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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-03-08 · 10 (8.3.1895) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
10 (8.3.1895)
Date
1895-03-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 174 Veperretchtptze WochenfchrM Nr. 1v meinden fixiren u. zw. periodisch z. B. je drei Monate, wobei natürlich die politischen und autonomen Behörden als orts- und sachkundig Mitwirken könnten und jede Uebertretung dieser Preise wird dann gemäße § 478, St.-G.-Bl. und den Minist.- Verordnungen Dom 14. Jänner 1855, R.-G.-Bl. 14,18. Jänner 1855, R.-G.-BI. 15 u. s. w. nicht nur gerichtlich, sondern auch im administrativen Wege empfindlich gestraft werden. Hiedurch würden einerseits Tausende von kleinen Gewerbsleuten vor dem materiellen Untergang, der ihnen durch die vom Landesausschusse geplante Maßregel droht, gerettet und andererseits würde der Consument gegen jede willkürliche Preisüberhaltung geschützt werden. Bis heute hat die hohe Regierung nur Eine Partei, nämlich den Landesausschuß, gchört. Im Vertrauen auf die Gerechtigkeit und Unparteilichkett der hohen Regierung sollen daher die in chrer Existenz bedrohten Händler im geeigneten Wege an dieselbe sich wenden und chr die wirklichen imd wahren Verhältnisse zur Kenntniß bringen. Dann darf man wohl hoffen, daß die Regierung diesen gegen Tausende der ärmsten Existenzen gezielten Todesstoß hintanh alten werde. .d. Nus Rutzlsnd. Die öconomffche Lage der russischen Juden wird immer trostloser. Alle Erwerbszweige, die bisher den im Ansiedelungsrayon zusammengedrängten Juden, einen, wenn auch äußerst dürftigen Lebensunterhalt gewährten, brechen von Tag zu Tag zusammen unter der Last der sich an diese Zweige klauunernden Masse. Man reißt sich buchstäblich die Bffsen aus dem Munde, und nicht etwa Leckerbissen, sondern einfach Bissen trocknen Brodes. Und dieser entsetzliche Kampf um's Dasein verschärft sich immer mehr durch den Zuschub neuer Hungercandidaten, die aus den Dörfern und innerrussischen Gouvernements in den übervölkerten Ansiedelungsrayon von Rechtswegen zurückgedrängt werden. Dieses fürchterliche Elend bringt die russische Juden-. hett immer mehr zur Ueberzeugung, daß die von ihnen bis jetzt gehaudhabten Gewerbe und Beschäftigungen ein zerbrochenes Rohr sind, auf das sich nicht einmal Tausende, geschweige denn Hunderttausende Familien stützen können, und daß man für die unzähligen imfreiwilligen Müssiggänger ein neues Arbeitsgebiet ausfindig machen muß, ans welchen sie ihre Thätigkeit segensreich und zum eigenen Nutzen entfalten können. Dieses Arbeitsgebiet ist schon längst entdeckt, das ist derM ck e r b a u. Theoretisch ist die Frage vom Heranziehen der russischen Juden zum Ackerbau schon feit lange und des Oefteren in der jüdischen Presse erörtert worden, nur waren es bis jetzt die intelligenteren Elasten der neuen Generation, die^aus einem idealen Standpunkt diese Frage anregten und unter einander verhandelten. Gegenwärtig aber beschäftigen sich mit dieser Frage, Leul die sich weder um Theorien noch um Ideale kümmern, — rein praktische Leute, die. nur darauf bedacht sind, den verkümmerten Juden im Ansiedlungsrayon Arbeit und Nahrung zu verschaffen. Und aus ber Mitte dieser Hungernden und Darbenden selbst erschallt jetzt unaufhörlich der flehende Ruf nach Ackerbau-Arbeit. Das Streben und Sinnen der großen Masse ist jetzt nur darauf gerichtet, Landparcellen, wenn auch ganz kleine, zur Bearbeitung zu erlangen; ganz egal, ob im Ansiedelungsrayon oder in den sibirischen Steppen. Leider aber stehen vorläufig die russischen Gesetze diesen Bestrebungen im Wege. Denn ^bekanntlich ist es bei uns den Juden verboten, sich in Dörfern anzusiedeln und Land zu erwerben. Zwar haben wir schon in den größeren Gemeinden (z. B. Od essta, Mins% M ohilew rc.) Ackerbau-Schulen, wo jüdische Zöglinge alle landwirthschaftlichen Arbetten praktisch erlernen, aber das Schicksal dieser zukünftigen Ackerbauer fft ein sehr trauriges, da sie. nach Beendigung ihres Lehrcurses, keine Aecker besitzen dürfen, die sie bearbeiten könnten. In diesem Jahre z. B. beenden die ersten 10 Zöglinge der Odeffaer Ackerbauschule ihren Lehrcursus, unddas Curatorium der Schule will für diese Zöglinge Landparcellen ankaufen — wenn nur das drakonische Gesetz nicht da wäre. Uebrigens meldet der „Woschod", daß die jüdische Deputation aus^Odessa, die nach'Petersburg kam, um dem kaiserlichen Paare zu seiner Vermählung zu gratuliren, sich dem Ackerbau-Minister vorstellte und ihn bat, dahin zu wirken, daß es den genannten Zöglingen gestattet werde, Land zu erwerben; der Minister soll der Deputation seine Mitwirkung versprochen haben. Nun wollen wir zwar hoffen, daß die Regierung in diesem Falle und in ähnlichen,, wo es sich darum handelt, jüdischen Zöglingen der Ackerbauschulen die praktische Verwerthung ihrer Kenntnisse zu ermöglichen, eine Ausnahme vom Gesetz gestatten wird, —damit ist ja aber den Hunderttausenden darbenden und arbeitsuchenden Inden nicht geholfen, die ihr Letztes dafür hingeben wollen, daß man ihnen ein Stückchen Land zum Bearbeiten gebe. Und ach, welche unermeßliche Landstrecken gibt's noch im gewaltigen russischen Reiche, die unbebaut und unbewohnt sind ... Unser erhabener junger Monarch würde durch fein Machtwort, durch die Abschaffung des unglückseligen Gesetzes Hunderttausende Familien von erniedrigenden, demoralisirenden Beschäftigungen erlösen und ihnen zu einem ehrlichen, physisch und moralisch stärkenden Gewerbe verhelfen, was in mancher Hinsicht eine ebenso rühmliche That wäre, wie die Befreiung der Leibeigenen durch seinen unvergeßlichen, hochseligen Großvater. Uebrigens liegen manche Thatsachen vor, die von den humanen Gesinnungen unseres jungen Kaisers, den Juden gegenüber, ein beredtes Zeugniß liefern. Zum Beispiel bringt der „Odeßki Listok" folgende bedeutsame Meldung aus Sel i ß a w e st g r a d: Ein Jude, dessen Sohn sich drei Jahre nacheinander zum Eintritt in das dortige Gymnasium meldete, jedes Jahr das Examen glänzend bestand, und jedes Jahr, infolge des bekannten „Procent"-Gesetzes abgewiesen werden mußte, — entschloß sich, die kaiserliche Gnade anzuflehen, und richtete an den jungen Selbstherrscher ein Telegramm, seine Hilfe erbittend. Sofort traf der kaiserliche Befehl ein, den Knaben in das Gymnasium aufzunehmen. Dagegen muß constatirt werden, daß der kaiserliche Befehl betreffs der Odeffaer Commerzschule (cf. Nr. 5, der „Oe. W.") nicht eine Erweiterung, sondern eine Beschränkung der jüdischen Rechte enthält, wie es übrigens ausdrücklich im Text des Ukases heißt: „zu beschränken die Zahl der jüdischen Schüler in der Odeffaer Commerzschule" u. s. w. 9lach den: jetzt veröffentlichten officiellen Bericht, wurden im vorigen Jahre in Rußland 268.351 Mann zur Wehrpflicht affentirt, darunter 14.171, das macht etwa 5-2 Perzent, was entschieden ein größerer Percentsatz ist, als die thatsächliche Bevölkerungszahl der Juden in Rußland. Und dabei, heißt es im Bericht, fehlten noch 1268 Juden! Unter den ausgehobenen jüdischen Recruten waren 496 einzige. Söhne. Wie der „Woschod" meldet, sind unlängst „sehr wichtige Entscheidungen über die Rechte der Juden in den baltischen Provinzen (d. h. iu Liv-, Kur- und Estland) getroffen worden, die nächstens' promulgirt werden". Zur Erklärung dieser orakelhaften Meldung sei mir gestattet Folgendes hinzuzufügen: Die baltischen Provinzen haben hinsichtlich der jüdischen Rechte etwas Zwitterhaftes. Juden aus dem Ansiedlungsrayon ist nicht gestattet, sich in den genannten Provinzen aufzuhalten, folglich gehören sie doch zu den Gouvernements außerhalb des Rayons." Dagegen. besitzen die zu diesen Provinzen „zugeschriebenen" Juden doch kein Domicilrecht in den innerruffischen Gouvernements?; folglich gehören sie doch zum Ansiedlungsrayon. Deswegen ist zu erwarten, daß unter der neuen Regierung endlich Licht in diese dunklen Rechtsverhältnisse gebracht wird, lind zwar munkelt man schon lange, daß den baltischen Juden das Recht zugesprochen wird, in ganz Rußland sich anzusiedeln. - Ego.

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