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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-03-01 · 9 (1.3.1895) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
9 (1.3.1895)
Date
1895-03-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 166 Weflrrrrtchtptzr Wmtzenptzrifl Nr. S Amsterdam/ 14. Februar- Der gefeierte Jurist Prof. Fr. A s f e r ist zum Comthur des holländischen Ordens von Oranien-Nassau ernannt wurden. Rotterdam. Letzte Woche starb hier Rabbiner B. Hildesheim. Derselbe war durch 25 Jahre Herausgeber des „Weckblad voor Israelische Hnisgezinnen" und Director der Mischen Gemeindeschule. Er war als einer der tüchtigsten jüdischen Lehrer in ganz Holland sehr geachtet. Schwerin. Der Baritonist des Hamburger Stadt- Theaters Herr Siegm. Szengery, der Sohn des Wiener Ober-Cantors S i n g er, gastirte am Sonntag Abend im hiesigen Großherzoglichen Hof-Theater in den Opern Bajazzo und Cavalleria; der junge Künstler hatte einen durchschlagenden großen Erfolg bei dem zahlreich erschienenen distinguirten Publicum der Residenz. London, 14. Februar. Kürzlich fand in Auckland auf Neu- Seeland eine glänzende Feier zu Ehren unseres Glaubensgenossen Herrn Ph. A. Philips statt, der seit 25 Jahren in gemeinnützigen Ehrenämtern sich ausgezeichnet hat. Dem Gefeierten wurde vom Bürgermeister eine Adresse überreicht, welche von den Spitzen der Stadt unterzeichnet war, darunter dem protestantischen und katholischen Bischof von Neu-Seeland. Sau Francisco, 22. Jänner. Der kürzlich verstorbene „Bonanza-König" Senator James G. Fair hat 500.000 Dollars den katholischen, ebenso viel den evangelischen und 25.000 den jüdischen Waisenhäusern seiner Vater, stadt vermacht. Feuilleton. Erzherzog Albrecht und der Dorfrabbinrr. 1853 ltmr *n er^cn Septembertagen des Jahres Im Vorsaal des Audienzgemaches der Ofener Königsburg wimmelte es von vornehmen Würdenträgern. Prälaten, hohe Militärs und Magnaten kamen und gingen, tauschten untereinander Händedrücke aus, plauderten im Flüstertöne zu Zweien oder in Gruppen, des Momentes harrend, wo sie zum Erscheinen vor dem Generalgouverneur und General-Commandrrenden von Ungarn, dem Erzherzog Albrecht, aufgerufen werden sollten. In einer Fensternische stand stumm aneinander gedrängt eine Gruppe von Audienzbewerbern, welche gar seltsam abstach von dem glanzstrahlenden, buntbewegten Gesammtbilde der Gesellschaft. In der Mitte die hochaufragende Gestalt eines betagten katholischen Priesters, das breite rothe Band um den Leib kennzeichnete seinen Rang in der kirchlichen Hierarchie, der Franz Joseph-Orden schmückte seine Brust, sein kluges Augenpaar blickre, von schneeweißen, buschigen Brauen überschattet, sinnend durch die hohen Bogenfenster über den Donaustrom hinüber nach dem damals noch sehr bescheidenen Pest. Enggeschmiegt an den Dechanten, ein gebeugter Greis im Rabbinertalar, ärmlich gekleidet, die Zobelmütze in der einen Hand, die andere krampfhaft ans Herz gepreßt, als sollte sie den Jammer und Schmerz, die grenzenlose Angst bändigen, die darinnen tobten, und in dem gramgebleichten Antlitz lebhaft zum Wiederschein gelangten. Noch ein dritter Diener des Herrn, ein ebenfalls hochbetagter protestantischer Prediger, lehnte dem Rabbiner zur Seite am glänzenden Marmorgetäfel der Wand neben dem Fenster. Um dieses Kleeblatt bewegten sich ruhelos zwei graubärtige Juden, während ein kernmagyarischer Bauer, das Haupt mit dem wallenden, schneeweißen Haar stolz zurückgeworfen, mit verschränkten Armen dastand, die glänzende Gesellschaft mit sichtlichem Interesse musternd. Diese sieben Männer waren weit hergekommen von der unteren Theiß und harrten gleichfalls der Audienz vor dem Ohm des Kaisers. Endlich öffneten sich die Flügelthüren des Audienzsaales abermals, ein Magnat im prunkvollen Nationalcostüm, die Brust mir Orden behängt, verließ den Saal unter ehrfurchtsvollen Bücklingen. Der diensthabende Adjutant winkte die geschilderte Siebenergruppe herbei, sie war nun an der Reihe zur Audienz. Ein schwerer Schmerzensseufzer entrang sich der Brust des Rabbiners, wie Schutz und Hilfe suchend irrte dessen flehender Blick vom Dechanten zum evangelischen Priester, zu den einzelnen übrigen Deputationsmitgliedern umher, welchen übrigens augenscheinlich auch sehr bänglich zu Muthe war. „Nur Muth, Bruder!" hauchte der Dechant dem Rabbiner zu und schob ihn in den Vordergrund, an die Spitze der kleinen Gruppe. * Im nächsten Augenblicke stand der Rabbiner, den Dechanten zur Rechten, den Pastor zur Linken, Todesblässe im Antlitz, am ganzen Leibe bebend vor dem Erzherzog Albrecht. „Was ist Euer Begehren meine lieben Leute?'• hob der kaiserliche Prinz mit der ihm eigenen Leutseligkeit im Tone an, als die Petenten wortlos vor ihm dastanden. „Kaiserliche Excellenz! ... Königliche Majestät! . . . begann der Rabbi stotternd, dann versagte ihm die Stimme vollends, Helle, dicke Thränen perlten ihm über das schmerzverzerrte Gesicht und den langen, weißen Bart hernieder. Der Dechant verneigte sich tief vor dem Erzherzog und begann: „Kaiserlich königliche Hoheit wollen mir gestatten, daß ich für meinen armen Amtsbruder da unterthänigst das Wort nehme, sein schweres Leid vorbringe." „Sprechen Sie, Hochwürden!" erwiderte der Erzherzog, die hohe Priestergestalt wohlwollenden Blickes musternd. Der Dechant begann nun, die Bedrängniß des jüdischen Seelsorgers mit steigender Wärme zu schildern. Er erzählte, wie der Rabbiner vor 36 Jahren durch den damaligen berühmten Landrabbiner, dem Ofener Rabbi Moses Münz, dessen erster Schüler und Seminarleiler der Petent gewesen, in das Seelsorgeamt eingesetzt wurde. Um jene Zeit waren noch keine rechtsverbind^ lichen Bestallungsbriefe im Brauch. Auf Empfehlung des Landrabbiners angestellt, waltete der Rabbiner in Eintracht u. Frieden mit seiner Gemeinde des Amtes volle 36 Jahre, wie gesagt, bis ein ganz neues Geschlecht herangewachsen und der Rabbi wegen einer rituellen Controverse mit dem Vorstande von diesem angefeindet wurde. Der Vorstand hetzte die Gemeinde auf, bis diese den alten, im aufopferungsvollsten Diensteifer zum Greis gewordenen Seelsorger eines Tages kurzweg die Entlassung mit vierwöchentlicher Kündigung ins Haus schickte und sofort auch den jungen Prediger ins Amt berief. „Kaiserliche Hoheit!" schloß der Dechant mit gesteigertem Eifer der Rede, von innerlicher Glut bewegt, sein Plaidoyer — „Kaiserliche Hoheit! Wir Beide, ich und hier mein College von der evangelischen Gemeinde, haben mit unserem armen Freund dem Rabbiner, die ganzen 36 Jahre her zusammen gelebt, zusammen dem allmächtigen Herrn im Himmel, unserem gemeinsamen Vater, treu gedient! Hier" — auf dem Bauersmann hindeutend — „unser Vicebüraermeister, hier die beiden Aeltesten der Jsraelitengemeinde, wir Alle bezeugen' vor Eurer kaiserlichen Hoheit, wie wir's vor Gott bezeugen wollen, daß unserem armen Freund schweres, grausames Unrecht geschehen. Wir hatten Erbarmen mit seiner Hilflosigkeit und haben ihn ermuntert, mit uns vor Eurer kaiserlichen Hoheit zu erscheinen und um Gerechtigkeit, zu bitten um Schutz und Hilfe!" Der Erzherzog hatte die Schutzrede aufmerksam angehört, ließ dann seine Blicke schweigend von dem Sprecher der Reihe nach zu dem schmerzgebeugt dastehenden Petenten und dessen übrigen Fürsprechern hinübergleiten, wortlos sinnend, als wollte er in der tiefsten Tiefe ihrer Seelen lesen. Nach einer geraumen Pause wendete sich der Erzherzog an den Dechant, mit dem Finger auf das Ordenskreuz des greisen Priesters hintupfend: „Hochwürden tragen da einen Huld beweis unseres allergnädigsten Herrn, aus welchem Anlaß ist Ihnen diese Auszeichnung zutheil geworden?" „Ach, kaiserliche Hoheit! Das verdanke ich eigentlich hier meinem armen Freund, dem Herrn Rabbiner. Ohne seine aufopfernde Treue hätte ich den Gnadenbeweis Sr. Majestät gar nicht erlebt!" „Sprechen Sie deutlicher!" „Es war im April 1849", erwiderte der Priester in sichtlicher Verlegenheit niederblickend, „ich wollte als katholischer Priester, dem-von Debreczin her — gekommenen Befehl aus — einem gewissen Anlaß eine — Kirchenfeier abzuhalten, nicht gehorchen. Und — die Zeiten waren damals

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