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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-03-15 · 11 (15.3.1895) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
11 (15.3.1895)
Date
1895-03-15
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 202 Drsterreb tzifchr Wschrnfihrtfl Nr. 11 Leistung jene der auswärtigen Filialen um mehr als das Dreifache übersteigt. Zu wünschen wäre nur, daß der unt'r dem Drucke der augenblicklichen Gefahr zustandegekommene Friede für alle Zukunft erhalten bleibe und daß alle Persönlichen Rücksichten vor dem Interesse der Gesammtgemeini e zu rücktreten. Der hiesige israelitische Frauen-Wohlthätigkeits verein veranstaltete am 9. d. M. in Bartsch' Saallocalitäten ein glanzendes Ballfest, dessen Reinerträgniß, wie alljährlich, wohlthatigen Zwecken zufiel. Das Fest darf als eines der gelungensten der diesjährigen Saison bezeichnet werden, eine Thatsache, die umso größere Befriedigung erweckt, als es von unberufene, Seite an Versuche nicht gefehlt hat, eine Störung in dasselbe zu bringen. Unter den Anwesenden befand sich auch Reichsrathsabgeordneter Dr. Bloch und dessen Gemahlin, welch' Letztere als Begründerin und erste Präsidentin des Vereins soeben mit dem Diplome eines Ehrenmitgliedes ausgezeichnet wurde. Um das Gelingen des Abends machten sich in erster Reihe die Vorstandsdamen Frau Henriette Grün Wald, Frau Dr. König, Frau Betti Redlich und Frau Doctor Schrötter, Frau Dukes, Frau Johanna Grün wald, Frau Schlesinger re. verdient. Das Reinerträgniß be ziffert sich auf mehr als 300 fl. Bade« b. Wien. Der hiesige antisemitische „Bote aus dem Wienerwald" brachte vor vier Wochen einen langen Artikel über eine Ehrenbeleidigungs-Berbandlung beim Bidener Bezirksgericht mit der Spitzmarke: „D er jüdische A dvvcat Dr. Felix Horn in der Klemm.." — Dr. Horn wurde nämlich von dem bei dem hiesigen Adv waten Dr. Bauseck bediensteten Concipienten Dr. Johann Berger angeklagt, weil er bei einer Eidestagsatzung seinen El enten gegen insultirende Zumulhungen Dr. B e r g e r's mit den Ausdrücken: „Das ist eine Keckheit!" „Das ist eine Frechheit!" in Schutz genommen hatte. Besagter Dr. Berger war bis vor zwei Jahren Jude und hat sich, um rascher Cmriere zu machen, taufen lassen. Diese Thatsache ist bis jetzt fast ausschließlich nur in antisemitischen Kreisen bekannt, und um sich bei diesen beliebt zu machen, tritt Dr. Berger demonst ativ dem jüdischen Advocaten Dr. Horn entgegen. Der „Bote aus dem Wienerwald" hatte natürlich an seinem Gesinnungsgen issen dem getauften Juden Dr. Berger, seine helle Freude und hob mit gesperrten Lettern hervor, daß derselbe bei jener Gerichtsverhandlung ausgerusen habe, „er habe Religion!" — ein Ausspruch, der aus dem Munde eines Apostaten doch einigermaßen komisch klingt. Die Gesinnungstüchtigkeit des rassen-antisemitischen „B ^ten aus dem Wienerwald" tritt aber erst in die richtige Beleuchtung wenn man feine Haltung gegenüber Dr. Berger mit jmer gegenüber einem Badener Einwohner Namens Friedmann vergleicht, der von dem genannten Blatte verächtlich als I lde bezeichnet wurde. Darüber war Friedmann erzürnt, da er bereits als Kind ohne Wissen und Willen getauft worden n ar. Der „Bote aus dem Wienerwald" erwiderte dem erzürnten Friedmann auf dessen Reclamation: „Sie sind ja doch ein Juden st ämmling und das bischen Taufwasser an! ert nichts daran!" — „Das Bischen Taufwaffer" genügt iem „Boten aus dem Wienerwald" vollständig, um den vor Kur em erst getauften Dr. Berger als echten Arier anzuerkennen, während er dasselbe für unzureichend erkennt, um den als neugeborener Knaben getauften Friedmann von seiner Stommesangehörigkeit reinzuwaschen. Herr Friedmann tritt e! en nicht so offen als Antisemit auf wie Dr. Berber, ejn Beweis, daß nicht in der Raffe, sondern im öffentlichen Auftreten die — — Sie wissen ja, wie die bekannte Formel des Raffen-Annsemitismus lautet! — Zu meinem letzten Berichte ist zu bemerken. daß der Sohn des daselbst erwähnten Billeubesitz rs nicht F r a n n z k, sondern T r a u z l heißt. Brünn. Der Besitzer der Wasserheilanstalt in Zuckm a n t l (Oesterr.-Schlesien) Herr Dr. Schweinburg, dessen Anstalt namentlich durch starken Zuzug jüdischer Patenten (nach meiner persönlichen Ueberzeugung mindestens 75 Percent Juden) florirt. fand es im vorigen Herbste für nothwendig. mit Frau und Kindern unter besonderer Pompentfaltung in der Pfarrkirche zu Zuckmantl zum alleinig seligmachenden Glauben überzutreten. Nach dem feierlichen Taufacte fanden Festschmaus rc. in der Anstalt statt. Wahrscheinlich verspricht sich Herr Dr. S ch w e i n b u r g, welcher die Heilkraft des Wassers kennt, eine besondere Wirkung vom Taufwaffer für sich und seine Anstalt. Brünn. Was gilt Darwin, was Häckel gegenüber dem Scharfsinne der „unverfälschten Arier". Trotz Physiologie, trotz Biologie gelang es dem hiesigen antisemitischen Vereine deutscher Studenten „Sudetia", mit apodiktischer Sicherheit festzustellen, wenn ein Judenstämmling Arier wird. Einem gewissen Perl wurde die Ehre erwiesen, in den Verein „Sudetia" ausgenommen zu werden. Nach Jahr und Tag entdeckte man, daß sein Vater Jude war. er also Judenstämmling wäre. Er bekam das consilium abeundi. Der Sitz, den er in der Stammkneipe einzunehmen pflegte, wurde desinsicirt und ausgeräuchert. Zugleich aber wurde ihm die trostreiche Versicherung gegeben, daß seine Kinder nicht mehr als Judenstämmlinge betrachtet werden würden, sondern ihnen als Vollblutarier der Eintritt in die „Sudetia" einst gestattet werden würde. Karlsbad. Um jedem unliebsamen Mißverständnisse vorzubeugen, erkläre ich, daß uns, anläßlich der Berichterstattung des Reichsraths-Abg. Dr. Victor Ruß in Karlsbad, über den Antisemitismus zu interpelliren, keineswegs örtliche Verhältnisse bewogen haben. Thalsächlich gehört Karlsbad zu jenen wenigen Oasen in unserem Baterlande, deren öffentliches Leben durchwegs von unverfälschtem Liberalismus durchdrungen ist, und ganz besonders verdient unsere Stadtverwaltung Dank und Anerkennung von allen liberal Denkenden. Karlsbad, 7. März 1895. Dr. I. Ziegler. Prag. Der Studentenverein „Maccabaea' Hielt am 2. d. M. seine Vollversammlung ab. M. U. C. Weiß. Obmann der „Maccabaea", warf zunächst einen Rückblick auf die Verhältnisse des Vereines während des verflossenen Semesters. Insbesondere hob er die jeden Samstag stattfindenden Vorträge hervor, welche theils jüdisch-nationale Themata behandelten, theils der jüdischen Geschichte und Literatur gewidmet waren. Nach Außen trat der Verein durch Veranstaltung des Eröffnungscommerses und der Makkabäerfeier hervor. Der materielle Erfolg dieser Feier,« um deren Gelingen sich die „Kadimah" und „Unitas" verdient gemacht haben, ermöglicht es. die Bereinsbibliothek bedeutend zu erweitern. Zum Schluffe konnte der Redner mit Freude constatiren, daß die „Maccabaea" sich in diesem Semester nach Außen und Innen gekräftigt habe. Nachdem noch die einzelnen Ausschußmitglieder über ihre Amtsthätigkeit referirt hatten und die Berichte von der Vollversammlung gebilligt worden waren, schritt man zu den Wahlen. Gewählt wurden tech. Cand. Jul. Kraus, Obmann, M. U. C. W e i ß, Obmann-Stellvertreter, jur. Stud. F. Bondy, 1. Schriftführer, med. Stud. Em. Sachs, 2. Schriftführer, Stud. med. H. Beckmann, Cassier, Stud. med. Jul. Münz, Bibliothekar und Stud. jur. Pasch, Oeconom. — Tags darauf hielt Herr Ph. Dr. Goitein, Rabbiner in Nachod, bei Gelegenheit seiner Anwesenheit in Prag, behufs Abhaltung eines Vortrages im „Afike Jehuda" in den Vereinslocalitäten einen ebenso gehaltvollen als interessanten Bortrag über „Geschichte der jüdischen Philosophie im Mittelalter" ab, dem ein stürmischer Beifall der Zuhörerschaft folgte. Tre Kitsch. Ich finde mich veranlaßt, Sie auf die Firma A. Jellinek & Sohn, Schuhfabrik in Trebitsch, welche hier die eifrigsten Anhänger des Antisemitmus sind und welche hier die reactionäre Strömung unterstützen, aufmerksam zu machen, nachdem genannte Firma den größten Kundenkreis in Galizien hat. woselbst die Majorität Juden sind. Die genannte Firma scheut sich nicht, trotzdem sie eine rein arische ist. zu fertigen: Abraham Jellinek & Sohn, oder ppa. A. Jellinek L Sohn, Kohn, es ist dies ein Köder für die jüdische Kundschaft. HerrEmanuel Jellinek, welcher in der Firma ist, scheut sich nicht, öffentlich Juden zu beschimpfen und erzählt, er kaufe die „Oesterreichische Wochenschrift", um seine Schuhe darin einzupacken, damit die Kundschaft glaube, er sei Jude, das scheint echte, antisemitische Manier zu sein. Obgenannter wurde schon einigemale aus dem Locale gewiesen, wo ihm der Wirth sagte, er möge, wenn er schimpfen will, zu Hause seine Kundschaft beschimpfen, nicht aber die Gäste im Wkrthshause belästigen, selber blieb aus, kam aber wieder, nachdem es ihm in andern Wirthshäusern nicht besser erging. Ich erachte es als Pflicht, Sie zu ersuchen, dies in Ihrem geschätzten Blatte aufzunehmen, ^nachdem die geehrten Kunden genannter Firma geradezu in gemeiner Werse beschimpft werden.

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