Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 9 (1.3.1895)
- Date
- 1895-03-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 9 begängniß gestaltete sich 5» einer äußerst imposanten Trauerkundgebung. Unter den Anwesenden bemerkte man den Herrn Ortspfarrer, den Ortsvorstand, den gesammten Beamtenkörper des Fürsten Windischgrätz und Grafen App 0 ny i's. An der Bahre hielten sowohl der hiesige Ortsrabbiner Moritz Weiß, wie auch der Szenitzer Herr Bezirks-Rabbiner Sr. Ehrwürden L. Marmorstein, ergreifenden Nachruf. Friede seiner Asche! Goltsch-Jenikau, 24. Februar 1895. Am 18. d. M. wurde die am 15. d. auf ihrem Schlöffe Studenetz verstorbene Frau Therese Gold re ich, Edle von Bronneck mittels Separatzuges nach Goltsch-Jenikau überführt, und hier an der Seite ihres vor 10 Jahren verstorbenen Gatten Phil pp Goldreich, Edlen von Bronneck zur letzten Ruhe gebettet. Bon Nah und Fern hatte sich eine stattliche Anzahl illustrer Trauergäste eingesunden. Am hiesigen israelitischen Friedhöfe widmete der Rabbiner Herr Dr. K. Thieberger der Verstorbenen einen warmen Nachruf. Graz. (Der akademische Verein „H u mall i t a s" in Graz) veranstaltete am 16. d. M. in den prächtig decorirten Annensälen ein Kränzchen, bei welchem die Capelle des 7. Infanterie-Regimentes in trefflicher Weise, die Musik besorgte. Unter den Geladenen waren: der Protector des Vereines, der Rabbiner Herr Dr. S. Mühsam sowie Vertreter der hiesigen Cultusgemeinde u. f. w. anwesend. Gleich beim Eintritte erwartete die zahlreich erschienenen Damen eine angenehme Ueberraschung in Form geschmackvoller Damenspenden, welche allgemeinen Beifall fanden. Die einleitende Polonaise eröffnete der Obmann des Vereines Herr Drd. Jelenik mit der Frau des Präses der Cultusgemeinde, Frau Pollak, welchem ersten Paare sich die vielen tanzlustigen Gäste des Vereines anschloffen. Es herrschte an dem Abende die animirteste Stimmung, denn es fehlte weder an hübschen Tänzerinnen noch an flotten Tänzern. So kam es, daß bis zum letzten Geigenstriche mit unermüdlichem Eifer getanzt wurde. Im Verlaufe des Abends liefen Telegramme von zahlreichen akademischen Vereinen ein, darunter von der „Gamala", „Kadimah", „jüd. Lesehalle" u. s. w. sowie von ehemaligen Mitgliedern des Vereines aus der Ferne. Das Reinerträgniß des Abendes floß der Caffe des Vereines zu, der sich der Aufgabe seit über 15 Jahren widmet, mittellosen, jüdischen Hochschütern durch Gewährung unverzinslicher Darlehen die Vollendung der Studien zu ermöglichen. Die zahlreichen Gönner und Freunde des Vereines verließen das Kränzchen vollauf befriedigt und sprachen den Wunsch aus, auch im nächsten Jahre an einem so gelungenen Abende des akademischen Vereines „Humanitas" theilzunehmen. Floridsdorf. Der Jfr. Frauen- Wohlthätigkeits-Verein Floridsdorf veranstaltet am Sonntag, den 10. März 1895 im Bartsch.Saale, Floridsdorf, Angererstraße 18, ein Wohlthätigkeits-Kränzchen. Das Reinerträgniß ist den humanen Zwecken des Frauen-Wohlthätigkeits-Vereines giwidmet. Musik des k. und k. Infanterie-Regimentes Reicher Nr. 68. Tanz-Arrangement: Herr Leo D u b 0 i s, Tänzer der k. k. Hofoper. Karten im Vorverkäufe a 1 fl. sind zu haben bei den Herren: Em. G r ü n w a l d, Hauptstraße 12; Jg. W 0 d i c k a, A. Blume n t h a l, Casö Kuchinka, Hauptstraße; Cafe Ribak, Donaufeld, und bei den ComitLinitgliedern. Abendcaffe fl. 1.20. Czernowitz. (Die jüdisch National-academische Verbindung „Hasmo nea") veranstaltete am 18. d. M. in der hiesigen jüdischen Volksschule eine öffentliche Vorlesung über den neuhebräischen Dichter JehudaLeib Gordon. Der Vortragende Herr stud. jur. Goldfeld, Mitglied der „Hasmonaea", entwarf ein umfassendes Bild über des Dichters Leben und Werke. Den biographischen Theil in großen Umrissen behandelnd, widmete der Prälegent eine eingehende Würdigung und detaillirte Schilderungen den einzelnen Dichtungsarten und Gedichten G 0 r d 0 n s. Man gelangte auf diese Weise zur Ueberzeugung von der Haltlosigkeit der Behauptung, daß die hebräische Sprache todt wäre. Die Fülle des dichterischen und kritischen Schaffens G 0 r d 0 n's bewies nur zu deutlich die Lebenskraft und Lebensfähigkeit der hebräischen Sprache. In übersichtlicher Weise theilte er die Poesie G 0 r d 0 n's in lyrische, epische, didaktische. Das zahlreich erschienene Publicum lohnte durch zahlreichen Beifall die hochinteressanten Ausführungen des Prälegenten. Ungar. Brod, 24. Februar. Die durch ihre Munificenz bekannten Herren Gebrüder May, Zuckerfabriksbesitzer in Ung.- Seite 165 Hradisch, habendem durch Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. M. Jung hier selbstgegründeten Privatgymnasium den Betrag von 100 fl. gespendet, wofür hiemit öffentlich der Dank votirl wird, mit dem Wunsche, möchte doch das Beispiel der edlen Spender Nachahmung finden, damit die zur Förderung humanlstlfcher und religiöser Bildung ins Leben gerufene Anstatt, über welche erst vor einigen Tagen der k. k. m. Landesschulinspector Riedl einem hervorragenden Mitgliede des isr. CultusvorstandeS in Brünn sich sehr lobend ausgesprochen, auch künftig der an dieselbe gestellten Forderungen entspräche. Wieliezka. Herr Adolf I 0 s e f s t h a l. Mitchef der Firma M a tz n e r L I 0 s e f s t h a l, k. k. Lieutenant in der Reserve, hat sich mit Frl. Martha K! e c z e w s k a, der einzigen Tochter des in weitesten Kreisen bekannten Fabriksbesitzers, Herrn Josef Kleczewska in Gleiwitz verlobt. Wie wir vernehmen, übt das Elternpaar aus dem freudigen Anlässe der Verlobung ihres ältesten Sohnes mehrere Wohlthätlgkeitsacte aus. Wer Herrn Pincas und Frau Charlotte Josefsthal kennt — Elfterer ist nicht nur als hervorragender Industrieller, sondern auch als eifriger Förderer jüdischen Wissens bekannt — den darf dieser neuerlich bewiesene Aet der Nächstenliebe nicht überraschen. Prag, 12. Februar. Der Professor an der hiesigen deutschen Universität Herr Tr. Gmdo Adler ist an Stelle despensionirten Tr. Eduard Ha ns li ck zum Profissor der Musikgeschichte an der Wiener Universität ernannt worden. München, 14. Februar. Herr Commerzienrath Carl M a i s 0 n, Landtagsabgeordneter und schwedisch-nor wegifcher Consul, wurde vom König von Schweden mit dem W a s a° Ritter-Orden I. Classe ausgezeichnet. Mais 0 n ist der Sohn des im Jahre 1856 verstorbenen israelitischen Lehrers Maison-Frankfurterin Oberdorf (Württemberg) und Neffe des verstorbenen Predigers Frankfurter in Hamburg. Berlin, 20. Februar. Herr Fabriksbefitzer B. Loefer, Chef der Firma Loefer und W 0 l f f, ist der Charakter als Commerzienrath verliehen worden, eine Auszeichnung, welche von den Freunden und Verehrern des vortrefflichen Mannes sicherlich mit aufrichtiger Freude begrüßt werden wird. Köln, 22. Jänner. Herrn Regierungsrath Dr. Paul M e y e r ist der R 0 t h e A d l e r 0 r d e n IV. Classe verliehen worden, eine Auszeichnung, welche deshalb doppelt bemerkenswerth ist, weil kürzlich nach dem Vorgänge der„Kreuzzeitung" die gesummte Antisemitenpreffe aus Anlaß seiner Versetzung hierher die rüdesten Angriffe gegen Dr. Meyer gerichtet hat. Nürnberg, 20. Jänner. Herrn L. Metzger, Chef der Metallgroßhandlung S. G u l d m a n n, ist von dem Prinz- Regenten der Titel eines Commerzienrathes verliehen worden. Paris, 30. Jänner. Der jüdische Capitän S., welcher in Compiögne garnisonirt, wurde in anonymen Briefen, welche der Deputirte Berry gelesen hat, als ein Spießgeselle Dreyfus' bezeichnet. S., ein hochgeachteter Officirr, kam heute nach Paris, um die Spur der Jntrigue zu suchen, nachdem die „Libre Parole" ihn kennzeichnende Angaben gebracht hatte. Der Deputirte Berry nannte als Quelle einen Officier aus der Umgebung des Exministers Mer ci er; dieser müsse Näheres über die anonymen Briefe wissen. Rom. Italien ist außer Frankreich das einzige Land, in welchem ein Jude den Rang eines Generals in der Armee einnimmt, denn die jüdischen Paschas in der Türkei, welche den Generalstitel führen, stehen durchwegs im Civildienst. General Giuseppe O t t 0 l e n g h i wurde jüngst zum General- Lieutenant befördert und mit dem Commando der Division von Turin betraut. Romanin I u c u r, Unterstaatssecretär und Mitglied der Deputirtenkammer, wurde vom König durch Verleihung des höchsten Ordens Italiens ausgezeichnet, indem derselbe zum Großofficier der Krone Italiens ernannt wurde. Die gleiche Auszeichnung wurde dem Signor Leonetto Ottolengh-i in Turin in Anerkennung seiner philantropischen Werke verliehen. Rom, 16. Februar. Dr. Vittorio B 0 l e t t i, medicinischer Delegirter und Director im Sanitätsrath zu Port Said, ist vom König Humbert zum Cavalier der Corovua d’Italia ernannt worden. Vrflrrrrtrtzlschr WortzrnfrtzrM & AN f fi i*