Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 12 (22.3.1895)
- Date
- 1895-03-22
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 226 /ir. 12 Dr Bloch's Orsterrrichrfche Wochenschrift. Trauerchorals durch Herrn Obercantor R o s e n h e cf. den der volle Tempeichor unterstützte, wurde der Sarg auf den Leichenwagen ge-! hoben. Draußen herrschte wie schon erwähnt, stürmisches Wetter, trotzdem hielten die überaus zahlreichen Trauergäste Stand und folgten tiefbewegt dem Zuge. Unter den Trauergästen bemerkten wir die Herren: Landesgerichtspräsident Wessely, Bürgermeister v. Kochanowski, Reichsrathsabgeordneten Dr. R o t 1, Oberlandesgerichtsrath Wienicki, Regierungsrath Pompe, die Landtagsabgeordneten D. Tittinger und Kohn, sämmtliche Landesgerichtsrarhe, Secretäre, Adjuncte und Beamte des Gerichtes, die Staatsanwälte, Regierungsbeamte, den Gemeinderath, die Sladträthe, Advocaten, Aerzte, die Kaufmannschaft, Gewerbetreibende rc. und sehr zahlreiche Damen aus allen Ständen und Confessionen. Der Leichenzug bewegte sich auf den israelitischen Friedhof, woselbst die sterblichen Ueberreste der Verblichenen zur ewigen Ruhe bestattet wurden. Friede ihrer Asche! Przeurysl. Der Verein „Jeschurun" veranstaltete am 9. d. M. rm Locale des hiesigen Casino-Vereines einen Purim- Abend. Das Fest eröffnete Herr Drd. M a n a l e s mit einer kurzen Begrüßungsrede. Herr Dr. K u t n a hielt dann die Festrede über die geschichtliche Bedeutung des Purimfestes. Minutenlanger Beifall lohnte dem hier populär gewordenen Mediciner für den interessanten Bortrag. Die Beamtensgattin Frau Kohn und Frau Dr. Goldfarb füllten den musikalischen Theil des Abends aus. Beide Damen entzückten das anwesende distinguirte Publicum. Hervorzuheben sind noch zwei Schüler der Mermelstein'schen Schule, welche hebräische Gedichte meisterhaft declamirten. Die Schlußrede hielt Herr Professor Baumgarten. Lemberg. In der am 16. d. M. stattgefundenen XX Generalversammlung der I. jüdischen Volksküche wurden die Herren Jacob Stroh als Präsident. Salomon Bu b e r als Bice-Präsident und Julius Hochfeld als Schriftführer; als Ausschußmitglieder Dr. Wilhelm Holzer, Dr. Max S o kal, David Maschler, Elias Stroh, Geon Rosenfeld, Eisig Rap a Port, Jonas Beeser, Salomon G oldst ein, Jacob Berger gewählt. Kolomea, 17. März. (Verlobung.) Fräulein Clara Brettler, Tochter des Herrn Marcus Brettler in K o l o mea, hat sich mit Herrn Eisig, Sohn des Herrn Aron Safier in Tarnow, verlobt. Djaeovar Unsere Gemeinde hat einen schweren Schlag erlitten durch das plötzliche Hinscheiden ihres verehrten Seelsorgers, des Bezirks-Rabbiners Herrn Hermann Sommer, Gründer der israelitischen Cultusgemeinde Djacovar, welcher nach 34;ähriger segensreicher Tbätigkeit im 77. Jahre seines Lebens während der Ausübung seines Berufes, verkündend das Wort Gottes, Samstag, 20 Tage im Monate Adar, in ein besseres Jenseits abberufen wurde. Der Heimgegangene zeichnete sich durch Gelehrsamkeit, Frömmigkeit und einen bescheidenen Smn aus und erfreute sich der Verehrung Aller, welche ihn kannten. Friede seiner Asche! Wiznitz Am 10. März wurde in W i z n i tz ein Mann zu Grabe getragen, der es vermöge seiner hervorragenden Gelehrsamkeit und seiner seltenen Tugenden verdient, in weitesten Kreisen genannt und geehrt zu werden: Herr Adolf Rosenh e k, durch mehr als 34 Jahre Mitglied des Gemeindevorstandes von Wiznitz, unser Stadt- und Armenarzt. Rosenhek hatte seine Studien in Wien absolvirt und nahm daselbst im Jahre 1848 an der Revolution an der Seite des unvergeßlichen Dr. Fischhof theil, der ihm auch zeitlebens Freund blieb. Den Principien, für die Adolf Rosenhek zu jener Zeit kämpfte, blieb er treu, und nur etwas war ihm heiliger: das Ju» denthum. Streng religiös und nach den rituellen Vorschriften lebend, gelang es dem Hingeschiedenen durch seine Ehrenhaftigkeit, Charakter, Herzensgüte und Wohlthätigkeit im ganzen W i znitzer Bezirke sich Achtung, Zuneigung und Vertrauen zu erwerben. Die ganze Bevölkerung ohne Unterschied der Religion, des Standes und der Nationalität war gewöhnt, in ihm ihren Helfer, Rathgeber und Tröster zu suchen. Als Arzt war Doctor Rosenhek unermüdlich. Während der fürchterlichen Schneestürme in der letzten Woche, die auch nur das Verlassen der Wohnung gefährlich erscheinen ließen, ging er muthvoll bei dem allerärmsten Theile der Bevölkerung seiner Pflicht nach und holte sich auch hiebei den Keim einer heimtückischen Krankheit, die nach 6 Tagen seinem Leben ein Ende machte. Der Gemeinderath hielt eine außerordentliche Sitzung, die nur der Beileidskundwebung für den Verstorbenen gewidmet war. Schon am frühen Morgen versammelten sich Tausende Leidtragende vor dem Trauerhause; es erschienen der k. k. Bezirkshauptmann und der k. k. Bezirksrichter mit allen unterstehenden Beamten, die Geistlichkeit, Großrabbiner Hager, alle Advocaten und Aerzte und unzählige Freunde des Verblichenen. Die vereinigten Feuerwehren von Wiznitz und Kntty hielten die Ordnung aufrecht, in der ganzen Stadt waren die Handlungen gesperrt, und in den Straßen brannten florumhüllte Laternen. Vor dem Trauerhause hielt Advocat Dr. Lvria einen tiefempfundenen Nachruf, im Tempel sprachen Rabbiner Blum, Advocat Doctor Perl und Dr. Zellermayer, am offenen Grabe Advocat Dr. Weis. Es war ein Tag der Trauer für unsere ganze Stadt. . . . l. Berlin, 14. März. Das Central-Comits der „Es ra, Verein zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in P a l ä st i n a und Syrien" hat in seiner letzten Sitzung die namhafte Summe von 18.000 Francs zurNeubegründung resp. Förderung bereits bestehender Colonicn bewilligt. Bravo! Meran. (Der C o m p o n i st K a h a n s.) Der in Wien lebende, rühmlichst bekannte und auch bei uns dom vorigen Jahre durch seine Compositionen, besonders die „Tiroler Gavotte", in bestem Andenken stehende Componist D. Kahane zählte auch in dieser Saison zu unseren Gästen. Nicht weniger als neun verschiedene Compositionen wurden während der Saison — theilweise auf Verlangen — unter der bewährten Leitung unseres Musikdirectors Herrn P l e i er von der Curcapelle vorgetragen und mit sympathischen Beifallsbezeugungen des Publicums ausgezeichnet. Besonders verdient die neueste Composition „Jschler Walzer" hervorgehoben zu werden, die unsere Curcapelle mit Benützung des Manuskriptes vorzüglich zum Ausdrucke brachte. Mein Freund Wodakoski. Novelle von Leopold v. Sacher-Mafoch. Nachdruck verboten. Zur Zeit, wo mein Vater Stadthauptmann in Prag war und ich an dem Altstädter Gymnasium studierte, besuchte ich gleich mehreren meiner Collegen mit Vorliebe das Gewölbe eines jüdischen Antiquars, Namens Beer Gottesmann. Derselbe wohnte in einem kleinen Hause, das in einem jener engen Gäßchen lag, welche das ehemalige Prager Gettho bildeten und sich um die berühmte Alt-Neu-Schule und den malerischen Friedhof mit dem Grabe des Rabbi Löw, des Freundes Kaiser Rudolfs des Zweiten, gruppirten. Schon diese für uns fremdartige Umgebung zog uns mächtig an, sodann die Classiker aller Nationen, die wir bei Beer zu Spottpreisen kauften; ferner das kluge Wesen des Antiquars mit einem Stich in das Geheimnißvolle, die kabbalistischen Räthsel, mit denen er vertraut war und nicht zuletzt seine schöne und kluge Tochter Gella. Diese letztere verkörperte uns eine Reihe von Gestalten, die uns durch Dichterkünste lieb geworden waren, die Recha Lessing's, die Jessika Shakespeare's. Aus ihren dunklen Augen sprach das Morgenland ebenso verständlich und zauberhaft zu uns, wie aus Goethe's westöstlichem Divan, so daß einer von uns sie Suleika nannte und wir sie nur zu gern mit diesem Namen hinfort neckten. Gella war jedoch nicht nur schön und klug, sie besaß auch viel Empfindung und Berständniß für Poesie, so daß wir ganze .Abende mit ihr in literarischen Gesprächen verplauderten. Ich lernte Beer und seine Tochter durch einen Zufall kennen. Als ich eines Tages an seinem Gewölbe vorüberging, hing ein Kupferstich in schwarzem Holzrahmen an der Ladenthüre, eine gute Copie eines jener kleinen, reizenden, behaglichen Genrebilder der niederländischen Schule, für welche ich eine besondere Vorliebe besaß. Da mein Vater mich in Bezug auf Taschengeld sehr kurz hielt, berechneteich erst vorsichtiger Weise, ob die geringen Reichthümer, die ich mit mir führte, ausreichen könnten, das hübsche Bild mir zu erwerben. Schließlich faßte ich mir ein Herz und trat ein. Beer, welcher eben einen großen, in Leder gebundenen Folianten auf den Knien hatte, schob die Brille auf die Stirne empor, sah mich an und stellte seinen Preis. Derselbe betrug fast das Doppelte von dem, was ich in der Tasche hatte. „Bitte heben Sie mir das Bild aus", sagte ich, „ich werde morgen wiederkommen." Beer verstand sofort meine Schmerzen und stellte ohne-