Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 11 (15.3.1895)
- Date
- 1895-03-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 194 —-- —>» -». »d jm, .■- Nr. 11 aller Meinungsdifferenzen mit dem Denker den Dichter Sacher- Masoch zu den genialsten der Gegenwart zählen. Er schaut Menschen und Dingen ins Herz, steigt in die Abgründe der Seele und schwingt sich in den Himmel ihrer Ideale auf.... Die dichterische Phantasie ist die wahre platonische Anamnesis, die in den geweihten Augenblicke» unmittelbarer Schaffenslust alle empfangenen Natureindrücke und inneren Seelenerfahrungen in sich verlebendigt und als Kunstwerk außer sich setzt." —nu. Die Gelehrten des Schönererblsites. Der Artikel „Zu den antisemitischen Excessen" in Nr. 7 der „Oesterreichischen Wochenschrift" scheint die im Solde Schönerer's stehende Antisemitengesellschaft an empfindlichster Stelle getroffen zu haben, denn die „Unverschämten Deutschen Worte" speien Gift und Galle. Ja, das Antisemitenblatt hat so ganz seine Besinnung verloren, daß es den braven Stampiglien-S ch n e i d e r mit seinem Schußgeld für Juden verleugnet und quasi die Mordthat Eichinger's mißbilligt. Und der Mann hat doch, wie es hervorhebt, einen „confessionslosen" Juden ermordet! Eichinger selbst, sagt es, ist „Religionsjude". — Wie! Habe ich recht gelesen? Also die Religion ist das Entscheidende. und nicht die Rasse? Und das sagt das Schönererblatt! So ändern die Antisemiten je nach Bedarf chre Grundsätze: Hat ein getaufter Jude etwas angestellt, dann ist die Rasse schuld, begeht ein zum Judenthum übergetretener Arier ein Verbrechen, dann ist die Religion schuld. Ich bin nur neugierig, wie das Blatt sich gegen die Gesellschaft der letztens ertappten Casseneinbrecher verhalten wird, die sämmtlich Christen und echte Arier sind, zum mindesten so rein arisch wie der Eickel Schmul Leb Kohlls. In_ dem kurzen Aussatze von ungefähr 120 Zeilen, wovon beinahe die Hälfte aus Cllaten aus der „Oesterreichischen Wochenschrift" besteht, entwickeln die „Deutschen Worte" nebenbei so viel Unwissenheit, wie ich sie selbst diesem Blatte nicht zugetraut hatte. Well ich mich über das kakophone Geschwätz der „Deutschen Zeitung" mit ihrer Verschwendung von Zischlauten lustig gemacht habe, schimpft das Blatt aus den „MMschel" und wirft den Juden vor, daß sie die deutschen „S, St, Z oder Tz" aus „rasseneigenthümlicher Unbeholfenhell" (zwei Worte von zusammen zwölf Sylben! — es ist entsetzlich, wie diese teutschen Zeitungen mll der deutschen Sprache umgehen) nicht aussprechen können. Nun, es gibt Leute, welche behaupten, daß der „Jude" Sonnenthal das Deutsche besser ausspreche als der biedere G r e g o r i g, ja selbst besser als der Pacher mit der Donnerstimme. Aber, selbst von der Aussprache abgesehen, scheint es, daß der antisemitische Kläffer nur sehr MMgelhaften Unterricht in deutscher Sprache und Stylistik genossen hat, und für seinen Aufsatz hätte er wohl eine schlechte Note in der Volksschule bekommen. Wir möchten ihm daher empfehlen, sich nachträglich rroch einige Schulbücher anzuschaffen und in den Mußestunden darin nachzulesen. Er würde z. B. in Hurtells Grundriß der Aussatzlehre з. Auflage S. 119—122 als Fehler gegen den Wohlklang Mfgesührt finden das zu häufige Wiederkehren ähnlich lMtender Buchstaben, wie: die „entgegengesetzten Erfolge" и. dgl. Und JohMnes Minckwitz tadelt in seinem Lehrbuch der deutschen Prosodie und Metrik S. 90 die unaussprechlichen Verse deutscher Dichter und Uebersetzer, welche chre Verse blos geschrieben, nicht aber sich Mch lMt vorgesagt haben. „Denn wäre Letzteres geschehen, so würden sie über das Summen, Zischen und Poltern der zusammengeschobenen Consonantenberge gestutzt und die Feder fleißiger abgeschliffen haben". Schließlich empfiehlt Minckwitz „Aufmerksamkeit darMf zu verwenden, daß wll nicht solches Töne über die Zunge drängen, deren Mißlaut Mch unser hartgewöhntes Ohr zerreißt, wenn wll nicht taub sind". Das Zerreißen wäre bei langen Ohren noch sorgfältiger zu vermeiden und die Antisemitenblätter sollten deshalb beonders vorsichtig sein. Aber wie kann man gutes Deutsch von einem Blatte erwarten, das von einem Schreiber mll dem echtmagyarischen Namen I r o „schristgeleitet" wird. Auch in der englischen und italienischen Literatur sind die „Deutschen Worte" sehr bewandert; nur schöpfen sie ihre Gelehrsamkeit aus — Druckfehlern. Ich habe in meinen obenerwähnten Artikel die anglo-italienische Schriftstellerin Jessie White-Mario, eine Christin, citllt, aus welcher - beim Abdruck in der „Oesterreichischen Wochenschrift" durch einen Druckfehler Jessie Willorio geworden ist. Die „Deutschen Worte" machen daraus, damit der Name jüdischer klinge, Miller und schimpfen nun ftisch auf die „englische I ü d i n" Millerals ob sie ganz genau wüßten, daß diese Miller, die gar nicht existirt, eine Jüdin ist. Was wird Mechanikus Schneider dazu sagen? Anstatt Juden zu ersäufen oder zu erschießen, schaffen die „Unverfälschten" aus Nichts eine Jüdin 1 Und da wir von Druckfehlern sprechen, sei noch der Bericht eines deutschen Blattes über die Generalversammlung des Bundes der Landwirthe in Berlin am 18. Februar erwähnt. Darin heißt es unter Anderem: „Herr v. Ploetz brachte unter Anderem eine Reihe von Begrüßungstelegrammen zur Verlesung, unter diesen auch eines von dem Reichsrathsabgeordneten Dr. v. Schönerer aus Wien". Da es nicht anzunehmen ist, daß der biedere Ploetz falsch vorgelesen oder der deutsche Mann Schönerer falsch unterschrieben habe, so müssen hier drei Druckfehler vorliegen. Möglich ist es auch, daß Schönerer vergessen hat, daß er zum Verluste des Adels verurtheilt wurde und daß er sich mit prophetischem Geiste schon als Reichsrathsabgeordneten sieht. Aber das „Dr"! — Welche Universität hat ihm das Doctordiplom verliehen? N. Vom Jahrmarkt des Lebens. Das Gitterthor des Baron Rothschild. Die Firma Albert Milde & Comp., Wien, III., Untere Biaductgafse 35, sendet uns in Bezug auf die Notiz in Nr. 8 unseres Blattes auf Grund des § 19 des Preßgesetzes nachstehende Berichtigung: „Wir haben — zu unserem Bedauern — ein prachtvolles Gitterthor für Baron Rothschild weder in Bestellung, noch in Arbeit. Der Arbeiter Jul. Winteriing war bei uns durch 8 Tage, u. zw. in der Brückenbau-Anstalt, nicht in der Kunstschlosserei, bedienstet und mußte, da er sich als völlig ungenügend erwies, entlassen werden. Es sind bei uns laufend und auch jetzt eben mehrere jüdische Arbeiter in Diensten. In vollster Hochachtung Albert Milde & Comp. Vorstehende Berichtigung klammert sich an das „G itterth or", welches derzeit für Baron Rothschild bei der Firma Milde & Comp, nicht gearbeite wird. Es handelt sich eben um andere Schlosserarbeiten, welche für Baron Rothschild bei der genannten Firma bestellt sind. Julius Winterling hat sich eine große Fahrlässigkeit allerdings zu Schulden kommen lassen. Er war unvorsichtig bei der Auswahl seiner Eltern. Daß bei der Firma Milde & Comp, „stets mehrere jüdische Arbeiter laufend in Diensten sind", wurde von uns zugegeben und bedurfte somit keines § 19. Wll wissen, daß die geehrte rUrma stets bestrebt ist, ihre jüdischen Hilfskräfte „aus dem Laufenden zu erhalten." Die Sympathien, welchen sie in ihrer Berichtigung für die jüdischen Schlosser Ausdruck gibt, erstrecken sich auch auf die jüdischen Lehrlinge. Dieselben werden schleunig, sobald der Defect ihrer Geburt bekannt wird, laufend, d. h. entlassen. Gerne sind wir bereit, den Herren Milde & Comp, jede publicistische Satisfaction zu gewähren, wenn sie uns die Namen derjenigen jüdischen Lehrlinge gütigst mittheilen wollten, welche bei ihnen in den letzten fünf Jahren ausgelernt haben. Jm anderen Falle sind wir ebenso gerne bereit, ihnen mit den Namen Derjenigen aufzuwarten, die entlassen wurden, nachdem man ihre Zugehörigkeit zum Judenthume erfahren hatte.