Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 8 (22.2.1895)
- Date
- 1895-02-22
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 148 Vestrrrevtztptzr Mochrnschrtft Nr. 8 Buche erwähnten Syngraphe nicht die Kethuba (wie Grätz j will), sondern nur eine Verlobungsurtunde zu verstehen sei. Zn der Stelle IV. 21, wo Noah als Prophet bezeichnet wird, möchten wir nicht mit dem Verfasser einen Hinweis auf einen vortalmudischen Hintergrund erblicken, denn auch im talmudischen Zeitalter erscheint Noah als Prophet seiner Zeit; so wird in Synhedrin 108b der Vers im Buche Hiob (12,5) aus Noah bezogen, der „den sündigen Mitmenschen ihren Wandel verwies und ihnen Worte sagte, hart wie Fackeln"; im Midrasch zu Koheleth (9, 14) ruft Noah aus: „Wehe Euch, Ihr eitlen Thoren, morgen kommt die Sintfluth, thuet Buße!" — Der Ursprung dieser Tradition ist freilich uralt und dürfte vielleicht in der Stelle bei Ezechiel (14,14 ff.) zu suchen sein, wo neben Daniel und Hiob Noah genannt wird, deffen Identität mit Nuch, einem der 3 großen Propheten des Koran, doch außer Zweifel steht. Einen Beitrag zur Klärung einer modernen, religiös-wissenschaftlichen Streitfrage (vgl. darüber die Controverse Güdemann — Hilgenfeld) bietet uns Verfasser auf Seite 14, wo er zeigt, daß die aramäische Paraphrase des biblischen Nächstenliebegebotes .,was dir verhaßt ist, das füge auch keinem Andern zu" schon zu Beginn des zweiten vorchristlichen Jahrhundert dem jüdischen Volksmunde ganz geläufig war. — Die fleißige, aufschlußreiche Arbeit euthält noch manche interessante Details; es wäre daher sehr erwünscht, daß Verfasser recht bald den II. Theil seiner Schrift veröffentlichte und sich über Vaterland, Ursprache und noch andere vielumstrittene Fragen des Buches Tobit äußerte. Dr. Ludwig Lazarus. Wien, 11. Februar 1895. Jllustrirte Volksausgabe der fünf Bücher Moses in dem masoretrschen Text, neue deutsche Uebersetzung und mit erläuternden Bemerkungen ethnographischen, geschichtlichen, archäologischen und wissenschaftlichen Inhalts von Prof. Dr. Julius F ü r st. Das uns vorliegende erste Heft macht einen vortheilhaften Eindruck. Der Text ist mit Sorgfalt durchgesehen, die Uebersetzung correct und fließend. Die Erläuterungen sind mit Liebe und Sachkenntniß abgefaßt. Was die Illustrationen betrifft, werden viele unserer Glaubensgenossen allerdings der Ansicht sein, daß die Bibel überhaupt nicht zu illustriren sei. Denjenigen aber, welche sich mit dem Gedanken einer illustrirten Bibel befreundet haben, werden die Zeichnungen dieser illustrirten Bibel viel Vergnügen bereiten. Die Anschaffung der Prachtbibel erleichtert der heftweise Bezug Das Werk kann unsererseits nur empfohlen werden. Briefkasten. L. O., Starmiesto: Das Siaatsgrundgesetz bezieht sich auch auf Confessionslose. Die Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judmthums erscheint in Breslau. Buchhandlung Schottländer. Der Nekrolog auf den verstorbenen Dr. Rosin erschien in Nr. 2 der „Österreichischen Wochenschrift". Med. Dr. Grünwald, Wien t Als Vertreter der angeklagten Eheleute Rirter vor dem Schwurgerichte zu Rzeszow in Krakau intervenirte Dr. Rosenblatt aus Krakau und vor dem obersten Gerichtshöfe der Hof- und Gerichts-Advocat Dr. Adolf Stein in Wien. L. K. Prag: Nach uns zugekommenen vertrauungswürdigen Informationen waren die Chefs der Möbelfirma Fitzek und Mayer an dem tactlosen Inserat völlig unschuldig. Die Herren Josef itz ek und Victor Mayer haben zu einem Verdachte antisemitischer Gesinnung nie Anlaß gegeben. Prag. D. C. Ihr Aufsatz über Schneider ist jedenfalls gutgemeint, enthält aber doch Bekanntes in wenig origineller Form. Dankend abgelebnt. Wien VH. Ph. K. Daß es eine Schönerergasse in Wien gibt und daß dieselbe von der Aenderung der Straßennamen nicht berührt wurde, ist un ' nicht neu und haben wir vergangenen Sommer bereits dies Thema besprochen. Vermutlich wurde die Bezeichnung nicht geändert, weil sie sich ebensogut auf Mathias Schönerer, den Vater, beziehen kann. Der war ein anständiger Mensch und durchaus kein Antisemit, im Gegentheil ein mit Juden ganz gern verkehrender, großer Bauunternehmer. Namentlich hatte er die Semiten lieb, wenn er an ihnen recht viel Geld verdiente. Schließlich ging's in die Millionen. Der Sohn ist nun in der Lage, die Geschäftsfreunde des Papas mit demselben Gelde zu bekämpfen, das der ihnen ab genommen. Wie», I. Annagasse IS. Sie irren sich. Die „Oesterreichische Wochenschrift" erschlafft durchaus nicht im Kampfe mit der sauberen Sippe. Sie tritt ihr mit unvermindeter Energie entgegen, wie früher. Die Satyre ist, gewandt gehabt, eine zweischneidige Waffe und der Fluch der Lächerlichkeit der Fürchterlichsten einer. Brünn. Sie sammeln antisemitische Raritäten: Wir können Ihnen gleich mir welchen dienen: „Dann schmeichelt Euch derjenige, den ihr für den führenden Diener hält. (!) . . ." (Und. D. W. Nr. 4, S. 1.) Und hier haben Sie eine „frisch geschriebene" Stylprobe aus dem Feuilleton der „Reichspvst" Nr. 39: „Schnell sprang ich in einen Tramway-Waggon, der zwar etwas überfüllt war, uild ich hänge auf derselben als überzähliger Passagier wie eine vcrirne Fledermaus an einem Thurmgemäuer; aber das macht mir nichts, denn sie bewegte sich mit der flugartigen Schnelligkeit eines beladenen Ziegelwagens doch fort und entsührte mich vor dem Hause meines grauen Zornes." Jvnas Frankel, Kracau. Den Aufsatz erhalten Sie bei dem Verfasser. „Vatcrpflichten." Erkundigungen Sie sich bei Böckel, dem Freunde Vergaoi's. R. G. in H. Georg Ebers ist noch mit einem anderen bekannten Juden nahe verwandt — mit Mcyerbeer. Dessen Mutter sowie die Großmutter, von Georg Ebers waren Schwestern — geborene Lippmaim Wulf. Paris. A. I. nie de Trdvise. Schönerer's Leibjournalist wagt einen Vorstoß gegen Baron Hirsch. Er ergeht sich in den wüstesten, unfläthigsten Beschinipfnilgen und macht den grotesken Versuch, seine Wohlthuten im großartigsten Style, wie sie überhaupt noch Nicht dagewesen — als gewinnsüchtige Spekulationen hinzustellen. Er rechnet nach, was Baron Hirsch bei diesen Geschäften verdient hat. Diese Antisemiten sind so verderbt, daß sie gar nicht einmal begreifen können, daß Jemand uneigennützig, großmüthig und edelgesinnt sein könne. Lemberg. Dr. C. N., Asseeuranzbeamter. Sie weisen mit Recht auf das schwache Gedächtnis der Antisemiten hin. Sie vergessen so rasch. Es ist noch nicht lange her, da haben sie den Ministerialrath Kaan in den Wahnsinn getrieben, einen Pflichttreuen Beamten in seiner Ehre angegriffen. Auch den Director James Klang versuchten sie zu verunglimpfen. Und am 15. d. M. leitartikelt Vergani über dieselben und nennt sie „he rvorr agend e F ach the or e t ik e r und Praktiker der Personenversicherung." Naab. Rich. O. Solche jammervolle Waschlappenpoesie können wir nicht abdrucken. Wir bringen nur ausnahmsweise Gedichte. Geben Sie schleunigst das Dichten auf, sonst geschieht noch ein Unglück. Trauen Sie dem Pegasus nicht. Er wirft zwar nichts ab . . . Nichts für ungut übrigens. Eisenstadt. Ein treuer Leser. Sie sehen, daß wir uns mit dieser Frage eingehend beschäftigt haben. Moskau. Neuer Abonnent. Herzlichen Dank für die freundlichen Worte der Anerkennung, welche Sie unseren Bestrebungen zollen. Wir sind Ihnen für die Propaganda, die Sie aus eigenster Initiative für unser Blatt entfalten, zu danken verpflichtet. Es freut uns, daß die „Oesterr. Wochenschrift" in Rußland Anklang findet. Triest. Otto L. „Wenn ein Volk ein anderes Volk haßt, erkennt es damit dessen Ueberlegenheit an. Genau so verhält es sich mit den einzelnen Individuen eines Volkes. Deshalb ist es durchaus nicht auffallend, daß alle bedeutenden Geister, alle edlen Naturen unter den Deutschen keine Judenfeinde sind. Für sie existirt eben die Ueberlegenheit der jüdischen Raffe nicht, welche beit Antisemiten so gefährlich erscheint. Der Antisemitismus geht überall Hand in Hand mit Beschränktheit, geistiger Inferiorität und sittlicher Verkommenheit." Das sagt Sacher-Masoch. Sal. Kohn — Wessely. Die Ziehung wurde verschoben. Wien. Adolf W—e. Die citirte Stelle: „Fort, dein Zagen zögert den Tod heran" finden Sie in Goethe's „Faust" I. Theil, Kerkerscene, Cotta'sche Ausg. 1875, B. HI, S. 339. Vertretungen der „Oesterr. Wochenschrift“ in Russland. Generalagent: J. Gh. Tawjew, Riga, Parkstrasse Nr. 6. Weitere Vertretungen haben übernommen: In Lodz u. Umgebung: Buchhandlung H. Perla, Zachodnia-Str. Np. 54/275. In Moskau: Herr D. 8. Behrmann, Sofiskaja-Quai Haus Sytschew, Qu Nr. 5. In Odessa: Herr E. Dawidowitsch, Richelieu-Str. Nr. 53. In Wilna: Herr L. Eppel, Trocker-Str. In Libau: Herr Heinrich Behrmann. In Warschau: Herr Ch. Eppelberg. In Bjalystok u. Grodno: Herr Isaak Lew. In Mitau: Herr. D. Kaplan, i In Rostow a. Don.: Herr M. L. Gordon. Herausgeber u. v'vanvo. Rcdacteu": Reichsrathsabgeordnetlr Tr. Josef S. Bloch. — Druck n. L. Beck * Sohn, Wien, VIII., Lerchenfelderstr. 48.