Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 11 (15.3.1895)
- Date
- 1895-03-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021061-3021073--04377-3028560- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 11 -♦ -M- »d a. , '1 ll , , I UM, , ,1» JPHH|CttpS|tt|X Sette 195 Adolf Fischhof und Joh. Nep. Prix. Geehrter Herr Redacteur! Kurz nach dem Ableben Dr. Adolf Fischhofls, des unerschrockenen Freiheitskämpfers, des edlen Menschen und treuen Genossen unserer hart bedrängten Glaubensgemeinschaft, erließ ein Sonnte, an dessen Spitze Abgeordneter Prof. S u e ß und Gemeinderath Dr. Stern standen, einen Aufruf behufs Aufbringung der Kosten für ein würdiges Grabdenkmal. Es gibt einflußreiche Kreise, in denen der Name Adolf F i s ch h o f zwar nicht seinen herrlichen Klang verloren hat, denen aber im gegenwärtigen Augenblicke dieser Name vielleicht eine unbequeme Mahnung bedeutet, der man gern aus dem Wege geht. Trotzdem hatte jener Aufruf das erfreuliche Resultat, daß ein Betrag von 6—7000 fl. zu dem obgedachten Zwecke zusammenkam. Diese Summe wurde fast ausschließlich von Juden gespendet; aus jenen Kreisen heraus, die ich soeben zu charakterisiren suchte, flössen kaum 150 fl., trotzdem Niemand Geringerer als Prof. Sueß sich an die Spitze der Sammlung gestellt hatte. Der Name Adolf F i s ch h o f wird stets ein Protest sein sowohl gegen den Halbliberalismus wie gegen den Antisemitismus, und er wird Diejenigen, welche die Fahne der Freiheit verließen und die Verdienste des Judenthums um dieselbe mit gesellschaftlichem Boycott lohnen, stets wie eine Geißel treffen. Nach Dr. Adolf F i s ch h o f starb Dr. Johann Nepomuk P r i x, der Bürgermeister von Wien. Nicht zwei oder drei, sondern eine große Anzahl von Männern trat zusammen, um auch diesem „großen Tobten" ein würdiges Grabdenkmal zu beschaffen. Und dieselben Kreise, welche es nicht der Mühe werth erachtet oder welche gefürchtet hatten, sich zu compromittiren, wenn sie einen Beitrag zu dem Grabdenkmale des Juden Adolf Fisch Hof leisteten, dieselben Kreise erinnerten sich bei der Sammlung für das Prix-Denkmal plötzlich daran, daß die Juden für öffentliche Zwecke stets die Hand offen halten. Man lud hervorragende Juden in das Comite, und wieder haben wir Ursache, uns der Worte des antisemitischen Redacteurs Wilberg in Berlin zu erinnern: „Her mit dem Judengeld!" „Her mit dem Judengeld!" um das Andenken eines Mannes zu ehren, der ja — de movtuis nil nisi bene — dem Liberalismus und der liberalen Partei unschätzbare Dienste geleistet haben nmg, dem Liberalismus und der liberalen Partei allerdings, wiesie sich heute herausgebildet haben, für dessen Manen jedoch sich zu begeistern just die Juden keine sonderliche Ursache haben. Aber so v i e l für die Freiheit, so viel für den Glanz des Liberalismus in Oesterreich, so viel für unsere Verfassungsrechte wie Dr. Johann Nepomuk Prix, so viel hat doch wohl auch, sollte man meinen, Dr. Adolph F i s ch h o f gethan! Wir wissen immerhin die Ehre zu schätzen, welche man uns Juden damit erweist, daß man uns das Andenken Adolph F i s ch h o f's zu ausschließlicher Ehrung überläßt, und man soll sich in dem Vertrauen auf unsere Pietät auch durchaus nicht getäuscht haben; aber nicht ganz das gleiche Verständniß haben wir für die Ehre, die man unseren Glaubensgenossen durch die Berufung in das Prix-Denkmalcomite anthut, denn wir wissen ganz genau, aus^welchen Gründen diese Berufung erfolgte, und es wäre das auch ein Beitrag zur politischen Charakteristik unserer Tage gewesen, wenn wir der liberalen Partei hätten zurufen können': „Ihr habt uns unseren F i s ch h o f ü b e r l a^s f e n, wir überlassen E u ch E lH e n Prix!" Mit der Bitte, diesen Zeilen in Ihrem geschätzten Blatte, geehrter Herr Redacteur, eiri^Plätzchen zu gewähren, zeichnet mit ausgezeichneter Hochachtung Einer von Achtundvierzig. Mayer-Koppenheier und Spitzer-Weimar. Bor oem Grazer Landesgerichte stand dieser Tage der getaufte Jude Ignaz Mayer, der sich fälschlich den Namen Anton v. Koppenheier beigelegt hatte, des Betruges und der Veruntreuung angeklagt. Die Anklage bezeichnete ihn als „Journalist" und seine Antecedentien rechtfertigten diese Bezeichnung. Der getaufte Jude Ignaz Mayer gründete im Jahre 1885 in Wien mit dem gewesenen, wegen Betruges abgestraften Advocaten Benedict Backofen ein Journal unter dem Namen „Katholische Gesellschaft", welches an der Spitze die Marke trug: „Ch e fr ed ac teur (Arno) I. Mayer, ausgezeichnet durch den Segen Sr. Heiligkeit Leo XHL, vom 20. April 1883. Diese Episode aus der Vergangenheit des getauften Juden Mayer-Koppenheier hat eine ganz merkwürdige Aehnlichkeit nut der gegenwärtigen Thätigkeit eines anderen getauften Juden, des Herrn Spitzer-W ei mar, des Herausgebers der antisemitischen „Reichspost", der sich gleichfalls wiederholt mit dem päpstlichen Segen gebrüstet hat. Die Persönlichkeit des Herrn Spitzer-Weimar haben wir oft genug nach Gebühr charakterifirt. In Mayer-Koppenheier scheint Spitzer-Weimar sein Vorbild erkannt zu haben. Mayer-Koppenbeier wurde entlarvt, ein Schicksal, das dem Spitzer-Weimar allerdings nicht alsnachahmenswerthes Beispiel erscheinen mag. Aber die Gleichartigkeit der Bestrebungen dieser beiden getauften Juden ist immerhin eine bezeichnende Erscheinung und der päpstliche Segen hat da zur Deckungsehr bedenklicher Dinge dienen müssen. O diese Juden! Am 27. November 1892 wurde ein Verein zu Groß-Grillowih-Possitz (Mähren) unter dem Namen Kinder- und Greisen-Asyl „Maria Hilf" gegründet. Der erste Bericht dieses Vereines erschien mit 31. December 1694, erlaffen aus der Vereins-Kanzlei Groß-Grillowitz. In diesem Berichte heißt es auf Seite 4: ..Es drängt uns. den hochherzigen Wohlthätern. wie sie anruhend verzeichnet erscheinen, für die zu beglückenden Armen in Gottes Namen ehrerbietigst zu danken". Weiter unten: „Und so wahr, als die Füße des großen Propheten Elias wunderbare Fruchtbarkeit in das Haus der Witwe von Sarepta brachten und die Hand voll Mehl im Topfe und das wenige Oel im Kruge ob ihrer opferwürdigen That nicht abnahm, sondern die Ursache überstießenden Wohlstandes wurde, fo wahr wird Gort der Herr die Gabe, das Opfer segnen Dir und allen Deinen Nachkommen, daS Du hochherziger M-rnn. großmüthige Frau und vielgeliebtes Kind unserem schlichten Bemühen dargebracht hast". Auf Seite 6: „Ueber Wunsch und Anrathen vielerfahrener Persönlichkeiten zuerst für die Kleinen zu sorgen, haben wir nach den vom Znaimer Baumeister K. Wittek verfaßten Plänen mit dem Aufbau einer Kleinkinderbewahranstalt begonnen und selbe unter Dach gebracht, so daß im kommenden Frühjahre mit dem Anwurf fortgesetzt, bis Ende Mai dieser erste Theil unserer Sehnsucht wird zu Ende gefühlt werden. Zudem haben wir ein an obige Grundfläche anstoßendes Kleinhaus nimmt der dahingehörenden 2 Meter breiten Zufahrt von Josias Eisler aus Znaim und Jacob Spitzer aus Proßmeritz. in Anbetracht des wohlthätigen Zweckes, um nur 300 fl. erworben, welches Häuschen, nun im Garten der Kinderbewahranstalt an der Sonnenseite gelegen, für Krankenzimmer der Kleinen umgebaut, im Bedarfsfälle für diese verwendet werden wird". So die Juden! Nun folgt gleich darauf: „Nicht so billig kam dem Asylfonde die Scheuer des Ferdinand Dith alm zu stehen, welche mitten auf dem geschenkten Platze befindlich und niedergerissen werden mußte. Diese hat 600 fl. gekostet". So der Nichtjude! Auf Seite 7 heißt es: „So vereinigen wir uns denn Alle in Gottes Namen, die Kinder und Alten bitten darum herzinniglich und Jeder wende unter uns sein Vermögen, so gut er kann, zum Besten d:r Armen, seiner Brüder an, auf daß Ihr Kinder seid Eures Vaters, der im Himmel ist, der seine Güter ohne Unterschied unter alle Menschen austheilt". And sie vereinigten sich. Unter den im Berzeichniffe angeführten Wohlthätern, habe ich über 400 Juden gefunden. Gleich obenan 6 Abel es, weiter 17 K oh n und etwa 20 Lö wy; sogar einen Mero res, einen Herrn Stein Josef, der als jüdischer Cultus-B orst eh er angeführt ist und, o diese Ironie, im III. Abschnitte der Statuten heißt es: „Als ordentliches Mitglied des Vereines kann jeder Katholik ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht ausgenommen werden". Ich bin überzeugt, daß kein jüdischer Spender daran dachte, Mitglied dieses Vereines werden zu wollen, aber der