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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-02-22 · 8 (22.2.1895) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
8 (22.2.1895)
Date
1895-02-22
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 8 Wrstrrrevtztptze Mortzensrtzrtst Seite 147 astrologischer Schwärmerei versunkenen Mann als ein Wink des Schicksals. Als der jüdische Edelmann seine Erzählung beendet, sprach Wallenstein in so herzlicher Weise, daß es die anwesenden Generale überraschte. „Herr von Treuenberg, ich bin Euch nun zum zweiten Mal zu Dank verpflichtet. Eure interessante Erzählung rettet einem Eurer Glaubensgenossen das Leben, das Wie? sollt Ihr später erfahren, denn jetzt ist" — der Herzog sah wieder auf die Uhr — „keine Zeit mehr zu verlieren." Er läutete heftig mit der Glocke, die vor ihm auf dem Tische stand, und der Adjutant stürzte sofort ins Zimmer. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Geschichte der Juden und ihrer Literatur. Für Schule und Haus bearbeitet von Dr. M. B r a n n. Theil II. Vom Abschluß des Talmuds bis zur Gegenwart. Breslau Wilh. Jacobsohn u. Co. 1895. 8°. Große Künstler ziehen es heutzutage vor, ihre Werke nicht in Collectivausstellungen dem Publicum vorzuführen. In dem bunten Durcheinander moderner Kunstausstellungen kann nämlich das Individuum nicht genügend zur Geltung kommen, das eine Bild schlägt das andere todt. Und Jeder, der sich über den sinnbetäubenden Eindruck einer modernen Kunstausstellung Rechenschaft geben will, muß es eingestehen, daß eine solche particularistische Ausstellung viel berechtigter ist, als jene, welche heute gang und gäbe ist. Um aber eine Ausstellung seiner Werke veranstalten zu können, muß man ein bedeutender Künstler sein, denn nur dann wird uns jene Mannigfaltigkeit geboten, die wir von einer Kunstausstellung erwarten und die unseren Kunstsinn zu befriedigen im Stande ist. Als eine solche Kunstausstellung möchte ich das Brann'sche Buch bezeichnen, dessen einzelne Capitel in ihrer schlichten, trefflichen Weise den äußeren, geschichtlichen und den inneren literarischen Gang der jüdischen Geschichte vorführen. Mit wenigen Zügen werden da von einem echten Künstler die Bilder einzelner Personen sowohl als auch verschiedener Epochen entworfen, wir sehen in diesem Buche, daß „Moses als unerreichter Bolkslehrer und die jüdische Geschichte als unvergleichliche Musterschule" dasteht. Der große Wulst, der die Geschichtswerke Israels die für Haus und Schule berechnet sind, ungenießbar macht, die Behandlung von Fragen, die nur den Theologen angehen, das Schlichten wissenschaftlicher Streitigkeiten sind in Brann's Geschichte weise vermieden. Er will uns jenen unzerstörbaren und unverwüstlichen Charakterzug des jüdischen Volkes darthun, der sich in seinem großen Hange nach Wissen und Lernen offenbart, und dem wir es zu verdanken haben, daß wir dreimal die Wiedergeburt unseres Glaubens und Wissens erlebt haben. Das Buch ist aber nicht blos ein „abstractes Begriffsposm", es begnügt sich nicht damit, uns das Leben und Wirken unserer Helden zu schildern, es vertieft sich in ihre Werke und bringt aus dieser unergründlichen Tüfe vortreffliche Beispiele und eine köstliche Auswahl der besten Werke ans Tageslicht. Mehr als jede Definition des Zioniden wird den Laien ein Exemplar desselben fesseln, und der Sinn für den jüdischen Gottesdienst wird nur geweckt, nenn man liest, „die vorgeschriebenen Gebete blieben gleichsam nur die Ufer eines breiten Stromes, der als ein Bild von Israels Leben und Leiden, von seinem Denken und Empfinden durch die Jahrhunderte seiner Geschichte dahinfluthet". Jene Borliebe die der Verfasser bei der Besprechung der Vergangenheit bekundet, möchten wir auch in der ausführlicheren Behandlung der Gegenwart gerne fihen. Denn die Geschichte der jüngsten Tage hat auch ihre begeisternden und erhebenden Momente, die des Griffels der Clio würdig sind. Und von dem in vollendeter Farbenpracht prangenden Hintergründe heben sich dann die in Umrissen gezeichneten Bilder der Gegenwart desto dürftiger ab. Diese Bilder möchten wir gerne von einem Meister sehen, und seit Grätz's Tode scheint hiezu Niemand geeigneter zu sein als Brann. M i ß l i tz. Dr. G o l d s ch m i e d. Homiletische Betrachtungen. Von Dr. M. H. Friedländer, Rabbiner in Pisek. (Im Selbstverläge des Verfassers.) Vor uns liegt das Werkchen eines Gelehrten und Seelsorgers, der still und bescheiden seit 30 Jahren seines Amtes waltet, die jüdische Wissenschaft und Geschichte auf verschiedenen Gebieten bereicherte, niemals aber während eines ganzen Menschenalters ersprießlichster Wirksamkeit jubilirt und nie — allerdings zu seinem eigenen Schaden — den nicht ungewöhnlichen Weg der Reclame betreten hat. Es ist dies ein Rabbiner von altem Schrott und Korn, der als Vorbild ebenso wohlthuend auf seine Gemeinde wirkt, wie er durch Wort und Schrift weitere Kreise für die edlen Schätze, welche das Judenthum birgt, zu erwärmen suchte. Was in seinen Schriften so wohlthuend uns anmuthet, ist vor Allem die Selbstlosigkeit, die aus ihnen spricht. Heute hat er uns mit einigen der liebenswürdigen Homilien beschenkt, welche von tiefer Empfindung und feinem Verständnis für den zu bearbeitenden Boden zeugen. So finden wir gleich am Anfänge in dem biblischen Bilde von Esau und Jacob die entgegengesetzten Weltanschauungen des Materialismus und Idealismus treffend charakterisirt. Esau ist der genußsüchtigste Materialist, ohne höheres geistiges Streben, der bisweilen, soweit es sein weltlicher Bortheil erheischt, die Maske des Frommen und Biedermannes annimmt, dessen crasser Egoismus aber sofort zu Tage tritt, wenn es fidj um zeitlichen Genuß handelt. Ihm gegenüber steht Jacob, der bescheidene, edeldenkende und fühlende Idealist, der die Kniffe und Schliche dieser Welt nicht kennt. Das Passahfest gibt dem Verfasser Gelegenheit zu einer sinnreichen Parallele zwischen der Entwicklung in der Natur und im Leben eines Volkes. Dasaus geistigem und materiellem Drucke befreite Israel gleicht einer zarten Pflanze, die im ersten Frühling aufkeimt und noch mannigfach des Schutzes und der Pflege bedarf, um nicht zu verkümmern und nicht zu verwildern. Moses, der Führer Israels, ist gleichsam der Gärtner, der diese zarte Pflanze erzieht und veredelt. Und Israel genießt auch seine Freiheit mit Maß und Würde; sie artete nicht in Zügellosigkeit und Verwilderung aus. — Die Freiheit hat aus Israel erhebend und nicht zerstörend gewirkt. Herzerquickend ist die Schilderung vom jüdischen Familiensinn und jüdischer Pietät gegen Eltern. Die Liebe Mosis zu seinem Volke und sein Wunsch, Israel stets glücklich zu sehen, manifestiren sich in dessen Gebet: „Der Ewige, Gott aller Geister, alles Fleisches! möge einen Mann an die Spitze der Gemeinde setzen, der von ihnen heraus- und einziehe, der sie aus- und einführe, damit die Gemeinde Gottes nicht gleiche einer Heerde, die ohne einen Hirten herumirrt." Der Verfasser führt, anknüpfend an diesen Bibeltext, das Bild Mosis aus und zeigt uns dessen Gestalt in ihrer ganzen Größe, in ihrer wahren Reinheit und Lauterkeit. Fern von jedem egoistischen Motiv ist Moses nur auf das Wohl seines Volkes bedacht und erstreckt sich diese Fürsorge bis über das Grab hinaus. Wie trefflich zeichnete uns der Verfaffer die Erfordernisse eines Führers in Israel. Wir heben nur die beiden Hauptmomente hervor: Charakterfestigkeit und Bescheidenheit. Ja, das ist es, was uns noththut. L. W. Studien zum Buche Tobit. Bon Dr. M. Rosenmann. Berlin, Mayer und Müller. 1894. Vorliegende Arbeit behandelt, in gründlicher Weise mehrere das Buch Tobit betreffende Fragen. Indem Verfaffer die Unterhaltbarkeit der namentlich von Kohut, Grätz und A. über diese deuterocanonische Schrift aufgestellten Hypothesen darlegt, gelangt er durch Berücksichtigung einiger charakteristischer Momente des Buches zu dem Resultate, daß die Abfassung desselben in das zweite vorchristliche Jahrhundert zu verlegen ist, was auch mit der besonders von Nöldeke vertretenen Ansicht übereinstimmt. Dankenswerth ist namentlich der Nachweis unseres Verfassers, daß im Tobitbuche nur von der biblischen Pflichtehe der Tochter (der „Agnatenehe", Numeri 36, 6 ff.) die Rede sein könne und daß unter der im

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