze Kraft dem Wohle des Allgemeinen gewidmet. Der König zeichnete ihn durch die Ernennung zum Commendatore und die Berufung in den Senat aus, wie derselbe bereits früher einem anderen Glieds der Familie Ottolenghi sein höchstes Vertrauen geschenkt, dem kürzlich nach Turin versetzten Obergeneral Ottolenghi, von dem bereits in diesen Blättern die Rede war. VermifcktkR. Wien. Dienstag den 2. April fand im Tempel in der Seitenstettengasse die Trauung des Frl. Serafine Frankl, Tochter des Herrn k. k. Polizeirathes Bernhard Frankl, mit Herrn Adam Weinberg er statt. In der Equipage zur Rettungsgesellschaft. Donnerstag den 4. April, Nachmittags 3 Uhr, wurde nächst dem Militär-Transporthause auf dem Rennweg der 46jährige Straßenkehrer Mathias H o f h a n s e l von einer Privatequipage überfahren. Er erlitt eine starke Quetschung des linken Oberschenkels und eine zwei Centimeter lange Wunde am Jochbein. Freiherr Nathaniel v. R o 1 h s ch i l d, der zufällig im Augenblicke des Unglückes in seiner Equipage vorüberfuhr, ließ seinen Wagen halten, stieg aus dem Coupe und ließ H o f h a n s e l in dasselbe hineinheben. H o f h a n s e l wurde in der Equipage des Barons auf die Centralstation der Freiwilligen Rettuugsgesellschaft gebracht, dort verbunden und sodann in's Spital der Barmherzigen Brüder transportirt. Der schuldtragende Kutscher konnte sich durch rasches Davonsahren der wohlverdienten Strafe entziehen. Wien, 8. April. Der verehrte Präses der Wiener isr. Cultusgemeinde, Herr Gemeinderath Gustav Simon, ist von einem schweren Schicksalsschlag getroffen worden. Sein hoffnungsvoller Sohn, Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Ludwig Simon, ist einer heimtückischen Krankheit im 35. Lebensjahre erlegen. Das unerwartete Hinscheiden Dr. Simon's, der durch seinen Charakter und seine Fähigkeiten hochgeschätzt war, erregte lebhafteTheilnahme. Dr. S im o n trat auch durch seine künstlerischen Neigungen hervor und war Mitglied des Singvereines. Er war seit elf Monaten in glücklichster Ehe mit der ältesten Tochter des Fabrikanten MoxJosef Stiasny vermält und hinterläßt außer der schmerzgebeugten Witwe ein Söhnchen im Alter von vier Wochen. Die Theilnahme manifestirte sich auch in der geradezu imposanten Betheiligung beim heutigen Leichenbegängnisse. Außer dem Gesammtvorstande der Chewra-Kadischa waren anwesend: Die Herren Cultusvorsteber H iel d b ur g h ä usser, Baurath Stiaßny. Landesschulrath Dr. Gustav Kohn, Baurath Th. v. Goldschmidt, D. R. v. Gutmann, Moriz K a r p e l e s, Dr. Stern, Moriz Hirsch, Dr. Wahrmann, Dr. Bloch, Direktor Heller, Ritter von Frankfurter, viele Advocaten, sämmtliche Beamte der Cultusgemeinde unter Führung des Dr. Lieben und viele Honoratioren unserer Gemeinde und der Stadt Wien. In der in allen Räumen gefüllten Halle wurde auf der Estrade der schmucklose

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