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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-04-12 · 15 (12.4.1895) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
15 (12.4.1895)
Date
1895-04-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 15 Dr. Bloch's Orsterrrichische Wochenschrift. Seite 279 Koscher-Wein geboten wird, der dem renommirten, französischen Bordeaux-Wein nicht weit zurücksteht, und zweitens, wird durch die Einführung des Weines Tausenden von Glaubensgenossen. die im heiligen Lande den Boden ihrer Väter bearbeiten, zur Existenz verholsen. Allen unseren Glaubensgenossen in Europa, denen das Wohl des heiligen Landes und das Wohl ihrer Glaubensgenossen, die sich mit der Colonisation des Landes beschäftigen, an dem allein doch die glorreiche Vergangenheit Israels hängt, am Herzen liegt, rufe ich hiemit zu Trinket Palästina-Wein! Jaffa, März 1895. Israel S a f i e r. Vom Jahrmarkt des Lebens. Die Nothnagel-Stiftung. Das aus den Doctoren der Medicin Baum, Breuer. Eisensitz. Fleisch mann, Oser, Schiff, Schnabl, Teleky (Obmann) und Wahrmann bestehende Comitß hat soeben verlautbart, daß es seine Aufgabe, Gründung einer Nothnagel-Stiftung, beendet und behufs Activirung um llebernahme derselben von Seite der Wiener Universität die nöthigen Schritte eingeleitet habe. Bis znm Jnslebentreten der Stiftung erliege der eingegangene Betrag von 54.000 fl. nutzbringend bei der niederösterreichischen Escompte-Gesellschaft. Diese Stiftung werde für immerwährende Zeiten den Namen Nothnagel's tragen, und Professor Nothnagel selbst, so lange er lebe, einen bestimmenden Einfluß auf die Verwendung derselben ausüben. Es sei bestimmt worden, eine Anzahl von Stipendien für unbemittelte Studirende und Rigorosanten (fünf ä 300 fl. und der Zinsenrest von circa 500 fl. nur zur Erlegung von Rigorosentaxen) an der medicinischen Facultät zu cceiren. Die Stiftung werde, wie es in der erwähnten Berlautbarung ferner heißt, eine interconfessio nelle sein, die Hälfte der zur Verleihung gelangenden Stipendien an jüdische Petenten vergeben werden. Mit der juristischen Durchführung der Stiftung wurde der Wiener Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Adolf Stein betraut, der bereits die zweckdienlichen Schritte eingeleitet hat. Bon hohem Interesse ist das Dankschreiben, welches Professor Nothnagel an das Stiftungscomite gerichtet hat, der Brief lautet: „Euer Hochwohlgeboren! Was für das schwerverwundete Empfinden das Höchste ist, Sie thun es: Sie üben Güte und Milde — uud über die traurigste Ungerechtigkeit breiten Sie den sanften Glanz einer edlen und hochherzigen Handlung, und mit derselben verbinden Sie für mich, der ich nur dem heißen Drange meines Gefühls gefolgt bin, nur gethan habe, was heiligste Pflicht der Menschlichkeit gebietet, einen mich so tief ergreifenden Ausdruck Ihrer Sympathie. Als eines der kostbarsten Besitztümer meines Lebens will ich denselben stets bewahren, und aus bewegtem Herzen sage ich Ihnen innigsten Dank dafür. Was Sie für Bedrängte gethan haben, um ihnen den harten Kampf um's Dasein zu erleichtern, wird den Segen bringen, der auf jeder guten That ruht. Mir aber ist es ein erhebendes Gefühl, daß durch ihre hochherzige Stiftung mein Name mit unserer ruhmreichen Alma mater verknüpft bleiben wird. In ausgezeichneter Hochachtung Euer Hochwohlgeboren ganz ergebener Doctor Nothnagel." Bei Dr. Marmorek. Paris, 8. April. Der Correspondent der „N. Fr. Pc." besuchte heute den jungen Wiener Arzt Dr. Marmorek, der im Institut Pasteur den Streptococcus bekämpft. Das Institut liegt weit draußen in Baugirard. Auf diesen weltfernen Boulevards ist jetzt lustiger Jahrmarkt. da^, Treiben einer naiven Provinzstadt. In einer stillen Gasse stellt das berühmte Haus der Bacillenforschung, Alles reinlich, hell und freundlich. Hinter großen Atelierfenstern stehen Männer, die Prüfgläschen gegen das Licht halten oder durch Mikroskope gucken. In den weiten Gängen des Hauses schwebt der süßlich widerwärtige Geruch verschiedener Desinfectionsmittel. Im zweiten Stock neben dem Laboratorium des Professors Metchnikow ist. Dr. Marmorek's Zimmer. Auf Gasflammen kochen mysteriöse Flüssigkeiten, Marmorek impft gerade ein Tröpfchen Bouillon mit Streptococcen, die er in einem Gläschen voll Gelatine gezüchtet hat. Ein älterer Herr kommt herein uud spricht mit schweren Accent Deutsch, aber er spricht Deutsch. Das ist Herr Metchnikow; er bittet um sehr virulentes Serum. Dann erklärt mir Dr. Marmorek, was ich da sehe und nicht verstehe. Er schiebt ein Glasplättchen, auf dem sich etwas Blaues. Klebriges befindet, unter das Mikroskcp; das ist der fürchterliche Streptococcus mit Anilinblau gefärbt; er steht aus Wie ein Körnchen, unendlich klein, unendlich gefährlich. Dieser Bacillus war schon lange bekannt. Dr. Marmorek hat ihn nicht entdeckt, aber unschädlich will er ihn machen. Es werden jetzt, wie Sie schon berichteten, mit Tr. Marmorek's neuem Heilmittel erfolgreiche Versuche an Menschen in verschiedenen Spitälern gemacht. Man behandelt Ro thlauf und Wochenbettfieber mit Marmorek's Mittel; vorläufig bat er noch wenig Serum zur Verfügung und kann nicht allen Einladungen, in die Spitäler zu kommen, genügen. In den drei Spitälern, die er täglich besucht, sind die Resultate sehr befriedigend. Nebst Rothlauf und Wochenbettfieber erregt der Streptococcus noch viele andere Krankheiten, erzählt Dr. Marmorek seinem unwissenden Zuhörer. Die bisher durch das Diphtherie-Serum nicht geheilten Dyphtheriefälle sind zu>n Theile Combinationen, in denen der Streptococcus vorkommt, auch hier soll eingegriffen werden. Näheres kann und will Dr. Marmorek n-cht sagen. Er möchte sich Enttäuschungen ersparen und nicht als Bielversprecher auftreten. Eines seiner fernen Ziele ist die Bekämpfung des Streptococcus in der Tuberculose. In den Eiterungen kommt dieser Bacillus vor, und es läßt fich denken, daß der Tuberculose eine mildere Form gegeben werde. Die Tuberculose der Reichen, die sich im Süden pflegen können, hat bekanntlich einen langsameren Verlauf. Dr. Marmorek hofft, daß man den Tnberculosen die schleppendere Form, also längeres Leben, bringen könnte. Von Heilung ist in seinen vorsichtigen Worten nichts gesagt; er meint nur. daß man den armen Brustkranken die Tuberculose der Reichen zu Theil werden lassen könnte, also, beinahe den Süden. So steht man mit wachsender Bewunderung vor diesem einfachen, unscheinbaren, jungen Gelehrten und vor seinen geheimnißvollen Gläsern und Fläschchen. Dr. Marmorek hat vier Jahre gesucht, bis er sein Verfahren fand; gegenwärtig ist es nur Pasteur und Dr. Roux bekannt. Nähere Mitthellungen sind jetzt noch nicht zulässig. Dr. Marmorek führte seinen Besucher endlich in die verschiedenen Laboratorien, wo andere Gelehrte mit anderen Bacillen ringen, dann in die Ställe der Versuchsthiere. Arme Kaninchen in Käfig, alle geimpft; alle haben Bersuchskrankheiten durchgemacht und machen sie noch durch. Zwei neue Maulesel sind heute angekommen. Da steht das Pferdchen, von dem das neue Serum genommen wird. Alle großen Thiere des Instituts Pasteur dienen jetzt für Marmorek's Versuche. Ich frage, ob sie sich die Impfung merken und nicht still halten. „Ja", ist die lustige Antwort, „selbst die blöden Schafe und die dummen Esel wissen es schon, aber sie müssen doch herhalten. Alle diese Thiere waren schon sehr krank, jetzt sind sie wieder munter; nur mein Pferd hat mir viel Sorgen gemacht." Der Gelehrte streichelt mitleidig des Thier, und so kommt ein uaiv-gemüthlicher Ton in diese ernste und vielleicht für die Menschheit hochwichtige Sache. Bergan» der „Ehrenbürger" von Mühldorf. S ch ö n e r e r's „U. D. W." bringen die nachstehende Zuschrift: Geehrte Schriftleitung! Im Nachhange zu meiner in der „Ostdeutsche!: Rundschau" vom 12. März d. I. und in den „II. D. W. vom 16. März verlautbarten Mitteilung beehrefich mich noch Folgendes bekanntzugeben: 1. Zur Deckung der unterschlagenen Gemeindeumlagengelder und der Rentenobligation des Josef Möhr hat Ernst Bergani mit Schreiben vom 15. März d. I dem Herrn Dr. Jaromir Tobiaschek, k. k. Notar in Spitz a. D.. Geldmittel zur Beifügung gestellt. 2. Der Pfarrer von Mühldorf hat mir erklärt, daß er sich die Einbringung der Subsidiarklage gegen den Zeugen Bergani's, Johann Mang, gemäß £ 48, Z. 1, St.-P.-O. wegen Verbrechens des Meineides ausdrücklich Vorbehalte. 3. Die Gemeindevertretung von Mühldorf erhofft vom n.-ö. Landes- Ausichllsse eine ausführliche Darlegung des ganzen Sachverhaltes vor dem demnächst wieder zuf'mmentrelenden hohen Landtage. Dies deshalb, weil durch die Veröffentlichung dieser Angelegenheit weite Kreise der Bevölkerung in die Kenntniß der Mißslänoe in der Mühldorfer Gemeindeverwaltung gelangt sind und weil der Angeschuldigte Mitglied des b. n.-ö. Landtages thatsächlicy noch ist. 4. Die Gemeinde Mühldorf erwartet mit Bestimmtheit, daß Ernst Dergani angesichts der widerspruchslos erfolgten Veröffentlichung seiner Gebahrungsweise ohneweiters auf das Ehrenbürgerrechl dieser Gemeinde Verzicht leisten und von seinem Landtagsmandat uirücktreleu werde.

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