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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-03-08 · 10 (8.3.1895) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
10 (8.3.1895)
Date
1895-03-08
Page
– (sequence 18)
Language
German
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VN—VW-SMW Sette 184 Vestrrretchifchr Nun aber hat über Recurs des Letzteren das Appellgericht in Wiener-Neustadt Fraunzl gänzlich freigesproch e n, dagegen den Karl Schmidt zu zweihundert Gulden Geldstrafe sowie zum Ersätze per Kosten verurtheilt und überdies ausgesprochen, daß Schmidt, falls er innerhalb der nächsten 3 Jahre sich einer thätlichen Ehrenbeleidigung schuldig machen sollte, nicht mehr zu einer Geldstrafe, sondern zu Arrest zu verurtheilen sein werde. Dem „Boten aus dem Wienerwald", der immerfort schreit, die Judenblätter vertuschen alle ihnen unangenehmen Affairen, hat das Urtheil des Wr.-Neustädter Appellgerichtes die Rede gänzlich verschlagen und er unterschlägt dieses Urtheil mit einer Vollständigkeit, die beweist, wie trefflich der brave Vergani schon Schule gemacht hat. Chybi (Ein Beitrag zum Antisemitismus bei der Nordbahn.) Die „Oesterreichische Wochenschrift" hat vor Kurzem einen vortrefflichen Artikel über den unter den Beamten der Nordbahn herrschenden Antisemitismus gebracht. Ich erlaube mir. im Nachfolgenden einen kleinen Beitrag zu diesem in mehr als einer Hinsicht interessanten Eapitel zu liefern: Am 26. Februar d. I. wurde Jeder, der auf der Nordbahn-Station C h y b i erschien, von dem diensthabenden Beamten mit der Frage überrascht: „Sind Sie ein Iud'?" Der die Frage verneinte, wurde von dem Verkehrsbeamten eingeladen, in die Kanzlei einzutreten, wo auf einem Tische mehrere Gläser mit Bier standen, und mit 1—2 Glas tractirt. Ein anderer Bahnbediensteter, der in die Kanzlei kam, wurde gleichfalls nach seiner Confeffion gefragt, und als er erklärte, er fei Christ, meinte der diensthabende Telegraphist: „Sie haben ein jüdisches Gesicht!" Die „Hetz" dauerte so lange, bis sich der Caffier darüber bei dem Stationsvorstande beschwerte, da er sonst gezwungen wäre, die Caffa zu sperren. Der Vorstand that seine Pflicht und befahl, die „Hetz" einzustellen, worüber jedoch der Urheber derselben laut seinen Aerger kundgab. Nette Zustände das, nicht wahr? W. Budapest. (Borlese-und Discussionsabend.) Im Prachtsaale der Pester israelitischen Religionsgemeinde'eröffnete Samstag Abends Rabbiner Dr. Sam. Kohn den diesjährigen, mit Discuffion . verbundenen Vorlesechklus der un g a r is ch-israeliti sch-lite r arischen Gesellschaft. Der gelehrte Verfasser der Geschichte der Juden in Ungarn entwarf ein packendes Bild von der Vergangenheit der Juden in diesem Lande, die ebenso reich und mannigsaltig ist, wie die Geschichte Ungarns selbst. Dr. Kohn führte eine Reihe archäologischer Denkmäler vor, Münzen aus dem UV. Jahrhundert mit ungarischer Aufschrift und einem hebräischen „Schin" oder „Aleph" (v^rmuthlich Zeichen der jüdischen Eigenthumer der Prägeanstalten); ein Schwert aus demselben Jahrhundert mit einer hebräischen Aufschrift (Eigenthüm des Grasen Emanuel A n d r a s s y). Grabschristen von ungarischen Juden aus dem XHI. Jahrhundert, die alle eine beredte Sprache führen, aus der sonnenklar hervorgeht, daß in Ungarn schon vor vielen Jahrhunderten Juden heimisch waren und zu gewissen Perioden hervorragende Stellungen einnahmen. Der Rabbi schloß seinen überaus intereffanten, einstündigen Vortrag mit der Aufforderung an die leitenden Persönlichkeiten, in Ofen, wo vor Kurzem der älteste jüdische Friedhof aufgedeckt wurde, möglichst bald Nachgrabungen vornehmen zu lasten, denn diese Stätte birgt gewiß werthvolle Denkmäler, wahre Schätze für die Geschichte der vaterländischen Juden sowohl, als fürdie Geschichte des Vaterlandes selbst. — Den Dank der zahlreichen Zuhörerschaft für die lehrreiche und schone Vorlesung verdolmetschte der Mitpräsident der Literaturgesellschaft, kön. Rath Dr. Philipp Wein mann, der sodann an die Verlesung der in den Briefkasten der Gesellschaft hinterlegten Fragen ging. Eine dieser Fragen führte zn einer fast einstündigen. außerordentlich animirten und interessanten Discuffion, aa der sich außer dem Präsidenten Dr. Samuel Kohn, Seminarprofeffor Dr. Ludwig Blau. Präparandieprofeffor Dr. Samuel Kraus. Religionsprofeffor Dav. Schön, Literat Chaim Poll ak und der Fragesteller selbst: Max Szabolcsi, Redacteur ves „Egyenlösfig", betheiligten. Der Inhalt der anregenden Frage lautet: Wie kommt es, daß die Namen der Patriarchen und der großen Gestalten der Bibel nur von je einer Person geführt wurden? Wir finden nirgends in der heiligen Schrift verzeichnet, daß Jemand aus den späteren Geschlechtern seinem Kinde den Namen Adam. Non, Abraham, Moses, Aron, Johna, David, Sara u. s. w. gegeben hatte? Ueberhaupt wiederholen sich in der heiligen Schrift die Namen der Borfahren nicht ein einziges Mal, während wir unter den hervorragenden Gestalten der n achbibIrschen Periode, und zwar gleich unter den ersten, ähnliche Wiederholungen finden. So hießen die Makkabäerbrüder Juda, Simon, Jonathan und Eteasar. Die aufgeworfene Frage wird wohl den Gegenstand auch noch einer zweiten Discuffion bilden. Wschrnptzrtst Nr. 10 Berlin, 24. Februar. Der Stadtverordnete Louis Sachs und seine Gattin sind vom Verein für jüdische Krankenpflegerinnen, dem sie, wie bereits mitgetheilt, ein Grundstück zur Errichtung eines Schwesternheims gespendet, in der Generalversammlung am 17. d. M. zu immerwährenden Ehrenmitgliedern ernannt worden. Die satzungsgemäß ausscheidenden Mitglieder des Vorstandes wurden einstimmig wieder gewählt. Einige Anträge auf unwesentliche Statutenänderungen wurden gleichfalls einstimmig angenommen. Karlsruhe, 26. Februar. Bei der am 22. d. M. stattgehabten Wahl der weltlichen A b g e o r d n e t en zur israelitischen Landessynode wurden als solche gewählt in den Wahlbezirken: I. E. Rothschild, Vorsteher und Bezirksältester in Konstanz, II. B. H arburger, desgleichen in G a i l i n g e n, III, S. Bloch, desgleichen in S u l z b u r g, IV. B. Dukas, desgleichen in Freiburg, V. H. Epstein, desgleichen in Eichstetten, VI. D. Dreifuß, desgleichen in Offenburg, VII. D. M. Wertheimer, desgleichen in B ü h l, VIII. Leopold Ettlinger und Fritz Hamburger, Mitglieder des Synagogenrathes in Karlsruhe, IX. Louis Marx, desgleichen in Bruchsal, X. Dr. M. Friedberg, Rechtsanwalt in Karlsruhe, XI. S. Netter, Vorsteher und Bezirksältester in Heidelberg, XII. H. H a l l e, Vorsteher in Hockenheim, XM. D. K a h n, Rechtsanwalt Dr. Hachenburg, Julius Ettling er, Mitglieder des Synagogenrathes in Mannheim und Dr. N. Stein, Großh. Landgerichtsrath in Karlsruh e, XIV. B. Herzberger, Vorsteher in Breiten, XV. G. O p p p e nh ei m e r. Vorsteher in Neckarbischofsheim, XVI. E. Sp i e g el, Rechtsanwalt in Tauberbischofsheim. Bon den Genannten dürften Harburger, Wertheimer und Julius Ettlinger als An- Hänger der orthodoxen Richtung. Dr. Friedberg als wild, alle Uebrigen als liberal zu bezeichnen sein. Das Ergebniß der Wahl der fünf geistlichen Abgeordneten wird erst am 28. d. M. bekannt. Die Synode selbst wird am 18. März eröffnet. Wir begrüßen diesen Ausfall der Wahl mit aufrichtiger Genugthuung. Fürth, 24. Februar. Der älteste Mann hiesiger Stadt und der Nestor der baierischen Aerzte, Herr Dr. Moritz Weichselbaum, ist im Alter von 93 Jahren am 13. d. M. gestorben. Am 23. Jänner 1802 in Pretzfeld geboren, eröffnete er am 5. Februar 1829 die ärztliche Praxis hier und übte sie bis vor wenigen Jahren ununterbrochen in hiesiger Stadt aus. Er war 54 Jahre Armenarzt und bis an sein Lebensende körperlich und geistig frisch. Einige Tage vor seinem Tode theilte er seiner Familie und der Chewra mit, daß er sein Ent e fühle, erbat sich den zeitweisen Besuch der letzteren und starb in deren Anwesenheit. Braila. (BernhardMend l.) Die hiesige israelitische Cultusgemeinde trauert über das Ableben eines ihrer hervorragendsten, edelsinnigsten und menschenfreundlichsten Mitglieder, des Herrn Bernhard Men dl, welcher die Ehrenstelle eines königlich schwedisch-norwegischen Consuls, eines Ehrenpräsidenten des Kranken- und Leichenvereines „Cremienx", eines Ehren- Mitgliedes der „Chewra-Kadischa" und noch anderer wohlthätiger Vereine einnahm und vom König Karol I. mit dem Orden „Stern von Rumänien" ausgezeichnet war. Alljährlich spendete er bedeutende Summen für jüdische Zwecke, so für die Schwarzmann'sche Schule 500 Frcs., für den Tempel 300 Frcs., für Bekleidung der armen Schüler ohne Unterschied der Confeffion 200 Frcs. Im Jahre 1884, als das neue Hausirgesetz viele israelitische Familien in's Elend stürzte, sammelte er 7000 Frcs. und stellte seine eigenen Schiffe zur Verfügung, um den Armen das Answandern zu ermöglichen. Als im Jahre 1886 der israelitische Friedhof durch den Bahnbau zerstört wurde und die israelitische Gemeinde sich gezwungen sah. einen Gottesacker zu kaufen, für welchen die Primarie 30.000 Frcs. verlangte, schenkte er der Chewra-Kadischa 5000 Frcs. Oft pflegte er in den niedrigsten Hütten zu erscheinen und den Noth- und Hungerleidenden hilfreiche Hand zu bieten. Mit einem Worte, er war Vater der Waisen und Witwen. Als sein Hinscheiden bekannt war, waren die Consulats-Flaggen balbtop gehißt, der israelitische Tempel und die Schule schwarz beflaggt. An dem Leichenzuge nahmen ein Oberstlieutenant mit einer Abtheilung Soldaten und die Ortsbehörde theil. Dem Zuge voran gingen die Schulkinder mit den Lehrern, zur Rechten des Todtenwagens gingen der k. k. österr.-ungar. Consul, Herr Mahr Wechsler, der Präsident der Schule Schwarzmann und

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