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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-04-05 · 14 (5.4.1895) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
14 (5.4.1895)
Date
1895-04-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr 14 Dr. Blvch's Oesterrrichifche Wochenschrift Seite 859 b r i n s k y, wurde die goldene Medaille am Wladimir-Barde verliehen. Petersburg. In vielen Ländern schämen sich die Juden ihrer Namen, sowohl der ehrwürdigen alttestamentarischen Vornamen, welche viele christliche Engländer und Amerikaner mit Stolz tragen, als auch der Familiennamen, wenn sie jüdisch klingen und verrathen, welchem Stamme der Träger angehört. Man bemüht sich, die Vornamen blos mit den Anfangsbuchstaben zu markiren und die Zunamen schleunig gegen besser (?) klingende einzutauschen. Bei uns ist eine geradezu entgegengesetzte Strömung zu bemerken, welche verzeichnet zu werden verdient. Unsere Juden wollen ihre verballhornten, durch Kose¬ oder Spottformen verderbten, heiligen Vornamen nicht etwa gegen moderne, profane einwechseln, sondern — ganz im Gegentheile! — sie in ihrer ursprünglichen Reinheit wiederherstellen. Aus „Schrulik" soll wieder „Jißrael", aus „Jzko" — „Jizchak" werden. Was Polizeiwillkür, alberne Brutalität und lendenlahmer Bureauwitz verstümmelte und dem Fluch der Lächerlichkeit preisgeben wollte, soll wieder erneuert und zurückverbessert werden. Der russische Senat hat erst in jüngster Zeit wieder eine Reihe solcher Ansuchen im zustimmenden Sinne zu erledigen für entsprechend gefunden. — Das Kreisgericht Warschau wies derartige Gesuche mit Beharrlichkeit zurück. Der Senat erkannte jedoch, daß hier gar keine Namensänderung, sondern eine Richtigstellung vorliege und beauftragte das Kreisgericht, im Sinne der Gesetze nochmals zu entscheiden. — Im Gouvernement Mohilew kam die Frage wiederholt zur Sprache. Herr A. N. Mandelstam, der Sachverständige für jüdische Angelegenheiten, gab sein Votum zu Gunsten der Petenten ab. Sie durften ihre entstellten Namen purificiren. Vielleicht ist nicht allen Ihren Lesern bekannt, daß fast jedes russisches Gouvernement einen solchen Sachverständigen besitzt, welcher den Titel der „gelehrte Jude" führt. Diese Einrichtung bewährt sich. Nur ein Jude kann Liebe und Berständniß für unsere Angelegenheiten haben; es muß aber ein Jude sein, der ein Herz für sein Volk, Gefühl für seinen Glauben mit Gelehrsamkeit vereint. Die meisten der Männer, welche das Amt bekleiden, sind von dieser Art und vermögen wesentliche Forderungen von nichtigen wohl zu unterscheiden. Ohne von den altehrwürdigen Geboten und Bräuchen das Geringste Preiszugeben, verschließen sie sich dennoch nicht den Anforderungen der neuen Zeit. Bialystock. Der Leiter des Unterrichtsbezirkes Wilna hat nachfolgendes Schreiben an die Melamdim in unserem Orte ergehen lasten: „Vom Ministerium der Volksbildung wird den Melamdim verboten: 1. den Kindern der Juden den Talmud zu lehren, 2. daß zwei Melamdim in einem Hause unterrichten, selbst wenn sie gesonderte Unterrichtsraume innehaben; 3. die hebräische Grammatik zu unterrichten, gleichviel aus welchem Lehrbuch immer; 4. hebräische Werke, wie z. B. die von Schulman und Ramsch u. dgl. mit den Kindern zu lesen." Nach dem Gesetze vom 1. März 1893 würden die Melamdim von der Ablegung eines Examens aus den weltlichen Wissenschaften dispensirt. Doch kamen im Verordnungswege so viele Einschränkungen hinzu, daß das Gesetz nahezu ausgehoben erscheint. Die Jeschiwahs und Talmud-Thoraschulen wurden einmal vor Allem ausgenommen. Mas das heißt, bedarf wohl keines weiteren Commentars. Das ist soviel, wie eine Aufhebung und Schließung derselben. Die eisten Größen, die bewundertsten Meister sind oft nicht im Stande einen russischen Satz correct niederzuschreiben. — Es mag ja sein, daß das Unterrichtsministerium den oben citirten Erlaß wieder aufhebt. Ein Recurs diesbezüglich wurde eingebracht. Vor läufig haben sämmtliche Melamdim unserer Stadt durch ihre Unterschrift sich verpflichten müssen, ihn pünktlich zu befolgen. Jerusalem. Mit ganz unglaublichen Schwierigkeiten, die man uns in den Weg legt, haben wir hier zu kämpfen. Die Colonisation Palästinas kann daher nur langsame Fortschritte machen. Jüdische Ansiedler aus Jemen thaten sich dennoch zu einem Vereine zusammen, der den Namen „Nachlath Israel" führt. Sie kauften 600 Dulam Landes an. Inzwischen, erfolgte das Verbot der Bodenerwerbung, welches jetzt wieder zum Glück aufgehoben ist. 25 Dulam Landes sind bereits urbar gemacht worden in der Nähe des Dorfes N am a h. — In unmittelbarster Nähe Jerusalems ist die Colonie ,)Bet Mizzeh" (Moza) gelegen, welche von Juden aus Jerusalem, durchwegs fleißigen und unermüdlichen Arbeitern begründet wurde. Möge Gottes Segen auf dem Werke ihrer Hände ruhen und sie friedlich die Frucht ihrer ehrlichen, schweren Arbeit genießen lassen. New-Aork Miß R i ch m a n . eine junge Dame von großer Begabung hielt letzthin einen beachtenswerthen Vortrag im hebräischen Jünglingsverein. Das Thema lautete: „Die junge Jüdin von heute". Mit Freude begrüßen wir die Thatsache, daß unsere jungen Damen sich wieder der Religion ihrer Väter mit Antheil und Liebe zuwenden. Dann wird und muß es besser werden! Sie verbürgen ja die Anschauungen des Heranwachsenden Geschlechtes, welches nicht mehr in kläglicher Indolenz großgezogen werden wird. Miß Ri chm an sprach in klarer, präciser Weise und machten ihre Ausführungen großen Eindruck auf ihre Zuhörerschaft. GermWleZ. Wien. Samstag den 22. d. M. fand bei Sr. Excellenz dem Herrn Minister des Innern Marguis B a c g u e h em und Dienstag den 2. April beim Ministerpräsidenten ein glänzender Empfangsabend statt. Es hatten sich die hervorragendsten Männer Wiens eingcfunden. Unter den Anwesenden bemerkte man auch den Oberrabbiner der israelitischen Cultusgemeinde Dr. G ü d e m a n n. Baron Hirsch-Stiftung. Das Curatvrinm der Baron Hirsch-Stiftung hat in feiner am 27. v. M. abgehaltenen Plenarsitzung zum Bicepräsidenten den Enrator Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann gewählt. In derselben Sitzung beschloß das Curatvrinm unter Anderem auf Antrag seines Präsidenten, Herrn David Ritter von Gutmann, zu Beginn des nächsten Schuljahres zehn neue Volksschulen an Orten, wo das Bedürfniß hiefür am dringendsten, zu creiren. Wien. 31. März. Mit Bezug auf die in Nr. 13 der „Oesterr. Wochenschrift" enthaltene Auseinandersetzung eines zn Prag, den 23. v. M. im Vereine „Afike Jehuda gehaltenen Vortrags „Der Glaube an die leibliche Auferstehung" — gestatten wir uns auf den Artikel „Die Anferstehungslehre" in Dr S ch m i e d l 's Studien über jüdische Reliaionsphilosophie (Wien, 1869. S. 167 f. f.) hinznweisen, wo diese Materie mit Bezug auf Bibel, Talmud, sämmtliche Religionsphilosophen des jüdischen Mittelalters und auch auf den christlichen Religionsphilosophen S ch le i e rm a ch er eingehend behandelt wurde. Dieser Abhandlung geht voran der Artikel: „Gegen die Seelenwanderung", ebenfalls nach Quellen bearbeitet. Vsrit»8. Wien. (Orts sch ulrath.) Herr Emil Fränkel, Religionslehrer an commnnalen Bürger- und Volksschulen im з. und 4. Bezirke, wurde zum Ortsschulrathe für den 6. Bezirk ernannt. Herr Fränkel war durch Jahre Religionsprosesior an den Mittelschulen in Innsbruck. Wien. (Trauung.) Sonntag Nachmittags fand im israelitischen Tempel in der Seitenstettenaasie die Trauung des Herrn Arthur Hahn, eines Sohnes des Directors der Oesterreichischen Discontogesellschaft Herrn Heinrich Hahn, mit Fräulein Elise Po ntz en statt. Der Hockzeitsseier wohnten и. A. bei Hofratb Liharzik, Reqierungsratb Kühnelt. Dr. Körper v. Marienwert, kaiserl. Rath Dr. Erkch Schäffer. kaiserl. Rath Robitschek. sowie zahlreiche Vertreter der Finanz- und Geschäftswelt. In der Synagoge des IX. Bezirkes (Mnllnergasse) fand gestern Nachmittags eine Trauung statt, zu welcher sich ein der besten Gesellschaft angehöriges Publicum eingefunden hatte. Der Sohn des bekannten, hochgeachteten Fabrikanten Herrn Ignaz Großmann, Herr Otto G r o ß m a n n, vermählte sich mit Fräulein Guscia Bober, der Tochter eines Krakauer Jlldustriellen und Vorstehers der israelitischen Gemeinde. Unter den Hochzeitsgästen befanden sich der kaiserlich ottomanifche Consul Th alb er a. Commercialrath K elf en. Houptmann Mandl, ein Schwager der Braut und andere Honoratioren. Die Ceremonie vollzog Rabbiner Dr. Gelbha rs, unterstützt vom Obercantor Kläger. Rabbiner Dr. Gelbbaus pries in seiner Tranrede die wahre Religiosität als Fundament des häuslichen und ehelichen Glückes. Wien. Sonntag den 7. April findet im israelit. Tempel j in der Seitenstettengasse die Trauung von Fräulein Laura B a r- : dach mit Dr. Hermann Wolf statt.

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