Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 9 (1.3.1895)
- Date
- 1895-03-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 9 Oestrrrrdtzischr Wochrnschrifl Seite 163 Brody. Es drängt wich, hier eines zwar im Stillen, jedoch sehr erfolgreich wirkenden Wohlthäters zu erwähnen und ihm den Tribut warmer Anerkennung zu zollen. Es ist dies Herr Alter Schapire, der durch mehr als ein Decennium dem Vereine zur Versorgung armer israelitischer Waisen vorsteht. Als Herr Schapire im Anfang der Achtziger-Jahre in die Bereinsverwaltung trat, lagen die Verhältnisse in dem einst blühenden Brody noch nicht so im Argen wie jetzt, wo das Elend und die Erwerbslosigkeit mit jedem Tage überhand nimmt. Damals über kleine Mittel verfügend, weist das Waisenhaus jetzt Dank der Fürsorge und Opferwilligkeit des Herrn Schapire einen Bermögensstand von über 50.000 fl. aus und erhält bei 60 Waisenkinder. — Und wie ein leiblicher Vater bringt dieser Ehrenmann die Zeit, die er seinen Berufsgeschäften abringt, in der Anstalt zu, wo er in liebevoller Weise zu den Kindern spricht und an ihnen Vaterstelle vertritt, wobei ihn seine gleich wohlthätige Gattin unterstützt. Desbalb ist auch die Verehrung für diesen Mann hier allgemein. Die Krone setzte jedoch Herr Schapire seinen Werken auf, als er das alte, baufällige, den hygienischen Anforderungen nicht mehr entsprechende Haus durch Renovirung und Ankauf eines angrenzenden im modernen Style vergrößerte und so die Aufnähme von bis jetzt außerhalb der Waisenanstalt erhaltenen Waisen ermöglichte, wobei er streng darauf Bedacht nahm, die Bereinsfonds nicht anzutasten. Vielmehr hatte Herr Alter Schapire, der seit Jahren diesen Plan propagirte, ununterbrochen zu Gunsten der gedachten Anstalt gesammelt, ja er scheute nicht wiederholte Reisen nach Wien. Nun steht das Haus fertig, ein Werk der Nächstenliebe, bestimmt, dem crassen Elend unserer verarmten Bevölkerung nach Möglichkeit zu steuern, und es würde unsere Freude an dem Gelingen dieses Werkes eine volle sein, wenn nicht der mit möglichster Genauigkeit berechnete Kostenaufwand ein Deficit ausweisen würde, welches angesichts des sehr humanen Zweckes hoffentlich bald durch milde Gaben gedeckt werden wird. Herr Schapire hat sich durch sein Interesse an dem Schicksal armer, verlaffener Waisen ein hervorragendes Verdienst und aufrichtigste Hochschätzung erworben. X. Y. Z. Kolin. Es fängt zu krachen an unter den hiesigen Antisemiten, den Führern wird es mit der Gründung ihrer Trotzindustrie, welche sie in's Leben gerufen, um, wie sie sich schön ausdrückten, dem Juden den Lebensnerv zu unterbinden, und bei welcher sie sich bedeutend verrannten, geradezu unheimlich. Aber auch ihre Handlanger müssen daran glauben. Da ist beispielsweise ein kleiner Kaufmann in der Vorstadt, der hatte ein Geschäft, welches reichlich seinen Mann ernährte. Mit einemmale kam Mechaniker Schneider nach Kolin, und mit vielen Anderen wurde auch unser Kaufmann zum Empfange commandirt. Daß er die Schneider'sche Theorie ganz besonders aufzunehmen wußte und es verstanden hat, dieselbe unter seinen Kunden zu verbreiten, das trug anfangs viel zum Aufblühen seines Geschäftes bei. Die Kundschaften vermehrten sich zusehends, nicht etwa, um gute und billige Waare zu kaufen, sondern um den kleinen Interpret des großen Schneider zu hören, der ihnen die lügenhaften Anwürfe gegen die Juden so unverfälscht wiederzugeben wußte. Wie aber Lug und Trug unmöglich von Dauer sein kann, so blieben auch in dem Moment, wo das Lügengewebe einen Riß bekam und das Ammenmärchen an Zugkraft eingebüßt hatte, unserem Kaufmann nach und nach die Käufer aus und das Facit? — sein ehemals gutes Geschäft kam dieser Tage unter den Hammer. Nun ist dies ein Fall, welcher gar nicht werth wäre, erwähnt zu werden, wenn nicht die Nebenumstände es geradezu verlangen würden, die Affaire zu registriren. Also gerichtliche Feilbietung beim Kaufmann K. — kauflustiges Publikum — doch wider Erwarten des falliten Kaufmannes unter demselben kein einziger Jude! Er sah sie schon kommen, die Juden, von denen ihm sein Herr und Meister erzählte, daß sie sich nur füttern laffen und ä tont prix nur Geld verdienen wollen, ganz gleich, wo sie es finden; im Geiste sah er sie schon in seinem Laden, höhnisch sich die Hände reibend, um beim bankerotten Antisemiten ihr Geschäftchen zu machen. Es kam nicht ein Einziger, dafür aber — nnd das ist das Charakteristische bei der Sache — es fanden sich einige seiner Gesinnungsgenossen ein, welche die Waaren zum Spottpreise kauften. So konnte man dieser Tage in einer Kolin er Zeitung (Paladslrö listi) lesen, daß der Kaufmann N, einer vom Antisemitenstab, bei dieser Feilbietung Waaren im Werthe von 18 bis 20 fl. für 2 fl. kaufte. Dem Freunde, welcher sich bei jeder Gelegenheit und mit Hintansetzung feines Jntereffes exponirte, beizuspringen, das ist nicht Antisemitenbrauch, denn, würden sie es thun, so könnte doch der Fall eintreten, daß die Gläubiger theilweise befriedigt wären, was entschieden gegen ihre Interessen ist. Und dann, wo bliebe ihr Profit? Ja, bn8ioes8, — das Bauer ist etwas anderes! Heb. P. VermMües. Wien. Der Einzelverein Wien des „Zion", Verbandes österreichischer Vereine für Colonisation Palästinasund Syriens, veranstaltet am 12. März d. I. im Ballsaale Ronocher seinen zweiten Ball, dessen Reinerträgniß zu Gunsten armer Colonisten zufließt. Da der Ball sehr animirt zu werden verspricht, so ist die Nachfrage nach Karten eine sehr rege. Karten sind zu haben bei: S. B a u e r VH., Wickenburgg. 18; Carl Bringerl.. Kärntnerstraße 13; R. Brainin IX., Seegasse 23; S. B l o ch IX., Grüne Thorgasse 7; B. D'E nriquez 1., Reichsrathsstraße 29; L. Fried mann I., Rothenthurmstraße 6; I. B. Glickmann IX.. Clusiusgasse 1; Dr. O. Kotes ch I., Dorotheergasse 7; N. Kostomolotzky IX., Schlagergaffe 3; Alexander Kohnl., Kärntnerstraße 29: S. Krämer IX., Türkenstraße 31; Leopold Paul Löbl 11., Afrikanergasse 9; Dr. S. Landau IX., Seegaffe 12; Max P ö ck I., Fleischmarkt 6; N. P in e les ll., Malzgasse 10; Dr. Rei ch ll., Casteletzgaffe 16; Dr. I. Ro th I.,Parkring 13; 1. L. Reich ll.. Kaiser Josefstraße 25; I. Sei du er IX., Schlagergasse 5; Dr. S a l z ll.. Taborstraße 45; Ja. Schuster 11., Pazmaniten gaffe 4; Dr. M. T. Schuir er XIX., Ober- Döbling, Hauptstraße 30. Wien. Der Unterstützungsverein „Osten" veranstaltet am 2. März 1895 im Hotel Central, ll.. Taborstraße 8, ein Elitekränzchen. Mit Rücksicht auf die humanen Tendenzen des Vereines, der zu den würdigsten nnd wichtigsten in der israelitischen Cultusgemeinde zählt, ist ein zahlreicher Besuch und thatkräftige Förderung dem Vereine zu wünschen. Wien. (Anton S ch e y j u n.) Freitag am 22. d. M. verschied in der Leopoldstadt, Praterstraße Nr. 26, der bekannte Wechselstubenbesiher Anton Sckey jnn. im 52. Lebensjahre. Der Verblichene bekleidete zahlreiche Ehrenstellen, darunter die eines Bethausvorstehers der israelitischen Cultusgemeinde. eines Gremialrathes der Wiener Kaufmannschaft, eines Vorstandsmitgliedes des Wiener Wechslervereines und eines beeideten Schätzungs-Commissärs beim Landesgerichte. Herr Anton S ch e y jun. gehörte auch zahlreichen humanitären Vereinen an. Sonntag Vormittags fand unter großer Theilnahme das Leichenbegängnis statt. Unter den vielen Trauergästen, die dem Leichenzuge vom Trauerhause, Praterstraße Nr. 26 folgten, bemerkte man die Vorstandsmitglieder des Wiener Wechslervereines, viele Börsenrähe und Directoren der Wiener Creditinstitute. nahezu den gesammten Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde mit den Herren Simon. Heit, Hieldbnrghäufser. Director Blasel, Kammervirtuosen Alfred G r ü n s e l d. Baurath S t i a ß n y, Universitätsdocent Dr. G r ü n f e l d u. A. Oberrabbiner Dr. Güdemann und Landesschulrath Dr. G. K o h n widmeten dem Verstorbenen warme Worte des Nachrufes. Wien. (Ball des Frauen-Wohlthätigkeits- Vereines für Wieden und Margarethen.) Auch Heuer gestaltete sich dieses Ballfest zu einem der animirtesten der Saison. Die Räume des Etabliffements R o n a ch e r waren gedrängt voll, so daß am Anfänge das Tanzen fast eine Unmöglichkeit war. Den Ball eröffneten : 8tnä.meä. Wilhelm Hahn mit Fräulein Clara Spitzer, stnä. jnr. Arthur N e u st a d t e l mit Fräulein Hedwig K o h n. Dr. Bloch mit Fräulein D u b, Dr. Feldmann mit Fräulein Stein. Doctor Kronberger mit Fräulein D e u t s ch und die anderen Herren und Damen des jungen Damen- und Herrencomite's. Als Cotillonfigur arrangirte Professor Raben stein er ein Riesen-,,^." und „M." Der Cotillon wurde von mehr als 150 Paaren getanzt. Zwei Widmungen, ein der Präsidentin gewidmeter Walzer