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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-03-15 · 11 (15.3.1895) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
11 (15.3.1895)
Date
1895-03-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 192 Vrstervetchtphr Wmhensthrkst rief: „Hoch Vergani! H o ch d i e G e r e ch t i g k e i t! Wo wir sind, da geht es gerecht zu!" Vergani seinerseits prahlte, daß ihm „der Psa-ss e habe a b- Mitten m ü f f e n". Vergani ließ dann in begeisterten ^.rmksprüchen seinen Zeugen Mang leben, „dem der gute Ausgang des Processes zu verdanken sei". * * Kaum war der geklagte Pfarrer R u p e r t s b e r g e r in Begleitung des Mühldorfer Bürgermeisters nach Hause gekommen, als sich die Beiden durch nochmalige Einsicht in die Rechnungen und Cassejournale die unwiderlegliche lieberzeugung verschafften, daß dem- Vergani thatsächlich sieben und nicht sechs Obligationen von Josef Möhr übergeben wurden und daß unter Bergan i's Bürgermeisterschaft thatsächlich eine Obligation spurlos verschwunden sei, daß demnach der Zeuge Vergani s, Johann Mang, falsch geschworen habe und daß auf Grund dieses falschen Eides dem Vergani die Erklärung des Pfarrers zu Theil geworden ist. Schon am folgenden Tage erstattete der Bürgermeister von Mühldorf beim k. k. Bezirksgerichte irr S p i tz gegen Johann Mang, den Zeugen Bergani's, die Strafanzeige w e g e n Meineides. Am 16. December gestand I o h ann M ang unter T hr än en ein, falsch geschworen zu haben, behauptete j ed o ch, s ich n u r „geirrt" z u h a b e ir. Josef M ö h r, der noch am Leben befindliche Erleger der Obligationen, wurde gleichfalls einvernommen und sagte mit voller Bestimmtheit aus, dem Bürgermeister Vergani im Ganzen sieben Stück 100 fl.-Notenrenten behändigt zu haben, und zwar erst vier, dann, zwei Jahre nachher, drei Stück. Josef Möhr hatte sich auch die Nummern der Renten ausgeschrieben und erklärte, d a ß d i e heute erliegend e n O b l i g a t i o n e n n i ch t d i c v o n ihm erlegten s e i e m V e r g a n i's Bemühungen, den Joses M ö h r als geistesschwach hinzustellen, erwiesen sich als eitel. Am 7. Jänner 1895 wurde nun auch Vergani beim Bezirksgerichte Spitz verhört u n d nun ko n n t e c r sich erinnern, daß er sieben u n d nicht sechs Obligationen vom Möhr-Pepi erhalt e u h a b e u n d d a ß w i r k l i ch e i n e O b l ig a t i o n verschwunden sei, suchte jedoch durch die Bemerkung, daß damals der Secretär Bartl (der im Grabe ruht) die Rechnungen führte, die Schuld auf den Todten abzuwälzen. Vergani erklärte sich bereit, die fehlende Notenrente zu ersetzen. Bis zur Stunde hat Vergani keinen Kreuzer ersetzt. Es ist bis jetzt erhoben, daß Ms der Zeit, während Vergani Bürgermeister von Mühldorf war, 565 fl. Gemeiudeumlageugelder fehlen. Bezüglich eines Betrages von 400 fl. find die Erhebungen noch im Zuge, ob die betreffenden Umlagen von Vergani selbst, oder vom Gemeindesecretär Bartl in Empfang genommen worden sind. Jedenfalls ist Vergani verantwortlich und haftbar. Hingegen ist nt it voller G e w i ß h eit feftgestellt, daß Ernst Vergani von verschiedenen G e m e i n d e m i t g l i e d e r n von Mühldorf G e m e i n d e u m l a g e n von zusammen 165 Guldeu persönlich empfangen, den Empfang in deren U m l a g e b ü ch e ln mit seiner Unterschrift bestätigt hat, daß aber diese Empfänge nicht gebucht sind und daß das Geld bis heute in der Gemeindecasse fehlt. Vergani hat bis heute keinen Kreuzer Ersatz geleistet. Damit schließt die „Ostdeutsche Rundschau" ihren Bericht über den „Ehrenbürger" von Mühldorf, der von Rr. 11 Franz Arno sch t, Wien, XV>Il/,, Gentzgasse 65, unterzeichnet ist. Herr Vergani bleibt die Antwort nicht schuldig. In einem Schreiben an den Landesausschuß Dr. Josef Kopp erklärt er sich bereit, den desraudirten Betrag „auf jeden Fall" zu ersetzen, wenn man ihm die Ziffer namhaft macht. Er selber erinnert sich nicht und hat „keine amtliche Verständigung in dieser Beziehung erhalten". Und Prinz Liechtenstei n, der Cavalier und Offieier, ist bei dem Blatte dieses sauberen Berg an iw — Mitarbeiter. Rektor Lauern; Müllner über Sacher-Masoch. (Ein Nachruf.) Nicht ohne schmerzvollen Antheil wird die gebildete Welt vernommen haben, daß ein vielbewunderter und daher auch viel angefeindeter Schriftsteller, daß Sacher- Masoch zu den unheilbaren Geisteskranken zählt. Rasch darnach traf die Trauerkunde ein, daß er im Jrrenhause gestorbem Er gehörte mit zu den bestgehaßten europäischen Persönlichkeiten, und ein gut Theil dieses Hasses hat er sich, der Christ, als beredter Anwalt des galizischen Judenthnms, für das er alle Zeit mit bewundernswerther Selbstentäußerung eintrat, zugezogen. Wir dürfen sagen, daß er auf diesen Haß stolzer war, als auf die begeistertsten Lobeshymnen, die seinem seltenen und reichen Talente gesungen wurden und an denen es ihm gleichfalls nie gemangelt hat. S a ch e r - M a s o ch war — es liegt eine erschütternde Tragik in dem Jmperfectum des Nekrologs — eine der markantesten Erscheinungen des modernen, deutschen Schriftthums. Gewiß werden wir nicht Alles gut heißen, was er im Verlaufe einer langen Thätigkeit veröffentlicht hat. Es befindet sich darunter Manches — Vieles — zugegeben s e h r Vieles, was besser sorglich in seinem Pulte bewahrt oder noch besser ungeschrieben geblieben wäre. Doch die weitaus größere Halste seiner Arbeiten sind Kunstwerke reiner und edler Art, wie solche zu schaffen nur dem Genius vergönnt sind. Seine Schriften sind keineswegs,wie „Grün-Deutschland" behauptet, blos für den Pornographen und den Irrenarzt interessant. Leute, welche von Poesie nicht mehr verstehen, wie der Antisemit vom Talmud, weisen ihn heute schon in die literarische Leichenkammer. Doch dem ist nicht so. Wer nur einige wenige seiner vollendeten Gebilde — „Die Mondnacht" oder den „Don Juan von Kolomea" — gelesen, dem muß es nach den ersten Seitenschon klar geworden sein, daß eres hier mit einem Erzählertalent vornehmsten Ranges gu thun hat. — Kein Geringerer als Paul H e y s e, der doch wahrlich berufen ist, in literarischen Fragen mitzureden, der insbesonders auf dem Gebiet der Novelle wenige Rivalen zu scheuen braucht, hat sein seltenes Talent, seine eigenartige, dichterische Veranlagung neidlos anerkannt und gewürdigt. Im Zuspätkommen liegt nicht nur ein komisches, sondern weit öfter ein tragisches Motiv. Ein solches Verhängniß scheint auch hier wieder einmal obzuwalten, denn fast gleichzeitig mit der Trauerknude erschien ein Buch von Rektor- Laurenz M ü l l n e r, „Literatur- und kunsthistorische Studien" betitelt. '.Dieses überaus lesenswerthe, geistsprühende und anregende Werk, das nicht für den Tag geschrieben ist und wohl auch schwerlich vom Tage gewürdigt werden wird, enthält feine, ästhetisirende Aufsätze über Goethe, Shakespeare, Lord Byron und über einige moderne Geister, welche durch ihr Wirken der literarischen Physiognomie unseres Zeitalters ihren eigentlichen Charakter verliehen haben. Zu diesen zählt nach Rektor Müllner auch Sacher-Masoch.

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