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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-03-08 · 10 (8.3.1895) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
10 (8.3.1895)
Date
1895-03-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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VryrrrevMtze WochrnptzrM Seite 173 .Nr. 10 Das galizische Salzmonvpol. Lemberg, 1. März 1895. Im Jahre 1893 wurde es, unter dem Vorwände, der bäuerlichen Bevölkerung billigeres Kochsalz zu verschaffen, durchgesetzt, daß dem Landesausfchusse '/s des gesummten Salzquantums in Monopol gegeben wurde, welches Quantum er durch, 280 von ihm bestellte Verschleißer im Lande verkaufen ließ. Hiedurch wurden zwar einige hundert Existenzen jüdischer armer Händler vernichtet — aber weder der Bevölkerung noch seinem Unternehmen etwas genützt, so daß das Letztere mit einem Deficit von circa 42.000 fl. endigte und im Laufe der Zeit beinahe alle von ihm bestellten Verschleißer ihre Licenz ihm zur Verfügung stellten und es Buche kostete, im Lande Verschleißer für Salz zu finden. Der Grund davon ist ein ganz einfacher. Es lag nämlich absolut kein Bedürfniß für dieses Monopol vor. Die Behauptung, daß das Landvolk angeblich durch hohe Salzpreise gedrückt wurde, war eine Lüge, von gewissenlosen Hetzern ausgestreut und durch entstellte Daten und Berichte unterstützt. Im Gegentheile, durch die freie Ccncurrenz beim Salzverschleiße konnten die Salzpreise nie eine exorbitante Höhe erreichen, sondern blieben stets beim Durchschnitte von 10% bis 11V2 Kreuzer beim Stöckel und nur bei besonders ungünstiger Witterung, wo die Wege unfahrbar waren und die Zufuhr stark erschwert war, stieg der Preis momentan auf 12 bis 13 Kreuzer — aber nur für einige Tage, bis die Zufuhr sich besserte — dann fiel er wieder auf das Normale von 10 Vs bis 11 Vs Kreuzer pro Stöckel. Und selbst diese seltene und momentane locale Preissteigerung verschwand nach und nach, je mehr das Bahnnetz im Lande ausgebaut wurde, wodurch eben die Zufuhr eine billigere und stabilere wurde. Das wußten die Herren übrigens ganz wohl, und wenn sie trotzdem nach dem Verschleißmonopol schrieen, so lagen diesen Bestrebungen ganz andere Motive zugrunde. In erster Linie wollte man den armen jüdischen Händlern eine Erwerbsquelle mehr abschneiden' — ich sage „den armen" — denn mit dem Salzverschleiße hierzulande beschäftigt sich nur die ärmste jüdische Volksclasse und blieb trotz dieses Geschäftes bis heute in größter Armuth und bitterster Noth — wie dies jedem Kenner der Verhältnisse unseres Landes uwhl bekannt sein dürfte. Gegen jene 99"/„ der jüdischen Bevötkermlg, welche irr bitterster Armuth und von der Hand in den Mund leben, das ist gegen die Krämer, Handwerker, Schenker und Kleinhändler, wird Hierlands ein systematischer Kamps des Aushungerns geführt. Die landwirthschaftlichen Vereine gründen in allen Dörfern Vereins-Greislereien mit der Aufschrift „Christliches Gewölbe" (sklepik chrzescianski) und diese — von mächtigen Herren und durch diese auch von Instituten und Corporationen unterstützt — machen den Juden, welche in den Dörfern sich aufhalten und vom Kleinkram sich kümmerlich ernähren, die weitere Existenz unmöglich. Das Dorfpublicum bekommt zwar in diesen christlichen Handlungen die Waare nicht besser und nicht billiger als beim Inden, und die Gründer dieser Handlungen setzen zwar alljährlich an Kosten zu; aber trotzdem werden sie gegründet und erhalten, denn sie erreichen einen Zweck — sie machen den armen Dorfjuden brotlos. Aehnliche Zwecke verfolgt leider die Wirksamkeit der landwirthschaftlichen Gesellschaften überhaupt. Statt den Gewerbefleiß der Juden, deren Emsigkeit, Beweglichkeit, Sparsamkeit und Geschäftsfähigkeit sich und dem Lande dadurch nutzbar zu machen, daß man sich mit ihnen associirt und diese ihre nützlichen Eigenschaften dadurch der Allgemeinheit dienstbar macht, so daß dann sowohl Juden als auch Christen leben und gedeihen könnten — geht man nach einem künstlichen System vor, indem man die Juden aus diesem einzigen Erwerbskreise, der ihnen bisher offen gelassen wurde, mit Gewalt verdrängt, und denselben den Christen ausliefert — wobei man sowohl die Juden als auch die Christen rninirt — Geschäftsfähigkeit und die sonstigen im Handelsgewerbe erforderlichen Eigenschaften lassen sich nicht künstlich und noch viel weniger gewaltsam Jemandem beibringen. Dieses Salzmonopol war also in erster Linie eine weitere Etappe auf diesem Wege, dessen Ziel die allmälige Aushungerung der armen jüdischen Händler ist. Nebstbei bot sich hiedurch eine günstige Gelegenheit dar, der galizischen Handelsgesellschaft ein Einkommen zu verschaffen, indem man ihr die Verfrachtung des gesammten, dem Landesausschusse zur Verfügung gestellten Salzes als Monopol übertrug. Endlich bot sich hiedurch eine Gelegenheit dar, einigen Müssiggängern und Taugenichtsen Anstellungen und Sinecuren zu verschaffen. Es ist somit natürlich und leicht erklärlich, daß dieses Unternehmen Schiffbruch leiden mußte — nachdem es Niemandem genützt und auf beiden Seiten Schaden und Verluste gebracht hat. Statt nun den eigenen Fehler einzusehen und dieses unglückbringende Experiment aufzugeben, schlügt der galizische Landesausschnß nun den verkehrten Weg ein und verlangt jetzt — die hohe Regierung solle ihm 8/10 des ganzen Hierlands erzeugten Salzquantums in Monopol geben. Was wird nun die Folge dieses Schrittes sein? Das Salz wird für den Consumenten absolut nicht billiger werden — denn bei freiem Verschleiße blldet die Coucurrenz das wirksamste Hinderniß gegen jedwede, durch etwaigen Privategoismus versuchte Preissteigerung — hingegen arbeitet der Händler mit geringeren Kosten als der Landesausschnß — begnügt sich auch mit billigerem Nutzen als derjenige ihn haben muß, der vom Landesausschusse zum Salztrafikanten ernannt ward, denn dieser muß eine Unmasse von Formalien beobachten, die ihm Zeit und Mühe rauben und Kosten verursachen. Der Händler hält das Salz in feiner warmen Wohnung — der Trafikant muß ein eigenes Lager hiezu miethen — der Händler verfrachtet sich das Salz aus der Saline nach Hause aufs Billigste und Einfachste — für den Trafikanten besorgt die Verfrachtung eine Handelsgesellschaft, die doch dabei auch etwas verdienen muß — sicher aber nicht zusetzen wird wollen. Dazu kommt der ganze bureaukratische Apparat, der hiebei unbedingt functioniren muß — Gesuche, Declarationen, Cautionen, Commissionen, Erhebungen, Liquidationen, Protokolle rc. — was alles die Verschleißmanipulation erschwert und vertheuert. Es ist also klar, daß, wenn der Landesausschuß, seine Trafikanten und die galizische Handelsgesellschaft bei diesem Monopolverschleiße nicht aus eigenem Säckel zusetzen sollen — und sie werden dies gewiß nicht thun wollen — durch diese Monopolisirung eine Reduction des heutigen normalen, schon an und für sich sehr mäßigen Salzpreises für die Consumenten nicht herbeigeführt werden wird und werden kann. Dieses negative Ergebniß ist einmal sicher. Dagegen aber wird ebenso sicher auch ein positiver Erfolg eintreten; nämlich es werden mehrere Tausende jüdischer Familien, die bis nun, wenn auch äußerst kümmerlich, vom Salzverschleiße sich ernährten, brotlos und sammt ihren Angehörigen zu Bettlern werden. Wenn es dem löblichen Landesausschusse für Galizien wirklich nur darum zu thun ist, daß der Preis des Kochsalzes eine stabile ^'mäßige Höhe behalte und nicht durch den Egoismus Einzelner vertheuert werde, so gibts hiefür ein einfacheres und probateres Mittel. Die hohe Regierung möge in Gemäßheit des Gesetzes vom 15. März 1885. Z. 39,R.-G.-Bl. (Gewerbegesetz-Novelle) den Verkaufspreis des Kochsalzes eventuell unter Berücksichtigung der Lage und Commnnicationsverhältnisse der einzelnen Bezirke nach Bezirken, oder Ge-

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