Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 15 (12.4.1895)
- Date
- 1895-04-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 276 Dr. Bloch's Oesterrrichlschc Wochenschrift. Mr. 15 nicht genügend entsprechen und sich für den Export nach Europa nicht eignen. Ich muß aber für die Araber zu ihrer Entschuldigung, daß sie den Weinbau vernachlässigt haben, anführen, daß chre mohammedanische Religion ihnen in der Verwendung der Traube eine enge Schranke gesetzt hat. Nicht nur der Genuß von Wein ist dem gläubigen Moslim verboten, sondern auch das Weinmachen und der Wein- Handel. Ja mancher Moslim will sogar seine Trauben dem Ungläubigen — als solcher wird jeder Andersgläubige gehalten — nicht verkaufen, wenn er im Vorhinein weiß, daß derselbe sie für Wein verwenden wird. Mit der Colouisation Palästinas durch unsere Glaubensgenossen ist also die Rebe erst in ihre historischen Ehren wieder eingesetzt worden. Der Anfang mit dem Weinbau wurde im Jahre 1885 in der Colonie Rischon-le-Sion, ein und einhalb Mellen von Jaffa, gemacht; dem Beispiele dieser Colonie folgten dann die andern Colonien nacheinander. Die Colonie Rischon-le-Sion wurde im Jahre 1882 von russischen Emigranten, idealistisch beseelte Leute, als Ackerbaucolonie gegründet. Bald nach zweijähriger Wirthschaft haben die Colonisten die bittere Erfahrung gemacht, daß zur Existenz einer Colonie selbst im gelobten Lande außer dem Idealismus auch noch der Materialismus gehört und daß aus ihrem sandigen Boden weder Weizen noch Gerste herauszuzaubern ist. In ihrer Noth haben sich die Colonisten nach Europa um Hilfe gewendet und sie auch beim hochherzigen Baron Edmund v. Rothschild in Paris gesimden. Der Baron, den das Unternehmen seiner Glaubensgenossen, Palästina zu colouisiren, in Entzücken versetzte, sandte sogleich Sachverständige, um die Verhältnisse an Ort und Stelle zu prüfen, und diese gaben ihr Urtheil dahin ab, die Colonie müsse, wenn sie aufrecht erhalten werden sollte, in eine Weinbaucolonie umgewandelt werden. Man stand dazumal vor einem schwierigen Problem, das in erster Reihe große Geldopfer und was vielleicht noch mehr sagen will, vierjährige Geduld erforderte, da man dem Gesetze der Bibel gemäß erst im vierten Jahre die Trauben genießen darf. Die erforderlichen Geldopfer dürften selbst einen Rothschild einen Augenblick zögern lassen, denn das allgemein bekannte Sprichwort der Diplomaten, zum Kriege gehören drei Sachen, die heißen: Geld, Geld und Geld, läßt sich auch für das friedliche Colonisationswerk anwenden. Zum Weinbau gehört gleichfalls dreimal Geld. Erstens Geld für die Bearbeitungsspesen, Geld für den Unterhalt der Familie des Weinbauers während der ersten drei Jahre der Ungenießbarkeit der Trauben und am Schlüsse wieder Geld für Kellereien, um in diesem heißen Klima den Wein Herstellen zu können. Der hochherzige Baron entschloß sich, all diese Geldopfer auf den Altar der Colonisation zu bringen, er hat den unbemittelten Colonisten das nöthige Geld für die Bearbeitung der Weinberge und für den Unterhalt ihrer Familien vorgestreckt und große Kellereien mit den musterhaftesten Maschinen ausgestattet, erbaut. Ferner hat der Baron eine Verwaltung mit dem Hauptsitze in Paris, an deren obersten Spitze er seinen Vertrauensmann Herrn Elie Scheid stellte, eingesetzt, die die Leitung der beginnenden Colonisation übernahm. Es wurden aus Frankreich Fachmänner hergeschickt, die Colonisten in der Bearbeitung der Weinberge zu belehren, und die in Frmrkreich gegen die Phylloxera angewendete Methode, amerikanische Reben zu pflanzen und diese mit französischen Sorten zu pfropfen, wurde auch hier angewendet. Die bemittelten Colonisten, denen der Eingriff des Barons als Garantie für das Gelingen des Werkes diente, haben ihre letzten Fonds geleert, um chre Grundstücke gleichfalls mit Weinreben zu bepflanzen. Es verstrichen vier volle Jahre in Geduld mrd Hingebung an einen: Werke, von dessen glücklichem Ausgang Niemand prophezeien konnte, und alsdann im vierten Jahre die erste Weinlese stattfaud, da ging ein Freudenschall durch die Colonie. Die Colonisten sahen endlich ihre Arbeit von Erfolg gekrönt und ihre Existenz gesichert. Das Resultat war sowohl hinsichtlich der Quantität als auch der Qualität der Trauben befriedigend, di Quantität war reichlich und die Qualität des erhaltenen Weines eine dem renommirten, französischen Bordeaux-Weine nicht weit zurückstehende. Durch diesen ersten Erfolg ermuthigt, begann die Colonie den Weinbau noch mehr auszudehnen, so daß jetzt der ganze Boden derselben, ungefähr 500 Hektare, mit Weinreben bepflanzt ist. Der Colonie Rischon-le-Sion folgten dann im Weinbau die folgenden Colonien. Wad-il-Hanin mit 50 Hektare, Rehoboth mit 150 Hektare, Gidera mit 100 Hektare, Petah- Tikweh mit 200 Hektare, Zichron-Jacob mit 1000 Hektare, Hidera mit 100 Hektare und Rosch-Pina mit 200 Hektare. Zusammen werden es also circa 2300 Hektare Weinberge sein, die jetzt in den genannten jüdischen Colonien vortrefflich gedeihen. Nachdem Ich bisher in kurzen Zügen den von Neuem aufblühenden Weinbau im heiligen Lande geschildert habe, will ich nun auch seine commercielle Seite beleuchten. Esbedingt nicht das Product allein, sondern auch seine Verwerthung den reellen Werth desselben, somit ist der Erfolg mit der Quantität und der Qualität der Trauben solange nur ein halber zu nennen, bis auch die Verwerthung derselben, nämlich der Absatz des Weines, seinerseits auch einen Erfolg aufzuweisen haben wird. Wie bereits oben erwähnt wurde, hat der hochherzige Baron v. Rot h s ch i l d auch für die Verwerthung der Trauben Sorge getragen, er hat zu diesem Zwecke an zwei Centralpunkten der Colonien, der eine in Rischon-le-Sion in der Nähe von Jaffa und der zweite in Zichron-Jacob in der Nähe von Caifa, musterhafte Keller, mit den musterhaftesten Maschinen versehen, erbaut, in welchen auch die Trauben der je benachbarten Colonien abgekaust werden. Die Kelle. Verwaltung bezahlt jedem Colonisten für die abgelieferten Trauben, wobei ihm nur einige Procente für die Amortisation seiner Schulden abgezogen werden, und die Kellerverwaltung verkauft alsdann den Wein und den Cognac auf ihre eigene Rechnung. Allein bei all dieser Fürsorge des hochherzigen Barons sind doch die Gemüther der Colonisten ob ihrer Existenz beunruhigt. Es ist nämlich die Frage, wo denn der Wein seinen Absatz finden wird, welche die Gemüther in banger Unsicherheit hält. Wenn auch die Prcduction von 2300 Hektare in einem europäischen Lande als unbedeutend erscheinen würde, so ist sie doch in einem so dünn bevölkerten Lande, wie Palästina, dessen Einwohner noch dazu der Mehrzahl nach der mohammedanischen Religion angehören und dem Genüsse von Wein entzogen sind, als Ueberproduction zu betrachten. Soll der Wein etwa nach Europa exportirt werden, wie es bis jetzt in geringer Quantität auch der Fall ist, so hat er dort nicht nur gegen die natürliche Concurrenz der italienischen und französischen Weine, sondern auch gegen die durch die in den Handelsverträgen der mitteleuropäischen Staaten diesen genannten Weinen eingeräumten Zollbegünstigungen bedingte Concurrenzfähig'keit dieser Weine zu kämpfen. Die Frage, wo der Wein sein Absatzgebiet finden wird, harrt vorläufig noch chrer Lösung, und bis dahin werden die Colonisten beunruhigt sein, da es doch anzunehmen ist, daß bei Auftreten von Schwierigkeiten solcher Natur die Kellerverwaltung nicht fortfahren könnte, die Trauben den Colonisten abzukaufen. Um zur Lösung dieser wichtigen Frage beizutragen, will ich hervorheben, daß der Palästina-Wein im Kampfe mit den italienischen und französischen Weinen ihren weltlichen Waffen der Zollconventionen eine höhere geistige Waffe seiner Herkunft entgegenzustellen hat. Mag auch, der Palästina- Wein etwas theuerer sein, als die anderen Weine, so dürfen unsere Glaubensgenossen ihm doch den Vorzug geben, namentlich bei besonderen Gelegenheiten, wie in Fest- und Feiertagen; es wäre dies ein sehr schöner, jüdischer Brauch, sich bei Festmahlzeiten durch den Genuß von Palästina-Wein Jerusalems zu erinnern. (Psalm 6XXXVII.) Das kleine Geldopfer wäre doppelt entschädigt, indem erstens unseren Glaubensgenossen ein echter guter