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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-02-22 · 8 (22.2.1895) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
8 (22.2.1895)
Date
1895-02-22
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 146 *lt. 8 war er mehr als 30 Jahre Consul von Schweden-Norwegen. Den Conduct eröffiieten die Kinder der Schwarzmann'schen israelitisch-rumänischen Schule mit ihrer Fahne» dann solgien der Cantor mit dem Chor, zu beiden Seiten die Kranzträger in langer Reihe. Hierauf kam der Leichenwagen, die Leidtragenden, die Consule der verschiedenen Staaten, die ganze Kaufmannschaft B r a i l as, ohne Unterschied des Glaubens und der Nationalität, und trotz des furchtbaren Schneegestöbers, eine unabsehbare Menschenmenge! Bei der schwarzdrapirten israelitisch-rumänischen Schule, wie auch beim Tempel wurde Halt gemacht, dann ging der Zug durch die große, lange Hauptstraße, wo die Kaufmannsläden und Handlungen gesperrt wurden, durch den Obor (Getreidemarkt) dem jüdischen Fried- Hofe zu.AlleConsulate hatten ihre Flaggen .halbmast" gehißt und auch am Obor verkündete die rumänische Flagge die Trauer. Der Verstorbene war ein musterhafter Familienvater, ein Wohlthäter seiner Mitbürger, ein guter Patriot, ein ehren- Hafter Kaufmann, ein aufrichtiger Glaubensgenosse! Seine Söhne werden gewiß die Gesinnungen ihres Vaters sich zum Beispiel nehmen. Assistent. Paris, 6 Februar. Die Herren Gebrüder v. Rothschild haben abermals eine Spende von 20.000 Frcs. unter die bedürftigen Familien von Paris vertheilen lassen. Wwschau, 2. Februar. Se. Excellenz der Herr Generalgouverneur Graf Schuwalow hat eine Deputation der hiesigen jüdischen Gemeinde mit sehr bemerkenswerter Freundlichkeit empfangen und versicherte dieselbe, von der Loyalität der Judenheit Polens überzeugt zu sein, welche denn auch jederzeit seiner wohlwollenden Förderung sicher sein dürfe. Feuilleton. Der Vorbrtrr von Cham. Erzählung aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges von S. Kohn, Berfaffer von „Gabriel". (Fortsetzung.) „Nun hatten wir, Tije Chalfan, ich und jene unserer Dieser, welche unserem Glauben angchören, wohl auch täglich drei Mal die vorgeschriebenen Gebete verrichtet, aber wir hatten seit dem Berföhnungstage das Gebet nicht gemeinschaftlich mit der nöthigen Zehnzahl von Männern vorgenommen. Da ich meistens einige meiner jüdischen Diener aussandte, um zu sehen, ob der Weg vom Feinde srei war und uns passende Unterkunft über die Nacht zu ermitteln. Tije Chalfan schlug vor, in einem dem Ufer nahe gelegenen unbewohnten Häuschen das Gebet gemeinschaftlich mit voller Weihe zu verrichten. Unsere christlichen Begleiter würden mittlerweile in der Näh? Ihres Lagers, Durchlaucht, unter den Kanonen Eurer Bastionen genügen, den Silbechchatz zu beschützen, um so mehr, als wir Anderen uns in der Nahe befanden und deshalb für den unwahrscheinlichen Fall eines Angriffs sofort zur Hand waren. Ich ging mit Vergnügen auf Chalfans Vorschlag ein. Mein Vater hatte uns — ich habe das schon erwähnt, — Alles, was wir für unsere religiösen Bedürfnisse benöthigten, mitgegeben. aber bei einer genauen Prüfung fand Tije Chalfan doch, daß uns für den heutigen Tag eine Kleinigkeit fehle; diese aber war leicht und sofort an Ort und Stelle herbeizuschaffen, es handelte sich nämlich nur um einige Weidenruthen!" „Weidenruthen?!" fuhr der Herzog überrascht auf. „Jawohl, Weidenruthen, Durchlaucht. Es sind jetzt die acht Tage des Laubhüttenfestes, und da soll eine Benediction über einen Feststrauß und e«ne Frucht Citrus, Paradies- oder Adamsapfel nennt man sie auch, gesprochen werden. Jener, der Feststrauß nämlich, besteht aus drei Pflanzenarten, einem Palmzweig, Myrthen- und Weidenzweigen. Wir haben alles das vom Hause mitbekommen, Palm- und Myrthenzweige bleiben lange frisch und grün, nicht aber die Weidenzweige, diese müssen oft durch neue ersetzt werden. Die Weidenruthen in unserem Feststrauße waren verdorrt, es mußten frische abgeschnitten werden. Dabei liebt man es, die schönsten auszufuchen. Mein guter Vater besitzt auf der Prager Altstadt in der Nähe des Moldauufers ein großes Haus mit einem Garten, und in feinem warmen Eifer, seinem Gott und Herrn mit ganzer Seele und vollem Herzen zu dienen, geht der alte, vielbeschäftigte Mann an den Wochentagen des Laubhüttenestes täglich selbst in seinen Garten, sich die schönsten Weidenzweige auszusuchen und abzuschneiden und ich muß ihn hierbei begleiten. Als ich nun am Ufersrand und an den Bergesabhang, von dem ein Bächlein fließ:, Weidengebüsche sah, überkam mich die Lust, mir selbst die schönsten auszusuchen und abzuschneiden. Ich hätte blos die Hand auszuttrecken brauchen, am Ufersrand tand eine Reihe solcher Weiden; aber diese waren zu schlecht, wurmzerfressen." „Diese waren zu schlecht?" wiederholte Wallenstein betroffen, denn Ascher von Treuenberg sprach genau die Worte, welche der unglückliche Jude, der gestern Abend genau an derselben Stelle vor ihm gestanden, gesprochen, und den er, wie er jetzt erkennen mußte, unschuldig zu einein entsetzlichen Tode verurtheilt hatte; unwillkürlich zog er die Uhr aus der Tasche und sprach leise: „Zum Glück ist es noch Zeit." „Durchlaucht", meinte Pappenheim, „ich glaube, wir haben gestern den armen Teufel . . . ." Wallenstein liebte es nicht, daß ihn Jemand auf einen Fehler aufmerksam mache oder ihn veranlassen wolle, ein Urtheil als ungerecht zu widerrufen; er rief unwirsch: „Unterbrecht Herrn von Treuenberg nicht!" und zu diesem gewendet: „Kommt zu Ende wenn's beliebt." „Ich habe nicht mehr viel zu erzählen. Ich ging in das Gebüsch am Abhange und wurde da von einer Schildwache, die an der Spitze desselben aus und ab ging, bemerkt; -der Mann, der Uniform nach vom Regiment Tlefenbach, u.ochte glauben, ich nahe in böser Absicht und gab, ohne mich auch nur anzurusen, Feuer auf mich, sowohl in der Absicht, mich niederzuschießen, als auch das Lager zu alarmiren. Ich hatte Glück, denn die Kugel streifte nur den kleinen Finger der linken Hand. Mein umsichtiger, alter Tije Chalfan, welcher befürchtete, es könnten der ersten Kugel mehrere andere folgen, ließ nun rasch eine weiße Fahne, die wir vorsichtshalber mit uns führen, entfalten und schwenken, und rief hinauf, wir seien gute Freunde, Leute des kaiserlichen Münzmeisters in Prag, welche eine Silbersendung brächten. Meine Begleiter hätten sich leicht von ihrem rasch auflodernden Zorne hinreißen lassen, wären unüberlegt, wie junge Burschen sind, empor-, gestürmt und hätten den unschuldigen Soldaten in Stücke gehauen, aber meinem strengen Befehle und Tije Chalfans beruhigenden Worten gelang es, weiteres Unglück und Blutvergießen zu verhüten. Unser alter Factor versteht Alles, er untersuchte meine Wunde, die unbedeutend war und verband sie . ... Wir gelangten dann ohne weiteres Abenteuer hierher." Wir haben es schon erwähnt, Albrecht Wallenstein war ein dem Uebernatürlichen, Mystischen zugewandter Mann. In seiner beispiellosen Ueberhebung. in seinem grenzenlosen, Jerobeamischen Stolze dünkte er sich auch dem Allerhöchsten, dem Weltenlenker, berücksichtigungswerth. Er glaubte, ein sc hoch hervorragender Mensch zu sein, daß Gott selbst ihm die Pfade vorzeichne, die er einzuschlagen habe. Wallenstein's ganzes Wesen war von seinem unbegrenzten Egoismus so durchtränkt, daß Menschenleben gar keinen Werth für ihn hatten. Wir sprechen nicht von seiner Rücksichtslosigkeit und seinem Eigensinn als Feldherr, aber er hatte auch schon viele Hunderte in der ersten Aufwallung, auf bloße Bermuthungen hin, ohne von deren Schuld überzeugt zu sein, zum Tode verurtheilt, und war, wenn er auch später, seines Unrechtes bewußt wurde, zu stolz gewesen, sein Urtheil zu widerrufen. In seinem schon die Grenze des Wahnsinns berührenden Hochmuthe hielt er sich wie jene tyrannischen römischen Kaiser nahezu für einen Halbgott, der unfehlbar erscheinen müsse, und glaubte, daß, wenn er, um seine Würde zu beewahren, auch einen Fehler beginger für diesen — nach seinem eigenen, oft gebrauchten Lieblingsausdrucke — nicht „responsabel" sei. Allein in dem vorliegenden Falle dachte der vollkommen unberechenbare Mann anders. Er fühlte, er stand an dem Wendepunkte seines Lebens; in der nächsten Zeit mußte es sich entscheiden, ob er oder Gustav Adolf Sieger bleibe, und da wollte es ihm doch schier bedünken, daß es in so kritischen Zeitläuften klug und zweckmäßig wäre, sich den allgerechten Gott, der ja auch allmächtig ist, zu gutem Freunde zu erhalten und nicht seinen zahlreichen Justizmorden — diese Bezeichnung war eine zu milde, eine unrichtige — einen neuen hinzuzufügen. Auch ein zweiter Umstand wirkte bestimmend auf ihn ein: er hatte die Schuldlosigkeit des Gefangenen in ungewöhnlich seltsamer Weise erfahren, auch das erschien dem in

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