Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 15 (12.4.1895)
- Date
- 1895-04-12
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Sette 282 Nr. 15 Dr. Bloch's Oesterrerchrfche Wochenschrift. letzteren Posten werden die einschlägigen Gesuche in Verhandlung gezogen. Dem Ansuchen des österreichischen Cantorenvereines um einen Beitrag zu der zu gründenden Pensionscassa für israelitische Cultusbeamte wird keine Folge gegeben, weil derartige Aushilfen statutenmäßig vom Fon de direct geleistet werden und das Curatorium überdies die Absicht hat, zur Regelung der Alters-, Witwen- und Waisen-Versorgung der Gemeinde-Angestellten auf Grundlage von Beiträgen derselben, der Gemeinde und des Fondes eine eigene Pensionscassa ins Leben zu rufen, die gleichfalls zum 50jährigen Regierungs-Jubiläum des Kaisers gegründet werden soll, ein Entschluß, der von der Versammlung mit Sympathie begrüßt wurde. Nachdem die nothwendigen Vorarbeiten und Erhebungen abgeschloffen sein werden, soll das Organisations- Statut verfaßt und ehemöglichst der Delegirten-Bersammlung zur Berathung vorgelegt werden. Ein wohlmotivirterAntrag des Curatoriums, dem Pcivat-Gymnasium in Ungarisch-Brod eine Subvention von 200 st. zu bewilligen, erhielt leider nicht die Majorität. Der jüdisch-akademischen Lesehalle werden 40fl. bewilligt. Die Unterstützung des Handwerks-Beförderungs-Bereines in Wien wurde den Gemeinden ans Herz gelegt und es wird die Subvention seitens des Fondes erböht werden, sobald die Unterstützung anderer humanitärer Vereine in Folge Anwachsens ihrer Mittel minder dringlich sein wird. Der Voranschlag wird sodann einstimmig genehmigt, Fischer. Max K o h n und Redlich werden zu Revisoren für 1895 wiedergewählt und es wurde, nachdem dem Vorsitzenden für die umsichtige Leitung der Berathung der Dank ausgesprochen worden war, die Versammlung geschloffen. Cilli den 3. April 1895. In der Orts-Gemeinde Tücherin bei Cilli gehört der Gemeinderath seit 15 Jahren der deutschnationalen Partei an, und an der Spitze stand, seit dieser Zeit ein Bürgermeister, der ein echter Schöneiianer ist. Gestern aber bei der Gemeinderathswahl, welche um 4 Uhr Nachmittags endete, standen beide Parteien, Liberale und Deutschnationale, im heißen Kampf gegeneinander, doch haben die Liberalen mit Zweidrittel-Majorität gesiegt und der deutschnationale Bürgermeister sammt seinem Gemeinde-Seeretär ist gespritzt worden. Budapest. (Die Ostern der israelitischen Soldaten.) So wie alljährlich haben der Honvedminister und die einzelnen Corvscommandanten den bei den verschiedenen Truppen dienenden Soldaten israelitischen Glaubens auch heuer gestattet, sich für die Dauer der israelitischen Ostern vom 8. bis 16. d. außerhalb der Kaserne verköstigen zu dürfen. Außerdem wurden die israelitischen Soldaten in der Zeit vom 8. d., 4 Uhr Nachmittags, bis 10. d., 9 Uhr Abends, und vom 12. d., 3 Uhr Nachmittags, bis 16. d.. 9 Uhr Abends, von der Dienstesleistung enthoben. Ueberdies wurde über Vermittlung der orthodoxen Durchführungscommission — wie ..Zs. H—ö" meldet — gestattet, daß die in den Gefängnissen befindlichen Individuen jüdischen Glaubens in der Zeit vom 8. bis 16. d. mit rituell zubereiteten Speisen versehen werden dürfen. (Vorträge.) In der ungarisch.israelitischen, literarischen Gesellschaft hielt heute Abends halb 7 Uhr Prediger Dr. Julius Weiß bürg einen interessanten und lehrreichen Bortrag über „jüdische Reisende im Xll. Jahrhundert". Im Prunksaale der israelitischen Cultusgemeinde hatten sich aus diesem Anlässe eingefunden: der Präsident der Gesellschaft Rabbiner Dr. Samuel K o h n, der Rector der Berliner Lehranstalt für Wissenschaft des Judenthums, kön. Rath Philipp Wein mann. Bankdirector Dionys B eck, Dr. Franz Mezei uud Andere, darunter auch viele Damen. Seinen gründlichen und anregenden Bortrag begann Dr. Weiß bürg mit einem kurzen Rückblick auf die jüdischen Förderer der Wissenschaft im Alterthum unv Mittelalter, dann kam er auf sein eigentliches Thema, die jüdischen Reisenden des Xö Jahrhunderts Rabbi Benjamin von Tudela und Rabbi Petachjah von Regensburg und ihre Bedeutung für die Hebung der geographischen Kenntnisse des Mittelsalters zu. sprechen. Rabbi Benjamin trat im Jahre 1150 seine Weltreise in Saragossa an; er reiste über Süd-Frankreich. Italien Griechenland. Armenien. Syrien, Babylonien. Persien, Egypten, Tunis und Italien, von wo er nach seiner Heimat zurückkehrte, ll-ber das auf der Weltreise Erfahrene veröffentlichte Rabbi Benjamin Notizen, welche von bedeutendem historischen Werthe lind. Rabbi P-tachjah von Reqensburg hat auf seiner Forschungsreise Böhmen, Polen, Rußland, das alte kumanische Reich, Babylonien, Syrien, Palästina bereist und kehrte über Italien und Frankreich nach Deutschland zurück. Die Aufzeichnungen dieses geographischen Forschers enthalten manche ethnographische Aufzeichnung von großer Wichtigkeit. Ueber die „Kmnanen" äußert sich Rabbi Petachjah folgendermaßen: Die Männer sind stark, besitzen ein scharfes Auge und viel kriegerischen Sinn. Sie bauen keine Schiffe, sondern nähen Roßhäute zusammen. In diese legen sie ihre Habe, binden die znsammengenäthen Felle an den Schwanz ihres Pferdes und schwimmen über den Kluß. Brod kennen sie nicht; sie essen R"is und rohes Fleisch, das sie unter dem Sattel mürbe machen. Die Pester israel. Gemeinderepräsentanz hielt gestern unter dem Vorsitz Sigmund K o h n e r's ihre ordentliche Jahresversammlung. In seiner Eröffnungsrede lenkte Präsident Siegmund K o h n e r in schwungvollen Worten die Aufmerksamkeit der Versammlung auf das Po: trat weil. Dr. Ignaz H i r s ch l e r's, gewesenen Magnatenhausmitgliedes und Gemeindepräses, welches die Gemeinde zum Zeichen ihrer Dankbarkeit für den Prunksaal malen ließ. Die pietätsvollen Worte des Präsidenten wurden mit lebhaftem Beifall ausgenommen. DieRechnungsrevisionsberichte wurden genehmigend zur Kenntnitz genommen und auf Antrag des Vorstandes beschlossen, vom 1864er Gebahrungsüberschusse per 36.871 fl. 38 kr. 20.000 fl. dem Baufond des neuen Tempels, 10.000 fl. dem Baufond der neuen Schule und 6871 fl 38 kr. dem Adele BrSdy-Kinderspital zuzuführen. Da-Budget- Präliminare pro 1895 wurde im Sinne des Vorschlages der Vorsiehung mit 365.154 fl. 49 kr. Ausgaben und 358.324 fl. 10 kr. Einnahmen sestgeflellt. Der Bericht der Vorstehung wurde einhellig zur Kenntniß genommen und beschlossen, auf dem Grunde Ecke Gärtnernnd Wesselenyigasse eine mit der Zeit zu einer Bürgerschule zu erweiternde Knaben-Elementarschule zu errichten, für welchen Zweck bereits 210.000 fl. zur Verfügung stehen. Ferner wurde beschlossen, den Bau des Adele Brüdy-Kindersvitales unverzüglich in Angriff zu nehmen; für diesen Zweck stehen bisher — die Stiftung Sigmund Brüdy's und die seither eingegangenen Spenden zusammengenommen — 202.000 fl. zur Verfügung. Eine größere Debatte rief der Antrag des Vorstands hervor, das Maximum der Cultussteuer von 400 fl. auf 1000 fl. zu erhöhen. Zu dem Anträge sprachen Berthold Weiß, Ludwig v. Krauß, Alexander Deutsch de Harvan, Dr. Alexander Fränkel und PaulDen c6r. Der Präsident wies auf das Anwachsen der Bedürfnisse der Cultusgemeinde hin und empfahl die Annahme des Antrages. Dieser wurde denn auch mit überwiegender Majorität angenommen. Die im Ausschüsse vacanten zwei Stellen wurden mit Sigmund Brody und Karl Gomp e r z besetzt. Zu Mitgliedern der Vertretung des VI. israelitischen Gemeindedistrictes wurden gewählt: Ludwig Adler, Dr. Bernhard Alexander, Dr. Adolf Agai, Dr. Wilhelm Bacher, Dr. Jonas Baron, Ludwig Baumgarten, Sigmund Brody, Armin Brüll, Dr. Franz Chorin, Dr. Sigmund Dßcsey. Anton Deutsch (Journalist), Jakob Deutsch, Samuel Deutsch, Moses Ehrlich, Dr. Emil Farkas, Dr. Bäla Feleki, Adolf Fenyessy, Eduard Fleischmann, Berthold Goldberger de Buda, Dr. Ignaz Goldziher, Max Grünbaum, Dr. Friedrich Haläß, Joseph Hüvös, Dr. Arthur Jellinek, Dr. Moriz Kärmän, Dr. David Kaufmann, Dr. M. Kayserling, Leopold Keppich, Dr. Samuel Kohn, Sigmund Kohner, Sigmund Kornfeld. Ludwig Krauß de Megyer, Dr. Theodor Löw, Dr. Paul Mandel, Dr. Heinrich Marczali, Dr. Franz Mezey, Dr. Moriz Mezei, Dr. Bernhard Munkäczi, Dr. Anton Reumann, Dr. Armin steumann, Dr. Alexander Neumann jun., Ignaz Pfeifer. Jlles Polläk. Stephan Popper, Karl Reuß, Dr. Jakob Rott, Dr. Läzär Samuel, Baron Sigmund Schoßberger, Dr. Jakob Schreyer, Armin Schwarz, Dr. Gustav Schwarz, Martin Schweiger, Dr. Joseph Simon, Adolf Sleruthal, Dr. Berthold Stiller, Dr. Moriz Stiller, Max Szabolcsi, Dr. Adolf Szili, Karl Svab, Paul Teurer, Dr. Alexander Ullmann de Eräny, Leo Beigelsberg, Dr.Soma Bisontai, Alexander Wahrmann, Dr. Philipp Weinmann und Berthold Weiß. llntpr (Htpnriifen aus den Präsidenten schloß die Generalversammlung. Bukarest. (Zur Situation in Wien.) Das Morgenblatt der „N. Fr. Pr." vom 31. März beschäftigt sich in zwei Aufsätzen mit der Rolle der jüdischen Wiener Bürger als liberale Wähler. Aus beiden Aufsätzen leuchtet in klarer Weise hervor, von welcher Wichtigkeit jene Wähler sind; was mich aber besonders überrascht und was auch jeden, speciell den Wiener Angelegenheiten Fernestehenden überraschen muß, ist die Art (ist dieselbe Aufrichtigkeit zu benennen?), mit welcher die liberale Partei den Juden erklärt, welchen Schaden ihr dieselben durch eine Abstinenzpolitik bereiten — ja, nicht ihr, der liberalen Partei, allein, sondern auch der Haupt- und Residenzstadt Wien und sogar der ganzen Monarchie. „Die Verwaltung der Stadt Wien würde in die Hände der Antisemiten fallen, oh, welche Schande!" Nun wird anerkannt, daß die Abstinenz der Juden bei einer Wahl ein consternirendes Resultat haben kann, daß „w:an ein Theil der Wählerschaft (im gegebenen