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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-04-12 · 15 (12.4.1895) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
15 (12.4.1895)
Date
1895-04-12
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 15 Dr. Bloches Oestrrrrichifche Wochenschrift. Seite 281 „Bis der Gastfreund wiederkehret, Hüt' ich ihm sein Pfand; Ob er nimmer wiederkehret, Wohnt sein Erb' im Land, . Nur der Erbe selbst erwerb' es, Doch dem Räuber seines Erbes Weigert's diese Hand." „„Aber, sieh', in meinen Händen Ist Dein einz'ger Sohn; Willst Du nicht den Panzer geben, Sieh' mein Schwelt ihm droh'n? Nur der Panzer kann ihn schützen; Willst Du selbst Dein Blut verspritzen, Sei die Treu' Dein Lohn i"" — „Laß mich, Weib! mit Deinen Klagen, Mach nicht weich mein Herz! Wenn Du fühlest Mutterjammer, Fühl' ich Baterschmerz. Beide wiegt die Ehre nieder, Und der Klang der Todtenlieder Treue Brust von Erz! — Zwischen Treulos-Kinderlosheit Stellst Du mir die Wahl: Ich nicht halt ihn, hält zurück nicht, Ehre Deinen Stahl. Morden, darfst Du, Dein Gefang'nes, Ich bewahre mein Empfang'nes, Treu in Todesqual." Stackeftaundraht. Lueger. In Kurzem wird er droben sein, Er steht schon auf den Stufen Und kann dann im gegebenen Fall Sich selbst zur Ordnung rufen. Wahlbetrachtung. Man stellt ihn auf und weiß genau, Man wird ihn doch nicht wählen Zählcandidaten nennet man Diejen'gen, die nicht zählen. Nicht eomplet. Ernst Schneider fehlt im Rathhaus noch, Sein freches Wort, sein dreistes — Er drückt dann der Versammlung auf Den Stempel seines Geistes. Silberer. Luftschiffer als Gemeinderath! Die Sache, die ist eigen — Auffahrend war er. früher schon Und jetzt läßt er sie steigen. GorreMnäensen. Wien. Von einer hervorragenden Persönlichkeit erhalten wir folgende Zuschrift: „Geehrter Herr Redacteur! In der letzten Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift treten Sie für die sofortige Mandatsniederlegung der liberalen Gemeinderäthe ein, damit der antisemitischen Opposition die volle Verantwortung für die künftige Verwaltung der Stadt zufalle, und fordern die liberale Wählerschaft auf, die freiwerdenden Mandate mit Socialdemokraten zu besetzen^ weil! diese allein den antisemitischen Hetzern in der Gemeindestube gewachsen wären. Ich würdige in vollem Maße die ehrlichen Beweggründe, welche Sie bei diesem Vorschläge leiten, bedauere jedoch aufrichtig, mich Ihrem Vorschläge, der offenbar unter dem unmittelbaren Eindrücke des antisemitischen Wahlsieges niedergeschrieben wurde, nicht anschließen zu können. Was^zunächst die Massenniederlegung der Mandate betrifft, so widerspricht ein solcher Schritt der Ehrenpflicht einer großen, politischen Partei, die ihr anvertrauten Positionen bis zur letzten Minute und mit dem Aufgebote der äußersten Kraft zu vertheidigen. Die liberale Partei hat nicht das Recht, freiwillig zu abdiciren; sie hätte dieses Recht auch dann nickt, wenn sie bereits numerisch in der Minorität wäre, geschweige denn schon heute, wo sie noch über eine Majorität von zehn Stimmen verfügt. Die leider an vielen Stellen eingerissene Muthloflgkeit hat offenbar darin ihren Grund, daß die liberale Wählerschaft die bisherige Saumseligkeit und Nachlässigkeit ihrer Vertreter in der Erfüllung ihrer Pflichten kennt. Man weiß, daß insbesondere in den Sommermonaten zahlreiche liberale Gemeinderäthe den Sitzungen fernbleiben, während die Antisemiten vollzählig bei denselben erscheinen. Das konnte man bisher ruhig dulden, von nun an aber werden die Herren eben pflichteifriger sein und strengeDisciplin halten müssen. Warten wir ab, ob dies geschehen wird. Geschieht es nicht, dann wird es eben Sache der Wählerschaft sein, die Pflichtvergessenen zur Rechenschaft zu ziehen. Man wird dann wenigstens die Spreu vom Weizen sondern können und auch das ist von großem Vortheil. Noch weniger aber kann ich mich mit der Ansicht befreunden, daß wir zu Zwecken der Controle Soeialdemokraten in die Gemeindevertretung entsenden sollen. Wer die „Arbeiter- Zeitung" liest, wird finden, daß dieselbe nicht nur keine judenfreundliche, sondern oft sogar eine direct judenfeindl i ch e Haltung einnimmt. Das ist eine specifische Eigenthümlichkeit der österreichischen Socialdemokratie, die trotz ihrer fortwährenden Betheuerungen. daß sie keinen Unterschied der Nationalität und Confeffion kenne, keine Gelegenheit vorübergehen läßt, um das Judenthum mit dem Großeapital zu identifieiren und ihm Eins am Zeuge zu flicken. Vielleicht erklärt sich das durch dem Umstand, daß an der Spitze der „Arbeiter- Zeitung" und der österreichischen Socialdemokratie ein getaufter Jude steht, der auf solche Weise der oft wiederholten Verdächtigung von antisemitischer Seite, die österreichiscke Socialdemokratie stehe im Dienste des Judenthums, die Spitze abbrechen will. Wie dem auch immer sei, so ist doch die Gehässigkeit der „Arbeiter-Zeitung" gegen die Juden eine unleugbare Thatsache, und eines solchen Frevels gegen den Grundsatz der Gleichberechtigung'hat sich das Organ der deutschen Socialdemokratie, der „Vorwärts",niemals schuldig gemacht, obgleich ja auch dort die gleiche Verdächtigung Nahrung fände in dem Umstande, daß einer der Führer der deutschen Socialdemokratie, der Abgeordnete Singer, gleichfalls Jude, und noch dazu ein u n g e t a u f t e r ist. Ich glaube daher nicht, daß die Ersetzung der liberalen Gemeinderäthe durch socialdemokratische für uns Juden vortheilhaft und empfehlenswerth wäre und möchte von einer weiteren Verfolgung dieses Vorschlages entschieden abrathen." Brünn. (Mährisch-jüdischer Landesmassafond.) Die diesjährige Delegirtenversammlung zur Verwaltung dieses Fondes wurde am Montag den 25. März abgehalten. Kaiserlicher Rath Mandl eröffnete die Versammlung mit der Feststellung des Beschlußfähigkeit, entschuldigte die Abwesenheit des durch ein Unwohlsein abgehaltenen Obmannes Julius Ritter v. G o in p e r z und hielt hierauf folgende Ansprache: „Wie den Herren bekannt, beschlcffen wir mit dem vorigen Jahre das fünfundzwanzigste Jahr der autonomen Verwaltung unseres Fondes. der durch die Weisheit und Hochherzigkeit weiland Kaiser Josef's im Jahre 1787 begründet, im Jahre 1869 von unserem Kaiser der mährischen Judenschaft in die eigene Verwaltung übergeben wurde. Wie heilsam und ersprießlich dieser großartige Act unseres Kaisers auf unser Schul- und Gemeindewesen eingewirkt, ersehen Sie aus der vergleichenden Zusammenstellung in unserem Rechenschaftsberichte, worin das Anwachsen der Leistungen des Fondes ziffermäßig dargestellt ist. Wir können daher unsere diesmalige Beratbung nicht würdiger eröffnen, als wenn wir unserer tiefen Ehrfurcht und Dankbarkeit gegen die erhabene Person unseres allverehrten Kaisers begeisterten Ausdruck verleihen. und ich fordere Sie auf, in den Ruf einzustimmen: ..Se. Majestät unser allergnädig st er Herr und Kaiser lebe hoch!" Die Versammlung, welche diese Worte stehend anhörte, brachte ein dreimaliges, begeistertes Hoch aus. Sodann wurde der Rechenschaftsbericht des Cura riums, sowie der Bericht der Revisoren für 1894 verlefen d beide einstimmig genehmigt: demgemäß der Ueoerfchuß es Jahres 1894 mit 4972 fl. 13 kr. auf die Erträgnisse des aufenden Jahres vorgetragen und dem Curatorium das Ab olutorium ertheilt. Der Voranschlag für 1895 beziffert die Einnahmen mit 50.467 fl. 63 kr., Me Ausgaben mit 50.293 fl 26 kr., (darunter für Schulen 14400 fl.. lRenreinden 12.500 fi.. Personalunterstützungen 10.600 fl.. Stipendien 600 fl., Bildungs- und Humanitätsanstalten 4000 fl). Bei

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