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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-03-29 · 13 (29.3.1895) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
13 (29.3.1895)
Date
1895-03-29
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seilt 242 Dr. Bloches Oesterreichische Wochenschrifk. Nr. 13 der Vertrauensmann und Zeuge H e r z o g's ein Gauner sei und erstattete bei der Gendarmerie die Anzeige. Bei seiner Inhaftnahme gestand S org er dem Postenführer, daß er von Herzog zwei Gulden erhalten habe. Am 22. März wurde Sorg er vom Erkenntnißsenate des Kreisgerichtes Wiener-Neustadt wegen Verbrechens des Diebstahls zu vier Monaten schweren Kerker, verschärft mit Fasten in jedem Monate, verurtheilt. Während der Verhandlung sagte Votant Landesger-chtsroth Höbert zu Sorger, daß sein Vorgehen gegen den Zeugen Julius Philipp eine Erpressung gewesen sei und fragte den Zeugen Philipp, ob derselbe denn wirklich einen Ehrenbeleidigungsproceß gegen Herzog angestrengt habe, worauf der Zeuge die Vorladung für die Schwurgerichtsverhandlung, die am 17. April stattfinden wird, vorwies. Der k. k. Staatsanwalt erklärte in der Pause, in der der Gerichtshof das Strafausmaß berieth, daß nur das sichere Auftreten des Zeugen Philipp, der schon bei seiner Einvernahme entschieden erklärte, er habe keine Zeugenaussage zu fürchten, der Grund war, daß Sorg er nicht auch wegen Erpressung angeklagt wurde. Seit 18. Februar hat Herzog, der Herausgeber des „Bote aus dem Wienerwald", über die für ihn so heikle Affaire fein stillgeschwiegen. Erst h-ute am 24./3. bequemt er sich, den Schleier zu lüften und was er da erzählt, ist höchst interessant. Er gesteht, es mit seiner Ehre vereinbar gefunden zu haben, sich mit einem früheren Hausknechte des Klägers Julius Philipp, in Angelegenheit des Ehrenbeleidigungs-Processes, seit December v. I. in Verbindung gesetzt zu haben, um den nunmehr zum Verbrecher qewordnen Sorg er als seinen Zeugen den Wiener Geschwornen vorznführen; er vertheidigt seinen Freund Sorg er in seinem Blatte, daß es geradezu unbegreiflich ist, wie Herzoq's Ehrenmann 4 Wlonate schweren Kerker erhalten konnte; dafür erklärt er den Kameraden T r e i t t l für mitschuldig, was auch wirklich sehr wahrscheinlich ist, und darum ist schade, daß Sorg er während der ganzen Untersuchung und Hauptverhandlung verstockt geleugnet und Niemanden, aber gar Niemanden? von seinen Mitschuldigen verrathen hat, denn geradeso wie er gegen Treittl hätte aussagen und ihn mitreißen können, geradeso hätte er auch bezüglich Verleitung zu falschen Zeugenaussagen und Animirung zum Erpressungs- Versuch einen Freund verrathen und mitreißen können, aber er bat es zum Glück für seinen Freund nicht gethan. Ergötzlich ist die Behauptung des Gemeinderathes und Antisemitenführers F o l l e r. der dem versammelten Gemeinde-Ausschüsse den Bären ausgebunden, Herzog sei Eigenthümer des „Bote aus dem Wienerwald", was auf Seite 4 des dieswöchentlichen Blattes zu lesen ist, aber auf Seite 3. bevor der Artikel „Der Fall Sorger" beginnt, heißt es Josef Herzog. Schriftleiter und Herausgeber, nicht aber Eigenthümer des Boten. Es muß also einer von Beiden gelogen haben. Brünn. 25. März. Heute tagte hier die Delegirten- Bersammlung der Landesmassafonds-Verwaltung. bei welcher nahezu sämmtliche Gemeinden Mährens vertreten waren. Unter den Vorlagen befand sich folgendcr Voranschlag des mährischjüdischen Landesmassa-Fonds für dos Jahr 1895. A. Einnahmen: Zinsen von Staats-Obligationen fl. 22.795°50, Zinsen von Privat-Oblrqationen fl. 22.500, Conto-Corrent- Zinsen der Anglobank fl. 200, FondsErträgniß-Conto vom Jabre l894 fl. 4972-13. zusammen fl. 50.467 63. B. Ausgaben: Gemeindeschul-Subventionen fl 14.100, Gemeinde- Unterstützungen fl. 12.500, Personal-Unterstützungen fl. 10.600, Stipendien 'fl. 600, Landesrabbinat fl. 600. Bildungs- und Humanitäts-Anstalten fl. 4000. Gehalte fl. 2340, Kanzlei-Zins fl. 243. Spesen- und Kanzlei-Erfordernisse fl. 200, Drucksorten und Bücher fl. 150, Anwaltschaft fl. 100, Curatoren-Reisekosten fl. 120, Steuern fl. 1940 26, Reservefond 5 Percent des reinen Einkommens fl. 2600, zusammen fl. 50.093°26, so daß noch fl. 374 37 der weiteren statutenmäßigen Verwendung erübrigen. Die Subveniionirung des Privat-Gymnasiums des Herrn Dr. Jung in Ungarisch-Brod wurde von der Versammlung abgelehnt. Prag. Am 23. v. M. hielt hier Herr Dr. M. L. Stern, Rabbiner in Triesch (Mähren), im Vereine Afike Jehuda einen Bortrag über den Glauben an leibliche Auferstehung. Der Verein leistet sonst sehr wenig, man bedauert, daß dieser einst blühende Verein jetzt nur vegetirt. Welches, auch die Beweggründe sein mögen, ob Eifersucht oder Rancune, viele der bedeutenderen Rabbiner der böhmischen Provinzstädle werden nicht geladen und wird Einer ausnahmsweise, um den Schein zu wahren, geladen, läßt man ihn in einem Schulzimmer den Vortrag abhalten, daß er mißgestimmt es unterläßt, einer zweiten Einladung Folge zu leisten. Wenn unser Verein einen Zweck erfüllen soll, wenn er zur „Verbreitung der Wissenschaft" — so lautet sein ossicieller Titel — beitragen soll, dann muß dafür Sorge getragen werden, daß bei reicher Abwechslung der Vortragenden auch ein Publicum herangezogen werde, für welches die Vorträge bestimmt sind. Die meisten Prager jüdischen Familien haben aber keine Ahnung von der Wstenz des Vereines, und man kann jene Personen leicht zusammenzählen, die die Vorträge anhören. Es gibt hier genug große Säle, warum wählt man gerade ein Schulzimmer, wenn ein Gast zum Bortrage geladen wird, die Sparsamkeit ist nur am Platze, wenn unsere Angehörigen, die hiesigen Herren, Vorträge abhalten; sie gehören zur Familie und mit Familienmitgliedern nimmt man es nicht genau, wenn aber ein geladener Gast aus der Fremde erscheint, da sollen wir ihm Ehre erweisen und ihm uns in vornehmer Weise vorstellen, denn der Afike Jehuda ist der einzige jüdisch-wissenschaftliche Verein nicht nur in Prag, sondern in ganz Böhmen, und sowohl die Ehre Prags, wie die Ehre der jüdischen Wissenschaft liegt mir als Prager Jude am Herzen. Es scheint, daß die Leitung des Vereines ihre Schuld zu fühlen beginnt, und wir wollen es als den Anfang zum Besseren betrachten und ihr es als Verdienst zuschreiben, daß uns durch den Verein Gelegenheit gegeben wurde, den Vortrag Dr. Stern's kennen zu lernen. Dr. M. L. Stern ist ein Philosoph, durch sein Werk: „Der Monismus" bekannt, und er wählte ein religionsphilosophisches Thema. Darqestellt wurde, wie erst in der talmudischen Epoche von einer Dogmatik oder von Ansätzen zu derselben die Rede sein kann, während in den früheren Zeiten das Bestreben war, die Dogmatik zu vermeiden. Doch ist es gar kein Zweifel, daß der Glaube an Unsterblichkeit und leibliche Auferstehung immer vorhanden war. und es erzwingen die im Talmud dafür angeführten Beweise unsere Anerkennung. Auch Ezechiel hätte sein berühmtes Gleichniß von der Auferstehung der Tobten nicht zur Verfügung gehabt, wenn der Glaube daran nicht im Volke gelebt hätte. Mit einem Fragezeichen statt eines Schlußpunktes am Ende, kann man kein Sittengesetz statuiren, wie es auch unfaßbar wäre, daß die Bibel den Rückhalt des Glaubens an eine Existenz nach dem Tode nicht ebenso haben sollte, wie die Vedas, die Zend-Avesta und sonstige heilige Schriften anderer Völker. Der Glaube an die persönliche Fortdauer nach dem Tode war über die ganze Erde verbreitet — vielleicht von einem Volke zum anderen gewandert, vielleicht überall aanz selbstständig entstanden — wie der Glaube an höhere Wesen. Die Bibel hütet sich nur, näher auf diesen Glauben einzugehen und schweigt selbst dort consequent im Buche Hiob, wo es so nahe lag, alle Fragen mit dem Hinweis auf die Zeit nach dem Tode zu beantworten, weil sie nicht zu einer groben Materialisation des Geistigen und zur Mythologie gelangen will, wie ja die Bibel auch nicht auf die Wesenheit Gottes eingeht. In der talmudischen Periode gelangte man zur Aufstellung des Dogmas in der bekannten Form der Mischna: .Wer da leugnet, daß die Auferstehung der Todten nicht biblische Lehre sei. hat keinen Antheil am Jenseits!" Die Ausdrucksweise verdient Beachtung: denn sie ist sowohl eine Polemik gegen Judenchristenthum wie gegen die Sadduzäer, gegen das Eine, denn es wurde ausgesprochen, daß dieser Glauben kein neuer sei, keines neuen Propheten bedurfte und schon immer da war; gegen die Sadduzäer wieder, die vielleicht die leibliche Auferstehung gar nicht leugneten, aber diesen Glauben in der Bibel nicht finden wollten. Man könnte diese Periode die polemische nennen, in der nächsten, der religionsphilosophischen, die mit Sadia beginnt und mit Maimonides ihren Höhepunkt erreicht, lautet die Aufgabe, den Begriff zu erklären und zu begründen. Aber die Religionsphilosophen des Mittelalters sind der Lehre von der leiblichen Auferstehung gegenüber in Verlegenheit, keiner derselben gibt eine befriedigende Antwort. Maimonides gar mußte erst von den Weisen Lünels gemahnt werden, seine Meinung über diesen Glauben zu äußern. So kam es. daß in jüdischen, selbst in den orthodoxesten Kreisen viel von O^am haba, aber wenig vonTechiath hameffim gesprochen wird. Doch man kann nicht einfach über die Lehre hinweggehen, was bedeutet sie unserer Zeit der kritischen Periode,

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