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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-03-22 · 12 (22.3.1895) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
12 (22.3.1895)
Date
1895-03-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Jir. 12 . Dr. Bloch's Oestrrrrichifchr Wochenschrift. Seite 213 in seiner Kunst bereits derart vorgeschritten, daß er nicht mehr neue, sondern gleich alte Noten druckte, die die Spuren längeren Gebrauches zeigten. Die Platten hatte der alte, halbblinde Mann selbst mit unsäglicher Sorgfalt Strich für Strich und Punkt für Punkt gravirt. Die Anstrengung, welche er seinem Auge dabei znmuthete, war eine so außerordentliche, daß er, nachdem er einen Tag gearbeitet, sich 14 Tage erholen mußte. Während dieser Zeit sah er fast gar nichts oder nur sehr schlecht. Es liegt noch das ärztliche Gutachten vor über die Sehkraft dieses Fälschers. Im Jahre 1833 war die krankhafte Metamorphorse an der Krystalllinse des rechten Auges so weit gediehen, daß der zu jener Zeit hervorragendste Augenarzt, Prof. Rosas, die Operation nach der Methode der Extraction vornehmen konnte. Boor war trotzdem in Folge der außerordentlichen Kraft des Sehnervs in der Lage, sobald er die entfernte Linse durch die Staarbrille ersetzt hatte, welcher er überdies ein von ihm höchst scharfsinnig combinirtes System von Loupen hinzufügte, die feinsten Arbeiten auszuführen. Auf dem anderen Auge war er erblindet, doch sagte er selbst aus, daß es ihm vorkomme, als würde er auf diesem Auge sein Gesicht wieder erhalten. Der Arzt erklärte, daß es wohl möglich, jedoch höchst unwahrscheinlich sei, daß ein 74jähriger Greis, mit diesen Sehwerkzeugen ausgerüstet, Kunstwerke feinster und vollkommenster Art ausgeführt haben könne. Hiezu käme noch — denken wir — die Unsicherheit derzitternden Hand in Betracht zu ziehen, ferner, daß er schwer gichtleidend war. Das Gutachten schließt, um scheinbar Widersprechendes zu vereinen, daß eine wunderbare Kraft des Sehnervs, die innigste Vertrautheit mit der Optik sowie mit der Mechanik des Auges und der seltenste Scharfsinn in Auffindung und Benützung der Mittel, die Sehkraft auf das Höchste zu potenziren, sich hier vereint begegneten, welche Eigenschaften zusammen vielleicht nie mehr in einen: Individuum vereint gefunden werden. Welche fast übermenschliche Willensstärke lebte in diesem Betrüger und ließ ihn über seine gebrechlichen Sinneswerkzeuge Herr werden! Aller Wahrscheinlichkeit nach hat Boor seit dem Jahre 1808 sich mit der Fälschung von Werthpapieren und Banknoten beschäftigt. Eine solche Zeit muß unbedingt angenommen werden, um jenen Gipfel technischer Vollendung zu erreichen, den seine Erzeugnisse aufweisen und die sich bis auf das Papier, das er benützte, erstreckte. Die Gesammtsumme seiner Fälschungen überstieg weitaus eine Million Gulden. Was ist gegen diesen Mann ein armer Schlucker, wie Nuchem Schapira, der es nicht weiter gebracht hat, als Fünfer zu spalten nnd leichtgläubige, geldgierige Narren zu betrügen? Die Herren Stampiglienfälscher, Nachkommen von Falschmünzern und alle Ehrenmänner der dunklen Schattirungen werden nicht ohne Rührung die ehrende Würdigung lesen, welche den Arbeiten B oor's zu Theil wurde und die den Triumph, den höchsten erreichbaren Gipfelpunkt der Fälschungskunst, bildet: „Bei Ihrer außergewöhnlichen künstlerischen Begabung und Ihrer vielseitig technischen Ausbildung kann wohl erwartet werden, daß Sie im Stande sein dürften, bemerkenswerthe Andeutungen über Fabrikation von Banknoten überhanpt, und insbesondere zur Erzeugung möglichst unnachahmlicher Banknoten liefern zu können. Man findet sich sonach veranlaßt, an Sie die Anfrage zu stellen, ob Sie bereit wären, allenfalls gegenüber sachverständigen Personen in diesem Sinne geeignete MittheiluNgen machen?zu wollen?" So zu lesen in den Acten und Untersuchungsprotokollen. H Armer Nuchem Schapira! Als B oVr starb, wurde seine Leiche nach seiner Besitzung Kottikngbrunn gebracht. Er war stets ein gütiger Gebieter seiner Leute^gewesen. Die Dorfbewohner betrauerten ihn mit aufrichtiger Theilnahme und gaben ihm in großer Zahl das letzte Geleite. Sie erinnerten sich vielleicht dankbar daran, wie ihr Herr in guten Tagen so Manchen von ihnen einen falschen Zehner oder Hunderter gütig in die Hand gedrückt ... Seiner Frau erließ ein kaiserlicher Gnadenact ein Jahr von der zu büßenden Strafe, die Nationalbank hatte chr Wittthum freigegeben oder geben müssen. Warum wir diese alte Geschichte erzählen? Weil sie wahr, interessant und lehrreich ist. Wenn unsere Wiener antisemitischen Fälscher dies Blatt in die Hände bekommen, werden sie es gewiß nicht ohne eine Thräne pietätvollen Gedenkens zu Ende gelesen haben. Die Leistungen großer Vorgänger zu erreichen, ist freilich schwer; aber ihnen nachzustreben, ist allein schon anerkennens- und lobenswerth. Wir glauben, daß sie alle, welche sich für Nuchem 3 ch apira besonders intereffirten und keine einzige Verhandlung versäumten, einen Theil dieses Interesses auch ihrem großen Meister Peter Ritter v. Boor zuwenden werden. Er ist der collegialen Bewunderung und Werthschätzung weitaus würdiger, als jener armselige, jüdische Stümper. C. C. C. Vom Jahrmarkt des Lebens. Geistliche Industrien. Bekanntlich hat der Reichsrathsabgeordnete Dr. Bloch eine von Antisemiten verfolgte nnd bedrängte christliche Witwe durch seine Empfehlungskarte zu unterstützen versucht. Dieser Act der Menschenliebe wurde von der antisemitischen Lügenpresse verdreht und entstellt. Daß'chian ohne egoistische Nebenzwecke etwas Gutes thun könne, erscheint dieser Sorte von Menschen ganz unfaßbar. — Die Benedictiner-Mönche versenden jahraus jahrein Tausende von Flaschen, mit dem von ihnen gebrannten Wasser gefüllt, und machen damit ein ganz brillantes Geschäft, ohne daß Jemand ein Arg daran fände. Die Chartreuse wird in eurem katholischen Kloster von frommen Mönchen erzeugt und mit erklecklichem Nutzen verkauft. Daran findet Niemand etwas Besonderes. Pfarrer Kneipp macht mit seinen Wuudereuren ein vielbeneidetes Geschäft. Er curirt beispielsweise die Diphtheritis (vergl. das Feuilleton der „Reichspost" vom 15. März d. I.) folgendermaßen: „Ich habe zur Heilung der Krankheit den Versuch gemacht mit kalten und beißen Wickeln. Ich ließ dem Kinde Wickel um den Hals machen, so heiß als es das Kind nur ertragen konnte; denn es tritt zuletzt ein Brand ein, eine Blutvergiftung, und da haben nun viele Fälle dargethan, daß das heiße Wasser und die Heublumen bei Blutvergiftungen ausgezeichnet wirken, indem durch sie eine Störung im Fortschreiten der Blutvergiftung eintritt, so daß die weitere Blutvergiftung nicht mehr stattfinden kann. Gerade so muß auch bei der Diphtheritis eingewirkt werden." Auch die Kneipp-Wäsche und Kneipp's Malzkaffee werfen alljährlich hübsche Profite ab. So ließen sich auch noch andere geistliche-Geschäftsleute namentlich anführen. Es gibt selbstverständlich unter ihnen solide und Schwindel-Firmen, zu welch Letzteren wir die Patent-Kuppler und Luft-Ingenieure zählen. Dem Reichsrathsabgeorneten Dr. Bloch war es um kein Geschäft zu thun, wie er gerichtsordnnngsmäßig zu beweisen in der Lage ist, und er wird angegriffeit, als ob er Benedictiner oder Chartreuse verkauft Hütte. Wenn darin wirklich ein so großes Verbrechen liegt, was übrigens Ansichtssache ist, so verweisen wir die Herren Ehrabschneider an den Prior Fecamps O. B. und an den Abt von Chartreux rmd sind überzeugt, daß dieselben auf geeignete Vorstellung hin nicht minder wie der hochwürdige Herr Pfarrer S eb astian K^neipp in Wörishofen sofort den geschäftlichen Betrieb, als mit dem geistlichen Berufe unvereinbar, aufgeben werden . . . Die „Reichspost" vom 15. d. M. bringt wieder einen Hetzaufsatz, welcher sich in gewohntem, schmähenden Tone gegen die wenigen jüdischen Firmen wendet, die sich mir der Herstellung oder dem Vertriebe von kirchlichen Gerärheu befaßt. „Der Handel mit Gegenständen des christlichen Cnlms in allen seinen Zweigen gibt alljährlich Hunderten jüdischer Umermhmer die

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