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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-03-29 · 13 (29.3.1895) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
13 (29.3.1895)
Date
1895-03-29
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Stile 240 Dr. Bloches Orfterreichifche Wochenschrift. y<t. 13 volver kaufte. Ta sie zu jeder B^rzweiflungsihat cnlschloffen schien, wurde sie zu ihrer eigenen Sicherbeit von der hiesigen Polizei in Hast genommen. Die gegen Theiß vorliegenden Verdachtsmoment müssen sehr schwerwiegender Natur sein, da derselbe auch nicht gegen das Anerbieten einer Caution auf freien Fuß gesetzt wurde. Der Judenhaß in der Schule.! Die verheerenden Wirkungen des Antisemitismus ln der Schule sind in der letzten Berliner Stadtvcrordneten-Versammlung enthüllt worden. Der Stadtverordnete Riemer erhob gegen einen Lehrer desKönigstädtischenRealgymnasiums seine diesbezügliche Beschwerde mit der Bemerkung : Derselbe Lehrer habe einmal seinen Schülern gegenüber geäußert: „Die Juden dürfen nicht dasselbe Recht genießen wie die Christen, sie sind ein eingewandertes Volk und gehören nicht hierher!" Die Kinder, die derartige Belehrungen bekämen, würden die schlimmsten Antisemiten, Kinder von ganz freisinnigen Vätern seien das geworden. Er könne Namen nennen. Unter diesen Umständen sei dieses Gymnasium eine Zuchtschul es ür Antisemiten. Für dieses Christenthum, das dort gelehrt werde, dafür danke er; das sei nicht eine Religion der Liebe, sondern des Hasses. Er bitte den Magistrat, aus diese Schule künftig ein besonderes Augenmerk zu richten. Nach längerer Debatte wurde auch beschlossen, in diesem Punkte Erhebungen anzustellen. In einer großen Verson mlung hat jüngst der Berliner Stadtverordneten-Vorsteher Dr. Langerbans mit Bezug auf die gegen die Juden gerichteten aulis-.mitischen Anträge erklärt: „für ihn sei es beschämend, in einem Reichstage zu sitzen, in dem solches Zeug überhaupt zur Beiothung kommt." Er als Stadtverordneter in Berlin könne bezeugen, daß kaum ein wohlhabender Jude sterbe, ohne an seine Mitbürger und nicht nur an die jüdischen, sondern auch an die christlichen Mitbürger zu denken. (Lebhafter Beifall.) Die dabei gefallenen Redensarten seien so unerhört gewesen, daß sie den größten Abscheu erregen mußten. Es steht demnach zu erwarten, daß die Träger solcher Gtsinnungen auch nicht einen Hauch antisemitischen Geistes in den Schulen der Stadt dulden werden. Auch ein Arier. Die „Duxer Zeitung" meldet: Ein Scheusal in Menschengestalt wurde kürzlich in der Person des Kaufmannes W. aus Bruch durch die dortige Gendarmerie an das k. k. Bezirksgericht Dux eingeliefert. W. unterhielt schon seit längerer Zeit ein sträfliches Verhältniß mit zwei im Alter von 11 und 13 Jahren stehenden Mädchen, trotzdem er mit einer bösartigen, ansteckenden Krankheit behaftet war. Die beiden bcdauernswerthen Opfer dieses Wüstlings haben derart Schoden an ihrer Gesundheit erlitten, daß man für ihr Leben besorgt ist. Sollten sie dennoch genesen, so werden sie zeitlebens an den Folgen der an ihnen verübten ruchlosen Attentate zu leiden haben. In Bruch herrscht unter der Bevölkerung ob der. unerhörten Schandthat ungeheure Aufregung. Die Vorrechte der Juden. Das Organ der deutschnationalen Antisemiten theilt jüngst unter der Spitzmarke: „Die Vorrechte des Adels" folgende Statistik mit: „Das jetzige Ministerium zählt unter seinen Mitgliedern 1 Fürsten, 5 Grafen, 2 Ritter und 1 Edlen. Unter den 14 Landespflegern jener Länder, welche im Wiener Reichsrath vertreten sind, befinden sich 5 Grafen. 5 Freiherren und 4 Ritter. In das Herrenhaus wurden mit dem letzten kaiserlichen Erlaße 24 neue Mitglieder berufen. Von diesen sind 7 Grafen, 3 Ritter, 5 Freiherren, 2 Barone und 1 Marquis. Zu Bezirkshauptleuten werden in Oesterreich meistentheils nur mehr Leme mit „blauem Blut" ernannt. Von den 17 Bezirkshauptleuten in Oesterreich sind z. B. 4 Grafen, 6 Freiherren, 5 Ritter und nur 2 gewöhnliche Sterbliche." Nichtsdestoweniger muß ein braver „Volksfreund" vor Allem gegen die „Vorrechte der Juden" auftreten. Skachelzaundrahk. Hallstatt. Nicht nützt sich ab ein gutes Recht Durch Jahre und Vererbung Und alle Aemter steh'n uns frei Wie früher — zur Bewerbung. Spitzer-Weimar und Koppenheier. Die clericalen Blätter schreibt Der Judensohn; Der Grund hievon Geheimniß bleibt Der Reaction. Unterschied. Der Jude ist ein Bösewicht, Wir Arier sind edel. Wir spalien Fünsernoten nicht, Wir spalten höchstens Schädel. Commercielles. Die Sonntagsruhe habt ihr nun; — Fahrt fort ihr, uns zu Plagen, So wird auch bald der Handel ruh'n An allen Wochentagen. GorressionlienLen. Wien. Der Vorstand der Wiener isr. Cultusgemeinde veröffentlicht soeben den Verwaltungsbericht des Altersversorgungshauses für die Periode vom 1. November 1890 bis 31. December 1894. Wir entnehmen demselben folgende Daten: Die Gesammtzahl der Pfleglinge betrug Ende 1890 39, Ende 1891 60. Ende 1892 67, Ende 1893 78, Ende 1894 88 Personen. Vom 1. November 1890 bis Ende 1894 wurden neu ausgenommen 133 Personen, aus dem alten Versorgungshause wurden 17 Personen übernommen; durch Tod gingen 16 ab, durch Entlassung oder freiwilligen Austritt 62. Die Pfleglinge stehen im Alter von 67 bis 100 Jahren und das Durchschnittsalter beträgt 81 8 Jahre. Die höchste Verpflegsdauer beträgt 21 Jahre, die geringste 5 Tage. Die Anstalt verfügt über 39 einfensterige Zimmer zu 2 Betten, 9 zweifeusterige Zimmer zu 3 Betten und 12 zweifeusterige Zimmer zu 4 Betten, zusammen sonach über 60 Zimmer und 153 Betten. Die Ausgaben betrugen im Jahre 1890 fl. 2176, 1891 fl. 14.794, 1892 fl. 18.557. 1893 fl. 21.739, 1894 fl. 24.132, zusammen über fl. 81.400. Die Verpflegung eines Pfleglings kostete im Durchschnitt jährlich fl. 313'09, täglich 85'7. Der Bericht schließt mit folgenden Worten: „Bei der Erstattung des vorliegenden Berichtes drängt es uns, beseelt von dem innigsten Dankgefühle gegen Gott, der uns dieses Wert gelingen ließ, unseren' herzlichsten Dank allen Jenen auszusprechen, welche durch Stiftungen, Legate und Spenden das bisher Geleistete ermöglichün — ihr Andenken wird in der Anstalt stets in Ehren gehalten werden; auch denen unseren innigsten Dank, welche uns dmch regelmäßige Beiträge und Geschenke in unseren Bestrebungen unterstützten. Sohin unternehmen wir es abermals an den Wohlthätigkeitssinn unserer jüdischen Mitbürger heranzutreten. Wir wagen es in der Ueberzeugung, daß unser Verlangen von keinem Bemittelten abgelehnt werden wird. Es gibt keinen unter uns, der das Gedächtniß seiner verblichenen Eltern nicht ehren wollte, indem er darbenden Greisen und Matronen ein Obdach bereiten Hilst. Und wem die Eltern, die Boten der göttlichen Huld im Leben noch zur Seile stehen, der wird uns willig seine Gabe als Freudenopfer spenden. So kann für unseren Zweck der Erfolg nicht fehlen. Mehr als 80 Gesuche um Ausnahme liegen vor — Gesuche um Schutz für einen kurzen Lebensabend! — Da muß geholfen werden, ehe auch nur eines jener Gesuche gegenstandslos erscheint. Das walte Goti! Mögen unsere Glaubensgenossen bei festlichen und traurigen Anlässen unseres Altersversorgungsbauses werklhälia durch Spenden, Jahresbeiträge und durch Errichtung von Stiftungen gedenken; mögen sie dazu beitragen, daß das Gebet des Psalmisten in Erfüllung gehe: „Vcrloß mich nicht in der Zeit meines Alters, wenn meine Kraft schwindet, verlaß mich nicht!" Wien. Der Vorstand des Talwud-Thora-Bolksschul- Vereines versendet die Einladung zu der Sonntag den 31.

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