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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-03-22 · 12 (22.3.1895) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
12 (22.3.1895)
Date
1895-03-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Seite 219 91r, 12 Dr. Blvch's L-rsterrrichifche Wochenschrift. Mittags 12 Uhr fand im Palais in der Heugasse ein De-! jeuner von 20 Gedecken statt, welches von Tonello zur allgemeinen Zufriedenheitbeigestelltwurde,zuwelchem außer den beiden Synagogenfunctionären Ehrwürden Herr Oberrabbiner Doctor Gübemann und Obercantor Singer und dem Religionsschulinspector Herrn Dr. Kanitz, auch der Onkel des Barmizwah Herr Nathaniel Freiherr v. Rothschild, der Bicepräses der Cultusgemeinde Herr Gustav Simon, Borstandsobmann Herr Moriz Karpeles, Herr Baurath Straßny, Herr Dr. Stein. Herr Polizeirath F r crn k l, Herr Horner und mehrere dem Hause nahestehende Persönlichkeiten zugezogen waren. Im Verlaufe der Tafel ergriff Herr Obecrabbiner Dr. Gübemann das Wort, um Anfangs in tiefernster Weise der vor Kurzem Heimgegangenen Herrin des Hauses zu gedenken und im zartgewobenen Uebergange mit wohlthuendem Humor auf die echt jüdische Tradition des Freiherrlich Roth sch i ld'schen Hauses zu toastiren, worauf der Barmizwah in verstänvinßvoller und sympathischer Weise zuförderst seinem geliebten Papa, dann den beiden Herren Synagogenfunctionären Dr. Güdemann und Obercantor Singer und seinem Religionslehrer Herrn Dr. Kanitz herzliche Worte des Dankes spendete und ein Hoch auf die ganze Gesellschaft brachte. Am Schluffe der Tafel wendete sich der Hausherr Herr Albert Freiherr von Rothschild mit einer Ansprache an seinen Sohn, in der betont wurde, daß er stets im Leben den Eingebungen seines Hec;ens, d. h. seiner inneren Stimme folgen möge, welche Ansprache auf die Anwesenden einen mächtigen und nachhaltigen Eindruck machte, worauf der Barmizwah Herr Louis Nathaniel Freiherr v. Rothschild das Tischgebet correct und deutlich voctcug, wobei Herr Obercantor S in g e r einen wirkungsvollen Horachrmon auf die Anwesenden einschaltete. Die tadellosen Leistungen des Barmizwah, die allgemeine Anerkennung fanden, werfen ein überaus bemerkenswerthes Streiflicht auf die dem Fceiherrlich R o t h s ch i l d'schen Hause innewohnende Tradition, wee nicht minver auf die trefflichen didactischen Leistungen des Hausreligionslehrers Herrn Dr. Kanitz. 39iett Der Jahresber'cht des israelitischen Frauen-. Wohlthätigkeitsvereines für das Jahr 1894 hat aus dem abgelaufenen Bereinsjahre keine besonderen Ereignisse zu verzeichnen, er kann nur über eine regelmäßige Gebahrung refeciren. Die Ausgaben bewegen sich immer in denselben bekannten Geleisen. Bei den stets wachsenden Anforderungen, welche das Mitleid und das große Elend an den Verein stellen, ist es nur der Mnnificenz edler Menschenfreunde und großer Wohlthäter, die den Berein durch außergewöhnliche Spenden in die Lage versetzen, auch dort noch hilfreich die Hand bieten zu können, wo die eigenen Mittel nicht mehr auszureichen drohten, zu verdanken, wenn der Beistand ausgiebig und vielseitig sein kann. In erster Linie zu nennen ist Frau Josefine P a ul- Schiff, geb. Fceiin v. K ö n i g s w a r t e r, die dem Vereine in diesem Jahre die namhafte Summe von fl. 20.000 zugewendet hat. Ferner spendeten: die Berlaffenschaft des seligen Freiherrn Moritz v. Königswart er fl. 5000; das Comits des Jndustciellen-Balles fl. 1000; die Direction der ersten österreichischenSparcaffe fl. 200; Herr Earl Auspitz fl.300; Herr Rudolf Auspitz fl. 300; Frau Sophie Freifrau von Todesco fl. 200; * sel. Frau Emilie L ö b l fl. 100. Die Gesammtsumme der im Jahre 1894 geleisteten Unterstützungen betrug mehr als fl. 13.000. Der Vorstand spricht zum Schluffe den Wunsch aus, daß Alle, die bisher die Tätigkeit des Vereines gefördert haben, mit warmen Herzen und mit offener Hand ihn auch noch weiter unterstützen, daß sie in ihren Bekanntenkreisen für seine Wirksamkeit neue Freunde und Gönner erwerben mögen, auf daß die Zukunft dieses hilfreichen Vereines, des Hortes leidender und darbender israelitischer Frauen, für alle Zeiten gesichert sei. Wien. (Tobsüchtig aus Noth.) Eine entsetzliche Scene spielte sich gestern umdie Mittags zeit im Local der Baron Hirsch'schen Stiftung, I., Rudolfsplatz Nr. 2, ab. Daselbst war die im ll. Bezirke, Mithildengaffe Nc. 4 wohnhafte 45jährige Agentensgattin Charlotte Goldsand als Unterstützungswerberin erschienen und stürzte sich, nachdem der Stiftungssecretär Dr. Friedländer ihr Verlangen nicht erfüllt hatte, auf denselben und würgte ihn am Halse. Erst nach größter Keaftentfaltung und unter Beihilfe mehrerer Personen konnte sich der Ueberfallene von der inzwischen tobsüchtig gewordenen Krau befreien, welche darauf zum Fenster lief, um sich aus der Höhe des ersten Stockwerkes auf die Straße zu stürzen, woran sie jedoch noch rechtzeitig verhindert werden konnte. Frau Goldsand, die sich m sehr precären materiellen Verhältnissen befindet, wurde alsbald aus Anordnung des Stadtcommissariates der psychiatrischen Klinik des Hofrathes Freiherrn v. Kr afft- Ebing im Allgemeinen Krankenhause übergeben. Einigermaßen beruhigt, erklärte sie, sie müsse sich aus bitterster Noth umbringen. — Die von uns gepflogenen Erhebungen lassen die Thal der Frau Goldsand als einen Act der Verzweiflung erscheinen. Die Familie — Mann, Weib und drei Kinder — lebte in höchst traurigen Verhältnissen. Am 12. Februar war sie in die bezeichnete Wohnung eingezogen und hatte, da sie den Zins damals nicht erlegen konnte, sofort die vierzehntägige Kündigung erhalten. Trotzdem verblieb die Familie durchbesondere Nachsicht des Hauseigenthümers, ohne den Zins beglichen zu haben, in ihrem Domicil. Dasselbe besteht aus Zimmer, Cabinet und Küche. Das Cab inet ist an zwei Frauenspersonen mit zwei Kindern vermiethet und sehr nothdürftig möblirt, desgleichen das Zimmer, in welchem die Familie selbstwohnt. Der Mrnnist seit Längerem bemüht, sich als Jnseratenagent fortzubringen, ohne jedoch etwas zu verdienen. Die Nothlage der Leute wird von den Hausinsassen als eine außerordentliche geschildert. Oft fehlte es an dem Dringendsten. S e i t e i n e r ganzen Woche war bei ihr nicht gekocht worden. Die letzte Hoffnung hatte die Frau auf die Unterstützung aus der Baron Hirsch'schen Stiftung gesetzt, um nur der Delogirung zu entgehen. Aus Verzweiflung über die Abweisung dürfte sie offenbar lobsüchtig geworden sein. („Arbeiterzeitung".) Brünn, 18. März. (Mährisch-jüdischer Maisenh i l f s v e r e i n). Gestern fand unter Vorsitz des kaiserl. Rathes Mandl die diesjährige Hauptversammlung dieses Vereines statt, die derselbe mit einem ehrenden Nachrufe auf den im vorigen Jahre verstorbenen Stifter und Mitvorsteher Ignaz Wohlinuth eröffiete. Die Versammlung ehrte das Andenken dieses um den Berein wohlverdienten Mannes durch Erheben von den Sitzen. Der Jahresbericht für 1894 erwähnt zunächst der günstigen Bermögensgebahrung. indem die Erben nach Samuel Morgenstern im Sinne und Geiste des Verblichenen dem Vereine die hochherzige Widmung von 1500 fl. zukommen ließen, ferner zum Seelenheil für das verstorbene Fräulein Therese Bauer 200 fl._ gestiftet und endlich 1761 fl. 53 kr. ersparc wurden, so daß das Bereinsvermögen die Höhe von 132.500 fl. 62 kr. erreichte. Hingegen machten die Mitgliederbeiträge nur 428 fl. aus, was den Vorstand veranlaßte, die wenigen derzeitigen Mitglieder zur Anwerbung neuer Mitglieder dringlichst auszufordern. An Spenden gingen 206 fl. 70 kr. ein; das Erträgniß der Stiftungen betrug 633 fl. 90 kr. und ist gegen früher zurückgegangen, weil das Sal. König'sche Stiftungshaus ein geringeres Erträgniß abwarf. Für die Waisenpflege, den eigentlichen Vereinszweck, wurden 5227 fl. 80 kr. verausgabt, um 421 fl. mehr als im Vorjahre. Es standen in der Vereinsobsorge im Sommersemester 1894—1895: 76 Waisen und zwar 37 hiesige und 39 auswärtige, im laufenden Wintersemester 77 Waisen und zwar 36 hiesige und 41 auswärtige. Der Erziehungsbeitrag beträgt hier bei vatrlosen Waisen 70 fl., auswärts 60 fl.; bei ganz verwaisten Kindern, die nicht bei den nächsten Verwandten untergebracht sind, werden entiprechend höhere Beträge bewilligt. Sämmtliche Waisen besuchen die Volks-, Bürger-, einige Knaben auch die Mittel- und Gewerbeschulen. Die Erziehungsbeiträge wurden, insbesondere bei Knaben, auch über das 14. Lebensjahr hinaus belassen und es wird dies auch weiter in allen berücksichtigenswerthen Fällen so geschehen. Der Bericht, sowie der sodann vorgetragene Rechnungsabschluß und der Voranschlag für 1895 (Waisenpflege 5520 fl.) werden einstimmig genehmigt. In den Vorstand wurden Julius R. v. G o m p e r z wieder-, Alois Müller neugewählt; zum Ersatzmann wurde Heinrich S u b a k, zu Revisoren Jg. H ö n i g und Al. W i t r o f s k y gewählt. Auf Antrag des Bernhard Morgenstern wurden Sigm. Schwarz, Heinrich Subak und Alois Wit rofsky mit der Aufgabe betraut, neue Mitglieder für den Verein anzuwerben. Nach einem Dankesvotum an den Vorsitzenden für seine umsichtige Geschäftsführung, wurde die Versammlung geschlossen und hierauf die Constituirung des Vorstandes vorgenommen, wobei Ritter v. Gomperz zum Präsidenten, kaiserl. Rath Mandl zum Stellver-

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