Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 13 (29.3.1895)
- Date
- 1895-03-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 13 Dr. Bloch's Vryerrrichifchr Wochenschrift. Seite 333 Pumpo? Ja, politischen Blick muß man haben. „Ein weites Aug'" wie die Semiten sagen. Das hat Bismarck stets gehabt und wir ostmärkisches, politisches Jung-Volk haben rhn auch, den weiten Blick. Unser Patriotismus kennt gar keine Grenzen . . . Unser Parlament sollte es nicht verabsäumen, Bismarck zu ehren und das gut- und wettzumachen, was das deutsche an seinem alteisernen Ehrenkanzler verbrochen. Ist aber von dieser Coalition eine große That, eine schöne, deutsch-volkliche Entschließung zu erwarten^? In der Taufschein-Sache haben sie richtig klein beigegeben. Kläglich-jämmerlicher Rückzug! Also ein Jude kann auch Salinen-Arzt von H a l l st a t t und Forstwart in Krain werden, wenn er die Stelle bekommt, und wir, die wir nicht nur den Taufsondern eventuell auch den Rauf- und den Saufschein beizubringen im Falle sind, wir sind der Gar- Niemand. Das freche Judenthum drängt sich auf allen Gebieten vor. Lies einmal die Listen nach, wer die Stipendien stiftet? Die Juden! Wer gibt in protzenhaftem Dünkel und prahlerischer Großmannssucht die rundesten Summen für wohltätige Zwecke? Die Juden! Sie haben das Geld dem armen, christlichen arbeitenden Volke abgenommen . . . Und der Baron Hirsch erst. Das ist der Rechte. Die antisemitischen Blätter haben nachgewiesen, wie viele Millionen er an seiner Wohlthütigkeitverdient. Der und der Montefiore, die gehören schon zusammen. Das sind ein paar Feine. Der C r e m i e u x als Dritter dazu. Solche Männer zu bekämpfen erfordert das in jedes arisch-germanisch Unverfälschten lebende, angeborene Sittlichkeitsgefühl, welches den Semiten leider gänzlich mangelt. Den bemerkenswerten Briefwechsel L u e g e r- Schönerer wirst Du wohl gelesen haben, mein Pumpo. Kein antisemitischer Wechsel, bei dem nicht der Vergani dabei wäre. Der Herrgott von Zwettl läßt ihn nicht locker und der „schöne Koarl" will dem grollenden Tiger den Zaubergewaltigen nicht zum Fräße hinwerfen, denn so einen Chefredacteur findet das „Deutsche Volksblatt" nie und nimmermehr. Schau', den armen, alten, heiligen Vater in Rom gibt der Doctor willig in den Kauf, das leidige Geschichtenbuch der Juden als Daraufgabe, zum Wotan würde er sich gern bekennen, aber das „Deutsche Volksblatt" und den Vergani läßt er nicht fahren — niemals! Wer foü bem künftig die schönen Reiseberichte aus Schweden abschreiben? Mit keiner glänzenderen, fremden Feder, als mit der Bergan i's können wir uns schmücken. Er ist und bleibt der Stolz der antisemitischen Copirpresse. Ich habe mich grün nnd blau geärgert in der letzten Zeit über Ju)en und Judenknechte, mein Pumpo, — haben sie nicht diesen Semiten Slatin-Bey zu einer Größe hinaufgeschwindelt? O, Preß-Juda, was hast du da gethan! Unser Kanzler Leist war doch ganz ein anderer Held, als euer Judenjüngel. Deutsche Sitte, deutsche Art verpflanzte er in's östlichste Ost-Afrika. Das ist die echte, arische Humanität, wie er sie übte — die Neger erröteten, die Cannibalen waren gerührt von dieser edlen Menschlichkeit. Gefühlsduselei, wie sie die jüdisch-semitische Rasse kennt, war ihm stets fremd, diesem edlen Vorprügler der europäischen Cultur und Sitte im dunklen Welttheil! Mila, arische Jungfan des Sitzes und Johannes, du Mann der Zahl — ein Wort und einen Vorschlag an Euch: Ihr müßt mir jeder fünf Gulden leihen. Wir wollen eine Bismarck-Ehrung veranstalten besonderer Art und uns am ersten April einen guten Tag anthun. Wenn ihr glaubt, daß fünf Gulden nicht ausreichend seien, so machen wir halt zehn, darauf soll es Euch nicht ankommen. Für das Geld Befreie ich erstens einmal meinen Frühjahrs-Ueberzieher nebst Frack- Anzug Ms schmählicher, jüdischer Haft — ich kann doch zu des Altkanzlers Ehrentag nicht im schäbigen Winterrock mit ausgerissenen Knopflöchern dahergehen, was würde All-Deutschlands größter Mann von mir denken, wenn er erführe, daß ich an seiner Wonnefeier nicht Festkleidung angelegt hätte. Dann nehmen wir eine Droschke erster Güte mit zwei harben Rapperln und verjuxen und versaufen den Rest soweit er langt. Seid ihr zufrieden und einverstanden mit meinem Vorschlag? Mila lächelt zwar holdselig, nickt aber quer mit dem schöu frisirten Köpfchen und Johannes meint: _ Ich soll erst die alte, große Schuld bezahlen. Diese Menschen haben rein gar kein Gefühl für Deutschlands Weltstellung, Macht und Größe — sein Wiederhersteller und Festkitter ist ihnen vollständig gleichgiltig. Sie sind schmählich versumpft, kläglich verjudet, nicht die Spur deutschvolklichen Hochgefühls — ihr verdient es gar nicht, deutsche Arier zu heißen, wenn ihr einem arischen Deutschen die Mittel benehmt, seinen Bismarck gebührlich zu feiern. Ach, diese Leute, haben gar kein Berständnlß für den Takt, die Feinheit, die darin liegen, daß wir den pensionirten Minister einer fremden Bracht anstrudeln. Sie sind politisch so ungebildet, daß sie vielleicht nicht einmal wissen, wer die Richter im Proceß Schönerer waren — nämlich Holzinger, Raisky, Lorenz und Schmiedel. U. D. G. Servus Pumpo! Dein Teutobold. Oesterreichisch - Israelitische Union. (Plenarversammlung vom 20. März 1895.) Das allgemeine Interesse der jüdischen Wählerschaft an den bevorstehenden Gemeinderathswablen kam in der am 20. März d. I. stattgefundenen Plenarversammlung dieses Vereines eclatant zum Ausdrucke. Der Saal war trotz des schlechten Wetters zum Erdrücken voll, und obwohl die Versammlung erst lange nach Mitternacht zu Ende ging, war das Interesse an den mitunter mit großer Leidenschaft geführten Debatten ein anhaltendes. Der Tenor aller Redner gipfelte in der einmüthigen Berurtheilung der wüsten Scenen in unserer Gemeinderathsstube, nicht minder in dem Borwurfe, daß die freisinnigen Vertreter den maßlosen Beschimpfungen der jüdischen Wählerschaft nicht mit der gebührenden Energie entgegentreten. Nachstehend der Bericht über die Versammlung. Nachdem der Vorsitzende, Herr Cultusvvrsteher Tr. G rün fel d, die Versammlung, welcher unter Anderen die Herren Reichsrathsabgeordneten Dr. Bloch und Tr. B y k, die Gemeinderäthe Dr. Fried jung, Theodor Ritter von Goldschmidt, Lang und Dr. Mittler, Landesschulrath Dr. Gustav K o h n, die Bezirksausschüsse Frankl und W a l d st e i n, sowie die Ortsschulräthe Heit und Strauß beiwohnten, eröffnet hatte, hielt Reichsrathsabgeordneter Dr. Emil Byk seinen angekündigten Bortrag über „Cultnrarbeit im Osten." Reichsrathsabgeordneter Dr. Byk (mit lebhaftem Beifall und Händeklatschen begrüßt): Ich danke dem verehrten Herrn Bereinspräsidenten für die freundlichen Worte der Begrüßung; ich bin auch der Vereinsleitung sehr dankbar dafür, daß sie mir Gelegenheit geboten hat, hier zu sprechen. Ich verfolge ja seit Langem das Wirken Ihres Vereines und ich muß alle Achtung und Hochschätzung demselben bezeugen. In den Zeiten der Gefahr und der Bedrängniß ist es ja geboten, daß wir Zusammenhalten. daß wir die Kräfte zusammenfassen und daß wir an des Dichters Wort denken: „Schwach alleine, stark im Vereine; , stark alleine, stärker im Vereine." Ich habe auch mit großem Jnteresie die Vorträge gehört, welche in der letzten Zeit in ihrem Vereine gehalten wurden; es waren die Vorträge geistreicher Männer, die sich mit den Fragen des Tages befaßten und insbesondere mit jener Frage, die uns heute am allermeisten nahegeht, mit der Frage der häßlichen Zeitkrankheit, des Antisemitismus. Ich werde allerdings darüber heute wenigstens direct nicht sprechen. Ich möchte Sie aus der schwülen und dunstigen Atmosphäre dieser sonst schönen und reizenden Stadt wenigstens für die Spanne Zeit meines Vortrages hinausführen. Ich will Sie weit nach Nordosten in ein anderes Land führen, wo ein kälteres, schärferes Klima herrscht, wo der goldige Wein nicht mehr wächst, wo die Menschen nicht das gemüthliche, gutmüthige Temperament der Wiener besitzen,