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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-04-05 · 14 (5.4.1895) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
14 (5.4.1895)
Date
1895-04-05
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 14 Dr. Bloch's Oesterrrichifchr Wochenschrift. Sette 361 Lemberg. (Eine Dankadresse.) Der Vicepräfident des Abgeordnetenhauses, David v. Abrahamowicz, hat von der jüdischen Bevölkerung Lembergs eine Dankadresse mit zahlreichen Unterschriften erhalten. Die jüdischen Gewerbetreibenden und Kaufleute Galiziens danken darin dem Abgeordneten für sein Wirken in der Frage der Sonntagsruhe, welches von einem den galizischen Verhältnissen Rechnung tragenden Erfolge begleitet war. Krakau. In dem so viel geschmähten Galizien werden Sträflinge, wie auch Militär wo es garnisonirt, zu Ostern von Seiten der Gemeinden mit ritueller Kost versorgt Ob auch jüdische Lehrlinge bei christlichen Meistern diese Berücksichtigung verdienen? Der Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten möge die Kinder der galizischen Brüder in den Localitäten des Vereines zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten mit ritueller Kost versehen. Es wird keine großen Kosten verursachen, da nur Wenige nach den Mazzes-Leckeröissen streben. Grodek, 29. März 1895. Am 25. März d. I. verschied nach kaum dreitägigem Krankenlager im 58. Lebensjahre die Frau des hiesigen, in weiten Kreisen ehrenhaft bekannten Kaufmannes und Magistratsmitgliedes Herrn Eisig Raab, die sich durch wohlthätiges Wirken und Gutherzigkeit auszeichnete. Die Ortsarmen verlieren an der leider so zeitlich Dahingeschiedenen ihre einzige Stütze, der zurückgebliebene bedauernswerthe Gatte die liebevolle aufopfernde und unersetzliche Gattin und die Hinterbliebenen Waisen die musterhafteste aller Mütter. Sie hat fromm und edel gelebt und ebenso fromm und gottesfürchtig, ihre Kinder erzogen. Die Betheiligung an der Leichenfeier war eine derart zahlreiche, wie man sie hier kaum jemals gesehen hat. — Friede ihrer Asche. A. L. Tarnopol, 28. März 1895. Unsere Stadt ist im letzten Decennium vornehmlich bei den Antisemiten hüben und drüben arg in Verruf gekommen. Dis „Tarnopoler Moral" ist geradezu typisch geworden; alle eingebildete und wirkliche Schlechtigkeit, die den Juden innewohnen soll, wird den „Tarnopolern" gerne in die Schuhe geschoben ... Neben dem hier seit Jahren bestehenden, nach Außen wie nach Innen achtunggebietenden „Tarnopoler israelitischen Bürgerverein" erstand unter der Aegide intelligenter Männer und unter der bewährten Leitung des Advocaten Dr. I a q u e s Horowitz ein zweiter Verein unter den Namen „Gesellschaftlicher Club", der in seiner Mitte die Elite der hiesigen Judenschaft vereinigt. Zweck dieses Vereines ist Pflege der gemeinsamen geistigen Interessen, sowie Hebung des Gemeinsinnes und der Geselligkeit unter den Mitgliedern. Vor einigen Tagen wurden die neuen Clublocalitäten, welche prachtvoll ausgestattet und eine wahre Augenweide bilden, in feierlicher Weise eröffnet, wobei zweckmäßige Ansprachen gehalten wurden. Möge dieser Verein, welcher berufen ist, ein Sammelpunkt der Intelligenz zu werden, blühen und gedeihen und fortbestehen. Feuilleton. Mein Freund Wodakoski. Novelle von Leopold v. Sachor-Masoch. (Fortsetzung.) Nachdruck verboten. Es war Frühling geworden und Sommer. Noch immer ging mir mein Freund aus dem Wege. Von Josepha hatte ich seither ebenso wenig etwas vernommen, als von der schönen Gella. Ich war eben damit beschäftigt, Papiersoldaten auszuschneiden und auf Brettchen zu kleben, als es an meine Thür klopfte und zu meiner Ueberrafchung Gella hereinkam. Sprachlos, die Hände voll Tischlerleim, stand ich vor ihr, während sie lächelnd fragte: „Spielen Sie noch mit Soldaten?" „Ja", erwiderte ich ein wenig verlegen, „mit meinen Brüdern. Ich glaube, es ist noch immer besser, als ich würde Karten, Billard oder gar mit Mädchenherzen spielen." Gella ging auf meine Bemerkung nicht ein, sondern begann die Einrichtung meiner großen Stube zu mustern, die mit Büchern vollgepropften Gestelle, den Globus, die Himmelskarten und Atlanten, die Gläser und Retorten und das Skelett in der Ecke. „Man steht, daß der Faust ihr Lieblingsbuch ist", sagte sie endlich; nachdem sie sich in meinen uralten Lehnstuhl, ein Erbstück meines Großvaters, gesetzt hatte, fuhr sie fort: „Weshalb kommen Sie nicht mehr zu uns? Sind sie am Ende eifersüchtig?" „Ich habe keine Ursache dazu, noch weniger hätte ich ein Recht es zu sein. Ich habe sehr viel Sympathie für Sie, Gella, und achte sie mehr als alle Mädchen, welche ich in meinen Kreisen kennen gelernt habe und schon deshalb habe ich mich wohl gehütet, mich in Sie zu verlieben." „Wenn das nur etwas helfen würde", sagte Gella mit einem wehmvthigen Lächeln. „Man kann sich noch so sehr hüten, die Liebe stiehlt sich dennoch in unser Herz." „Haben Sie diese Erfahrung bei sich gemacht?" „Ja, bei mir", erwiderte sie in ihrer sanften, ehrlichen Weise. „Ich habe mich tapfer g wehrt und dennoch-" „Dettnoch lieben Sie Wodakoski". „Ja, ich liebe ihn. Aber was soll daraus werden? — Ja, wenn er noch damit zufrieden wäre, zu wissen, daß ich ihm gut bin, daß ich glücklich bin, wenn er da ist, daß ich Antheil nehme an ihm und seinem Schicksal, aber Jan ist eine leidenschaftliche Natur und ich, Sie kennen mich, ich bin nicht das Mädchen, mich wegzuwerfen." „Weshalb sollten Sie nicht seine Frau werden, sobald er Sie liebt und Sie diese Liebe erwidern?" Gella machte eine abwehrende Bewegung. „Sprechen Sie nicht von Dingen, die unmöglich find; niemals würde ich mich taufen lassen, niemals, und die Ehe einer Jüdin mit einem Christen ist bei uns in Oesterreich nicht möglich, und wenn sie möglich wäre, ich würde doch niemals die Frau eines Christen! Sie wissen nicht, was bei uns die Familie ist. Das Band zwischen Eltern und Kindern, der Zusammenhang der Verwandten ist bei uns Juden ein so starker, und wir nehmen es Ernst mit unfern Pflichten, die uns wahrhaft heilig sind. Nein, nein, niemals werde ich seine Frau werden und deshalb..." In diesem Augenblick sang die Thüre und Wodakoski stand auf der Schwelle. Wir blieben alle drei einige Zeit stumm. Dann brach er los: „Also hier finde ich Sie! Die spröde Schöne, die mir ewig ihre Pflichten, ihre jüdische Moral entgegenhält, macht jungen Herren Besuche! Wenn ich es mit meinen eigenen Augen nicht gesehen hätte, ich hätte es keinem geglaubt!" „Du bist nicht gescheit," sagte ich, „was bildest Du Dir wieder ein?" „Es ist ganz gut so", sagte Gella, „der häßliche Verdacht. den Sie jetzt eben gegen mich ausgesprochen haben, macht es mir leichter. Ihnen zu sagen, was doch einmal gesagt werden muß. Ich liebe Sie, aber ich kann niemals die Ihre werden, um nichts in der Welt könnte ich die Meinen, meine Eltern, meine Familie, meine Glaubensgenossen verlassen und somit ist es besser, Siekommen nicht mehr zu uns!" „Sie sind doch nicht hierhergekommen, um mir das zu sagen, Gella?" „Nein, aber um es Ihnen sagen zu lassen; Ihr Freund sollte Ihnen mittheilen, was ich Ihnen selbst zu sagen nicht den Muth hatte." „Sie haben also mit mir gespielt, Gella", rief Wodakoski erregt. „Wann hätte ich das gethan, wenn ich ein Unrecht begangen habe, so ist es dieses einzige, daß ich Sie liebe!" Einige Zeit ging Wodakoski schweigend auf und ab. dann blieb er vor dem bleichen Mädchen stehen und ergriff ihre beiden Hände. „Ich werde also nicht mehr kommen", sagte er leise, „leben Sie wohl und suchen Sie mich recht bald zu vergessen. Mir wird es nicht so leicht werden, Ihr Bild aus meinem Herzen zu reißen." „Auch ich werde Sie niemals vergessen", gab Gella zur Antwort. Wodakoski riß sich los und eilte davon. „Nun ist es vorbei", murmelte sie, „vorbei für immer", während große Thränen ihre Wangen hinabliefen.... Ich vermied es einige Zeit zu Beer Gottesmann zu kommen; als ich wieder einmal das Gewölbe des Antiquars betrat, fand ich Gella in Gesellschaft eines jungen, bleichen Mannes, welcher damit beschäftigt war, Bücher zu ordnen. Gella war ruhig und freundlich, wie in den ersten Tagen unserer Bekanntschaft. Als ich mich zu ihr setzte, sagte sie leise: „Ich habe mich entschlossen zu heiraten, es ist besser so". Während ich sie verwundert ansah, fuhr sie fort: „Mein Vater hat schon lange für mich gewählt gehabt, ich aber schob

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