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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-03-22 · 12 (22.3.1895) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
12 (22.3.1895)
Date
1895-03-22
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 12 Dr. Bloch's Orsterrrichifchr Wochenschrift Seite 223 auSsetzung und Bedingung, nicht etwa des Glückes, sondern überhaupt des Lebens betrachtet wird. Sie entbehrte oer Gesundheit und war jahrelang an das Bett gefesselt. Auf das Glück der Gattenliebe und die Freuden des Familienlebens mußte sie verzichten, und wenn sie auch den Umgang und die Verehrung edler Männer und Frauen genoß, so stand sie doch allein da im Leben. In solcher Lage bietet Wohlhabenheit keine Linderung, sondern sie pflegt das schmerzliche Gefühl nothgedrungener Entsagung zu erhöhen, und einem Menschen, dem die Vorsehung ein solches Los beschieden, muß zu Muthe sein wie dem Adler, dem die Flügel gestutzt sind, der sich sagt, daß er in die Wolken sich ausschwingen könnte und der sich an den Boden gefesselt sieht. Aber wie ganz anders stellt sich dieses entsagungsreiche und doch so heldenmüthige Frauenleben dar. Sie war an das Bett gefesselt. Aber die Schwingen ihres Geistes waren nie gelähmt, ihr Gedankenflug ging aufwärts, ihr Herz schwelgte in den lichten Höhen reinster Menschenliebe. Aus den zahlreichen Entbehrungen entnahm sie ebensoviel Anregungen, sie den Armen und Dürftigen zu ersparen oder zu erleichtern, die Schule der Leiden ward ihr zu einer Schule des Wohlthnns, zu einer Erziehungs- und Bildungsanstalt für die Bethätigung der Menschenliebe, und wenn jemals Unzufriedenheit sie beschlich, so war es die Unzufriedenheit mit ihren menschenfreundlichen Leistungen. Sie, die Allen half, die immer nur schenken, immer nur glücklich machen, immer nur Liebes und Gutes erweisen wollte, sie konnte sich selbst in der Uebung des Guten nie genug thun. Und dabei hat niemals die Klage über ihr Schicksal den reinen Spiegel ihres Herzens getrübt, nie ward der Glanz ihrer Seele durch Unmuth oder Mißmulh verdunkelt. So lagert über ihrem entsagungsreickeu Leben, dem sie durch eine Stiftung für verlassene blinde Mädchen und andere Bethätigung der Menschenliebe ein ewiges Gedächtniß gestiftet bat, der Zauber der Heiligkeit. Sie duldete wie eine Heilige, sie liebte die Menschen wie eine Heilige, sie war unglücklich wie eine Heilige. Und dennoch ist nie ein Menschenleben von einem reineren Glücke beseelt gewesen." Wien. (Der „Verein zur Hebung derGewerbeinWie n") hielt am 14. d. M. die diesmonatl. Plenarversammlung ab. Unter den Anwesenden bemerkte man die Gemeinderäthe v. Goldschmidt, Dr. Friedjung, Lang, Dr. Mittler, die Herren Sigm. Mayer. Djörup, die Bezirks-Ausschüsse Pollak, Riedl und Wald sie in, den Landesschulrath Dr. Gustav Kohn, Ortsschulrath Helbig, Winker, viele Industrielle und Vertreter aller Kreise. Nachdem der Präses des Vereines Herr S. B r o d dem dahingeschiedenen Erzherzog Albrecht einen ergreifenden Nachruf gehalten, richtete er eine Ansprache an die Versammelten, in welcher er sagte: „Wir stehen unmittelbar vor der Saison der Bauthätigkeit in Wien. Viele Tausende und abermals Tausende von Gewerbetreibenden und deren Arbeitskräfte sehen sehnsuchtsvoll einer endlichen ergiebigen und ausgiebigen Erwerbsthätigkeit entgegen. Ein Gedanke schwebt in diesem Momente auf den Lippen Aller: Mögen wir uns in diesem Jahre nur nicht wieder in unseren Hoffnungen getäuscht sehen, wie dies im Vorjahre und im Vorvorjahre der Fall war. Durch äußere Formen, durch den ewigen Hinweis auf den noch nicht vollendeten Generalplan, durch unwürtiges Zanken und Streiten in der Rathsstube wird das Höchste und Wichtigste, das Wohl der gesammten wirthschastlichen und gewerbetreibenden Bevölkerung unserer Residenz, auf den letzten Punkt der Tagesordnung gesetzt. Und so fließt Jahr um Jahr nutzlos dahin, ohne daß die so oft versprochenen großen Arbeiten mit jener vollen Kraft in Angriff genommen werden, wie sie einer so großen Stadt würdig wäre. Wenn einmal lohnende Arbeit und reichlicher Verdienst den Einzug in unsere Stadt halten werden, dann werden Zank und Streit unter den Parteien und Confeffionen von selbst aufhören, dann wird sich kein denkender und fühlender Mensch finden, der den Einflüsterungen jener berechneten Volksverführer Folge leisten wird. Dann wird wieder jene alte Wiener Gemächlichkeit, die unsere Stadt seit jeher von allen Hauptstädten auszeichnete, allen Neid und Kleinlichkeitssinn aus unserer Mitte für immer verdrängen." (Langanhaltender Beifall lohnte die Ausführungen des Redners.) Hierauf entwickelte Herr Ingenieur Alfred Riehl sein bekanntes Project „Avenue Tegetthoff-St. Stefan". Die Versammlung gab in einer Resolution ftir die Erbauung dieser Avenue ihre Zustimmung zu den trefflichen Ausführungen und Demonstrationen des Projectanten zu erkennen. Den Schluß bildeten die Ausstellungen des Herrn I. Mensch, bürgl. Anstreichermeister und Armenrath, und des Herrn I. Sch mul Bürsten-undKorbwaaren-Erzeuger, welche allgemein anerkannt und bewundert wurden; ebenso wurden die erläuternden Ansprachen der Aussteller beifälligst ausgenommen. Die erst nach 12 Uhr Nachts geschlossene Plenarversammlung gab beredtes Zeugniß von der Rührigkeit dieses gewerblichen Vereines und der Tüchtigkeit seiner Mitglieder. Wir können diesen Bericht nicht schließen, ohne allen unseren Glaubensgenossen, welchem Stande sie auch angehören mögen, die Förderung dieses „Vereines zur Hebung der Gewerbe" dringend ans Herz zu legen, denn nichts kann die Schlagworte antisemitischer Hetzer mehr entkräften, als der Hinweis auf einen tüchtigen und leistungsfähigen jüdischen Gewerbestand. Wien. Frau Katharina We lisch geb. We lisch, die am 15. März zu Grabe getragen wurde, entstammte einer frommen indischen Familie. Sie wurde erzogen im Hause ihres verstorbenen Onkel Max We lisch, der selbst ein jüdischer Gelehrter und ein Wohlthäter warnamentlich arme Rabbiner und jüdische Studirende fanden bei ihm ein offenes Haus und eine offene Hand. Der verstorbene Gelehrte Dukes war der intimste Freund des Max We lisch. In diesem Hause sah Katharina Welisch. wie man im Stillen Wohlthaten übt, und wurde durch das Beispiel ihrer edlen Tante Nina Welisch zu einer gottesfürchtigen Frau herangeüildet. Ihrem Manne war sie durch 35 Jahre die treueste, hingehendste Gattin, ihren Kindern die zärtlichste, aufopferndste Mutter und all ihren Verwandten eine treue Freundin. Jahrelanges Leiden konnte ne nicht verbittern und sanft wie sie gelebt, ist sie aus dem Leben geschieden. Ihr Andenken wird sortleben im Gedächtniffe Aller, die sie kannten. L. W. Wien. Vorigen Samstag verschied hier die Frau Rabbinerswitwe Rosalia Winter, die Gattin des vor zwei Jahren in Stampfen verstorbenen Oberrabbiners Herrn Lasar Winter und Tochter des berühmten Lazar Straf s e r in Waag-Neu stadtl, durch ihre hohe, edle Geistes- und Herzensbildung, durch ihren feinfühligen Sinn für alle weiblichen Tugenden, sowie durch eine seltene Milde und Herzensgüte ausgezeichnet. Bei dem am 18. d. M. stattgehabten Leichenbegängnisse. zu welchem die S t a m p f e n e r Cultusgemeinde eine Condolenzdeputation, bestehend aus den Herren Präses Justh und den Vorstandsmitgliedern Geiringer. Taglicht und Mittler entsendet hatte, sprach der Rabbiner Kramer von der Rembrandtstraße, warme Worte der Anerkennung und beleuchtete die Verdienste dieser seltenen Frau als Musterbild echter, frommer Weiblichkeit. B Wien. (Synagogen-Verein „Beth Israel" in Wien nach polnisch-jüdischem Ritus.) Dieser Verein hat am 17. d. M. im Festsaale der Synagoge seine ordentliche Generalversammlung abgehalten, die sehr zahlreich besucht war. Die Wiener Cultusgemeinde war durch Herrn Josef H ield b urgh äusser. „Obmann für Bethäuser undBorstandsmitglied", vertreten. Der Obmann Herr S. Weisels eröffnete die Sitzung, indem er den Delegirten der Cultusgemeinde, sowie die Mitglieder begrüßte und die Vereinsangelegenheiten in längerer, sehr beifällig aufgenommener Rede besprach. Hierauf erstattete der Schriftführer Herr Ignatz Zolles den Rechenschaftsbericht, aus dem zu ersehen ist, laß das Vereinsjahr mit einem sehr bedeutenden Gebahrungsüberschusse und zwar Baarvortrag fl. 2359 92, einmalige Neuanschaffungen fl. 1138'85, Beitrag zum Bau fl. 1611 71, zusammen fl. 5110*48 und ein Activvermögen von fl. 84.685 22 abfchließt. Diese Mittheilungen wurden mit großem Beifalle ausgenommen. Der Rechnungsrevisor Herr O b st stellte den Antrag, das Absolutorium zu ertheilen und dem Vorstande den Dank für dessen Mühewaltung auszusprechen Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. Hierauf ergreift der Delegirte der Cultusgemeinde Herr H i e l d b u rg h ä u s s e r das Wort, um namens derselben die Befriedigung über das glänzende Resultat der Erbauung der Synagoge und über ihre Verwaltung in sehr warmer und wohlwollender Weise zum Ausdrucke zu bringen und gab die Erklärung ab, daß dieser Verein sich der besonderen Sympathie der Cultusgemeinde erfreut und daß seine Bestrebungen nach Thnnlichkeit Unterstützung finden werden. Die Versammlung drückte durch Erheben von den Sitzen ihren Dank für diese anerkennenden Aeußerungen aus.

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