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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-04-05 · 14 (5.4.1895) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
14 (5.4.1895)
Date
1895-04-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 252 Dr. Bloch's Oesterreichifchr Wochenschrift. Nr. 14 „Bald darauf verschwand Haller auf eine unaufklärliche Weise." (S. 99.) „Es ist im hohen Grade auffallend, daß gerade diese beiden Geburtshelfer des neuen deutschen Reiches und die vornehmsten Zeugen und Zeuger desselben: König Ludwig und Kronprinz Friedrich zur Zeit, als nachmals Bismarck alle Gewalt und allen Glanz an sich zu ziehen in der Lage war, ein so unnatürliches, rätselhaftes Ende nehmen mußten." (S. 78). Auch dunkle Pläne von einer Dynastie Bismarck werden angedeutet. Für die Krone der Schrift halten wir aber folgenden Ausspruch: „Jndeß die unter Leitung des Rassengenossen Bleichröders stehende Presse fortwährend angepeitscht war, es hiuauszuposaunen in alle Welt: „Wie gr auß die D ait sch en d a stehen unter ihrem graußen Bis mar ck." 3. Dr. Ottmar Schuchardt war entrüstet über das Deutsche Reich, in dem das „mit Bleichröderthum verquickte B i s m a r ck t h u m zum Siege gelangt ist." 4. Adam Weber, ein Wortführer der baierischen Antisemiten behauptet, B i s m a r ck sei von den Juden bestochen. „W elche Wetterfahne!!" schreibt er, „Freilich pecunia non ölet" und er fährt fort: „Die Bismarckanbeter in Ostpreußen haben sich die geplante WaMahrt zum Nationalheiligen in Varzin wieder überlegt (wegen mangelnder Theilnahme?) und wollen sür den armen Ex Geld sammeln „zu eigener Verwendung". Was an Bismarcknickeln zusammenkommt, soll ihm am 1. April k. I. zu Füßen gelegt werden. Wie er dergleichen „verwendet", weiß man aus den Ergebnissen früherer Betteleien: er sammelt Alles an und behält es sür sich, auf daß Bleichrödcr (oder wie sein jetziger Leibjude heißt) es mehre und vervielfältige, damit der arme Ex — der bereits mit 40 bis 50 Millionen behaftet ist — nicht gar noch verhungern muß in seinen alten Tagen. Er ist ein gar sparsamer Herr und nimmt lieber ein, als daß er was ausgibt." 5. Auch Theodor Fritsch, der Verfasser eures antisemitischen Bismarck-Flugblattes, rückte von dem Fürsten ab. „Wenn einzelne Antisemiten" — so schrieb er in den „Deutschsocialen Blättern" — „einen übertriebenen Bismarck-Cultus pflegen, so können wir ihnen das nicht verwehren. Die Lertung der „Deutschsocialen Blätter" weiß sich davon frei." 6. Ottomar Beta schrieb im Jahre 1893 über Bismarck in Fritsch's Zeitschrift: „Fürst Bismarck wurde eiust von Wedemeyer-Schönrode „Der Juden O b e r st e r" genannt. Wedemeyer büßte dafür mit Selbstmord, aber sein Wort lebt noch heute. Die Art, wie Bismarck zuletzt regierte und wirthschaftete, war das Bild der Rechtlosigkeit, war ein Taumel von Ausnahmegesetz zu Ausnahmegesetz. Ein wahrhaftiges Gesetz der Gerechtigkeit und Billigkeit fehlte uns damals wie heute. Ein solches verträgt sich nicht mit einer Judenwirthschaft, wie sie unter Bismarck's Protege Bleichroder in Preußen, dem Lande der frommen Sitte, einriß." 7. In 'dem von Böckel und Ahlwardt herausgegebenen „Deutschen V o l k s r e ch t" vom 19. März findet sich folgende Vriefkastennotiz: „Pfarrer S. in L. Daß die mütterliche Großmutter des Fürsten Bismarck Johanna Elisabeth Böckel, verheiratete Mencke, gestorben den 24. Februar 1818, mit dem Herausgeber unseres Blattes verwandt ist, kann als ^wah rscheinlich bezeichnet werden. Ob es sich freilich bei der' Länge der Zeit Nachweisen laßt, ist eine andere Frage. Wir wollen gelegentlich recherchiren und werden dann Weiteres mittheileu." Markgraf Cfäky-Pallavirini. Ueber den sonderbaren Markgrafen Esäky-Pallaviciui ist eine Anzahl „offener Briefe" in den Budapester Blattern erschienen, welche diesen Edelmann in sonderbarem Lichte erscheinen lassen. „Pesti Naplö“ veröffentlicht folgenden Offene» Brief an die hochwohlgeborenen Herren Heinrich L6vai und Karl Sv ab, Mitglieder des ungarischen Oberhauses. „Anläßlich der Verhandlung über die Reciprrung der jüdischen Religion hat der clericclle Wortführer der Magnaten, der Markgraf Sigmund Csäky-Pallavicini nicht weniger, als dieAusfegung der aus Tarnopobmit dem Schulterfell aus Hasenhaut in's Land gekommenen, das Blut des ungarischen Volkes aussaugenden, knoblauchriechenden, jüdischen Brut in Vorschlag gebracht. Dieser Herr ist am wenigsten dazu berufen, den Patriotismus der ungarischen Judenheit in Zweifel zu ziehen, aber auch nicht berechtigt, mit seinem eigenen exclusiven Patriotismus zu prahlen. Denn dieser Herr hat einfach eine Unwahrheit gesagt, als er sich als geraden Descendenten jener, die mit dem Pantherfell nach Ungarn kamen,, hinstellte. Thatsache vielmehr ist es, daß der Vater jenes Herrn, der italienische Markgraf Roger P a l l a v i c i n i als gegangener kais. kön. Chevalier- . Officier nach Ungarn verschlagen wurde, woselbst er durch seine Gattin Grundbesitzer im Borsoder Comitat und während des Freiheitskanrpfes wegen Vater lau dsverrath zum Tode und zum Verluste seiner Güter verurtheilt wurde. Vor dem Stricke flüchtete er in Schlickes Lager, seine Güter gab ihm Haynau zurück und a conto alldesien ist sein Stiefsohn — (o, Ironie des Geschicks!) — geborener ungarischer Gesetzgeber. Die vaterlandserrettende Thätigkeit dieses Herrn vermögen wir in Folgendem zusammenzufaffen: Infolge seines musterhaften Betragens hat man ihn aus Italien, seinem ständigen Aufenthaltslande, ausgewiesen, in Ungarn demonstrirt er mit seinen panslavistischen Gefühlen und in so manchem Verkaufslocale, wo geistige Getränke verschänkt werden, hatte er unangenehme Scenen. Die Ausbrüche des hochgebornen Kneipenhelden und Wortführers erführen gar keine ernste Kritik, wenn er dieselben in einem der oben erwähnten Verkaufsläden producirt hätte, aber leider hat er die ungarische Judenheit imHeiligthume der ungarischen Gesetzgebung, angesichts des ganzen Landes beleidigt, ohne daß ihn der Präsident des Oberhauses sofort zurechtgewiesen hätte, ohne daß Ihr, hochgeborne Herren, die Ihr derzeit im Oberhause die einzigen von Euren Glaubensgenossen seid, diese unwürdigen Angriffe zurückgewiesen hättet. Sie haben wortlos, schweigend die Insulte erduldet welche man Ihnen und Ihrer Confeffion anthat, und das war wirklich schade. Eure Hochgeboren hätten — von Muth und Selbstbewußtsein angespornt — ihr Veto dagegen erheben müssen, daß Jemand, sei es wer immer, die ganze ungarische Judenheit beschinchfe und an den Pranger stelle. 700.000 Juden gibt es im Lande, Serben, Croaten zusammengenommen nur 605.000, die Judenheit ist also zahlreicher als die serbo-croatische Nationalität, namhafter als die ruthenische. Und da ist nur von der Anzahl die Rede. In wirthschaftlicher, politischer und socialer Beziehung übertrifft ihre Bedeutung die aller Naüonalitäten. Und wenn diese Serben, Rumänen und Slaven gleich den Juden sprechen würden: „Wohl, wir wollen Ungarn werden, wir erlernen die Sprache des Staates, wir wollen Fleisch vom Fleische des ungarischen Staates, Blut von seinem Blute werden, wir magyarisiren den Handel, die Industrie, wir entwickeln die ungarische Agricultur, wir unterstützen die ungarische Literatur und die Kunst; wir verlangen dafür nur, daß uns die ungarische Gesellschaft in sich aufnehme, uns aus sich nicht ausstoße" — sie soll unser!auben, Ungarn zu sein — was hätte wer immer gegen ein solches Anerbieten einzuwenden, käme es nun von den Serben, Rumänen oder Slaven? Die clericUe Majorität des Oberhauses hat jedoch dieses Anerbieten zurückgewiesen, welches die Juden zum großen Theile bereits verwirklicht haben. Herr Markgraf Sigmund CsLk y-P a l l a v i c i n i und feine Genoffen recipireu uns nicht, aber die ungarische Judenheit weiß sehr wohl, daß diese engherzigen, privilegirten Herren nicht die ungarische

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