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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-03-29 · 13 (29.3.1895) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
13 (29.3.1895)
Date
1895-03-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 238 Nr. 13 Dr. Bloch's Oesterrerchische Wochenschrift. dings bekräftigl worden, und was auf dem Papiere besteht, kann einst in besseren Zeilen, wenn d,e traurigen Gesinnungen sich ändern, wieder lebendiges Recht werden", so muß man hinzusügen, daß auch die anderen jüdischen Abgeordneten gleichmäßig bestrebt waren, die Action zum günstigen Abschluß zu bringen. Schließlich sei noch erwähnt, daß der Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Ludwig Alt mann in Wien, I. Bäck'rstraße 9, im Namen seines Clienten Dr. L. S., praktischen Arztes in Wien, wegen jener Concursausschreldung beim k. k. Finanzministerium eine wohlmotivirte Beschwerde — am 13. März 1895 erhoben hatte! Slatiu-Bey in der antisemitischen Presse. Es war vorauszusehen, daß die Antisemiten, zumal jene mit „germanischem Ehrbegriff" sich beeilen werden, den ans der Gefangenschaft des Mahdi heimkehrenden S lat in B e y nach arischer Arb zu beschimpfem Die „Ostdeutsche Rundschau" vom 20. d. meldet: Heute aber sind wir in der Lage, von einer gut verbürgten Thatiache zu berichten, die nicht nur unbekannt und mindestens ebenso interessant ist. wie jene wundersamen Berichte, sondern auch die aussatten) lebhafte TheUn chme gewisser Kreise für den Abenteurer einigermaßen erklärt: 2! at i n B ey, richtig Rudolf S l a t i n — ist Jude. B s auf diesen einen kleinen Umstand sind die in der Judenpcesse enthaltenen Berichte über 2 tat in's Vorleben vollkommen richtig. Wie uns unser Gewährsmann, der Rudolf Statin persönlich kannte, mittheilt, ist der jetzige egyptisch-mohammedanische Flüchtling der Sohn eines ungarischen Juden, der das ehrsame Gewerbe eines „Bierversilberers" betrieb und außer Rndotf noch zwei Söhne besaß, von denen der Eine heute Hoscath im Oberststallmeisteramte, der Andere Advocat ist. Die Familie ließ sich frühzeitig taufen. Ungleich seinen fleißigen Brüdern war Rudolf Slatin schon mit 15 Jahren — was man so nennt — ein „Früchtchen", dessen Unlust zur Arbeit, wie bei so vielen Anderen, in Abenteuerlust umschlug. Es zog i',n im Gegensätze zu anderen Stammesgenossen, welche die Reise gegen Westen v irziehen, nach der Urheimat, dem Orient, Kwo er mit 17 Jahren in eine Buchhandlung zu Cairo eintrat. Der apostolische Missionär O h r w a l d e r in seinem Buche spricht 8von Rudolf Slatin mit hoher Bewunderung : Mit 24 Jahren Machthaber über ein Gebiet von circa 452.000 Quadrat-Kilometern 1 Der Mahdi insurgirte Darfur, und ungezählte Haufen der fanatischen Derwische und Foquarr griffen den Truppenkörper an, über den Slatin gebot. In den vieljährigen Kämpfen der Mahdia gegen Engländer, Egypter, Abyssinier und die freien Vö'ker Afrikas bildet Stalin's Verteidigung von Darfur vom Standpunkte der Entschlossenheit, der Thatkraft und des Rechtssinnes den einzigen Lichtpunkt. Pater Ohrwalder, der im Lager des Mahdi Gelegenheit halte, den Eindruck dieser Kämpfe an dem Urtheile des Feindes zu ermeffen, schreibt über dieselben: „S l a ti n kämpfte in Darfur gegen Rebellen, gegen Darfuresen und die Araber Risegal, Habbame u. s. w. Bald war er im Norden, bald im Süden; mit seiner ungewöhnlichen Schnelligkeit und Tapferkeit war er der Hammer der Araber und tödtete Tausende derselben. Bis in die unzugänglichen romantischen Schluchten des Gebirges Morra verfolgte er den Feind. Er war ein ausgezeichneter Reiter, der im Kriege 24 Stunden zu Pferde aushielt; er schlief mit dem gemeine» Soldaten auf nackter Erde, trank mit ihm Wasser und nährte sich von dem im Master erweichten Getreide. Er übte stets Gerechtigkeit, ohne je Geschenke zu nehmen. Freigebig und immer bereit, die Armen zu unterstützen, gewährte er Groß und Klein Zutritt. Trotzdem er in 27 Schlachten siegreich gewesen, konnte er den Feind doch nicht vernichten; immer neue Feinde erwuchsen gleich Pilzen aus dem Boden. Als ihm in einer Schlacht eine Kugel einen Finger beinahe abgerissen hatte, faßte er mit der andern Hand den herabhängenden Finger und befahl einem Nahestehenden, das unnütze Glied mit einem Messer abzuschneiden, worauf er fortfuhr, die Seinen im Getümmel der Schlacht anzufeuern. Seine Heldenthaten wurden auch im Kordofan bekannt, und er wurde im Sudan als einer der Tapfersten selbst von den Feinden gefeiert." In ihrer Nummer vom 22. d. M. zieht die „Ostdeutsche Rundschau" aus der Constatirung, daß Slatin B e y Jude sei, die ihrer Tendenz entsprechenden Consequenzen. Sie stellt Slatin in Parallele zu E m i n Pascha, spricht von des Letzteren Schachergeist, bestreitet, daß Slatin irgendwelche Cnlturarbeit geleistet, und preist den beiden jüdischen Pionnieren gegenüber die Moralität eines — S ta n l c i)! Man weiß, welche Verbrechen Stanley nicht allein an Emin Pascha, sondern auch an seinen eigenen europäischen Begleitern und an seinen Zanzibariten verübte, die er zu Hunderten einem grausamen Tode überlieferte. „Ein Bürschchen, das daheim nicht gut thun will, schüttelt eines Tages den Staub von den Füßen und brennt durch, um über dem Wasser sein Glück zu suchen." Ist Stanley etwas Anderes als solch' ein „Glücksjäger?" Der New-Aorker Zeitnngsreporter hat durch die Art, wie er Emin Pascha fand und „befreite", die Entrüstung der ganzen Welt erregt. Und diesen Stanley nennt die „Ostdeutsche Rundschau" einen Heros! Warum nicht? Hat sie doch auch die arischen Schweinereien und Grausamkeiten des Kanzlers L e i st vertheidigt und als moralische Heldenthaten gepriesen. Eine jüdische That. Ein Sägemühlenbesitzer in einem Orte W. an einer Bahnlinie unweit Hannovers hatte wegen allzu eifriger Agitation für den Antisemitismus sein Geschäft vernachlässigt und stand vor dem Concurse, der ihn und seine Familie dem Elend überliefert hätte. Die Gläubiger drängten auf Concurseröffnung, nur einer, ein Jude, der Mitleid mit der Familie des Antisemiten hatte, suchte und fand Mittel, um den Coucurs und damit das Unglück von dem Sägemühlenbesitzer fernzuhalten! Mct dieser „jüdischen" Handlungsweise vergleiche man die des antisemitischen Verlegers der „Hann. Post", der seine Redacteure zu Jammergehäkteru ans tägliche Kündigung anstellt und sie Knall und Fall fortjagt, wenn sie sich weigern, Trockenwohner in seinem feuchten Hause zu spielen und sich zu seinem und seines Geldbeutels Nutzen die Gesundheit zu ruiniren. Religiöser Antisemitismus. Mögen die Rassenantisemiten noch so oft betonen, daß sie die jüdische Religion nicht angreifen, so spricht doch die Erfahrung oft dagegen. Wie das Wiener „Fr. Blatt" aus Salzburg meldete, sagte in einer niederen Schule der Katechet: „Die Juden möchten es gerne verheimlichen, daß sie Christum gekreuzigt haben". Kaum war diese Religionsstunde vorüber, so stürzten die Knaben den eintretenoen beiden jüdischen Knaben, welche separaten Religionsunterricht genießen, entgegen und riefen: „Ihr habet Christus gekreuzigt ihr Juden!" Gymnasial-ProfefforThaddäus W it r icki in Przemysl hielt vorige Woche in der Vll. Classe des hiesigen Gymnasiums einen Vortrag über die Kceuzzüge. In demselben kommt das Wort Jerusalem sehr oft vor. Bei jedesmaliger Erwähnung dieser Stadt wiederholte und betonte der Vortragende: „Das ist die Stadt, in welcher die Inden Christus ermordeten." Ferner bemerkte er: „Nach den Kreuzzügen wurden die Juden in allen Ländern Europas zerstreut und so kamen sie auch nach Polen, wo sie sich leider noch jetzt befinden!" Arische Sittlichkeit. Pastor Wagner aus Pritzerbe a. d. Havel hielt in der Generalversammlung der deutschen Vereine zur Bekämpfung der öffentlichen Sittenlvsigkeit (am 19.—20. Sept. in Colmar i. E.) einen Vortrag, worin er sagte (s. „Das Land" 15. Oct. 1894): „Die Mädchen haben von Inspektoren und Verwaltern der größeren Güter vielerlei Zudringlichkeiten und Rohheiten bis zu mehr oder minder gewaltsamer Verführung zu erleiden, nachdem glücklicherweise das su8 primae rioctw zu existiren anfgehört hat."j Ein antisemitischer Erpresser. Der ehemalige LandwirthFriedrichJohannAugustK r a u s e, Verfaffer derBroschüren „Der Wucher und seine Geldleute" und „Die Hintermänner des Wuchers", wurde in Berlin vom Landgerichte I wegen Betrugs und Erpressung zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängniß verurtheilt. Der Gerichtshof Gezeichnete das Gebühren dieses antisemitischen Sittenrichters als „höchst niederträchtig". Der Fall ist interessant; warum verschweigen ihn aber die Wiener Antisemitenblätter, die sonst ihren Gesinnungsgenossen im Reiche so große Aufmerksamkeit widmen? — Berliner und Wiener Stadtverwaltung! In der Absicht des sogenannten „Bismarck-Ausschusses" lag es, am 1. April imSaaledesBerliner Rathhauses einen Fest actus abzuhalten. Dazu mußte man natürlich den Saal haben. Der Magistrat war geneigt, die an ihn gerichtete Bitte zu erfüllen, doch erlegte man den Unternehmern die Verpflichtung auf, dafür zu sorgen, daß in dem Saale nicht auf den Hausherrn, d. h. auf die Berliner Stadtverwaltung geschimpft und daß keine Religio ns- und Rassenhatzgetrieben werde. Unter diese Bedingungen wollten sich

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