Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 12 (22.3.1895)
- Date
- 1895-03-22
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Vtt. 12 Dr. Bloches Oesterreichifche Wochenschrifi. Äeür 335 Umständen gar nicht gedacht werden. Ist es aber recht und billig, entspricht es den Forderungen der Humanität, kann man es vor der Lehre des Judenthums, zu dessen obersten Geboten die Nächstenliebe gehört, verantworten, daß Männer, welche ihre volle Kraft, ihre besten Lebensjahre, all ihr Können und Wissen den Gemeinden gewidmet haben, wenn sie im Dienste alt, krank und schwach geworden, ihren Beruf nicht mehr ausüben, nicht weiter dienen können, bei Seite geschoben und an die Luft gesetzt und eventuell ihre Witwen der Noth und dem Elend preisgegeben werden sollen? Gewiß bedarf es einer Anregung, welche den Cultusvorständen nur erwünscht sein kann, um diese Angelegenheit einer baldigen befriedigenden Lösung zuzusühren, da sie von der Erkenntniß durchdrungen sind, daß den Gemeinden die Pflicht obliegt, für die Zukunft der Angestellten Sorge zu tragen. Nun hat vor einigen Wochen der Vorstand des österr.-ung. Cantoren-Vereines in Wien an sämmtliche Cultusgemeinden der Monarchie den Aufruf ergehen lassen, der zu constituirenden Pensionscaffa beizutreten, welche den Cultusfunctionären eine Jnvaliditäts- und eventuell Wilwenpension gewähren wird, welche den von den Gemeinden und den Cultusbeamten geleisteten Jahresbeiträgen entsprechen soll. Mögen deshalb die Delegirten, um die materielle Lage der Cultusfunctionäre zu verbessern, bei der Versammlung in der Landeshauptstadt den Antrag stellen und zum Beschluß erheben, daß dem oberwähnten Aufrufe seitens aller mährisch-jüdischen Landesmassafonde ein entsprechender Jahresbeitrag für die Pensionscassa bewilligt werde. Jamnitz, 17. März. (Gemeindewahl.) Nachdem die Wahl der Ausschußmitglieder in der hiesigen Cultusgemeinde bereits am 25. Februar l. I. stattgesunden, wurde am 10. März der Cultusvorsteher gewählt. Mit diesem Ehrenamte wurde der hiesige Branntweinhausbesitzer Herr Samuel K o hn betraut, welcher dasselbe auch in der abgelaufenen Periode in ausgezeichneter Weise mit Berständniß, Takt und Umsicht bekleidete. Herr Samuel K o hn wurde vor kurzer Zeit von den Jsraelitengemeinden des politischen Bezirkes Datschitz auch in den k. k. Bezirksschulrat!) gewählt, dessen Mitglied er bereits 15 Jahre ist. Zu Cultusräthen, beziehungsweise Ausschußmitgliedern wurden die Herren Moritz Mayer. Dr. Hermann We rt h eim er, Moritz Schlesinger und Em. Schwarzbart von hier, Jacob G v l d m a n n und Ed. I u st i tz aus Pullitz, Leopold Pollak und Hermann Seiden aus Datschitz gewählt. Prerau (60jähriges Doctor-Jubiläum.) Der berühmte Med. und Chir. Dr. Herr Marcus Rokotnitz, seit 20 Jahren Bürgermeister, Cultusvorsteher, Bezirksschulrath, Stadtphysikus, Armenarzt zu Prerau, ein wegen seiner Verdienste, Humanität und seines Patriotismus vielfach decorirter Jubelgreis begeht in voller Rüstigkeit an der Seite seiner Frau, der Präsidentin des Frauenvereines, und seiner Kinderschaar, sein ältester Sohn ist k. k. Notar, sein 60jähriges Doctor- Jubiläum. Neben anderen Ehrungen veranstaltet die dankbare Jsraelitengemeinde dem ausgezeichneten, im Dienste der Menschheit ergrauten, selbstlosen, gelehrten Mann in der Restauration des Herrn M. Haas am 23. März einen Festabend. Zu diesem ehrenvollen, seltenen Feste werden die Spitzen der Gesellschaft, Vereine und die zahlreichen Freunde des Herrn Dr. Rokotnitz von Nah und Fern herbeieilen. Der Jubilar ist ein Schüler Neumann's, des Freundes Mendelssohn's, und ehrt die hebräische Muse als die Geliebte, die ihn seit seiner Jugend beseelte. E. B. Protznitz. (D i e Chewra-Kadischa), einer der ältesten und wohlthätigst wirkenden Vereine der hiesigen Cultusgemeinde, feiert am 24. d. M. in den Restaurationslocalitäten Schreiber das traditionelle Jahresbankett, an welchem die Betheiligung seitens der Gemeindehonoratioren sich recht lebhaft gestalten dürfte. Prag. (Das 70. Geburtsfest des Schriftstellers S. Kohn) wurde in allen Kreisen festlich begangen. Am 8. März, als dem Geburtstage der üblichen Zeitrechnung, erschien eine Deputation der „Concordia", deren Obmann an den Jubilar^ eine Ansprache richtete und im Namen des Vereines deutscher Schriftsteller und Künstler als Ehrengeschenk eine goldene Feder mit der entsprechenden Widmung überreichte. Am 14. März, dem Geburtstage nach jüdischer Zeitrechnung, erschien eine Deputation der Cultusgemeinde-Repräsentanz, geführt von dem Präsidenten Herrn Dr. Rosenbacher, welcher in einer Ansprache die Verdienste des Jubilars um die Prager Gemeinde und das Judenthum überhaupt zeichnete. Es erschienen ferner das Lehrer-Collegium der Talmud- Thorafchule, Deputationen der Humanitären Vereine u. s. w. An 400 Telegramme sind eingelaufen von hervorragenden Schriftstellern, Gelehrten, PolUikern und Rabbinen aus Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Frankreich und England, Holland und Belgien. Es gratulirten die Israelitische Allianz in Wien, die akademischen Vereine u. s. w., u. s. w. Von Einzelnen sind zu erwähnen: Reichsrathsabgeordneter Bloch, Abgeordneter Baron Eris, Regierungsrath Pis l in g, Mathilde Ritter v. Wiener. Finanzrath Dr. P l o o, Finanzsecretär Dr. L. W i e n e r, Landesgerichts-Secretär Dr. Ferdinand Ungar. Bon Schriftstellern: Carl Emil Franzos, Eduard K u l k e, I. S t e i n b e r g, Hirsch Hildesheimer, Julius Kehlheim, Universitäts-Professoren Epstein, Frankl, Singer, Weil, Zucker, Universitäts-Docenten F i s ch l, Schutz. Obmann der Böhmischen Landwirthschafts-Repräsentanz Dr. L i ch t e n st e r n. Chief-Rabbi von England Dr. Adler, Dr. Israel Hildesheimer, Groß-Rabbiner von Bulgarien Dr. G rü nwald, Oberrabbiner Ritter (Rotterdam), Oberrabbiner Hirsch (Hamburg),Dr. Ehrentreu (München), Guggenh e i m e r (Kolin) und fast sämmtliche Rabbiner Böhmens, Director Eisler (Nikolsburg), Schul-Jnspector Dr. Langfelder (Wien); die Advocaten: Dr. Adler, Dr. Fuchs, Dr. Stein, Dr. Saar, Dr. Basch, Leipen, Ungar, Herrnheiser, Kores, Lasch (Wien), M a tz k e. Med.-Dr. Beck, Men dl, Braun, Neubauer (Carlsbad), Brüll, Primarius Saar. Director der Jdiotenanstalt A m m e r l i n g, Secretär des nordböhmischen Museums Dr. Pazaurek, Eigentümer des Tagblattes Heinrich Merci, fast sämmtliche Synagogenvorsteher, Vorsteher der Beerdigungs-Bruderschaft u. v. A. Die Festlichkeiten schlossen am Samstag mit einem zu Ehren des Jubilars vom Vereine »Afike Jehuda« veranstalteten Festabend im Saale des Hotel Roubitschek ab. Herr Bereinsobmann I. U. Dr. Sachs übergab Herrn S. Kohn das Ehrendiplom mit einer Ansprache, in welcher er die Verdienste desselben in warmen Worten würdigte.. Herr Kohn erwiderte, daß er die erwiesene hohe Ehre umsomehr anerkenne, als der Verein während seines 25jährigen Bestandes nur drei Marnern, u. zw. von eminenter Bedeutung, das Ehrendiplom gewidmet habe, ^nd zwar Moses Montefiore, Aaron Kornfeld und Adolf I e l l i n e k. Hierauf hielt Herr Rabbiner Dr. Kisch einen zweistündigen, wiederholt durch laute Beifallssalven unterbrochenen Vortrag über „Ghetto und Ghettodichtung", an deflen Schluß er die literarischen Leistungen K o h n's würdigte. Zu dem nun folgenden gemüthlichen Theile, an welchem sich u. A. Präses Dr. Rosenbacher, Univ.-Prof. Epstein, die Rabbiner Dr. Tauber, Kisch, Kaminka, Grün, Knöpfelmacher und Landtagsabgeordneter David betheiligten, sprachen geistvolle Toaste die Herren Dr. Grün, Tauber, Kaminka. Czernowitz. (Todesfall.) Der Landesgerichtsrath Herr Dr. Bernhard Barb er und dessen Schwiegervater, der Gemeinderath Herr Leibuka B a r b e r, haben einen schwe eit Verlust erlitten. Frau Amalie B arb er ist vorgestern Nachts nach kurzem schweren Leiden im Alter von 47 Jahren gestorben. Am Krankenbette ihres älteren Sohnes hatte sie sich den Todeskeim geholt. Das Kind war an Scharlach schwer erkrankt und die Mutter saß vierzehn Tage lang. Tag und Nacht, den Schlaf von ihren Augen bannend, am Krankenbette des Lieblings der Familie. Der Knabe wurde gerettet, aber die bangende Mutterliebe hatte ein schreckliches Opfer gekostet. Die Verblichene gehörte zu Jenen, deren Hingang nicht nur von ihren Nächsten, sondern auch von Fernerstehenden in tiefer Weise empfunden wird. Dabei hatte sie, wie alle edleren Naturen, einen unüberwindlichen Widerwillen gegen jedes Aussehen, gegen jeden Prunk und übte still, das Selbstgefühl der Armen schonend, ihre Wohltharen. Die Theilnahme ist eine allgemeine. Mögen die tiefgebeugten Hinterbliebenen, Vater, Gatte, Kinder, Brüder und Verwandte in diesem allgemeinen aufrichtigsten Beileid einigen Trost finden. Bei außerordentlich stürmischem Schneewetter und dennoch unter ungeheuerer nach Tausenden zählenden Betheiligung aller Kreise der hiesigen Bevölkerung wurde gestern Frau Amalie B arb er zu Grabe getragen. Tief ergriffen sprach Herr Oberrabbiner Dr. Rosen selb im Sterbehause; mit zu Herzen gehenden Worten schilderte <x ine Vorzüge der Verstorbenen, deren edle Charaktereigenschaften. Nach Absingung des