Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 10 (8.3.1895)
- Date
- 1895-03-08
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 Veyrrvetchlptzr MortzenfchrM Sette 181 katholische Anstalten. Der Pfarrer Hikl in Holleschau versendet noch immer seine Bettelbriefe für den dortigen Kirchett- .bau und fromme Schwestern ziehen, milde Gaben heischend, - von Thür zu Thür. Kein Jude verweigert ihnen eine Spende! Zur jüdischen Nomenelatur. Die gelehrten Thebaner der sogenannten „Unverfälschten Deutschen Morte" und der „Ostdeutschen Rundschau"' hatten bezüglich der jüdischen Nomenelatur eine These ausgestellt, welche Jedermann, der Zunz' epochemachendes Werk über die jüdischen Namen kennt oder wenigstens ein onomarticon biblicmn seu sacrnm nachgelesen hat, lebhafte Heiterkeit erwecken muß. Von Thiernamen,' welche zur Bezeichnung von Menschen dienen, kommen im Alten, Juden wie Christen bindenden Testament folgende vor: „Gans, Habicht, Repphuhn. Rabe. Taube, Vogel, Vögelchen.' Wespe, Biene (auch Honigzelle), Wiesel, Dachs, Gazelle, Junggazelle, Hündin, Mutterschaf, Kaninchen, Gemse. Maulwurf, Jungstier, Esel, Waldesel, Elephant. Wolf, Springhase/ Delphin, Schlange, Heuschrecke. Charakteristisch ist es, daß der Wolf das' einzige Raubthier ist. welches in der biblischen Nomenelatur vorkommt. Daß die Juden bereits vor den Kreuzzügen in Deutschland deutsche Namen hatte,:, ist allgemein bekannt. Ein Beleg genüge statt vieler! Es gab z. B. den Synagogalnamen Jehuda; der Träger dieses Namens wollte einen deutschen Namen haben und wählte dafür das alte Symbol dieses Stammes, den Löwen, er nannte sich daher Löw; daraus machte man im niederdeutschen Dialect Leb, Leib. Dieser Name verblieb durch die ganze spätere Zeit, bis zu der neuesten, in'der.man in der neuen Culturperiode daraus Ludwig oder Louis machte. Das Zwischenglied ist jetzt verbannt, und das alte Jehuda das neue Ludwig dicht hinangerückt. Daß Namenveränderungen gebräuchlich sind, - davon liefert z. B. Georg Schönerer einen sprechenden Beweis. Sein Urgroßvater. Knopperhändler in Kirchberg am Walde in Niederösterreich soll, so versichert man, „Schön" geheißen und erst nach dem Uebertritt zum Christenthum den Namen „Schönerer" erhalten haben. Schönerer's Frau stammt bekanntlich vom .Schmus Leb Kohn in Pohrlitz (Mähren) ab, und der Name dieses Anverwandten Schönerer's beweist, daß der Thiername Leb'-Löwe sich auch in unverfälschten deutschnationalen Familien vorfindet. Jüdische Großindustrielle. Bor vier Jahren ist die weit über .die Grenzen Oesterreichs vortheilhaft bekannte Schafwollfabriksfirma Heinrich Kafka und Söhne in Brünn Unfolge geschäftlicher Deprefiion und ungünstiger Consuncturen in Zahlungsstockung gerathen. Die Situation der Firma gestaltete sich äußerst kritisch. Der sehr extenfive und intensive Fabriksbetrieb absorbirte bedeutende Mittel und es betrugen demgemäß die Passiven einschließlich aller commerziellen Verbindlichkeiten mehrere Millionen. Freilich standen letzteren weit größere Activen gegenüber, sie waren jedoch in den ausgedehnten Fabriksrealitäten festqerannt, oder bestanden in nicht augenblicklich zu realisirendem Waarenlager, Ausständen u. s. w. Die n othleidende Firma erfreut fich derart allgemeiner Sympathien daß fich die Committenten derselben sofort gerne bereit erklärten, behufs Sanirung einen namhaften Nachlaß ihrer Forderungen zu gewähren. Allein die Firma Kafka und Söhne wies alle derartigen Propositionen zurück und erklärte sich vielmehr bereit. Capital und Zinsen binnen einiger Jabre voll und ganz zu tilgen und während dieses Interregnums sich der Controle von durch die Gläubiger nahmhaft gemachten Vertrauensmännern zu unterwerfen. Ende Februar wurde nun den Gläubigern der Firma Heinrich Kafka und Söhne die letzte Cavitalsrate sammt Zinsen bar bezahlt und somit das vor vier Jahren abgeschloffene Arrangement dieser Firma auf Basis voller C.apitalszahluna sammt Zinsen zur Gänze erfüllt. Die erwähnte F'rma hat demnach das seitens ihrer Gläubiger in fie gesetzte Vertrauen vollkommen gerechtfertigt und ihre kaufmännische Ehre glänzend rehabilitirt und ein Beispiel von Ehrenhaftigkeit und Charakterstärke gegeben, wie fie nur in Kreisen jüdischer Industrieller anzutreffen sind. Unsere arischen Moralisten. Pater Josef Kyen. Redemptorist aus Prag, hat als Missionär in J okelsdorf bei Landskron in der Sacristei mit einem Schulmädchen, das. durch die frommen Predigten gerührt, bei ihm beichten wollte, unzüchtige Handlungen verübt. Das Chrudimer Kieisaericht hat dem frommen Mann hierfür zwei Monate Kerker zuerkannt. O diese Juden! Die Rabbinalseandidaten und das Wehrgesetz Der Minister für Landesvertheidigung hat unterm 27. Jänner l. I. folgende Kundmachung erlassen: Im Einvernehmen mit den. betheiligten Ministerien wird der § 45, Punkt 3. der Wehrvorschriften, I. Theil (Verordnung des Ministeriums für Landesvertheidigung vom 15. April 1889), dahin ergänzt, daß als Kandidaten des Rabbinates auch jene ordentlichen Hörer der israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien anzusehen sind, welche sich dem Rabbinatsstande widmen wollen und zu diesem Behufs die nach dem Organisations-Statute dieser Lehranstalt, beziehungsweise nach der betreffenden Studienordnung für die Rabbinats-Candidaten vorgefchriebenen Obligatfächer besuchen, wenn sie mittelst eines vom Lehrer-Collegium ausgestellten und vom Curatorium gegengezeichneten Zeugniffes Nachweisen, daß sie den Rabbinats-Studien mit Erfolg obliegen. Nach Bwndlgung des dritten Studienjahres haben sie überdies den Nach, weis zu erbringen, daß fie die zur Zulassung zu den Rabbiner- Examina vorgeschriebene Prüfung (Tentamen) mit gutem Erfolge bestanden haben. Die außerordentlichen und jene ordentlichen Hörer der genannten Lehranstalt, welche sich zu Religions- Lehrern au Mittelschulen heranbilden wollen, haben auf die Begünstigung des § 31 des Wehrgesetzes keinen Anspruch. Sacher-Masoch — geisteskrank. Sacher-Masoch ist wahnsinnig geworden! Aus L i n d h e i m, in Obrrhessen, kommt uns diese erschütternde Nachricht zu. Sache r-M a s o ch, einer der genialsten Novellisten, ist geistiger Umnachtung verfallen und seine Familie steht vor der traurigen Aussicht, Noth zu leiden. Ueber den Zustand des unglücklichen Dichters gibt der folgende, an eine hiesige Persönlichkeit gerichtete Brief der Gattin Sacher-Masoch's Aufschluß: „Lindheim, Oberhessen. 22. Februar. Hochgeehrter Herr! Sie scheinen vollständig zu ignoriren, daß mein Mann seit dem März vorigen Jahres an einem schon lange schlummernden Herzleiden schwer erkrankt ist, daß eine Cur in Nauheim ihm vorübergehende Besserung brachte, daß ihm am 27. Jänner, seinem sechzigsten Geburtstage, eine Ehrengabe überreicht werden s o l l t e, die aus Mangel an Theilnahme nicht zu Stande kam, daß er seit dem 18. November von Neuem leidend, bettlägerig ist. und daß seit dem 28. Jänner, wahrscheinlich infolge der Enttäuschungen nach dem 27. Jänner, sich eine Gehirnerweichung infolge der mangelnden Blutbildung herausgebildet hat. Er ist irrsinnig. Gott gebe, daß der Tod ihn und uns. seine Frau und seine drei kleinen Kinder im Alter von neun, siebeneinhalb und sechs Jahren, bald erlöse! Mein Mann hat kein Vermögen. Wir leben von meinem kleinen Capital, und da das bald zu Ende ist. was dann? Hochachtungsvoll Hulda Edle v. Sacher-Masoch." — Sacher - Ma s o ch hat Tausende von glänzenden Feuilletons, Hunderte von Romanen und Novellen geschrieben, er bat fich auch dramatisch versucht (das im Vorjahre im Raimund- Theater gegebene Schauspiel „Der Mann ohne Borurtheil" war von ihm), nun soll seine Familie darben. S a ch er-Maso ch hat es nie verstanden, seine Arbeit entsprechend zu verwerthen, er hatte Mühe, mit dem Erträgnisse seiner Feder sein Auskommen zu finden. Hoffentlich werden seine Freunde eine Hilfsaction einleiten. Ein Erbstreit im Hause Königswarter. Wie bekannt, hat der am 14. November 1894 verstorbene Moriz Freiherr von Königswarter testamentarisch seinen zweitgebornen Sohn Hermann zum Universalerben eingesetzt und seine drei anderen Kinder, die Freiherren Heinrich und Wilhelm, sowie seine Tochter Joseph ine, verehelichte P a u l - S ch i f f, geborene Königswarter, auf den gesetzlichen Pflichtteil verwiesen. Zum Abhandlungspfleger hatte der Erblasser seinen Advocaten Dr. Heinrich Sieger ernannt und da diesem von keiner Seite irgend welche Schwierigkeiten in den Weg gelegt wurden, nahm-n die Verlaffenschaftsabhandlungen über das hinterlassene Vermögen von rund 24 Millionen Gulden den normalen Verlauf. In der letzten Zeit, und zwar am 29. Jänner d. I., hatte jedoch der Universalerbe Baron Hermann Königswarter seinen väterlichen Glauben verlassen und sammt seiner Gattin Melanie, geborne v. Blaskovits, und seinem Sobne Johann Alexander aus den Händen des Bischofs Sch'lauch in G r o ß w a r d ei n die Taufe empfangen. Dieser Glaubenswechsel ist nun die Ursache eines in jeder Beziehung interessanten Erbschaftsproeesses. In fiffcr Reibe hat nämlich vor einigen Tagen Frau Josephine Paul - Sch 'ff