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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-03-29 · 13 (29.3.1895) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
13 (29.3.1895)
Date
1895-03-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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'h\. 13 Dr. Bloch's Oestrrreichifche Wochenschrift. Seite 239 die Unternehmer auf die Benützung des Saales nicht einlassen und so unterbleibt die Feier an dem betreffenden Orte. So geschehen in Berlin! „Die Barmherzigen Brüder." Exh.-Nr. 801/95. Löbliche Revaction der „O e st e r r e i ch i s ch e n Wochenschrift" I. Franz Josefs-Quai 3. Der gefertigte Convent der Barmherzigen Brüder zu Wien in der Leopoldstadt erlaubt sich unter Hinweis auf § 19 des Preßgesetzes um unverkürzte Aufnahme folgender Berichtigung nachzusuchen: In Nr. 11 der „Oesterr. Wochenschrift" ist auf pag. 196 unter der Marke „Die Barmherzigen Brüder" ein Artikel enthalten, der der Wahrheit nicht im Mindesten entspricht, wohl aber geeignet ist, die hierseitige Anstalt auf das Schwerste zu schädigen. „Wahr ist, daß Frau Danzer als Mietherin des Gewölbes Nr. 2 in unserem Hause Or.-Nr. 14 Taborstraße ein Geschäft innehatte und dasselbe aus freier Hand verkaufte. Unwahr aber ist, daß dieBerwaltung auch nur den geringsten Einfluß auf den Verkauf selbst nur ausübte; im Gegentheil, der Hausinspector, der ja allein über alle die Administration des Zinshauses betreffenden Fragen entscheidet, erfuhr von der Uebergabe des Geschäftes in fremde Hände erst dann, als der Gatte der bisherigen Bestandnehmerin ungefähr im September 1894 den Käufer des Geschäftes als nunmehrigen Miether vorstellte. Da dieser sowohl das Geschäft als auch die Wohnung zu dem gleichen Zins und zu den gleichen sonstigen Bedingungen übernahm, so entfiel jede weitere Jngeren;. Den Miether nach der Confession zu fragen, ist bei uns nie üblich gewesen, daß aber Israeliten in unseren Häusern als Miether nicht zugelassen würden, ist einfach absurd, und Jedem, der nicht absolut böswillig unserer Anstalt schaden will, würde eine einfache Anfrage beim Hausbesorger oder doch wenigstens ein Blick auf die am Hause angebrachten Firmatafeln vollständig genügen. Wahr ist ferner, daß wir viele Taufendejüdisches Geld nehmen, doch sicher nicht dafür, daß Israeliten in unseren Zinshäusern wohnen, sondern wohl dafür, daß unsere Krankenanstalten insgesammt Kranke ohne Unterschied der Nation und Confession aufnehmen und sicherlich vollkommen gleichgestellt pflegen und behandeln. Daß dieses unser humanitäres Wirken allgemein bekannt und auch anerkannt ist, das beweisen eben die Tausende jüdischen Geldes, die uns durch Almosen bei der Sammlung, durch Schenkungen und Legate edler Wohlthäter zugewendet werden. Diesen Tausenden sei eine schlichte Zahl entgegengehalten, nämlich 340, als Summe der im Vorjahre in hierseitiger Krankenanstalt aufgenommenen Israeliten. Wir schließen diese Berichtigung in der sicheren Hoffnung, daß das bisherige Verhältniß andauern wird, daß wie bisher jährlich Hunderte israelitischer Kranker in unserer Anstalt Aufnahme finden werden, daß wie bisher Tausende und Tausende Israeliten in den Ambulatorien unseres Ordensspitals ärztlichen Rath und Hilfe suchen werden, daß ferner, wie es ja stets der Fall war, das gute Einvernehmen zwischen dem Convent als Hausherrn und den zahlreichen israelitischen Parteien ungetrübt bleibe, und daß endlich zum Nutzen und Gedeihen unserer Humanitätsansta ten durch den so bewährten Wohlthatigkeitssinn der Israeliten auch fernerhin recht viele Tausende jüdisches Geld gespendet werden mögen!" Convent und Krankenanstalt der Barmherzigen Brüder, >Wien, Leopoldstadt am 20. März?1895.^ ^Michael CzeZrny, Prior. „Kauft nur bei Christen".' Stcafverhandlungen gegen Kohlenhändler, die ihre zumeist der ärmsten Bevölkerung angehörigen Kunden durch falsches Gewicht benachth eiligen, haben sich beim Strafgerichte Hernals nahezu in Permanenz erklärt. So hatten sich am 21. März 1895 auf Grund einer Anzeige des Marktcommissärs Weinlich mehrere dieser „biederen" Geschäftsleute vor dem Strafrichter Adjuncten Dr. Ger st mann wegen betrügerisch er Gewichtsverkürzung zu verantworten. Ferdinand Schmalz (Haslingergasse 7), war dem Cartell jener Hernalser Kohlenhändler beigetreten, die in Folge der pflichteifrigen Thätigkeit der Marktcommissäre sich veranlaßt zähen, den Preis der Kohle auf 80 Kreuzer per Centner zu erhöhen, dafür aber ihren Kunden volles und ehrliches Gewicht versprachen. Schmalz hielt den erhöhten Preis genau ein, weniger genau aber nahm er es mit dem ehrlichen Gewicht. Zweimal, am 15. Jänner und 20. Februar, constatirle der Marktcommifsär Weinlich beim Nachwiegen der von Schmalz gelieferten Kohle per 50 Kilogramm ein Manco von je 2 Kilogramm. „Es ist mir halt am 15. Jänner das Malheur paffirt", verantwortete sich heute Schmalz vor dem Richter, „daß ich in Eile zu wenig Gewicht aufgelegt habe; die beanstandete Kohlenlieserung vom 20. Februar hat mein Hausknecht Karl Rain grub er abgewogen." Der staatsanwaltschaftliche Functionär Dr. Skoda erhob auch gegen diesen die Betrugsanklage. Raingruber meinte lakonisch, die Kunden seien mit einer Gewichtsverkürzung einverstanden, wenn sie nur reine Kohle bekämen. Zwei als Zeugen vorgeladene Kunden des Schmalz protestirten jedoch gegen eine solche Zumuthung. Der Richter verurtheilte beide Angeklagte zu je vier Tagen st re n gen Arrests. Die gleiche Strafe erhielt der Kohlenhändler Anion Hajek (Hormayrgasse 9), welchem „das Malheur" paffirt war, daß er sich beim Abwiegen von 25 Kilogramm Kohle um mehr als 2 Kilogramm geirrt hatte, natürlich zu seinem Bortheile. Eine vierte Angeklagte, die Kohlenhändlerin Theresia Schmidt, hatte es einmal ihrem neunjährigen Sohne überlassen, eine Kunde bei 50 Kilogramm Kohle um nahezu 3 Kilogramm zu beuachtheiligen. Diese Angeklagte wurde, obzwar sie von der unredlichen Manipulation ihres Sohnes nichts wissen wollte, zu achtundvierzig Stunden strengen, mit einem Fasttage verschärften A r r e st s verurtheilt. Wieder Einer. Berlin, 22. März. Der antisemitische Stadtverordnete Dr. H e n t i g legte sein Mandat als Stadtvertreter nieder. Gegen H e n t i g schwebt nämlich beim Amtsgerichte in Fürstenwalde das Strafverfahren wegen Wuchers. H e n t i g tritt dieser Anschuldigung zwar öffentlich entgegen, gibt aber zu, d a ß er einem sich in N o t hlage befindlichen Manne dreitausend Markgegendie üblichenZinsen lieh, wofür der Betreffende seiner (Henti g's) Frau „aus Dankbarkeit" 250 Mark geschenkt habe. Heutig hat also offenbar einen sogenannten verschleierten Wucher getrieben, der nicht minder strafbar ist. H e n t i g spielte in der hiesigen antisemitischen Bewegung in den letzten Jahren eine große Rolle und gehörte zu den eifrigsten Kämpfern gegen die jüdische Corruption. Noch Einer! Darmstadt, 18. März. Die Antisemiten haben mit ihren Koryphäen entschieden „Pech"; Einer nach dem Andern entpuppt sich als „dunkler Ehrenmann". So wurde vor etwa acht Tagen der hiesige Samenhändler und frühere Verleger der inzwischen eingegangenen antisemitischen Zeitung „Der Landwirth und Bienenzüchter", Adolph Theiß, welcher vor etwa zwei Jahren hier in D arm st ad t sowie in der Provinz Starkenburg eine große Rolle als antisemitischer Agitator spielte und sich zum strengen Sittenrichter der Inden aufwarf, unter der Anklage der Verleitung zum Meineid verhaftet. Dieser Fall hat eine frappante Ähnlichkeit mit dem „Falle Leuß", indem Theiß, der selbst zum zweitenmale verheiratet ist (feine erste Ehe wurde, nachdem das zugevrachte Vermögen der Frau so ziemlich „draufgegangen" war, gerichtlich geschieden), mit der Frau eines Mannes, mit welchem er gelegentlich einer bienenwirthschaftlichen Ausstellung in freundschaftliche Beziehungen getreten war, ein Verhältniß einging, in Folge besten die Frau, die Mutter mehrerer Kinder, nach 18jähriger Ehe von ihrem Manne Mitte Januar d. I. geschieden wurde. Während dieses Ehescheidungsprocesses soll nun Theiß sowohl in verschiedenen Briefen als auch durch mündliche Aufträge, welche er durch seinen gleichfalls verhafteten „Buchhalter" ausrichten ließ, versucht haben, die Frau zu einem Meineide zu veranlassen. Nachdem die Frau ihre Familie hatte verlassen müssen, war sie voller Verzweiflung hieher geeilt, um ihren Verführer anzuflehen, doch bei ihrem Manne zu vermitteln, was Theiß aber ablehnte, worauf die Frau sich einen Re-

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