Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 10 (8.3.1895)
- Date
- 1895-03-08
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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Seite 18s Vesterretchiptze Wmtzenfttzrtst Wien. Der israel. Humanitäts-Verein für den X. Gememdebezirk Wiens veranstaltet wie alljährlich einen Wohlthätigkeits-Ball, aus dessen Reinerträgniß wahrhaft arme, im X. Bezirk wohnende Familien betheilt werden sollen. In Anbetracht des Humanitären Zweckes, sowie der wahrhaft großen Nothlage der in diesem Bezirke zahlreich wohnenden armen Familien ist eine Unterstützung des Unternehmens wärmstens zu empfehlen. Der Ball findet am 10. März in Rappel's »Rosensäle" Favoriten, statt. Karten sind zu haben beim Obmann der Bereinsleitung D. W e i ß, X., Wielandgasse Nr. 16, und beim Obmann des Ballcomites M. Polacek, X., Q, u e l l e n p l a tz Nr. 5. Wie«. (Akademischer Verein „Gamal a".) Samstag den 3. März hielt das Mitglied des Vereines »tack, pdil. u. theol. Landau einen Vortrag: „Salomon Kohn — Literaturbilder". Vorher hatte der Vicepräses des Vereines sind. xbil. Korn den Manen des englischen Parlamentsmitgliedes d'Avigdor, des Vicepräses vom Londoner Zionverein, einen wirkungsvollen Nachruf gehalten. Ltuä. pbil. u. theol Landau feierte den Schriftsteller Salomon Kohn als einen der ersten und bedeutendsten Bahnbrecher der jüdischen Literaturrenaiffance und beleuchtete kritisch einige seiner lyrischen und dramatischen Werke, die mit den besten Erzeugnissen moderner, fremdsprachiger Poesie einen Vergleich aushalten könnten. Referent wies ferner auf die Bedeutung Salomon Kohn's auf dem Gebiete der Geschichtsforschung hin und hob hervor, unter was für mißlichen materiellen Verhältnissen sich unser Dichter seine Lorbeeren erringen mußte. An dieses erste Referat schloß sich ein Bortrag des «md. meä. Siegmund W. an, der den Inhalt einer bekannten antisemitischen Broschüre einer scharfen Kritik unterzog und nachwies, auf was für schwachen Beinen all diese tiefsinnigen, judenfeindlichen Anschuldigungen ruhten. Werthvolle Ergänzungen zu diesem Thema lieferten die Ausführungen der Bereinsmitgliedcr Ml B e r k o w i tz, weä. Wolf, med. Roth, med. ® o I b ft e i n, jor. Dawid. Beide Referate ernteten reichlichen, verdienten Beifall, irr. Wie«. Die Chewra-Kadischa im Bezirke Sechshaus hat aus Anlaß ihres 30jährigen Bestehens am Montag den 4. März 1895, V26 Uhr Abends, im Cultus-Tempel Fünfhaus eine Gedenkfeier abgehalten. Se. Ehrwürden Herr Dr. T a g l i ch t hielt eine' ergreifende Predigt über die Pflichten von Chewra-Mitgliedern und über Humanität und Menschenfreunde. Herr Ober-Cantor Stern hat in ergreifender Weise die Psalmen und Gebete zum Vortrag gebracht. Bei diesem Anlässe wurde den seit dem Bestehen der Chewra verstorbenen GÄndern und Mitgliedern gedacht und hat der gesammte Vorstand für dieselben das Kadischgebet verrichtet. Wien. Samstag den 16. d. M. wird in der „Jüdischen academischen Lesehalle" die erste Discussion über das Thema: „Unsere Perspective in die Zukunft" abgehalten. Beginn 7 Uhr Abends. Prag, 4. März. Am 14. März feiert der durch seine zahlreichen Romane und Novellen als hervorragender Schriftsteller rühmlichst bekannte S. K 0 h n seinen siebzigsten Geburtstag. Eine Würdigung der reichen schriftstellerischen Thätigkeit Kohn's würde eine besondere Studie erfordern, und hier soll nur hervorgehoben werden, daß er in seinem ganzen literarischen Schaffen die Verherrlichung des Judenthums und die Ehre des jüdischen Volkes im Auge hatte. Kiddusch Haschem zu machen, das war das Grundmotiv, welches ihn in allen seinen Schriften leitete. Aber nicht nur durch seine Schriften hat Ko h n Kiddusch Haschem gemacht, sondern auch durch sein Leben als Mensch und Jude. Bon streng conservativ-religiöser Gesinnung und gründlichen talmudischen Kenntnissen, lag ihm besonders am Herzen, die alten Traditionen in der Prager Gemeinde zu erhalten. Nach dieser Richtung hin entfaltete er in der Gemeinderepräsentanz, deren Mitglied er seit 37 Jahren ist, eine sehr fruchtbringende und segensvolle Thätigkeit. Biele alte Institutionen verdanken einzig und allein ihm ihr Fortbestehen, unter welchen ich nur die vor mehr als einem halben Jahrhundert gegründete Schass-Chewra, deren verdienstvollstes Mitglied er ist, nenne. Bei der hohen Verehrung, welcher S. Kohn sich allgemein erfreut, ist es selbstverständlich, daß sein 70. Geburtstag zu einem schönen Ehrentag für ihn sich gestalten wird. Der Borstand des Vereines „Afike Jehuda" hat damit den Anfang gemacht, indem er Kohn zum Ehrenmitglied ernannt hat und Nr. 10 auch am 16. März zur Feier seines 70. Geburtstages einen Festabend abhalten wird. Möge dem hochverehrten Jubilar ein reichgesegnetes Alter beschieden sein, wie sein ganzes Schaffen und Wirken ein reichgesegnetes war. Rabbiner Dr. N. Grün. M.-Kromau. Montag den 16. Februar fand die con- 'tituirende Sitzung des neugewählten Ausschusses der hiesigen israelit. Cultusgemeinde statt. Zum Präses wurde Herr Max Glüxmann gewählt. Derselbe erfreut sich wegen seiner menschenfreundlichen Gesinnung und seiner Wohlthätigkeit in unserer Gemeinde einer großen Beliebtheit und wird von Allen die mit ihm in Berührung stehen, verehrt. Ferner wurden gewählt: Herr Eduard Deutsch zum Vicepräses. Doctor Heinrich Fröhlich und der Senior des Ausschusses Herr Max Weiß zu Beiräthen. In den Ausschuß wurden berufen: die Herren Leopold Kaufmann, Johann Kaufmann, Michael Tandler, Josef Blum und Heinrich Glüxmann. Sämmtliche Herren sind von dem festen Willen beseelt, durch eine uneigennützige und opferfreudige Thätigkeit der Gemeinde zu dienen. Dukta. Dienstag den 12. März findet hier die Trauung von Fräulein Franziska Goldhammer, Tocht.r des Herrn -Moriz Goldhammer, mit dem Bankbeamten Teofil Bergwerk aus Drohobycz statt. Pilsen, 3. März. Einen unvergleichlichen Eindruck hinterließ das Concert, welches der Elavierkünstler Herr Roderich Baß unter gefälliger Mitwirkung des Herrn Franz S i m an dl, Professor am Wiener Conservatorium, im hiesigen, deutschen Schauspielhause am 23. Februar veranstaltete. Vor einem mit Andacht lauscheuden Publicum spielte der Künstler Beethoven's „Sonate^ Op. 10, Beethoven's „Variationen" C-MoU* Robert Fischhof's „Valse de Concert“ vee-vur, Rubinstein's „Tarantella" G-Moll Op. 14, ein „Impromptu" Es-Dur, eigener Composittion (Manuskript) eine „Nocturne" von Chopin und außerdem einen vom Concertgeber compvnirten ungarischen Tanz (als Zugabe.) Herr Baß hatte einen glänzenden Abend. Agram. Am Sabbath Schekalim feierte Oberrabbiner Dr. H. Jacobi die Verdienste des Lectors I. H. Weiß in einer schur.gvollen Predigt, die einen tiefen Eindruck zurückließ, Am 7. Adar, da gedachte der Oberrabbiner in seiner Rede der Heimgegangenen jüdischen Gelehrten Dr. David Rosin und Dr. Alexander Kohut, deren Leben und Wirken im Dienste der jüdischen Wissenschaft der Redner zeichnete. London, am 24. Februar 1895. Die seit 30 Jahren bestandene Goldstein's Restauration 5 Blomfield Street London Wall E. e. ist seit einem Jahre von Frau Regina D e u h 0 f käuflich übernommen worden. Frau D e u h 0 f ist die Wittfrau des Herrn Louis D e u h 0 f, der über 25 Jahre Ehrensecretär der ersten deutsch-jüdischen Gemeinde (german Sinagogue) war. Wir empfehlen unseren Glaubensgenossen diese Restauration auf's Wärmste. S. G. Riga. Fräulein R 0 s a L i f s ch i tz, die Tochter des Stadtrathes Herrn Lifsch itz in Riga, hat sich mit Herrn Dr. Michael Pewsner in Smolensk verlobt. Paris. Inder Kammer wurden bei derBudgetberathung die für jüdische Cultuszwecke ausgesetzten Beträge ohne Aenderung angenommen. Die votirten Summen sind 133.520 Frcs. für das Cultuspersonal (Grand-Rabbins, Rabbins und Ministres Officiants) und 20.000 Frcs. für das Seminar. Unter dem Titel Synagogenbauten — worunter auch die Subventionen für protestantische Kirchen inbegriffen sind — wurden 58.000 Frcs. votirt. Das Grabdenkmal für den verstorbenen Grand-Rabbin M. Isidor, dessen Kosten im Wege einer öffentlichen Subscription aufgebracht wurden, ist eben jetzt, sechs Jahre nach dem Ableben des Grand-Rabbin, vollendet worden. Baronin Salamon de Rothschild übersandte 25.000 Frs. an die Maires der verschiedenen Districte von Paris zum Ankauf von Heizmaterial für die Armen. Zum gleichen Zwecke widmeten die Brüder Rothschild eine zweite Spende von 20.000 Frcs. Jerusalem. Herr Theodor I p p e n wurde zum österr.- ung. Consul in Jerusalem ernannt. Es ist dies das erste Mal, daß ein Jude mit der Vertretung einer europäischen Macht in Jerusalem betraut wurde.