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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-03-15 · 11 (15.3.1895) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
11 (15.3.1895)
Date
1895-03-15
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 11 Orsterrrichiptzr WochrnssrrM Seite 307 Deckmantel für Marillen- und Pflaumenmus oder Topfen bestimmt. Der Suppenknödel ist gar kein Knödel mehr, sondern eine zu einem organischen Ganzen gerundete Wollustkugel — ja, mehr noch als dies: ein Gedicht, der Mikrokosmos der großen Erdkugel mit all ihren Herrlichkeiten und ohne ihr Elend. Halbgesättigt durch die Ostersuppe nimmt der rechtgläubige Jude von da ab die übrigen Gänge des Mittagessens leicht hin. Und noch andere Wunder dieses zum zweiten Male erstandenen Mehles entstehen unter der Hand der Judensrau aus jenem messingenen Hexenkessel: Torten, Krapfen, Bitta rc., und aus den mit heißer Milch begossenen Mazzoth-Scherben bereitet sie solche Turös csusza, daß just nur die „Grammeln" fehlen, damit selbst die hochwürdige verwitwete Frau Susanna F., bei deren gehaltvoller Kost mein Corpus vor vierzig Jahren in N.-Körös der Maturitätsprüfung entgegenrundete, dieser Speise ihren Segen geben könnte. Der Erwähnung würdig ist noch, daß die israelitische Köchin selbst das sanfte Osterlämmchn wild zu machen und dessen Rücken als veritablen Hasen zu bereiten versteht; und nicht weniger findig ist sie, wenn sie unter vollkommener Wahrmtg der rituellen Küchennormen den Braten mit Rahm übergießt, den sie aus der Emulsion der Mandel gewann. Kurz: die jüdische Küche ist ein Triumph des Geschmacks, der Noth und der Schlauheit und ihre Errungenschaften sind werth, zu höherer Geltung und internationaler Bedeutung emporzusteigen. Alles in Allem genommen bildet das Ideal der Kochkunst der Tisch Desjenigen, der, nach der Ansicht meines Freundes, des vielerfahrenen Gourmands Bela H. vier Jahre lang bei einem französischen Marquis, vier Jahre lang bei einem ungarischen Bischof und ebenso lang bei einem Rabbiner gedient hat. P o r z 6. Literatur. Mose Maiinunis Stellung zum Aberglauben und zur Mystik, von Dr. Israel Finkelscherer, Breslau, Schottländer 1894. Dem seligen Seminarrabbiner am jüdisch-theolog. Seminare in Breslau, Dr. D. Joel, Bruder des berühmten Kanzelredners M. Joel sel. And. gebührt das Verdienst, die Stellungnahme des Judenthums zum Aberglauben wissenschaftlich untersucht zu haben. (D. Joel, der Aberglaube und die Stellung des Judenthums zu demselben, Breslau 1881 und 83.) Ioek beginnt mit dem Pentateuch, geht dann aus die übrigen biblischen Bücher, auf die Mischna, die Gemara, die Geonim über und kömmt bis zu Maimonides. Dessen Stellung und die der Rabbinen der deutsch-polnischen Literaturperiode zum Aberglauben zu besprechen, wie es seine Absicht war, hatte ihn der Tod verhindert. Ein Jahrzehnt war seitdem verstrichen, ohne daß Jemand die interessante Arbeit I o el's fortgesetzt hätte. Dr. I. F i nke lsch e re r gebührt nun das Verdienst, dies hinsichtlich Maimonioes in der oben angeführten Schrift unternommen zu haben. Wir müssen der äußerst fleißigen und gewissenhaften Arbeit Finkelsch erer's unsere volle Anerkennung zollen. Der Verfasser zieht nicht blos das Philosophische Hauptwerk des Maimonides. den „Moreh Rebuchim" in den Bereich seiner Untersuchungen, sondern auch den „Mischna-Commentar", den „Jad Hachasaka" und die übrigen Schrifren des Maimonides. Auch ist die Literatur über den Aberglauben recht fleißig benutzt. Ueber das Resultat, wie Maimonides sich wohl im Allgemeinen zum Aberglauben verhalte, kann ivohl Derjenige, welcher nur die ersten Caprtel im „Moreh Rebuchim" gelesen, kaum im Zweifel sein; ein Mann wie Maimonides, der jeden Anthropomorphismus und jede Anthropopathie verwirft, muß ein entschiedener Gegner des Aberglaubens sein. Das Verdienst Finkelscherer's besteht aber zunächst darin, daß ec nicht nur im Allgemeinen sondern auch in verschiedenen wichtigen einzelnen Punkten (Anthropomorphismen, Mittelwesen, wunderwirkende Kraft der Gottesnamen, Astrologie, Zauberei und Wundereuren) die Ansichten des Maimonides ausführlich bespricht. Als besonders interessant hebe ich Maimonides Stellung zu den im Talmud und in Midraschen vorkommenden Ansichten über Dämonologie, Angelogie und Astrologie hervor. Maimonides zeigt sich in all diesen Punkten als klarer, nüchterner und großartiger Denker, der seine medicinischen Kenntnisse verwerthet. Es sei mir hier gestattet auf H. H a e s e r's Geschichte der Medicin, 3 Bde., Breslau, hinzuweisen, in welcher nicht blos die Verdienste Maimonides um die medicinische Wissenschaft sondern auch der „sehr bedeutende Antheil" geschildert wird, welcher „von jeher das jüdische Volk an der Vermittlung des Orients mit dem Dccident in materieller und geistiger Beziehung hatte". I. S. 686. Maimonides besaß den Muth auszusprechen, daß man in Bezug auf Astrologie sich selbst auf talmudische Autoritäten nicht stützen dürfe, wenn auch diese für die Astrologie eintreten. (Finkelscherer S. 73.) Wie hoch steht da Maimonides über Thomas v. Aquino, der das Vorhandensein von Dämonen und den schädlichen Einfluß derselben vertheidigt. (F. S. 11.) Wie hoch steht aber auch Maimonides, der nicht nur den Sultan in Kahira, sondern auch zahlreiche Nichtjuden behandelte, (vgl. M. Braun, Gesch. d. Juden, II. Theil | S. 136) über einen großen Theil der Geistlichkeit, die noch in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erklärte, es „sei besser mit Christo gestorben, als per Juden-Dr. mit dem Teufel gesund werden". (Auges, bei H a e s e r, Gesch. d. Med.) Was die Untersuchung Finkelscherer's ferner auszeichnet, ist der Nachweis, daß Maimonides' Stellung zum Aberglauben durch sein philosophisches System bedingt ist. Nur möchte ich nicht wie Finkelscherer die Anschauung Maimonides' eine mechanische nennen lS. 14); eine mechanische Anschauung kann man nur die der Atomistiker Leuc>pp und Demokrit oder ähnlicher Systeme nennen, welche kein übernatürliches oder immaterielles Princip aunehmcn, was aber bei Aristoteles und noch mehr bei Maimonides trotz des strengen Causalnexus der Fall ist; denn Aristoteles nimmt, wie Finkelscherer selbst ganz gut weiß, den „Nus" und Maimonides den Willen des persönlichen Gottes an. Ein fernerer Vorzug der Arbeit Finkelscherer's ist die klare und lichtvolle Auseinandersetzung, so daß auch der gebildete Laie dieselbe verstehen und Maimonides schätzen und würdigen lernen kann. Abe.- auch der Fachmann rmrd vieles Interessante darin finden. Hätte beispielsweise der sonst wissensreiche und ausgezeichnete Gelehrte Dr. A. Wiener diese Abhandlung gel sen, so glaube ich schwerlich, daß er in seinem vor ganz kurzer Zeit erschienenen Werke „Die jüdischen Speisegesetze, nach ihren verschiedenen Gesichtspunkten, Breslau 1895" die Bemerkung gemacht hätte: „Doch ist vielleicht die im Talmud stark ,'usgebildcte Dämonen — und Gespensterlehre, die exotische Pflanze Bachions nttd Persiens, auch für Maimonides in man>yer Rücksicht b stimmend gewesen." (S. 209.) Und so sei dieses Werk F i n k e l s i.) e x e r's Fachmännern unv Laien bestens empfohlen. Dr. Adolf B i a ch Rabbiner in Brüx. Briefkasten. Atvittau, Theodor K—tt. Der von Ihnen besprochene Satz Schneider's hat jedenfalls auch nachfolgende Äeußerung der „Unverfälschten D. W." Nr. 1 veranlaßt: „Wir haben zwar nichts dagegen, wenn sich di^ Juden möglichst ihre Eigenheiten wahren und national und religiös absondern, (destomehr werden sie sich von den arischen Völkern unterscheiden und destoweniger wird ihnen ein Verfälschen der m e n s ch l i cii e n Rassen möglich sein) aber die Beanspruchung einer eigenen „Sonntagsruhe" für die Juden und eine Nichtberücksichtigung der allgemeinen Sonntagsruhe, schließt einen Pferdefuß in sich." Wir machen Sie noch insbesonders auf die elegante Stilisirung aufmerksam. „Einen Pferdefuß in sich schließen" — das ist doch schön gesagt! Donanfeld, Otto R In Oesterreich wirft man Juden und Freimaurer zusammen, die beiden Namen gelten fast als Synonyme. In Deutschland ist's anders. Liebermann von Sonnenberg gesteht in seinen „Deutsch-socialen Blättern" vom 28. Februar unumwunden ein: „Wir kennen eine Anzahl von Freimaurern, die ganz au 1 e Antisemiten sind." Wien, Oberlicntrnant t». S. Wir sollen die „Schmähpost" wegen ihrer Notiz vom 1. März tüchtig „abkanzeln"? Die Sache ist recht unwichtig und richtet sich von selbst. Spitzer-Weimar oder irgend einer seiner Lohnsudler greift den FZM. Schönseld an wegen des Feuilletons in der „N. F. Pr." anläßlich deS Hinscheidens des Erzherzogs Albrecht. Die Attake ist läppisch und albern. Das Feuilleton ist bekanntlich anonym erschienen. Zuerst müßte man doch wissen, ob es von FZM. Schönseld rst, sonst wäre die Bertheidigung nicht weniger lächerlich, wie die Anklage. Wien, II., Sam. S. Sie haben Recht. Wir theilen Ihre Entrüstung. Das ist wirklich stark aus dem Feuilleton (?) der „Reichspost vom 3. März: „Also hier mein Vorschlag: Wenn einer meiner Freunde in Verlegenheit ist, betresss irgend einer Bestellung in Wien, hat er Vertrauen zu mir und zur „Reichspost", so schreibe er nur recht deutlich an unS: was, bis wann und wie er es wünsche — billigst natürlich! — und wir lassen entweder selbst den Auftrag efsectuiren, natürlich nur bei einer christlichen soliden Firma, oder wir senden Ihnen auf Wunsch den Preiscourant einer solchen Firma, der ja auch in anderer Beziehung oft höchst instruktiv ist. Wir natürlich übernehmen auch die Auszahlung des an uns gesandten Geldes." Landstraße, Fräulein Dora H. Die „Ostdeutsche Rundschau" hat sehr Unrecht sich über Max, den schönen Ballreporter, lustig zu machen. Hier ein Stylpröbchen aus einem ihrer Ballreferate: „Sämmtliche Bilder sind vom Maler Herrn Gilhofer gemalt, von demselben ist auch die eigenartig schöne Damenspende: ein Aquarell mit einer Alpenlandschaft und einem plastischen balzenden Auerhahn mit natürlichen Federn entworfen und gemalt." Kolin. „Getreuer Abonnent feit 1886". Sie weisen darauf hin, daß die Antisemiten Bismarck's Geburtstag nur deshalb so geräuschvoll feiern wollen, um sich recht bemerkbar zu machen. Jetzt wollen sie sogar Höhenfeuer entzünden. „Auf Bismarck's Volk lass' Flammenzeichenrauchen!" Und doch hat der Kanzler Herrn Benedikt und nicht Herrn Schönerer empfangen!" Erkläret mir Graf Oerindur u. s. w. Großrabbiner Israel Perloto, Stolm. Herzlichen Dank für die besondere Güte und Liebenswürdigkeit in der Förderung der „Oesterr. Wochenschrift". Joachim Neiger, Koslow. Das österr. Abgeordnetenhaus 92 Mitglieder aus Böhmen, 9 der Bukowina, 9 aus Dalmatien^ 63 aus Galizien, 8 aus Görz und Istrien, 19 aus Krain und Kärnten, 36 ans Mähren, 3? aus Nieder-Oesterreich, 22 aus Ober-Oesterreich und Salzburg, 23 aus Steiermark, 10 aus Schlesien, 21 aus Tirol und Vorarlberg, 4 aus Triest, zusammen 353. l i I i . I -■ i 2 . 1

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