Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 13 (29.3.1895)
- Date
- 1895-03-29
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Seite 241 Dr. Bloch's Orsterreichifche Wochenfchrifi. Nr. 13 März 1895, Nachmittags 4 Uhr, in den Shullocalitäten, IL, Matzgasse 16, im 1. Stock sttttfindenden General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht, 2. Bericht der Revisoren, 3. Wahl der Rechnungsreviioren, 4. Mittheilungen des Vorstandes, 5. Anträge und Interpellationen. Dem Jahresbericht entnehmen wir folgenden Aufruf: Mit Bedauern müssen wir constatiren, daß die regelmäßigen Einnahmen seit dem Vorfahre wiederum im Rückgänge begriffen sind und daß der Appell, den wir im Jahre 1889 an unsere Glaubensgenoffen gerichtet haben und der seine Wirkung auf mehrere Jahre ausübte, seither verhallt und vergessen zu sein scheint. Wie im Vorjahre weist allerdings auch der Rechnungsabschluß für das abgelausene Jahr einen nicht bedeutenden Ueberschuß aus; dieser Ueberschuß resultirt aber aus außerordentlichen, nicht wiederkehrenden Einnahmen, sowie auch aus dem .Umstande, daß in dem abgelaufenen Jahre die Zinsen -per 210 fl. von dem hochherzigen Legate des seligen Herrn Anton S ch e y per 5000 fl. Pro 1893 und 1894, also für 2 Jahre, zur Auszahlung gelangten. Das heurige Jahr würde sonst mit einem Deficite abgeschlossen haben. Unter solchen Umständen — wir weisen nur daraus hin, daß die Jahresbeiträge der Mitglieder, welche im Jahre 1890 fl. 2194°15, im Jahre 1891 fl. 2113 15 und im Jahre 1892 fl. 1971 65 betrugen, in dem abgelaufenen Jahre fich auf Gul- . den 1763 75 reducirten, welcher Rückgang insbesondere dadurch eingetreten ist, daß viele ältere Vereinsmitglieder inzwischen mit Tod abgeqangen, neue Vereinsmitglieder aber nur sehr spärlich dem Vereine gewonnen wurden — sind wir nur schwer in der Lage, unsere Schule auf dem derzeitigen Stande zu erhalten und können wir umsoweniger daran denken, die schon lange geplante Ergänzung unserer Schule durch Eröffnung der 5. Classe vorzunehmen und unsere bisher vierclassige Volksschule in eine fünfclassige umzugestalten, was wir um so schwerer empfinden, als wir durch den durch die Hochherzigkeit der löblichen Cultusgemeinde erfolgten Aufbau des lll. Stockes auf unser Schulhaus zwei neue Schulzimmer gewonnen haben, die uns in die Luge versetzen würden, die 5. Claffe sofort zu installiren. Wir müssen deshalb neuerlich unsere Glaubensgenossen um zahlreichen Beitritt zu unserem Vereine, unsere Vereins- Mitglieder um freundliches Wirken in diesem Sinne dringendst bitten, und zweifeln nicht, daß diese Bitte bei unseren Glaubensgenossen, deren Opferwilligkeit nie vergeblich angerufen wird, den erhofften Erfolg haben werde. Der B o r st a n d. Wien. Am 22. d. M. fand in der „Jüdischen akademischen Lesehalle" ein sehr zahlreich besuchter Discussionsabend statt, an dem Med. Samuel Wassermann über das Thema „Unsere Perspective in die Zukunft" referirte. In längerer wirkungsvoller Rede ließ Redner alle Länder Revue passiren, wo Juden wohnen und bewies an der Hand von Daten und Berichten, daß trotz mancher liberaler Regungen die Lage der Juden nicht eine derartige sei. daß man sie eine menschenwürdige nennen könne. Unter den Ursachen, die dieses verschulden, hob der Referent namentlich hervor den Optimis- . mus der Juden, die ohne etwas selbst für ihre Kräftigung zu thun, mit einer zur Traurigkeit ihrer Lage sehr contrastirenden Sorglosigkeit sich auf den „Fortschritt" des Jahrhunderts verlassen. Bor Allem sei es nothwendig, die düstere, sociale Lage zu beheben, einerseits durch ein bewußtes Zusammenthun aller . Juden eines Landes im Sinne der Hebung der Cultur unter den jüdischen Massen und Bekämpfung der socialen Mängel, anderseits durch die Wahl von wahrhaft jüdischen Vertretern in die gesetzgebenden Körperschaften, um theils selbstständig, theils durch Anlehnung an größere Parteien die jeweilige Regierung auf die praktische Durchführung der Staatsgrund- ' gesetze auch bezüglich der Juden, in dem Momente, wo es eben nicht der Fall ist, zu ermahnen und zu erinnern. Schließlich gedachte der Redner der armen, verfolgten Stammesbrüder in Rumänien und Rußland und glaubt, es sei Pflicht der Juden anderer Länder, denselben unter die Arme zu greifen durch Schaffung von Ackerbaucolonien in Palästina, da ja der günstige Erfolg der bisher gegründeten 25 Colonien zu weiteren Thaten ermuntert. Durch eine solche ernste und bewußte Arbeit nach Innen und Außen werde sich eine günstige Perspective für die Zukunft ergeben. Bei der sich daran anschließenden Discuffion trat Herr Stud. Theol. B. Fuchs der nationalen Auffaffung der Judenfrage entgegen und stellte als Grundsatz auf, man müsse nicht speciell in der Eigenschaft als Jude, sondern als österreichischer Bürger das gute Recht, da es angegriffen ist, vertheidigen und zur Erlangung dieses Rechtes sich zusammenthun. Im Uebrigen stehe er, was die culturelle Seite der Judenfrage betrifft, ganz auf Seite des Referenten. Nachdem noch unter Anderen Dr. Salz für den Zionismus, Dr. Ehrenpreis und Dr. Ko hn für die nationale Seite der Judensrage fich aussprachen, resumirte der Präses derJüdischen akademischen Lesehalle Med. Josef Vierer, indem er sagte, daß beide Ansichten das Eine gemeinsam haben, daß sie die Erhaltung des Judenthums unbedingt auf ihre Fahne schreiben. Während aber die Einen vor Allem die Bethätigung des österreichischen Staatsgedankens betonen und ihr angegriffenes Recht rein in der Eigenschaft als österreichische Bürger vertheidigen, finden die Anderen in der Erfüllung ihrer patriotischen Pflicht etwas ganz Selbstverständliches und können fich infolge dessen nicht damit für einverstanden erklären, den Patriotismus als Programmpunkt aufzustellen, ebensowenig wie die Elternliebe. Schließlich erklärte der Vorsitzende, die „Jüdische akademische Lesehalle" werde auch fernerhin der Aufgabe treu sein, einen gemeinschaftlichen Boden zur Austragung der herrschenden Ansichten zu bilden und schloß nach Mitternacht die überaus interessante Discuffion. Baden. (Antisemitische Ehrenmänner.) Die Nummer 12 des „Bote aus dem Wienerwald" vom 24. d. M. bringt endlich einen Artikel unter den Titel: „Der Fall Sorger". Hiezu habe ich Folgendes zu bemerken: Am 18. Februar d. I. kam Anton Sorger, der im vorigen Jahre bei mir bedienstet war, stellte mir seinen Kameraden Treittl vor und sagte, derselbe werde Möbel brauchen und besichtigte zwei Kästen. Dann sagte Sorger, er habe mit mir allein zu sprechen und erzählte mir, er sei von I. Herzog, dem Herausgeber des „Der Bote aus dem Wienerwald", gegen den ich meinen Ehrenbeleidigungs-Proceß beim Wiener Schwurgericht angestrengt habe, als Zeuge ausgenommen, um gegen mich auszusagen, wenn ich aber bereit wäre, ihm Geld zu geben, so werde er gegen Herzog aussagen. Damit meinte er die Modalitäten, unter welchen er als Zeuge engagirt wurde. Ich wies das Ansinnen energisch zurück. Nun erklärte Sorger, er wäre zwei Tage vorher im Wiener Landesgerichte als Zeuge in einer von Herzog gegen mich angestrengten Gegenklage vorgeladen gewesen und hätte fl. 2°50 für Zeugen gebühr erhalten, die Vorladung habe er noch zu Hause, und ich schickte meinen Cousin in die Wohnung S orger's, welcher dessen Frau fragte, ob es wahr sei, daß Sorger am 16. Februar in Wien war, was die Frau als gänzlich unwahr erklärte. Wir wollten nun in der Ueberzeugung, daß mich Sorger einfach angelogen hat, nach Hause gehen, als S o r g e r die Straße daherkam. Er sprach meinen Cousin an. forderte ihn darüber zum Zeugen, daß er, wenn ich ihm 20—30 fl. gebe, gegen Herzog aussagen werde, wenn nicht, so bekomme er von Herzog 45 fl. und müsse gegen mich aussagen. Ich erwiderte, daß ich nur gekommen fei. um n ich zu überzeugen, daß die Erzählung von der Vorladung vom 16. Februar unwahr sei und daß ich mich durchaus nicht dazu hergebe, für eine Zeugenaussage Geld zu geben. Ich ging nach Hause und legte der Sache keinen Werth bei, als gegen %9 Uhr Abends Sorger in meine Wohnung kam und in Gegenwart meiner Frau und eines Dienstmädchens fragte, ob ich ihm 25 fl. geben wolle, damit er nicht beim Wiener Schwurgerichte gegen mich aussage. Wenn ich darauf nicht eingehe, werde er gegen mich Verschiedenes aussagen. Ich erwiderte, ich gebe ihm nichts und wenn er wirklich als Zeuge geführt werde, dann müsse er beim Schwurgerichte unter Eid die reine Wahrheit sagen. Sorger erwiderte, das sei Gewiffenssache und er nehme es auf sein Gewissen, so oder so auszusagen, je nachdem, wer ihn dafür bezahle. Nun hatte ich genug; ich forderte Sorger auf, sofort meine Wohnung zu verlassen und drängte ihn zur Thüre hinaus. Beim Verlassen des Hauses entwendete mir Sorger diverse Ofenbestandtheile, was ich erst am nächsten Morgen von meinen Arbeitern erfuhr. Gleich darauf hörte ich, daß Sorger auch 13 Siebe, die er Abends nach Hause gebracht, einem Hausirer gestohlen und daß er am selben Abend auch bei der Fleischhauerswitwe Roch Speck gestohlen habe. Nun sah ich, daß