Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 12 (22.3.1895)
- Date
- 1895-03-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 218 Dr. Bloch's Orsterreichischr Wochenschrift. Nr. 12 Artikel auch den Nebenzweck verfolgen, die löbliche Zunft der hebräischen Schriftsteller auf manche Mangel, Schwächen, Inkonsequenz, Jnopportunität rc. in ihrer Thätigkeit aufmerksam zu machen — ist ja selbstverständlich und in der Natur der kritischen Referate bedingt; doch soll diese Bestrebung nur in ganz bescheidenem Maße hervortreten und sich möglichst nur in allgemein gehaltenen Andeutungen äußern, da die hebräischen Schriftsteller mit Recht von einem Sollten verlangen dürfen, sie d o r t zu strafen, wo sie gesündigt haben, d. h. in hebräisch geschriebenen Artikeln . . . Der größte Anthell an der Pflege der hebräischen Sprache muß unbestritten der Warschauer Verlagsfirma „Aehiassat" zugesprochen werden, und deswegen beginne ich meine Referate mir der Besprechung der Publikationen dieses ungewöhnlich thätigen, von wahrer Liebe zur hebräischen Literatur beseelten und trotz seines sehr wählerischen Geschmackes doch stark producirenden Verlages. Dieser hebräische Verlagsvereiu, geleitet von einem begabten und rührigen jungen Schriftsteller, der sich unter dem Pseudonym Ben- Avigdor versteckt, hat in den paar Jahren seines Bestehens ganz Erstaunliches zur Belebung der hebräischen Sprache und Literatur und zur Verbreitung deren Kenntniß in die weitesten Kreise geleistet und verdient im besten Sinne des Wortes ein „Mehrer der hebräischen Literatur" genannt zu werden. Das Hauptverdienst dieses Verlages besteht in der auf dem hebräischen Büchermärkte bis dahin unerhörten Billigkeit seiner Publikationen. In wöchentlichen oder vierzehntägigen Lieferungen ä 7 Kopeken (9 kr.) edirt dieser Verlag, in vorzüglicher Ausstattung und in sorgfältiger Correctheit des Textes, die Werke der hebräischen Classiker unter Redaction und mit Einleitungen, Erläuterungen und biographischen Notizen von namhaften Gelehrten der Gegenwart. Diese wohlfeilen und dabei äußerst gediegenen Claffiker-Ausgaben stud eure wahre Wohlthat für das bei uns in Rußland Gottlob ungemein zahlreiche, hebräisch lesende Publicum, das bis jcht diese herrlichen Schöpfungen der hebräischen Literatur größtenthells nur vom Hörensagen kannte. Und mit Recht kann sich die genannte Verlagsfirma rühmen diese Perlen hebräischer Poesie, die früher nur die Domäne einzelner Forscher waren, zum Gemeingut aller hebräisch Lesenden gemacht zu haben. Von den Classiker-Ausgaben sind vorläufig erschienen: 1. R. Jehuda Halevy, Band I in 7 Lieferungen und 5 Lieferungen vom zweiten Bande; unter Redaktion des Dr. A. A. Harkavy. — 2. R. Abraham Jbn-Esra, Band I ru 9 Lieferungen und 3 Lieferungen des zweiten Bandes; unter Redaktion des Odessaer Gelehrten David Kahane. — Z. Ein didaktisches Gedicht des R. Hai Gaon in 2 Lieferungen, edirt und mit einer fesselnden Einleitung versehen von dem Wiener Gelehrten I. H. Weiß. — 4. Das be- Lieferungen herausgibt. Ich will hier nur die Namen der bis jcht herausgegebenen Werke dieser beiden Sektionen aufzählen; eine ausführlichere Besprechung derselben (d. h. eine Würdigung der Ueberschnngskunst der Uebersetzer und meine Ansicht über die Zweckmäßigkeit und Unzweckmäßigkeit des einen und des anderen Werkes). behalte ich mir für den nächsten Artikel vor. Von wissenschaftlichen Werken sind erschienen: 1. Geschichte. der Juden in Spanien; (I. Band in 13 Lieferungen) übersetzt oder vielmehr compilirt von A. S. Friedberg. — 2. Geschichtliche Darstellung der Wanderungen der spanischportugiesischen Juden nach dem Exil von 1492—97. (Band 1 in 16 Lieferungen); eine Compilation von S. P. Rabinowitz. — 3. Kulturgeschichte der Menschheit von Jul. Lippert, übersetzt von D. Frischmann; bisher erschienen zwei Bände in 47 Lieferungen. — 4. „Erziehung" von Herbert Spencer, aus dem Englischen übersetzt von L. Davidowitsch; bisher erschienen 7 Lieferungen. Auf dem Gebiete der Belletristik: 1. Daniel Deronda, von George Elliot, übersetzt von D. Frischmann; 3 Bände in 24 Lieferungen. — 2, Dichter und Kaufmann, von Berthold Auerbach, übersetzt (unter dem Titel „Ephraim Kuh") von I. Tawjew; 2 Bände in 9 Lieferungen. — 3. „Memoiren des Davidischen Hauses", Erzählungen für die Jugend von A. S. Friedberg; 2 Bände in 42 Lieferungen. (Ich führe dieses Werk unter den Uebersetzungen an, weil es größtenthells nach Hermann Reckendorfts „Geheimnisse der Juden" bearbeitet ist.) Von Original-Werken auf dem Gebiete der Belletristik hat der genannte Verlag vorläufig nur 2 Erzählungen herausgegeben: 1. „Das Lied der Nachtigall" von Dr. L. Katzenelsohn (ein vielseitig gebildeter Arzt in St. Petersburg, der ein prächtiger hebräischer Stilist ist). — 2. „Abrechnung", Erzählung von I. A. Triwosch. Eine Besprechung dieser sprachlich wie inhaltlich bemerkenswerthen Produktionen werde ich in einem nächsten Artikel geben. Außerdem hat die Verlagsfirma zwei quantitativ wie qualitativ ansehnliche „Volkskalender" (pro 5654 und 5655)! herausgegeben, die eine Fülle unterhaltender und belehrender! Artikel enthalten, und, wie Alles was aus diesem Verlag! hervorgeht, vorzüglich ausgestattet sind. Riga. I. Tawjew. rungen. Außerdem sind noch erschienen Gedichte des R. Dunasch ben Labrit (complet in 3 Lieferungen) und des R. Salomo Scharbit Hasahab (1 Lieferung), Beides edirt, erläutert und eingeleitet von dem genannten Gelehrten D. Kahane. Der Werth dieser beiden letzteren Publikationen ist aber ein schr zweifechafter und läßt sich die Einreihung derselben in die Classiker-Ausgabe höchstens, durch Pietät vor dem hohen Alter der Autoren oder vor deren auf anderen, als auf dem Gebiete der Poesie bedeutenden Kenntnissen rechtfertigen; chre Classicität auf dem Gebiete der hebräischen Poesie kann auch der ^geneigteste" Leser nicht anerkennen. 'Der Verlag „Achiassaf" begnügt sich aber nicht mit der Couservirung und Popularisirung der Denkmäler der neuhebraischen Literatur, sein Hauptzweck ist die Pflege und Fortentwicklung der hebräischen Sprache und des hebräischen Schriftthums zu fördern. Und zu diesem Zweck hat er die besten Hebraisten der Gegenwart an sich gezogen und sie mit der Übersetzung bedeutender wissenschaftlicher und belletristischer Werke betraut, die er ebenfalls iu billigen GorreMnüenLen. Wien, 13. März. Von dem Central-Comite der Alliance israelite universelle in Paris geht uns nachstehende Zuschrift zu: „Das von Herrn Rabbiner Dr. Wiener in Oppeln verfaßte und vor einiger Zeit erschienene Werk „Die jüdischen Speisege setze" trägt auf dem Titelblatt die Anzeige „M it Unterstützung der Alliance israßlite universelle". Das Central-Comite der Alliance israß- Ute universelle erklärt hiermit, daß die Alliance zu dieser Veröffentlichung nicht beigetragen h a t." Diese Erklärung wird sicherlich von allen Denjenigen, die das „Werk" kennen gelernt haben, aus mannigfachen Gründen mit aufrichtiger Befriedigung begrüßt werden. Auf dem^Titelblatte wird übrigens neben der Alliance auch die »Z un z - S t i s t u n g" als Unterstützerin der Drucklegung genannt. Wien. (Barmizwah-Feier im Hause Rothschild.) Samstag den 16. März fand tn der Seitenstetten-Synagoge die Barmizwah-Feier des dritten Sohnes des Herrn Albert Freiherrn v. Rothschild statt. Der Confirmand Louis Nathaniel Freiherr v. Rothschild wurde in üblicher Weise zur Thora gerufen undsprach die Segenssprüche und die umfangreiche Hafthora mit vernehmlicher Stimme und verständnißvollem Bortrage, wie man es nur selten zu hören Gelegenheit hat. Der Vater des Barmizwah, der ebenfalls zur Thora gerufen wurde, spendete bei dieser Gelegenheit 2000 fl. für wohlthätige Institutionen.