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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-04-05 · 14 (5.4.1895) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
14 (5.4.1895)
Date
1895-04-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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_ Seite 854 Dr. Blvch's Oesterreichische Wochenschrift. Hamm er st ein große Beträge lieh, wie jetzt bekannt wird. Als man den PapierfÄrikanten jetzt berief, erklärte er sich bereit, das Papier jetzt um 25 Pfennige zu liefern. Der als Militär-Schriftsteller bekcmyte Stadler hat schon vor mehreren Monaten erklärt, daß es ihm seine Osficiersehre verbiete, länger mit Hammerstein zu arbeiten. Ebenso haben einige Redacteure mit chrem Austritt gedroht, weun^Frecherr v. H a m m e r st e i n am 1. April nicht geht. Freiherr v. Hammerstein hat einen lebenslänglichen t^ontract mit dem Blatte und weigerte sich bisher, seine Entlassung zu nehmen. Der', Aussichtsrath des Blattes kann ihn aber dazu zwingen, da er sonst die strafgerichtlichen Schritte gegen ihn eiuleiteu würde. Im Aufsichtsrathe, dem fünf Mitglieder angehören, sollen bis jetzt drei die Absicht gehabt haben, die Sache in Güte und Stille abzuwachen. Da aber die Sache nun in die. Oeffentlichkeit gekommen ist, so wird nichts übrig bleiben, als daß Hammerstein vom politischen Leben zurücktritt. Die Angelegenheit erregt begreiflicherweise großes Aufscheu. Die Nordbahu und der Antisemitismus. Das „Deutsche Bolksblatt" vom 30. März bringt im Namen der antisemitischen Partei folgende Danksagung an die Nordbahnbeamten : „Das günstige Resultat der vorgestrigen Wahl im 2. Bezirke ist vorwiegend den Eisenbahnbeamten, insbesondere aber den wackeren Nordbahnern zu verdanken, die in großer Anzahl an der Urne erschienen und ausschlaggebend eingriffen. Die Bemnten der Kaiser Ferdinands-Nordbahn, die dem Hauptorgane der christlichen Partei, dem „Deutschen Bolksblatt", welches so oft und mit den besten Erfolgen für ihr Interesse eintrat, Dank schulden, quittirten diese Schuld in der einzig richtigen Form — an der Urne". Ein neues Heilmittel. Paris, 28. März. Aufsehen erregt in allen wissenschaftlichen Kreisen eine Mittheilung, welche ein junger Wiener Arzt, Dr. - Alexander M a r m o r e k, der im I n st i t u t P a st e u r thätig ist, über ein neues Heilmittel in der Socisls de Biologie gemacht hat. Dr. Marmorek hat in dieser Gesellschaft berichtet, daß es ihm gelungen sei, denErreger der septischen Krankheiten, benStreptococcus Praxen es, zu züchten, was bisher nicht möglich war, und zugleich das Gegengift herzu st ellen, welches nach den bisherigen Versuchen von ungeahnter Wirkung sei, indem ein Zehnmilliardstel Kubikcentimeter des Gegengiftes ein Kaninchen tödte. Dieser Streptococcus ist, wie jetzt allgemein anerkannt wird, der Urheber der Blutvergiftung, des W u n d- und Wochenbettfiebers und ganz besonders des Rothlaufes. Dabei spielt dieser Bacillus eine große Rolle bei diphtheritischen Erkrankungen, indem er neben dem Diphtherie- Erreger (hem Löffler'schen Bacillus) auftritt und jene Fälle verursacht, gegen welche das Behring'sche Heilserum sich bisher unwirksam erwiesen hat. Dr. Marmorek nennt sein Heilmittel Anti-Streptococcin. Unter der Leitung des General-Sanitäts-Jnspectors Dr. Chantemesse wurden gegenwärtig in Paris in mehreren Spitälern Versuche gemacht, welche sehr günstige Erfolge ergeben haben. Diese Versuche werden uoch fortgesetzt. Dr. Alexander Marmorek hat an der Wiener Universität studirt, war dann Operateur bei Professor Chrobak und ist gegenwärtig Operateur in der gynäkologischen Klinik des Professors Dr. Pozzi in Paris; daneben beschäftigt er sich im Institut Pasteur mit bakteriologischen Forschungen. Die „Neue Freie Kresse" berichtet, daß es dem Wiener Arzte Dr. Alexander Marmorek, der hier im Institut Pasteur bacteriologische Forschungen betreibt, gelungen ist. den Erreger septischer Krankheiten, den Streptococcus pyogenes, zu züchten und das Gegengift herzustellen. Heute machte er in der Socidte Nr. 14 de Biologie Mittheilung über eine Reihe von Heilversuchen, die in Paris mit seinem neuen Heilmittel vorgenommen worden sind. Diese begannen zunächst beim Roth tauf, welcher die reinste Itreptococcen-Krankheit ist. Es standen Herrn Doctor Marmorek die Kranken des in Paris bestehenden Rothlaufspitals sowie in Folge einer zufällig in der Pariser Garnison herrschenden Rothlauf-Epidemie jene eines Militärspitals, im Ganzen sechsundachtzig Fälle, zur Verfügung. Bon diesen wurden 40 als leichtere Fälle von der Behandlung mit dem neuen Heilmittel ausgeschlossen, da die Jmmunisirung der Thiere (Pferde und Esel) und die Bereitung des Heilmittels ungemein langwierig und mühsam und dasselbe noch zu kostbar ist. Dr. Marmorek berichtet nun, daß von den 46 schwer an Rothlauf Erkrankten mit Ausnahme einer 76jährigen Frau, die einer hinzugetretenen Lungenentzündung erlag, Alle geheilt worden seien, so daß das Anti-Streptococcin als absolut gegen Rothlauf wirkend angesehen werden müsse. Ganz besonders falle ins Gewicht, daß bei der Behandlung mit dem neuen Heilmittel die Folgekrankheiten des Rothlaufes, wie Bildung von Eiweiß oder von Abscessen sich nicht einstellen, er habe sogar beobachtet, daß Eiweiß, wenn es vor der Behandlung bestand, verschwand. Aus den bisherigen Heilerfolgen müsse er den Schluß ziehen, daß das Heilmittel den Streptococcus absolut tödte, folglich auch andere Krankheiten heile, die durch denselben Bacillus erzeugt werden. Die Behandlung solcher Krankheiten, wie Wund- und Wochenbettfieber, sei auch schon in Angriff genommen, es sei aber noch keine genügend große Zahl von Fällen zur Verfügung gestanden; auch die bisher bei diesen Krankheiten erzielten Resultate seien ausnahmslos günstige. Zum Schluffe feiner mit großem Beifalle aufgenommenen Ausführungen sprach Dr. M a m o r e k dem Institut Pasteur, das nicht nur eine Heilstätte, sondern auch ein Zufluchtsort für die freie Forschung sei, seinen Dank dafür aus, daß das Institut ihm, dem Fremden, seine reichen Hilfsmittel zur Verfügung gestellt und daß dessen Dircctoren Dr. Roux und Professor Metschnikow ihn in der wärmsten Weise unterstützt haben. Er könne seinen Dank nicht anders zum Ausdrucke bringen, als daß er die detaillirten Berichte über seine Forschungen und Resultate in den Annalen des Instituts Pasteur veröffentlichen und damit schon im nächsten Hefte beginnen werde. Auch die Erzeugung des Heilmittels wolle er vorderhand dem Institut Vorbehalten Taufschein und Afsentirung. Die bekannte Concursausschreibung im Amtsblatte der „Wiener- Zeitung" hat viel Staub aufgewirbelt. Dieses Problem hat indeß in Tischnowitz seine endgiltige Lösung gefunden. Und hätten die Herren Abgeordneten Dr. Kronawetter und Pernerstorfer mit der Einbringung ihrer diesbezüglichen Interpellation nur einen Tag gezögert, ja nur einige Stunden gezögert, hätten sie die Ueberzeugung gewonnen, daß sie in ihrer Kurzsichtigkeit die ministerielleVorsicht falsch beurtheilten. Sie hätten gewiß eingestanden, daß sie sich übereilt, wenn sie dem Gedanken Raum gegeben, das Coalitionsministerium wolle die Juden vom Staatsdienste principiell ausschließen, ungeachtet seiner Beeidigung auf das Staatsgrundgesetz. Denn gerade an dem Tage, an welchem sie beregte Interpellation eingebracht, hat die in Tischnowitz ihres Amtes waltende Affentcommission zur Genüge bewiesen, wie wenig die solidarisch vorgehenden Coalitionsminister daran denken, die Juden als solche vom Staatsdienste auszuschließen. Zu dieser Zeit wurde nämlich in Tischnowitz gerade die Lomncher Jugend beider Confessionen auf ihre Brauchbarkeit für den Heeresdienst untersucht. Den Reigen eröffnete der Bürgermeister der Christenstadt, der 19 Assentpflichtige seiner Gemeinde vorführte. Von diesen wurden vier als brauchbar abgestellt. Wie exorbitant diese Zahl Allen schien, ist daraus zu ersehen, daß allgemein die Frage ventilirt wurde, ob denn der Ruf: „Hannibal ante portas!" erschollen ist, daß man von 19 jungen Leuten 4 zur Fahne einberuft, was doch mehr als 21 Pereent ausmacht. Nach diesen führte Herr Bürgermeister Leopold Bauer die Stellungspflichtigen der Jsraelitenstadt vor. Ihrer waren nur 15 lauter circumcisirte. Ungeachtet ihres bekannten Erbfehlers — Wasserscheu — leisteten nicht weniger als 9, sage neun von fünfzehn, den Fahneneid. Während von den mit einem Taufschein Erschienenen 21 von Hundert zum Militärdienste zugelasscn wurden, werden die Wasserscheuen iu der Stärke von^M Percent vertreten sein. Kann angesichts dieser Zahl noch von einer

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