Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 13 (29.3.1895)
- Date
- 1895-03-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 232 Dr. Bloch's Orstrrreichifchr Wochenschrift. Nr. 13 Teutobold als Vismärcklrr. Schreibebrief des deutsch-nalionalm Studenten. XXVI. Wien, im Faul-lenzrnond 1895. Liebster Cumpan Pump o! Da wäre ich denn wieder glücklich in eine sammetgepolsterte Ecke eingelaufen, zwar nicht in meine gewöhnliche, kaffeehäusliche Stammecke, sondern in die chr schräge gegenüber liegende. Das hat seine Gründe; von meinem gewöhnlichen Platze aus habe ich nämlich den geraden Blick in einen großen Spiegel — und heute verdrießt es mich, mir ins Gesicht zu sehen. Deshalb bin ich ausgezogen. Mein deutscharisch-volkliches Antlitz haben mir diese Juden gut zugerichtet. Gestern Mensur mit einem krumm genasten, pechschwarz gelockten Kadimahner. Seine Visage berührte mich antipathisch beim Bummel. Ich trete auf ihn zu und ihm auf den Fuß und frage ihn in den höflichsten Ausdrücken, wo er seinen Bedarf an Knoblauch decke. Um mich chm verständlicher zu machen, bediene ich mich der singenden Sprechweise der Semiten und ahme in der mir eigenen, vollkommenen Weise den Rhythmus und Tonfall des interessanten, talentvollen und gänzlich unartenlosen Volkes nach. Darauf streichelt der krause Jüngling meine linke Backe, aber gleich mit allen fünf Fingern auf einmal, und ziemlich heftig. Ich bemerke hierauf mit Entschiedenheit, daß ich durchaus keine Veranlassung hätte, ihn für einen weltklugen Greis, sondern ganz im Gegentheil für einen dummen Jungen zu halten und halte mich, um nicht aus dem Gleichgewicht zn kommen, on seiner Nase an. Aus Menschlichkeit und angeborenem Schönheitsgefühl wollte ich derselben .ine andere Faoon geben. Ihr Träger war aber nüt der kühn ausladenden Curve seines Riechorganes ganz zufrieden. Das war das ganze Mißverständlich. „Packen. Sie sich bei ihrem eigenen rothen Gesichtsknollen und lassen Sie anderer Leute Nasen in Ruh', Sie Flegel!" Ich bleibe Antworten grundsätzlich nie schuldig, das Einzige, was ich nicht schuldig bleibe, und fordere rhn mit großartigem Gestus. Ich glaubte nämlich, der Jude würde in angeborener Feigheit auskneifen, aber gerade der war zufälligerweise eurer aus der weitverzweigten Familie der Makkabäer und ich also an den Unrechten gerathen. Schließlich dachte ich noch, er würde wenigstens, wie dies erst vorige Woche vorgekommen, die Forderung Verkäufern Auch das geschah nicht. Zwei Blutige setzte es — leider auf meinem Gesichte. Die Juden scheinen doch Christenblut zu brauchen. Sollte man dem Herrn Ober-Stampiglienrath die Geschichte nicht stecken? Jetzt ist's doch vor den semitischen Ostern. Vielleicht kann er das zu einem Sujet für ein Blutmärchen brauchen. Schließlich reichten wir uns gar die Hände. Ich that dies nur, um den gelungenen Scherz anbringen zu können: „Ich bin Ihnen sehr verbunden." Der hat mich schön zugerichtet, Pumpo. Und ein jüdischer Arzt war auch da. Nun weiß ich nicht, hat der aus angeborener Rassentücke oder in Folge eines boshaft-geistreichen Zufalls mir die schwarzen Pstasterstreifen derart in's Gesicht gekleistert, daß sie in hebräischer Quadratschrift drei Buchstaben ergaben, dieselben, welche ich schon oft auf Firmen gesehen habe. Was sie bedeuten und was mir der verwünschte Semit eigentlich mit seinem Schläger auf die Backe geschrieben, weiß ich frellich noch nicht. Gleich bin ich zum Herrn Palentkuppler gegangen, damit er mir's übersetze, zufällig hatte er aber seinen Talmud in der Luftvilla. Er -bedauerte es nicht zu können ohne das Buch und wies mich an Canonicus Rohling. Doch der wohnte mir zu weit und kann es sicher auch weder lesen noch übersetzen Die Mahner und Kadimahner sind mein Unglück! Ich habe dir alles wahrheitsgetreu berichtet, Pumpo. Die Nase dieses Menschen hat mich provocirt. Er hat angefangen und ich kam: jetzt dasitzen mit meinen hebräischen Gesichtszügen. Aber keinen Fuß setze ich je mehr wieder in diese gottverfluchte, semitisch-verseuchelte Hochschule. Nicht einmal in die Aula geh' ich mehr zum Samstagsbummel. Wenn man sich nicht mehr das Vergnügen gönnen darf, einen semitischen Nomaden anzurempeln, dann pfeif' ich auf alle deutschen Universitäten. Wozu bin ich dann reinnarischdeutschvolklicher Student? Ich frage — wozu? Ein großer Tag, ein herrlicher Festtag für All-Deutschlands Wiederkitter mit Blut und Eisen naht heran — der 1. April. Dieser 1. April wird viel gefeierter sein, denn jemals einer. Unseres Bismarck's Jubelehrung und Ehrenjubel! Wir, die wir uns als allerweg-stramm-treuostmärklicheBismürckler fühlen, was ist das für uns doch für ein herrlicher 1. April, in den wir von unserem Bismarck und unserem Schönerer geschickt werden. „Auf Bismarck's Volk lass'Flammenzeichen rauchen!" Wir werden uns selber illuminiren. Die deutsch-nationale Studentenjchaft Oesterreichs plant unverfälscht rassenreine Ehrungen in großer Zahl für All-Deutschlands größten Mann — nach Schönerer natürlich. Was das uns Oesterreicher denn angeht? fragen wohl die Albernen oder Uebelgesinnten, die den deutsch - volklichen Hoch- Gedanken: „Durch Gemeinheit zur Einheit" nicht in seines Hochgefühles Gänze zu erfassen und durchzudenken im Stande sind. Wir sind Deutsche, ja wohl, rassenreine Urdeutsche. Kein Tropfen slavischen oder semitischen Blutes rollt in unseren Adern. Die Deutschen sind bekanntlich eine der unvermischtesten — was sage ich da? — die unvermischteste Rasse der Welt. Schmul-Leeb-Kohn war auch ein Deutscher. Das haben die neuesten genealogischen Forschungen dargethan zur Evidenz. Die Juden haben ihn blos bösgesinnter Weise den Ihrigen beirechnen wollen, um uns einen rechten Tort anzuthun. Doch nicht um Schmul- Leeb-Kohn handelt es sich jetzt, dessen Jubeltag soll ein andermal festlich begangen werden, sondern um Bismarck. Was hat dieser Alaun nicht Alles für Oesterreich geleistet? Wenn es heute so dasteht, wie es dasteht, so ist dies nicht zum geringsten Theile sein Verdienst. Für uns Deutsche in Oesterreich hat er immer lebhafte Sympathien gehegt. Das darf ihm nicht vergessen werden. Er sprach ja das schöne, gute und große, deutsche Wort aus. daß Oesterreichs Schwerpunkt nach Ofen verlegt werden müsse. Diesen Mann müssen alle Oesterreicher lieben, verehren — bewundern. Ganz Oesterreich sollte nach Friedrichsruh wallen, nicht blos die erleuchtete, politisch-reife, von Schönerer angeführte Jugend, ein großer Festzug sollte veranstaltet werden zu All-Deutschlands Einiger und Wiederaufdenglanzhersteller. Die Musik wäre von der Capelle der Veteranen von anno 1866 beizustellen. Festredner müßte J ro oder Kernr euter sein, denen ein Dolmetsch beizugeben wäre, welcher ihre Worte dem Fürsten ins Deutsche zu übersetzen hätte. Da Seine Durchlaucht übrigens plattdeutsch versteht und selbst geläufig spricht, wäre dies vielleicht auch überflüssig. Unsere Redner sprechen nämlich das platteste Deutsch von der Welt. Eine Verlegenheit gäb' es nur, wenn der Fürst sich bei Schönerer nach dem Befinden seines lieben, alten Freundes B e'n ed i ct von der Weltjüdin erkundigen würde oder nach dem des guten Dr. Fried jung, der schon einmal an seiner Tafel gesessen und mit ihm gespeist hat, während der große Georg dieser Ehre und Auszeichnung bis nun noch nicht theilhaft geworden. Du fragst mich, o Pumpo — ich fühle, daß Dumich fragst: —warum der Fürst mit den Rassenjuden Bleichröder, Lassalle, Benedict und Fried jung so freundschaftlich verkehrt hat und uns Antisemiten wie absichtlich zurücksetzte? Er studirte das Judenthum, laß Dir sagen, um sich über seine Schädlichkeit, Gemeingefährlichkeit und Abscheulichkeit ein möglichst klares Bild zu schaffen. Gewiß erwog er auch in seinem gewaltigen, staatsmännischen Geiste, welche Mittel in Anwendung gebracht werden müßten, um diesen widerwärtigen Fremdkörper aus der arisch-germanischen Deutschvolklichkeit aus- und abzustoßen. Was sollte er auch unseren Führer empfangen? Schönerer, ist doch sein zweites Selbst. Und sich selbst kennt er genügend. Deshalb. interessirt ihn Schönerer auch nicht im Mindesten. Jetzt ist Dir doch Alles klar,