Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 15 (12.4.1895)
- Date
- 1895-04-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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«eilt 277 Ju. 15 Dr. Bloch's Oestrrreiuftschr Wochenschrift. Frau wäre, ließe ich mich mir von H orovitz auf Leinwand und die Nachwelt bringen. Seine Portraus sind zudem in Hinsicht auf ihren hohen künstlerischen Werth spottbillig zu nennen. Ans zehn Tausender bekommt man noch eine Kleinigkeit heraus. Ob bei Bestellung von gleich einem Dutzend auf einmal ein kleiner Nachlaß gewährt wird, weiß ich nicht, doch denk' ich wohl. Der kühl-ernste Herr Docror L ö w - - auch von Horovitz — hat niir lange nicht so gut gefallen, wie seine schöne Frau. Erstens einmal vermisse ich in seinem Auge den feuchten, poetischen Schimmer, den sanften Rehblick und dann ihr Haar! Man möchte ordentlich Friseur werden, um die Hand ans diesen Wellen zu schaukeln. Noch ein Mädchenbildniß — der Familie Haas gehörig — ist von Horovitz zu sehen und noch ein Porträt des Herrn W. Kuffner, und abermals eines des Grafen Przczdziecki. Das Weibliche ist wieder einmal am prächligsten gelungen. Ein schlankes Menschenkind, mehr Liliensteugel als Frauenleib, auf dem sich ein reines Köpfchen blumenhaft wiegt. Der edle Graf mit den vielen »zccz« und der reiche Brauherr mögen gleich sehr zufrieden sein mir ihren Conterfeis. Nun zu den Uebrigen. — Ein Knnslbericht nach der Reget läge außerhalb des Rahmens dieses Blattes. Wir fühlen uns durchaus nicht gehalten, von Allem Notiz zu nehmen und Jedem sein Lob oder Löblern zu spenden. Ein zwangloses Schlendern drnch die Säle ist unsere Absicht . . . S e l i g m a n n's Allegorie dem grabschai'ifelnden Greife verliert sich allzusehr i:: das Reich mystischer Speculaiionen. Man muß da zu viel spintisiren und vergißt •« schauen. Aiif die malerischen Absichten kommts doch au. Philosophie >n Oelsarb.n ist von der gleichen Unzulänglichkeit, wie die tönende Metaphysik Flau; Lisrt's für Chor und großes Orchester. „Numa und Egeria" — wieder von Seligmanu, eine ernsle, gründliche Arbeit. Doch ein wenig akademisch gebunden. Es ist verspätet eingetrofsen — um •20 Jahre. Seine „Garteristudie" ist gut und zeigt, daß er sich den unbefangenen Blick in die Natur erhalten hat. Man kann nämlich auch schon im Schauen lügen. Des hochbegabten H ir sch l's Medaillons ,,Die vier Jahreszeiten" sind brav und tüchtig, doch vermissen wir den gewissen Zug in's Große. Ein wenig hart gesotten sind sie, diese Amoretten. Seinem Wiener Mädchen-Porträt fleht dies Hoibeiuisnln besser an. „Ein Harber Zcchnd", wie sie in Wien sagen. Das Frauenzimmer leidet an zu viel Contur, doch trifft man's im Leben so. Bon den Bildern unseres Landsmannes Simon Glücklich, jetzt in München, wollte uns der „Strickunlerricht" weitaus am besten gefallen. In einer TischleiWerkstatt mit Sonnenlicht und Hobelspänen — sitzen zwei kleine Mädchen, eines mütterlich sorglich lehrend, das andere ängstlich aufmerksam lernend. Es ist so viel Laune in der einfachen Sache, daß man ihr gut sein muß. G l ü ck l i ch vermünchnert sich langsam in feiner Malweise und zieht den Wiener ans. Wozu wir hier eigentlich eine Akademie haben, gerade eine solche, wie wir sie haben? Damit die jungen Leute sich mit Herrn Schönerer in Verbindung setzen? Es verursacht den „Ausgelernten" die allergrößte Mühe, all das zu vergessen und zu verlernen, was sie hier an Kunstlehren und -Griffen erfahren. Der schöne Schulpalast am Schillerplatz ist so eine Art Invalidenhans für ausgediente Maler, die nach dem Dicustreglement von 1827 Unterosficiere ausexerzieren wollen. Verknöcherte Kunst - weisen werden in Spiritus aufbcwahrt. Konrad Ferd. M e y e r's Verse klingen uns im Ohre: „Hier läuft ein Kerl und schwingt die Halebard, Der's nicht bemerkt, daß cr getödtet ward, Bei meinem Bart! Das Bild der alten Zeit, Die noch die Waffe führt, und schilt, und schreit, Den jungen Tag bekämpft mit Trug und List Und nicht bemerkt, daß s i e v e r st o r b e n i ft I" Das Selbstbildniß von Johanna Kirsch in München „Bei der Lampe" in Tempeiafarbe auszeführt, zeigt hübsche Lichteffccte in Schalcken'scher Art. Daniel Israel bringt ein Interieur aus dem Morgenlande. Zwei Haremsdamen kokettiren zum Fenster hinunter. Josef K i n z e l' s „Ohne Hausirschein" ist abseits von jeder antisemitischen Tendenz und das verdient hervorgehoben zu werden. Ein armer Hausirjude, der es noch nicht zum Pantherfell gebracht und noch beim Hasenfell hält, wird vor die gestrenge Dorfobrigkeit geschleppt. Lauter Abnehmer des Deutschen Volksblattes offenbar. Die Bornirtheit ist von den flachen Stirnen herabzulesen. Der „Burgamaster" sieht nicht um ein Haar geistreicher aus, wie Greg orig, wenn er, das socialpolitische Steckenpferdchen tummelnd, gegen den Frauenerwerbverein etwa zu Felde zieht. Es ist ein Bild aus dem Leben. - Leider. — Sigmund Lands inger's „Sappho" betrachten wir als sichere Anweisung auf die Zukunft. Tina Blau, die unbestritten erste Meisterin der deutschen Landschaft, hat ein Bild „Aus Grinzing" und eines aus dem „Prater." Sie hat sich zu einer männlichen Graßheit und Größe durchgerungen; den besten Stimmungsfranzosen rückt sie nahe an den Leib. Ihre Farbe ist tief und gesättigt. Volle rauschende Aceorde schlägt sie an — die Periode der zarten Frühlingsstücke mildem duftigen Grün sind für fic vorüber. Bronislawa Pinell hat thaufrische „Butterblnmen"und eine frierende „Alte am Feuer" mit breiter Kraft gemalt. Ihr schönes, längst anerkanntes Talent ist damit lange nicht ausreichend repräsentirt. Max Koner in Berlin, der 1894 die goldene Staatsmedaille hier nch ermalt hat, zeigt unS ausgezeichnete Aquarell-Porträts, die seine eindringliche Charakteristik und männlich-kräftige Vortragsweise wieder aufzeigen. Sein „Kaiser Wilhelm" ist von schneidiger Energie. Tr. Carl Bunzl, ein Dilet ant (?), der manchen Künstler lehren könnte, stellt sich mit Pustellporlräls ein von sehr schätzbaren Eigenschaften. Die „heilige Eäciliä" des jungen Künstlers Theodor Bruckner — als geschickter Zeichner der „Wiener Mode" und schwacher Portiät-Pastellist bekannt — ist originell in der Auffassung und pikant in der Mache. Doch ist das ..heilige" Genre ganz sicher nicht das Gebiet, auf dem seine Lorbeeren grünen werden. Er wird hievon abschwenken, früher oder später. Das interessc.nte Porträt der jungen Dame im Schaukelstuhl von Rolert Schiff ist stark von den SccessionistkN beeinflußt. znnr Gluck von den Guten. Hintergrund Grasgrün und die Horizontlinie über der Rahmen leiste. Es ist gleich viel StimmungePoesie und Raffinement darin und moderne Mystik. Zuerst befremdet die sonderbare Art, darr» zieht das Werk den Beschauer energisch an und läßt ihn so rasch nicht los. Die Bildhauerei ist vortrefflich verlrcten. Wiederkönnen wir unsere kritische Musterung nur in sehr bescheidenem Ausmaße vornehmen. Josef K a ss i n, der vor Iahten dieJellinek-Büsle modellirle, hol drei Büsten gemacht, von denen die des Statthalter s G> as K ieiin ansegg dur ch zutreffende Aehnlichkeit frappirt. Namentlich dcr Blick — und das ist schwer in der Plastik — ist mit erstaunlicher Wahrheit gebracht. Ein Mann, der die Augen offeil har! muß sich der Beschauer sagen, auch ohne den Dargesiellten :n kenne». K assin hat erstaunliche Fortschritte gemcchi. feit wir seiner künsllcrischeu Entwicklung folge,'. Ein Mejstkrsiäck feinster Cha, akttrisirungskunst ist oie Büste von Josef G r ü n h u r, den Obirkirchenrath Dr. C. A. Witz darstellend. Dcr seinge'chnittene Mund, — süßes, heiliges Feiei tags-Lä'cheln, — eine leichtgekiümnileNase und eine intelligente Stirne. Eine interessante Mischung von — Geist, Pose sanfter Ironie und stiller Selbsibe'piegeliiug. Dieser Grün Hut ist eine Art Horovitz in Gyps. — Die große Gruppe „Achilles und Penthesilea' von Arthur Kaan erforderte einen Artikel für sich; eine ungestüme Kraft spricht sich darin aus. Dieser Achilles ist zwar ein wenig roh gerathen und diese Penthesilea nicht minder; ist uns aber noch immer lieber, als wenn sie ei tartete Enkel der Canova'scheu Helden wären. Vom Künstlerhaus in den Kunstverein! Dort möchten wir unsere Leser auf ein Bild aufmerksam niachcn: Ein Rabbiner im eifriger, Talmudslndii,» begriffen. lUber den Foliant,u geneigt, grübelt er nach — über die schwierige Stelle, über die er nicht hi, wegkommt. Der silberne Bart fließt in weichen Wellen auf das Brich hernieder. Auf der Stirn steht die jahrelange, geistige Arbeit in liefen Furchen eirgegraben. Einige andere Bücher liegen uusgeschlagen um ihn herum — Kc-mmentctoreu offenbar — die er aber keines Blickes würdigt. Mit gesenkten Lidern starit er un ans gesetzt ani dieselbe Stelle — die eine Faust ballt sich an der Schläfe, die andere ans dem Buch — er muß dem geheimsten Sinn der heiligen Worte auf den Grund kommen nud sie erhellen — die dunkle Stelle, die ihn nicht losläßt. Das ausgezeichnete, lebensgroße Bild ist von d,m in Wien lebenden Künstler D. Ko hu mit schlichter Meisteischast gemalt. Gehen Hunderte spöttisch oder achselzuckend an dem alten 'Inden vorüber, so getroste den Künstler das hohe Lob und die wcrthvolle Anerkennung, welche ein Horovitz seinem Werke gezollt. Einer fehlt auf den Ausstellungen: unser wackerer Isidor- Kaufmann. Er bereitet Großes vor und ist nicht rechtzeitig damit fertig worden. Die Jeschibah von Preßburg malt er in seiner bekannten detaillirenden Ausführung — mit zwölf Figuren oder noch mehr. Wir dürfen nichts vcrrathen. .. . Aber aus dem Gesagten ersieht man zur Genüge, das es ein saules, künstlerisch unbegabtes Volk sein muß, dies jüdische, das nur von fremder Arbeit zehrt, nicht wahr? — und dessen Kunst nur eine Afterkunst ist, nicht der Rede werth. F- Der Weinbau in Palästina. (Originalberichl der „Oesterreichischeu Woche,'schrisl" aus Jaffa.» Es ist wohl Jedermann, bekannt, daß Palästina ein für Weinbau sehr günstiges Land ist und daß daznlande noch im Alterthum, vor der jüdischen Aera, der Weinbau geblüht hatte. Erzählt doch die heilige Schrift, daß die von Moses ausgesandien Vorboten von den Trauben Eskol's Mitnahmen, um von dem üppigen Weinbau des gelobten Landes Zeuaniß abzulegen. Es muß daher jedes jüdische Herz mit Selbstbewußtsein erfüllen, daß es jüdische Colonisten sind, die diese alte Quelle des Wohlstandes des heiligen Landes wieder Herstellen. Als die ersten, jüdischen Colonisten vor ungefähr fünfzehn Jahren ankamen, haben sie nur wenige arabische Weinberge im Lande angetroffen. Die meisten dieser arabischen Weinberge sind in der Stühe der Städte. Die Trauben derselben sind von sehr vulgärer Sorte, daher sie nur als Eßlrauben Verwendung finden. In der für Weinbau ganz besonders günstigen Umgebung Hebrons sind zwar ausge- , dehnt er e arabische Weinberge anzutreffen, deren Tranbell die Araber für Rosinen verwenden, die aber diesem Zwecke doch