Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 14 (5.4.1895)
- Date
- 1895-04-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 256 Dr. Bloch's Orstrrrrrchrfchr Wochenschrift. Nr. 14 platze, neuerrichteten Jndustriepalast eröffnete. Es ist eine alte Klage, daß in Wien der Pessimismus die Oberhand hat, daß der Unternehmungsgeist mangelt und unerquickliche politische und sociale Verhältnisse nichts Rechtes aufkommen lasten. Umso erfreulicher ist es, wenn sich doch noch Industrielle finden, die trotz aller Mißgunst, trotz aller widrigen Verhältnisse den Muth nicht sinken lassen und rüstig vorwärts streben. Die Frucht solchen unentwegten Strebens, solch unermüdlicher Arbeit ist die Eröffnung des zweiten Rothbergerhauses am Stefansplatze, die kürzlich stattfand. Wien hat damit ein Waarenhaus erhalten, wie es kein zweites in Europa gibt. Es existiren allerdings Industrie- Paläste von größerer Ausdehnung, die Maaren aller Art darbieten; aber ein Verkaufsgeschäft von der Ausdehnung des Rothberger'schen Bekleidungspalastes, in dem nur Maaren einer Branche vereinigt sind, dürfte nicht aufzufinden sein. Skachrlraundraht. Die Grazer. Die Bismarck-Eiche fordern sie Mit großer Arroganz 's ist ihnen um das Pflanzen nicht So sehr wie um den Pflanz! Steuerreform. Die Lasten uns'res kleinen Manns Gehören zu den bleibenden. -Doch nimmt man manche Rücksicht auf Die Keingewerbetreibenden. ll. Bezirk. Die Politik der Abstinenz Wird nicht viel Gutes stiften; Das Kind friert sich die Finger ab, Die Mutter soll sich giften! Den Bequemen. Zu flau und lax betrieben sie Die Agitation, Sie würden gern Gemeinderath Per Acclamation. ^orresMnäenLen. Wien. Es handelt sich, Abhilfe zu schaffen gegen die arge sittliche Verlotterung und das schwachentwickelte oder geschwächte moralische Bewußtsein, was sich darin bekundet, daß man sich nicht scheut, alt-ehrwürdige Institutionen: liturgische Gesänge und rituelle Gebräuche seiner Ahnen öffentlich zum Gaudium der Zuhörer der Lächerlichkeit und dem Gespötte preiszugeben. Als ein Beispiel, wie die Juden oft selbst zu ihrer eigenen Mißachtung, also zur Beförderung des Antisemitismus beitragen, werde die Orpheumgesellschaft im Gasthofe „zum schwarzen Adler", vis-a-vis der Frucht- und Mehlbörse in d«r Taborstraße, deren Personalstatus zum großen Theile, oder vielleicht ganz aus Juden besteyt, angeführt, deren jüdische Mitglieder sich nichts schämen, vor einem confessionell gemischten Publicum zum Gaudium ihrer Zuhörer das Lol märe-Sedet (!) gewissermaßen als ein komisches Intermezzo dem Gelächter der Zuhörerschaft preiszugeben. Ferner werden auch Gebräuche aus dem ceremoniellen Leben der Juden persiflirt. Und derlei Veranstaltungen werden auch von den jüdischen Zuhörern mit lautem Beifall ausgenommen, anstatt daß ihnen die Schamröthe ob dieser Verspottung aufsteigt und sie Entrüstung bekunden. Und die wenigen edler Denkenden, welche zufällig an einen solchen Unterhaltungsort geralhen sind, stehen einer solchen geschmack- und sittenverderbenden Darstellung gewiß verletzt in ihren heiligsten Empfindungen, beschämt, aber machtlos und perplex gegenüber.. . . Bedenkt man noch ferner, daß derartigen Vorstellungen gewöhnlich auch junge halbwüchsige Leute beiwohnen. — welche Versündigung gegen die Religiosität und Pietät, welche Verrohung der Bolkserziehung greift hiemit an solcher Stätte Platz, abgesehen von der argen Taktlosigkeit und dem Mangel an edlem Empfinden und ästhetischem Geschmacke, der sich hiedurch kundgidt! Wird uns Juden doch ohnehin genug häufig von unseren Gegnern Taktlosigkeit vorgeworfen, und in dem Falle, wo Juden gar zur allgemeinen Heiterkeit und Belustigung das Gebet (Lol märe), mit welchem wir an geweihter Stätte das Heiligste unserer Feste einleiten, ein Gebet, bei bestem Ertönen unsere Ahnen die höchste religiöse Erhebungempfanden, komisch interpretirt vorgetragen, begehen sie arge Prostitution an sich selbst und fordern durch diesen gewiß mehr als argen Verstoß gegen jede gute Sitte geradezu die Mißachtung der Feinde heraus. Man denke nur, welch allgemeine Entrüstung es Hervorrufen würde, wenn in irgend einer Singspielhalle oder in einer Volkssängergesellschaft ein Acteur sich unterfangen würde, den Anfang der katholischen Messe „vowmus vodiseuw" oder das Eingangslied des evangelischen Gottesdienstes: „Ein' feste Burg ist unser Herr" auch nur zu intoniren. geschweige, jenes oder dieses liturgische Stück gar ins Lächerliche zu ziehen. Aber um solche arge Profanirung zartester und heiligster menschlicher Empfindungen zu verurtheilen, bedarf es nicht einmal eines Anknüpfens an tief religiöse Gefühle, sondern blos des ernsten Hinweises auf die natürliche Liebe zu soinem Bolksthume und auf die nöthige eigene Selbstachtung. Vielleicht würde im speciell hier angeführten Falle selbst ein vertraulich ermahnendes Wort einer einflußreichen Persönlichkeit der Seelsorge hinreichen, um dem Director dieser Gesellschaft das Ungehörige, den Verstoß und die Verirrung derartiger Komik nahe zu legen. M. L. K. An die Herren israel. Cultusvorstände hier und auswärts. Die „Reichspost" vom 30. März schreibt: „Rabbi Bloch will uns aä absuräum dadurch führen, daß er mittheilt, eine nicht zu unterschätzende Gruppe christlicher Fabrikanten und Händler liefere Gerälhe des israelitischen Cultus aus Bronce und edlen Metallen, welche zur Verherrlichung des jüdischen Gottesdienstes dienen, ohne daß „wir" (Rabbi Bloch's Glaubensgenossen) daran Anstoß nehmen. Nun, lieber Herr Rabbi, lassen Sie sich sagen, was unsere Ansicht über diese Toleranzübung jüdischer Cultusgemeinden ist. In der Metallwaarenbranche und bei der Silber- und Goldwaarenerzeugung fanden wir viele Juden. Diese Juden als Fabrikanten erzeugen aber meist nur Massenartikel, meist Schun>, während die Ausübung des sogenannten Kunstgewerbes, das bei der Herstellung auch jüdischer Tempelgeryihe mitwirkt, noch nahezu ganz in christlichen Händen ist. Die jüdischen Tempelvorstehungen sind also, wollen sie des Schmuckes ihrer Gotteshäuser nicht entbehren, gezwungen, beim — Christen einzukaufen. Sie sind aber hiezu noch aus einem anderen Grunde gezwungen. Sie laufen, sofern sie bei ihren Glaubensgenossen kaufen, Gefahr, nicht — reell bedient zu werden. Hiefür ein Beispiel aus der Gegenwart. Eine Tempelvorstehung, die Rabbi Bloch sehr genau kennt, hatte bei einem südischen Fabrikanten von Beleuchtungsgegenständen, dessen Name Rabbi Bloch leicht erfragen kann — er ist der einzige seiner Confessivn in der betreffenden Branche — eine größere Bestellung für Tempelzwecke gemacht. Einige Wochen nach der Installation waren die von der jüdischen Firma gelieferten Gegenstände schon im höchsten Grade reparaturbedürftig, was auf die betreffende Tempelvorstehung einen so deprimirenden Eindruck gemacht hatte, daß deren Mitglieder schmerzerfüllt und bitter enttäuscht ausgerufen haben sollen: „Kaust nie mehr bei Juden!" Rabbi Bloch hat also nicht Unrecht, wenn er sagt, daß die Juden anstandslos und gerne ihre Cultusgegenstände bei Christen kauten, sie werden, besonders wenn sie Erfahrungen wie die erwähnte Borstehung gemacht haben, wohl wissen, warum sie dies thun. Für uns Christen aber, deren Bedarf an Cultusgegenständen von Mitbürgern unseres Glaubens vollauf und reell befriedigt werden kann, liegt feilte Nothwendigkeit vor, bei den Juden einzukaufen." Die Ehre des jüdischen Namens erfordert es, daß wir den Beweis liefern, wie wenig wir es nöthig haben, die Geräthe, welche zur äußeren Verherrlichung unseres Gottesdienstes bestimmt. sind, bei unseren Todfeinden zu kaufen, daß Juden keinen Schund erzeugen, daß sie nicht betrügen und nicht unreell Vorgehen. Wir werden unsere arbeitsamen Glaubensgenossen, die von arischer Seite boycottirt und ausgeschlossen werden, die schwer um ihre Existenz ringen, nach Möglichkeit unterstützen und fördern. Die christlichen Gewerbetreibenden können sich inzwischen bei der „Reichspost" für den famosen „Schutz", den sie ihren Interessen angedeihen läßt, durch. Spende eines größeren Betrages für den großen Bettelsack der Redaction bedanken. Dieser überflüssige Kampf ist muthwillig heraufbeschworen und uns aufgezwungen worden — aber er wird zu Ende gekämpft und der jüdische Tempel in Zukunft von jüdischen, kunstgewandten Händen ausgeziert werden — wenn's auch gerade nicht im Schulchan Aruch verboten ist, sich andersgläubiger Künstler und Handwerker zu bedienen, — wie die Schnorr-Post behauptet. Aus Ober-St. Beit erhalten wir folgende Zuschrift: Bezüglich der gestern stattgehabten Gemeinderathswahlen erlaube ich mir einer löblichen Redaction Fylgendes mitzutheilen: