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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-03-15 · 11 (15.3.1895) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
11 (15.3.1895)
Date
1895-03-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
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SUSHIS! WWWMSSW« «WWW öetle 198 L»eprroeuylLrtzr Mochrnsitztts «X. 11 sittliche Kraft, wie sie nicht genug bewundert, nicht genug angestaunt werden kann. Denn trotz des namenlosen Schmerzes, der unsere Brust durchwühlt, sprechen wir alsbald, nachdem der theuere Tobte in die kühle Erde gebettet worden, die Worte: Cfissgadal wejiskadasch schmeh rabbo") Gerühmt und geheiligt sei Gottes großer Name. Wir murren nicht gegen Gottes Rathschluß, sondern erheben uns zu jener bewundernswerthen Weltanschauung unserer gar viel verkannten, weil nicht gekannten Lehrer des Talmud, die da sagen: „Wie im Glücke, so müssen wir auch im Unglücke Gott danken und rühmen, seinen Namen ruhmvoll verkünden, wenn auch Noth und Leid uns treffen." (Talmud Berachot, Fol. 60b, mit.Begründung von Ps. 116, Bo. 3d und 4a). Trotz des tiefen Wehes, das unser Inneres durchzittert, murren wir nicht gegen Gottes Weltordnung, sondern sprechen: „Gerühmt und geheiligt sei Gottes großer Name „beolmo di, bero kirusseh" in der Welt, die er geschaffen nach seinem Willen. Trotz des Gcams, der an unserer Seele nagt, murren wir nicht gegen Gottes Weltregierung, sondern sprechen, die wahre messiauische Zeit für alle Menschen ohne Unterschied des Bekenntnisses herbeisehnend: „wejamlich malchusseh". Möge das Gottesreich alsbald erscheinen, und möge Israel es erleben, daß nicht blos die Schwergeprüften in seiner Mitte, sondern alle Menschen auf dem gesummten Ecdenrunde vor dem einig-einzigen Gotte sich beugen und seine allzütige und allmächtige Weltregierung rühmend und preisend anerkennen. Aber wenn wir auch — so sprechen wir weiter im Kaddischgebete— Gottes Nathschluß, Gottes Weltordnung, Gottes Weltregierung preisen, rühmen, erhöhen, erheben und verherrlichen, so sind wir dennoch nicht im Stande. Gott in würdiger Weise zu rühmen; „Le-elo min kol birchosso weschirosso wetuseh-bechosso" denn der Schöpfer ist erhaben über Lob und Lied, über Preis und Gesang. Gott ist aber auch, so beten wir weiter, erhaben über jeden Trost, den Menschen gewöhnlich uns zu spenden pflegen, indem sie uns rithen. ins Unabänderlich? uns zu fügen. Darum wenden wir uns zum Allmächtigen selbst mit der Bitte „Jehe schelomo rabbo min schemajo". Sende du, 0 Allvater, uns Frieden aus des Himmecs Höhen, erweck: unser krankes Herz zu neuem Leben, denn du, o Herr, schaffest Frieden in deinen Hohen; wenn du auch noch so hoch und erhaben thronest, hast du ja durch deines Propheten Mund verkündet: „Wenn ich auch noch so hoch und erhaben throne, so bin ich doch bei dem, der gedrückt, bei dem, der gebeugten Gemüthes ist, um neu zu beleben das Herz der Gebeugten, zu neuem Leben zu erwecken das Gemüth d?r Gedrückten". (Jes. 57 V. 15.) Wer daher das Kaddischgebet nicht blos gewohnheitsmäßig. sondern mit Berständniß betet, der wird nicht blos Pietät gegen die theueren Todten üben, sondern aus dem Gotteshause eine sittliche Kraft ins Leben mitnehmen, die ihn in den mannigfaltigsten Stürmen des Lebens aufrecht halten wird. Elisa den Abuja. Lorlrag. gehalten im jüdisch-l terarischen Verein zu Bi es lau, von Rabbiner Dr. Rosenthal. Geehrte Versammlung! Das Richteramt des Historikers ist schwer und verantwortungsvoll. Schwer ist es, hinter den Nebel der Zeiten zu dringen und längst Vergangenes in seiner vollen Klarheit zu erkennen, und noch schwerer, sich die Unbefangenheit zu wahren gegenüber den seit alter Zeit feststehenden und durch Ueberlieferung ehrwürdig gewordenen Urtheilen und Borurtheilen. Um so größer wird aber die Verantwortung gegen die verkannte und gefährdete Wahrheit, und um so größer die Pflicht, die überlieferten Zeugnisse auf ihre Glaubwürdigkeit zu prüfen und die Geschichte von der Verdunkelung der Sage und des Borurtheils zu befreien. Eine solche Aufgabe stelle ich mir heute einem Manne gegenüber, dessen Blüthezeit in das Ende des ersten und in den Anfang des zweiten Jahrhunderts christlicher Zeitrechnung fällt, der ein Zeitgenosse des berühmten Rabbi Akiba und der verehrte Lehrer des als Leuchte gepriesenen Rabbi Meir gewesen. Es handelt sich um Elisa ben Abuja, den man auch Acher nannte und dessen Name durch das geflügelte Wort des Dichters in die weitesten Kreise gedrungen. Denn in dem Trauerspiel „Uriel Acosta" läßt Gutzkow seinen Rabbi Akiba in der bekannten Gerichtsscene des Tempels den Satz, daß Alles schon dagewesen, durch einen Hinweis auf unseren Elisa ben Abuja illustriren. „Man scheute sich, den Namen auszusprechen Und hieß ihn Acher — Acher heißt der Andere, Der And're nur, so schreibt von ihm der Talmud." Nach der Entgegnung Uriel's ist Acher ein Bild nur, der aber nie gelebt hat. Acher bedeute „der ewig and're; denn im Anderssein liegt die Gewähr des ewigen Entstehens". „Und wie der Talmud doch zu deuten ist, So hört! Ein Acher, dünkt mich, lebte nie! Der Acher ist das Bild des reinen Denkens, Denn nur im andern seh' ich, wie ich bin, Im andern fühl' ich meine eig'ne Wahrheit, Im andern lern' ich meine Unterscheidung, Das and're ist des Zweifels heil gstes Symbol." Wir müssen uns in diesem Streite auf die Seite Akibas stellen; denn Acher bezeichnet im Talmud thatsächlich kein Bild, sondern einen Mann, der wirklich gelebt hat und dessen wirklicher Name Elisa gewesen. Elisa wurde zu Jerusalem vor der Zerstörung durch Titus geboren. Sein Vater Abuja war einer der angesehensten Männer der heiligen Stadt. Bei der Bundesfeier Elisa's am achten Tage seiner Geburt, befanden sich nnjxr den zahlreiche Gästen auch die bekannten Schulhäupter R. Elieser und R Josua. Von ihren Reden und Diskussionen sortgeriffen, beschloß Abuja schon damals, seinen Sohn später dem Thorastudium zu widmen. (Jeruschalmi Chagiga II, 1.) Der Änabe wuchs heran. Seine Lehrer werden uns nicht genannt; es ist aber anzunehmen, daß ihn sein Vater den Lehrhäusern der von ihm bewunderten Meister Elieser und Josu zugeführt hat. Elisa gelangte schließlich zu hohem Ansehen und bildete sogar ein eigenes Lehrhaus. Ein angesehener Tanaite Namens R. Zadok — nach Frankel und Brüll gab es zwei Tanaim dieses Namens, die aber beide hochangesehene Gelehrte ihrer Zeit waren — richtete nach einer Baraita Moed Katon p. 5a an Elisa und die um ihn versammelten Aeltesten eine halachische Anfrage. Das allein ist schon ein vollgiltiger Beweis für die hohe Stellung, die sich Elisa im Kreise der Tanaim erworben hatte. Bei dieser einzigen halachischen Entscheidung, die uns ausdrücklich im Namen des Elisa ben Abuja mitgetheilt wird, ist nur noch zu bemerken, daß er damit im Widerspruche zu seinem Zeitgenossen R. Akiba gewesen. Diese beiden hervorragenden Männir Akiba und Elisa, waren aber zu einer Zeit wenigstens miteinander befreundet gewesen. Die geistige Bewegung jener Zeit, die man Gnosis nannte, weil sie sich zur hauptsächlichsten Aufgabe stellte, den Menschen durch speculative Erkenntniß zum Heile zu führen, hatte auch auf diese bedeutenden Männer einen mächtigen Reiz ausgeübt. Im Vereine mit noch zwei anderen gelehrten Zeitgenossen zogen sie, wie es heißt, in das Paradies ein. So nannte man bildlich das Eingehen in diese theosopischen Spekulationen, offenbar wegen des Baumes der Erkenntniß. von dessen Früchten man pflücken wollte. Die Wirkung dieser Speculationen war aber aus die beiden Gelehrten verschieden. Akiba ist in Frieden, so wie er eingezogen, auch zurückgekehrt; Elisa ist aber daraus als Acher, als ein Anderer, hervorgegangen. Er hat die Pflanzung zerstört. Bon allen Genossen gemieden, zog er alsdann seine eigenen und veränderten Wege. Nur Einer hielt in Treue bei ihm aus, und dieser Eine war sein vorzüglicher Schüler R. Meir, der ihm die Pietät selbst über das Grab hinaus bewahrte. Elisa's Name wird im Lehrhause nicht mehr genannt; aber ohne Zweifel sind seine Lehren in den anonymen Traditionen der Mischna enthalten, welche bekanntlich zumeist von R. Meir stammen. Nach der Vermuthung Einiger sind die Lehren Elisa's besonders in den Lehren der Mischna, welche in der Form: „(Acherim) Andere sagen" tradirt werden, zu suchen. Bekanntlich sollen auch diese zumeist von R. Meir stammen. Sonst wird uns von Elisa noch ein Enkelsohn Namens R. Jakob genannt, der eine geachtete Stellung im Kreise der Tanaim einnahm (Kidduschin p. 39b). Eine Enkeltochter Elisa's wurde in ihrer Noth von dem Patriarchen R. Juda auf die Verwendung seiner Schüler liebreich unterstützt, nachdem er sie vorher hart abgewiesen hatte (jer. Chag. II. l u. a. b.) Auch von R. Jochauan

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