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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-03-15 · 11 (15.3.1895) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
11 (15.3.1895)
Date
1895-03-15
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 11 Veperredhiptze WochenptzrM Seite 201 In seiner unbeugsamen Opposition hat Elisa jedenfalls zu dieser Zwietracht und Uneinigkeit wesentlich beigetragen. Es war daher nur ein Act der Selbsterhaltung, daß er aus der Mitte der Genossen ausgestoßen, sozusagen excommunieirt wurde, wie dies ja schon früher sogar bei Männern von einer unangefochtenen Lauterkeit der Gesinnung wie Akabja b. Mahalallel und Rabbi Elieser der Fall gewesen. Doch diese waren Gegner des Synedriums nur in einem einzelnen Falle und sie setzten auch ihre Gegnerschaft nicht m xraxi fort, während Elisa b. Akuja in' jeder Werse schroff in seiner Gegnerschaft blieb und zu einem Rückzuge auch von seinem Lieblingsschüler R. Meir nicht zu bewegen war. Das ist der größere Schatten, der auf ihm ruhte und was dazu führte, daß sein Name im Lehrhause überhaupt nicht mehr genannt wurde und daß man seine Lehren höchstens als die Meinung Acher's, eines Anderen, ohne Nennung seines Namens vortrug. Eine Analogie dafür findet sich auch im Leben des R. Meir in Folge seines Streites mit dem Patriarchen. Nach dem Tode des Elisa b. Abuja, so wird erzählt, flammte eine Feuersäule über seinem Grabe. Da zog sein edler Schüler R. Meir hinaus und löschte das Feuer; aber auch nachher verblieb noch eine Rauchsäule an derselben Stelle. Der Sinn dieser Worte ist: Das Feuer des Streites über die ungewöhnliche Persönlichkeit Elisa's loderte auch nach seinem Tode noch fort. Die große Milde und Weisheit des R. Meir sänftigte den leidenschaftlichen Haß und unterdrückte das Feuer. Der Rauch aber, die Verdunkelung seiner Persönlichkeit, verblieb noch trotzdem über dem mit einem vielleicht allzuharte Urtheil Vieler belasteten Meister. Etwas von diesem Rauche zu zerstören, war der Zweck meines Vortrages. chsrresMäenren. Wien.s^Spenden für Sacher-Masoch.) Herr und Frau'Baron Suttner haben es im verflossenen December unternommen, mittels eines Aufrufes an die College», die verschiedenen Schriftstellervereinigungen und die Freunde des Verstorbenen eine Sammlung zu einer Ehrengabe für den schwerkranken Dichter einzuleiten. Dieser Aufruf hatte nicht den gewünschten Erfolg. Den wenigen Spendern gegenüber ist richtig zu stellen, daß der gesammte Betrag am 25. Jänner an Frau v. Sacher-Masoch expedirt wurde, daß also der 27. Jänner doch ein sichtbares, wenn auch in Anbetracht der Verdienste des Verblichenen kaum nennenswerthes Zeichen der Anerkennung brachte. Gespendet wurden: P. R., Graz, 5 fl.;Concordia, Wien. 25 fl.; John Henry Mackay, Berlin, 80 fl.; Dr. M. B r o c i n e r, Wien. 7 fl.; Dr. Güdemann, Wien, 20 fl.; Alois Pol lack. Wien 10 fl.; Wilhelm Frick, 5 fl.; S. Taussig, Wien, 3 fl.; S. Heit, Wien, 5 'fl.; Dr. E ckst e i n, Dresden, 65 fl. 76 kr.; Dr. Ernst Ziel, Cannstadt, 6 fl.; U n gen au nt, Wien, 77 fl. 84 kr.; Summa 231 fl. 40 kr. Nachträglich vom Oberrabbiner aus Paris 150 Francs. Gesammelt durch Herrn Marx in Frankfurt 1000 Mark. Wien. (Chewra-Kadischa im 18. Wr. Bezirk.) Trotz der Bereinigung der Vororte mit Wien besteht und wirkt die Chewra-Kadsscha von Währing in einer Weise, die alle Anerkennung verdient. Sie wurde 1891 von dem Gründer der ehemaligen Cultusgemeinde Währing. Emanuel H offmann, welchem auch der Bau des schönen Gotteshauses zu verdanken ist, angeregt und gegründet, und zwar im Vereine mit einigen Gesinnungsgenossen. — Der Verein zählte ursprünglich blos 30 Mitglieder und ist auf 114 angewachsen — allerdings eine zu geringe Ziffer bei einer Einwohnerschaft von 500 jüdischen Familien. Der Verein zahlt Hunderte an Unterstützungen jährlich aus; er hält einen eigenen Bereinsarzt für arme, erkrankte Glaubensgenossen und ihre Familienangehörigen. Zu den hohen Feiertagen werden nach Maßgabe der zufließenden Spenden und des Reservefonds verschämte Arme mit namhaften Unterstützungen bedacht; überdies sorgt die Vereinsleitung laut ihrer Statuten für den Krankenbesuch, für die Beistellung eines Minjans im Trauerhause, für die Betheiligung an Leichenbegängnissen und für Ausfolgung eines Schiwahgeldes per 5 fl. an arme Mitglieder. Es sei hier constatirt, daß die derzeitige Vereinsleitung mit den 10 Beiräthen unermüdlich in der Ausübung ihrer sich selbst vorgezeichneten Aufgaben verharrt und daß derselben keine Zeit und Mühe gering erscheint, so rasch als möglich dem Bedrängten hilfreich beizustehen. Gerade in dem 18. Wiener Bezirke, wo es an Hilfesuchenden nicht wenig mangelt, dafür der sogenannten Plagegeister der Juden genug zu finden sind, ist das Wirken der Chewra ein Gebot der Nothwendigkeit zur Nächstenliebe; aber leider, sage man es offen: Die Chewra-Kadischa im 18. Wr. Bezirk kann der durch locale Verhältnisse sich ergebenden Nothlage nicht ganz gewachsen sein, wenn derselben bei so vielen ansässigen bemittelten Israeliten die Unterstützung versagt ist. Wissen denn die säumigen Insassen gar nichts von dem Treiben gewisser fürstlicher Leibhusaren des 18. Wr. Bezirkes, die die Schmach des 19. Jahrhunderts auf ihren Stirnen ausgeprägt haben? Denke man nur nach, daß hier ein Herr Deckert, ein Stampiglienfabrikant, ein Wersch etz er Baumann, einJedlitschka rc. ihre Fahnen entrollen und der arme Jude im Kampfe ums Dasein sich befindet; wäre da nicht ein Beitritt zur Chewra mehr als Gebot! Die Vereinsleitung liegt in den bewährten Händen der Vorstandsmitglieder E. H o ffm a nn, I. F a n tl, E. G assin g e r, A. W e ch s b er g und Ignaz K a tz, und es steht zu hoffen, daß unsere Glaubensgenossen, der Pflicht eingedenk, diesen Verein eifrig unterstützen werden. Donnerstag den 7. d. M., Abends 9 Uhr, fand das Brudermahl des Vereines statt, an welchem auch die Vorstandsdamen des Frauenvereines theilgenommen haben. Der Abend verlief sehr animirt. Von den Trinksprüchen seien erwähnt der des Obmannes Emanuel H offmann auf Seine Majestät den Kaiser, des Rabbiners S o r auf die Chewra-Kadischa, des Bethausvorstehers Dr. Markus Spitzer auf die Damen u. s. w. Unter den Anwesenden bemerkte man Cultusvorsteher Pollak, Reichsrathsabgeordneten Dr. Bloch und die Vorsteher und Vertreter der Israeliten in Ottakring. Wien (Akademischer Verein „Gamala".) An dem Samstag den 9. stattgefundenen Bereinsabende entwarf Stud. Phil, und theol. S. Rosenzweig eine sehr interessante Skizze über den Lebenslauf des Don Joseph Nassi, Herzog von Naxos. eines der Nachkommen der spanischen Marranen. Sodann referirte Bicepräses Stud. Phil. Korn über den in Galizien neugegründeten „politischen Verein der Juden Galiziens und der Bukowina". An der Hand von drastischen Thatsachen zeigte der Referent die Nothwendigkeit eines solchen Vereines, welcher es sich zur Aufgabe gestellt, der wirthschaftlichen Lage der Juden eine gesunde Grundlage zu geben, sie politisch aufzuklären und erziehlich auf sie einzuwirken. Diese Ausführungen erweckten das lebhafteste Interesse aller anwesenden Mitglieder und Gäste, welche auch ihrerseits thatsächliches Material als Beleg für die Nothwendigkeit eines solchen Vereines erbrachten. N. Floridsdorf. Am 11. d. M. fand aus Anlaß der für den 2. April ausgeschriebenen Neuwahlen für den Cultusvorstand, welche bereits auf Grund des neuen Statuts erfolgen, eine allgemeine Wählerversammlung unter dem Vorsitze des Cultusvorstehers Herrn Josef B u ch w a l d und des Herrn Reichsfeld aus Gr oß-Enzersdorf statt. An derselben nahmen mehr als 200 Gemeindemitglieder, darunter anch viele Auswärtige aus Groß-Enzersdorf, Gänserndorf, Wollersdorf, Korneuburg, Stock e r a u, rc. theil. In der Debatte trat zunächst die tiefe Spaltung zu Tage, welche in Folge der leidigen Rabbinerfrage unter den Mitgliedern der Muttergemeinde besteht. Als jedoch die auswärtigen Mitglieder geschlossen auftraten und die Mitglieder der Muttergemeinde die Gefahr erkannten, von den auswärtigen Genossen majorisirt zu werden, vollzog sich zwischen den streitenden Parteien der Muttergemeinde ein Friedensschluß, als dessen Resultat die Aufstellung einer Co npromißliste anzusehen ist. Während nun die in der Ueberzahl befindlichen Auswärtigen fordern, daß ihnen zwei Dritttheile der Mandate für den Cultusvorstand überlassen und ein Dritttheil von Mitgliedern der Muttergemeinde besetzt werde, verlangen die Letzteren zwei Dritttheile für sich und wollen den Auswärtigen nur ein Dritttheil zugestehen. Angesichts der dreißigjährigen geschichtlichen Entwicklung der Muttergemeinde Floridsdorf muß der Letzteren wohl die Berechtigung ihres höheren Anspruches ohne Rucksicbt auf die Kopfzahl zugestanden werden, zumal ja auch ihre Steuer-

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