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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-03-08 · 10 (8.3.1895) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
10 (8.3.1895)
Date
1895-03-08
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 189 Veflerrelchtptzr WochrnsthrM Nr. 10 durch ihren Rechtsanwalt Dr. Heinrich Singer dem Abhandlungspfleger und Vertreter des Universalerben Dr. Heinrich Steg er erklären lassen, daß sie das Universalerbrecht, resp. die Erbwürdigkeit ihres Bruders Hermann Freiherrn v. Königswarter im Proceßwege anfechte und die Entscheidung des ordentlichen Gerichtes darüber anrnfen werde, ob Freiherr Hermann v. Königswarter durch seinen Glaubenswechsel nicht erbsunwürdig geworden ist, und zwar im Grunde des § 709 b. G. B. Als Grundlage des Erbschastsproceffes dient der Klagesührenden nachstehende Stelle im Testamente des Erblaffers. „Im Laufe der Zeilen — so lautet diese Stelle im Testamente des Freiherr» Moriz von Königswarter — seit meiner Kindheit bis zur Gegenwart, hat sich eine radicale Aenderung in allen religiösen Anschauungen vollzogen und die Anhänglichkeit an die ererbten Traditionen und der Sinn für Pietät ist nahezu geschwunden. Die Wahrnehmung bekümmert mich aber noch mehr, wenn ich meinen Blich in die Zukunft werfe und deshalb lege ich den größten Werth darauf, daßmeine D es cen deuten nicht allein meine Grundsätze und Ansichten kennen, sondern stets in denselben Wegen wandeln mögen, um hiedurch ein Andenken zu ehren und dem ererbten Namen thunlichst gerecht zu werden. Bon diesem Wunsche gelenkt, verordne ich hier, daß, falls mein Enkel Johann Alexander dem väterlichen Glaubrn entsagen sollte, sei es durch Uebertritt zu einer andern Confession oder durch Consessionslosigke't, oder falls er eine sogenannte Mischehe einginge, ferner falls er gestattet, daß einer seiner Söhne vom väterlichen Glauben abfalle oder eine Mischehe einginge, gehalten sein solle, nach Eintritt einer solchen Eventualität Eine Milli o n Gu l d e n an nachstehende Wohlthätigkeitsanstalten zur Vertheilung zu bringen." Deutsche Kraue«, deutsche Treue, deutscher Wein «ud deutscher Sang. Die „Freis. Ztg." erzählt aus Stargard: Nach einem politischen Vortrage, in den sich Ahlwardt und Förster getheilt hatten, suchten beide mit einer Schaar gesinnungsverwandter Jünglinge ein Cafe auf. wo das braune Getränk von zarter Hand nicht nur zubereitet, sondern auch kredenzt wird. Ahlwardt und Förster zeigten sich als kleine Schwerenöther gegenüber der bedienenden Kellnerin. Es entspann sich dann eine etwas wilde Scene, die von der Urwüchsigkeil Jungdeutschlands Zeugniß ablegt. Die tapferen Jünglinge stürmten das Buffet, schleppten einen Topf mit Schlagsahne, den Topf mit rohen Eiern, sämmtliche Küchenvorräthe. Cigarrenkisten und Cigarrenschachteln, Flaschen rc. fort und placirten sie auf ihren Tischen, wo ein jeder, voran Förster und Ahlwardt, kräftig zuqriff. Vergebens war die Aufforderung der Inhaberin des Cafss. sich doch anständig zu benehmen, da sie hier Herrin wäre und es sich energisch verbitten muffe, daß die Herren nach neuen Grundsätzen, wonach das Mein und Dein nicht unterschieden wird, hier verkehren wollten. Lautes Gejohle war die Antwort auf die Ausführungen der Wirthin, welche die A h l w a r d t'sche Theorie vom Gewalteigenthum so schnöde mißachtete. Ahlwardt behielt den Sahnentopf und stippte mit abgeschnittenen Tortenstücken t'ef darin umher, und die Anderen leisteten ihm wacker Beistand. Als aber die teutonische Schaar sich immer dreister geberdete, deutsche Lieder im Chor laut schallend anstimmte, da glaubte die Wirthin mit dem Gebot des Feierabends die nächtliche Rotte aus dem Locale bannen zu können. Weit gefehlt! Mit gleicher Rücksichtslosigkeit blieb man fröhlich sitzen und die nun in Gegenwart des Gymnasialprofeffors Förster von den Jünglingen geführten Gespräche waren nicht gerade besonders moralischen Inhalts. Schließlich soll einer der Jungdeutschen sich doch noch auf das Verlangen der Wirthin bereit erklärt haben, für das Verzehrte eine Pauschalsumme zu bezahlen. Aus Paris. Wenn von den Fehlern der „Großen" unter den Juden oder, richtiger gesagt, der reichen Juden gesprochen wird, so darf man doch der zahlreichen vorzüglichen Männer unter denselben nicht vergessen. Zu den Letzteren zahlt in erster Linie Baron Alphonso de Rothschild, der Reichste unter den Juden und zweifellos einer der Vornehmsten, was Adel der Gesinnung betrifft. Nachstehend ein Zug aus seinem Leben, welcher beweist, wie er die Pflicht des Reichen, Gutes zu thun, auffaßt. Mögen unsere reichen Glaubensgenossen, welche so gerne Jene nachzuahmen suchen, welche vornehmer sind als sie, auch diesem vornehmen Borbilde folgen! — Ein angesehener Vertreter der Wiener Kaufmannschaft begab sich zu Alphonse de R o 1 h s ch i l d, um denselben zu bitten, sich an einer Sammlung zn betheiligen, welche den Zweck hatte, einen hervorragenden Gelehrten jüdischer Confession von einer drückenden Schuldenlast zu befreien. Sein Schwiegersohn hatte in Folge ungünstiger Geschäftsverhältniffe sein Vermögen und die i Mitgift seiner Frau verloren; um den integren Namen der ' Familie zu retten, hotte der Gelehrte sein Privatvermögen den Gläubigern des Schwiegersohnes überlassen und sich verpflichtet, jährlich von seinem Gehalte einen Theil bis zur völligen Tilgung der Schulden seines Schwiegersohnes abzuzahlen. Freunde haben sich nunmehr zusammengethan, um dem greisen Gelehrten aus Wucherhänden zu befreien und demselben ein sorgloses Alter zu sichern. Baron Alphonse de Rothschild fragte, wie viel Geld noch fehle, um diesen Zweck zu erreichen. „Es fehlen uns noch 5OOO Francs." Baron Alphonse de Rothschild schrieb ein Paar Worte auf ein Stück Papier, es war eine Anweisung auf 5000 Francs. —;,Aber, Herr Baron, ich darf Ihnen ja nicht einmal den Namen dessen nennen, für welchen ich sammle, und Sie geben mir einen so hoh'n Betrag?" — „Macht nichts," antwortete der Baron, „weitn Sie sich für einen Mann inleressiren, so kann es sich nur um einen edlen und rechtschaffenen Menschen handeln, ich danke Ihnen, mir Grlegenheit geboten zu haben, mich an einen guten Werk betheiligt zu haben." — Wenige Wochen später wurde dem Baron ein Herr mit schneeweißem Haar gemeldet. Als der Baron die Bisitkarte des Letzteren sah, beeilte er sich sofort, in dem Wartesalon demselben entgegenzukommen. „Ich habe Ihnen ernste Borwürfe zu machen," sagte er, daß Sie bei dieser Kälte in der frühen Morgenstunde sich bemühen. Ich las in den Zeitungen, daß Sie leidend waren. Wenn ich gewußt hätte, daß Sie mich zu sprechen wünschen, so wäre ich zu Ihnen gekommen oder hätte durch meinen Secretär mich über Ihre Wüische informiren lassen." — „Ich komme, um Ihnen zu danken, Herr Baron. Der greise Gelehrte, dessen alte Tage durch ihre gütige Mitwirkung frei von drückenden Sorgen sind, bin ich. Mein Freund war zu discret, Ihnen meinen Namen zu nennen, mich zwingt die Pflicht der Dankbarkeit, Ihnen denselben mitzutheilen." Dondiuszany (Bessarabien). Im December 1893 wurde die Strecke Oknica-Bieltzy für den Güter- und Personenverkehr eröffnet. Die Station Dondiuszany ist 25 Werst von einem Orte entfernt, wo den Juden der Aufenthalt gestaltet ist. Wie es in Rußland überall üblich ist, muß das Getreide von sogenannten Commissionären abgesertigt werden und da der ganze Getreidehandel sich in Händen der Juden befindet, so befassen sich auch die jüdiichen Einwohner jenes Ortes mit dem Plbfertigen nach dem Auslande. In jenen Orten, in welchen den Juden der Aufenthalt nicht erlaubt ist, kommen sie täglich früh von den benachbarten Städten und verbringen den ganzen Tag im Wartsaale III Claffe. In Dondiuszany gestattete nun die dortige Polizei, zu diesem Zwecke ein Häuschen zu bauen, in welchem oft 30 b's 35 jü? dische Commissionäre übernachteten. Ein Nichtjude, der sich gleichfalls mit der Getreide- Abfertigung befaßte, baute nun ein großes Gasthaus, in der Hoffnung, daß der Gouverneur sämmtlichen Juden den Aufenthalt in Dondiuszany verbiete und ihm allein die Abfertigung zufallen werde. Der dortige TemaLi naczalnik aber ist einer der größten Gutsbesitzer und ist überzeugt, daß die Juden und die Getreideproducentett nützen und nicht schaden können. Er bat daher den Bezirkshauptmann, die Juden ruhig gewähren zu lassen. Der Nichtjude Dar de war darüber sehr aufgebracht und wollte sich in einer Bittschrift an den Kaiser Nikolaus ll. wenden, in welcher es hieß: „Nachdem die Juden laut Gesetz vom Jahre 1882 betreffend die Judenfrage das Aufenthaltsrecht in Dörfern und unbewohnten Ortschaften nicht haben und in Dondiuszany sich 30 Juden ansässig machten, welche sich mit dem Getreidehandel befassen und daraus Nutzen ziehen, möge der dortigen Polizei aufgetragen werden, dieselben auszuweisen". Der Bittsteller fügte hinzu, daß er schon einigemal die dortige Polizei ersucht hatte, ihres Amtes zu walten, was jedoch aus geheimer Ursache immer ohne Erfolg-geblieben sei. Kurz darauf kam eine Depesche an den Gutsbesitzer der zugleich Senator ist und 6 Werst von Dondiuszany wohne, folgenden Inhaltes: „Nachdem sich Juden bei der Station Dondiuszany ansässig machten, die sich mit dem Getreidehandel resp. mit der Expedition desselben beschäftigten, so geruhten Se. Majestät in Erledigung der Bittschrift des D a r d e bis auf Weiteres anzuordnen, daß die Juden daselbst weiter wohnen und ihrem Geschäft nachgehen dürfen. Der Zemski naczalnik Herr Alexander Krupinski kam voll Freude nach Dandi u szany und zeigte uns'sowie Herrn Darde d e Depesche. Wir sprechen an dieser Stelle Herrn Krupinski unseren Dank aus und werden denselben auch in einer Petersburger Zeitung veröffentlichen.

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